Staatseinfluss rechnen
16:50 09.01.09
DJ FOKUS: Commerzbank muss mit mehr als 5 Jahren Staatseinfluss rechnen
Von Madeleine Winkler und Ulrike Dauer DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die teilverstaatlichte Commerzbank muss nach Prognose von Analysten mit mehr als fünf Jahren Staatseinfluss rechnen. "Der Zeitpunkt für einen Ausstieg des Staates steht in den Sternen", sagte Senior Analyst Philipp Hässler von Equinet zu Dow Jones Newswires. "Die Bundesregierung wird sicherlich mindestens die nächsten drei Jahre in der Commerzbank investiert bleiben und dann die Beteiligung sukzessive abbauen." Es werde aber ungefähr 5 Jahre dauern, bis sie wirklich komplett draußen sei.
Der Bund selbst sieht zwar sein Engagement bei der Commerzbank AG mit 25% plus eine Aktie als zeitlich begrenzt, einen Zeitraum für den Verkauf nennt er allerdings nicht. Vielmehr laut die vage Formulierung des Finanzministeriums, dass der Anteil "zu gegebener Zeit" wieder verkauft wird. Mit der Teilverstaatlichung will der Staat die Verschmelzung der Commerzbank AG mit der Dresdner Bank sichern.
Den Einstieg der Regierung sieht Analyst Hässler allerdings kritisch. "Die Commerzbank ist auf Kosten der Aktionäre gerettet worden. Ihr Anteil wurde verwässert und sie zahlen hohe Zinskosten für die stille Einlage", kritisiert er. Mit einem positiven Vorsteuerergebnis der Commerzbank rechnet der Analyst erst wieder 2010. Die größten Unsicherheiten sieht Hässler bei der Risikovorsorge und möglichen Kreditausfälle von Seiten der Wirtschaft.
Auch das Resümee der Analysten von Keefe, Bruyette & Woods (KBW) ist ernüchternd. "Die Aktie ist derzeit für keinen Investor interessant", so ihre Einschätzung. Die Analysten befürchten, es könnten mehr als fünf Jahre ins Land gehen, bevor die Stille Einlage des Bundes zurückgezahlt und eine Dividende wieder ausgeschüttet wird.
Andere Analysten rechnen ebenfalls mit einem solchen Zeitraum. "Ein schneller Ausstieg ist zwar wünschenswert, aber vor fünf Jahren wird der Staat seinen Anteil wohl nicht verkaufen", prognostizierte ein Analyst, der nicht namentlich genannt werden darf, weil das Thema seiner Bank "zu heikel" ist.
Zu dem Einstieg habe der Staat allerdings kaum eine Alternative gehabt, sagte der Analyst. "Wenn der Deal gescheitert wäre, hätte die Commerzbank die Dresdner Bank kleingeschrumpft", erläuterte er.
Langfristig gestaltet sich die Wettbewerbssituation in der deutschen Bankenlandschaft weiter schwierig. "Die beiden größten Aktionäre der Commerzbank, der Staat und die Allianz, wollen beiden langfristig raus", sagte der Analyst. Damit werde die Commerzbank erneut zu einem Fusionskandidaten. "Da die Zahl der möglichen deutschen Kandidaten inzwischen begrenzt ist, wird sich die Politik wohl nicht mehr gegen einen ausländischen Bieter wehren können."
Als vorläufiger Sieger geht seiner Einschätzung nach die Deutsche Bank aus der Situation heraus. "Allerdings wird sich auch die Deutsche Bank überlegen müssen, wie lange sie ohne Staatshilfe auskommt", sagte er. Für Banken sieht er insgesamt weiter schwierige Zeiten. "Es geht darum zu überleben."
Webseite: www.commerzbank.de
-Von Madeleine Winkler und Ulrike Dauer, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 - 29725 115, madeleine.winkler@dowjones.com, ulrike.dauer@dowjones.com DJG/maw/uxd/jhe Besuchen Sie unsere neue Webseite www.dowjones.de.
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