Streit mit EU
Die Commerzbank hat gut verhandelt
von Hans G. Nagl
Man reibt sich verwundert die Augen: Soviel Streit für so wenig Erfolg von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes? Endlich, vier Monate nach der Ankündigung des zweiten Rettungspakets, hat die EU-Kommission die staatlichen Milliardenhilfen für die Commerzbank genehmigt. Noch sind viele Details nicht publik. Doch sollten Überraschungen im Kleingedruckten ausbleiben, kann Bankchef Martin Blessing gut mit der gefundenen Lösung leben. Ja, heimlich sogar jubeln. Denn die Hauptauflage, die Abspaltung der schwer angeschlagenen Hypothekenbank Eurohypo, spielt ihm sogar in die Hände.
Blessing war nie ein Freund der Immobilien- und Staatsfinanzierung. Böse Zungen behaupten gar, die Bank wurde 2005 von seinem Vorgänger Klaus-Peter Müller nur gekauft, um im Falle einer spätere Übernahme mehr Gewicht auf die Waage zu bringen. Und bis dahin nicht selbst von einem Konkurrenten geschluckt zu werden. Die jüngsten Monate zeigen, dass dies beim Kauf der Dresdner Bank so zumindest geklappt hat.
Nach dem Kollaps der Finanzmärkte und der Immobilienkrise ist das Geschäftsmodell der Eurohypo aber weitgehend passé. Was könnte es also Schöneres geben, sich von ihr zu trennen - und die EU dafür verantwortlich zu machen?
Ähnliches gilt für die anderen geforderten Abspaltungen: Etwa die kleinen Private-Banking-Töchter der Dresdner Bank, das Bankhaus Reuschel oder Kleinwort Benson. Die meisten hat Blessing ohnehin auf den Prüfstand gestellt, zum Teil läuft sogar der Verkauf bereits. Der Verzicht auf Akquisitionen ist schließlich mehr ein theoretisches Thema - woher sollte die Bank, die am Tropf des Staates hängt, dafür das Geld und die öffentliche Unterstützung nehmen? Ganz zu schweigen von der Management-Power, weitere Akquisitionen zu integrieren?
Unter dem Strich lässt sich festhalten, dass Blessing und der Bund an seiner Seite gut verhandelt haben. Das gilt umso mehr, weil das potenziell wachstumsträchtige Osteuropa-Geschäft, das zeitweise auch in Frage stand, an Bord bleiben wird. Und aufs Kerngeschäft konzentrieren wollte sich Deutschlands zweitgrößte Bank sowieso. Das kann sie jetzt - mit freundlicher Unterstützung der EU.