Anzeige
Meldung des Tages: Golden Cross bestätigt ein Fosterville-ähnliches System — und jetzt wird tiefer gebohrt

Compaq steigt aus Chip - Technologie aus


Thema
abonnieren
Beitrag: 1
Zugriffe: 431 / Heute: 1
Arbeiter:

Compaq steigt aus Chip - Technologie aus

 
26.06.01 02:11

Compaq steigt aus Chip-Technologie aus


Von Sven Clausen, Hamburg und Joachim Zepelin, San Francisco

Der Computer-Hersteller Compaq streicht seine Technologie-Kompetenz zusammen: Der US-Konzern gibt die Chips für seine Hochleistungscomputer an den weltgrößten Chip-Hersteller Intel ab.

"Wir übertragen unsere Technologie an Intel", teilte Vorstandschef Michael Capellas am Montag mit. Finanzielle Details des Geschäfts gab der weltweit drittgrößte Computer-Konzern hinter IBM und Hewlett-Packard nicht bekannt. Mit dem Abschied aus der Chip-Entwicklung schafft sich Capellas Freiraum. "Beide Unternehmen können dadurch das machen, was sie am besten können", sagte Capellas in einer Telefonkonferenz. Das Unternehmen mit einem Quartalsumsatz von zuletzt 9,2 Mrd. $ leidet unter schwindendem Gewinn. Vor allem der Preiskampf mit dem texanischen Computer-Bauer Dell im Markt für Personalcomputer setzt dem Unternehmen zu. Compaq und Dell liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Spitzenposition in dem Segment.

Capellas, seit 1999 Nachfolger des glücklosen Deutschen Eckhard Pfeiffer, treibt deshalb den Ausbau seines Service-Geschäfts voran: Beratung, Installation und Wartung von Computer-Systemen in Unternehmen versprechen höhere Wachstumsraten und Gewinne als der nur noch langsam wachsende Markt für Personalcomputer. In einem internen Brief an seine Mitarbeiter kündigte Capellas am 12. Juni an, für Service-Unternehmen bis zu 500 Mio. $ ausgeben zu wollen. Er werde das Unternehmen in den kommenden 180 Tagen neu ausrichten, schrieb er. Damit dürfte er kurz vor dem Kauf eines Service-Unternehmens stehen. Compaq-Sprecher Steve Sievert wollte das auf Anfrage nicht kommentieren.



Compaq muß sparen


Aufgrund des schwachen PC-Geschäfts muss Capellas gleichzeitig sparen. Weil Intel für ihn zukünftig Chips entwickelt, kann er einen Ausgabenposten streichen. Capellas Vorgänger Pfeiffer hatte Anfang 1998 den US-Konzern Digital Equipment für rund 9,6 Mrd. $ gekauft, um sich unter anderem deren Alpha-Mikroprozessoren für Hochleistungsserver zu sichern. Die werden nun bis 2004 von Intels Produkten ersetzt.


Intel hatte erst in diesem Sommer die Chance für eine solche Allianz eröffnet: Ende Mai war der Konzern mit einem Umsatz von 6,7 Mrd. $ im ersten Quartal mit einem Mikroprozessor für Hochleistungsserver in den Markt gegangen: dem Itanium. Bis dato war der Konzern vor allem mit seinem Pentium-Chip für Personalcomputer präsent.



Rechner werden zu Lockvögeln


Weil Intel den Chip für so genannte 64-bit-Server allen Herstellern anbietet, müssen die ihre Produkte nicht mehr selbst entwickeln - und können sich statt dessen etwa stärker auf den lukrativen Service oder die restlichen Bestandteile des Produktes konzentrieren. "In dem Maße, in dem sich die Gewinnmargen für Computer auf Null zu bewegen, werden die Rechner zu Lockvögeln, mit deren Hilfe die Unternehmen Management- und Beratungsdienste an ihre Geschäftskunden verkaufen", heißt es beim Branchenforscher Zona Research. Eigene Entwicklungen und große Unterschiede zwischen den verschiedenen Server-Familien rechneten sich nicht mehr.


Weil Intel als Spezialist die Chips vergleichsweise günstig produzieren kann, erwartet die Branche nun auch einen verschärften Preiskampf unter Servern. Server sind die zentralen Knotenpunkte für die Computer-In-frastruktur in Unternehmen und eines der am stärksten wachsenden Segmente im Markt. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Gartner legte ihr Absatz in den ersten drei Monaten dieses Jahres weltweit um 17,6 Prozent zu. Zum Vergleich: Für das PC-Geschäft sagt das US-Unternehmen nur ein Wachstum von 10,7 Prozent voraus.



Sun und IBM haben Nase vorn


Compaq führt zwar nach Angaben Gartners den Markt weltweit an. Rund ein Drittel steuern Server und Speicher zum Konzernumsatz bei. Den Markt für besonders leistungsfähige Server jedoch dominieren Sun Microsystems und IBM. Sun setzt bislang noch auf die eigenen UltraSparc-Prozessoren mit dem eigenen Betriebssystem Solaris. Dieser Standard gilt zwar als besonders leistungsfähig, doch mit zunehmender Leistung und Vereinheitlichung anderer Hersteller gerät das Unternehmen unter Druck, sich dem Standard auf Intel-Basis zu öffnen.


Für Intel ist das Geschäft mit Compaq ein wichtiger Erfolg. Immer wieder hatte Intel den Start des Itanium verschoben, der das Unternehmen unabhängiger vom PC-Geschäft machen sollte. Die Compaq-Aktie legte am Montag zwischenzeitlich um 3,3 Prozent zu, die von Intel um 2,8 Prozent.



© 2001 Financial Times Deutschland

Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--