COMDIRECT
Furcht vor der Entlassungswelle
Die Online-Bank comdirect hat sich ein schmerzhaftes Sparprogramm verordnet. Ein großer Teil der über 1000 Mitarbeiter muss um den Job bangen - und die Sparrunde dürfte nicht die letzte sein.
Quickborn - Für die Online-Tochter der Commerzbank gilt offenbar: Nur keine Zeit verlieren. Nachdem der Aufsichtsrat dem rigiden Programm bereits zugestimmt hat, wird einer Ad-hoc-Mitteilung vom Montag zufolge sofort mit der Umsetzung begonnen. Das Programm ziele auf deutlichen Einsparungen - bis 2004, so der Plan, sollen die Kosten um jährlich 44 Millionen Euro gesunken sein.
Geht die Strategie auf, werde man 2004 voraussichtlich ein operatives Ergebnis von 50 Millionen Euro erreichen. In diesem Jahr werde die Restrukturierung aber einmaligen Kosten von 32 Millionen Euro verursachen, hieß es. Im Deutschlandgeschäft entstehe daher in diesem Jahr einen Vorsteuerverlust von 20 Millionen Euro.
Die Mitteilung der Bank deutet darauf hin, dass ein beträchtlicher Teil der Angestellten um den Arbeitsplatz fürchten muss. Details zu den Plänen will comdirect am Dienstag in Frankfurt bekannt geben.
Die comdirect-Aktie wurde am Montag von 16 bis 17 Uhr wegen der Mitteilung vom Handel am Neuen Markt ausgesetzt. Im Anschluss verlor das Papier kräftig an Wert. Um 17.20 Uhr notierte die Aktie bei 4,08 Euro, ein Minus von 2,9 Prozent, während der Nemax 50 nur 1,8 Prozent seines Wertes eingebüßt hatte.
"Langfristig ist das eine gute Sache, aber kurzfristig belastet das Vorhaben die Aktie, da die Restrukturierungskosten bereits in diesem Jahr anfallen und kräftig auf das Ergebnis drücken", sagte ein Frankfurter Händler. Peter Barkow, Analyst der Investmentbank Trinkaus & Burkhardt Analyst meldete Bedenken an, ob die Bank ihr Sparziel von 44 Millionen jährlich erreichen wird: "Das ist ein hochgestecktes Ziel". Zugleich geht er davon aus, dass der Umstrukturierung weitere folgen werden.