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Risikokapitalgeber trennt sich von zwei Beteiligungen
Wall Street Journal
HANDELSBLATT, 15.11.2000
NEW YORK. Die Risikokapitalgesellschaft CMGI Inc. setzt ihren Umbau fort. Von zunächst zwei Beteiligungen will sich das Unternehmens aus Andover im US-Bundesstaat Massachussetts trennen: Es will die Unterhaltungsseite Icast, die unter anderem Internet-Videos anbietet, aufgeben und den Internet-Zugangsanbieter 1stUp.com verkaufen. Außerdem werde CMGI in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2000/2001 bis zu 90 Mill. $ zurückstellen.
Noch im Januar gehörte CMGI zu den Unternehmen, in die Anleger große Erwartungen setzten. Internet-Aktien erfreuten sich großer Beliebtheit, und davon profitierten auch Inkubatoren wie CMGI, das an einer Reihe von Internet-Unternehmen beteiligt ist und zudem in Start-ups investiert. Bei den Börsengängen der jungen Unternehmen konnten solche Gesellschaften ihr eingesetztes Kapital teilweise verzehnfachen. Der Aktienkurs kletterte auf ein Hoch von 163,50 $.
Seither ist der Preis einer CMGI-Aktie um mehr als 90 % eingebrochen und dümpelt bei 14 $. Die Baisse bei den Technologiewerten reißt den Finanzier mit.
CMGI organisiert sich nun neu und will so „das Erreichen der Gewinnzone dramatisch beschleunigen“ und die so genannte burn rate – also die Rate, zu der Bargeld zur Deckung der allgemeinen Kosten abfließt – in den kommenden neun Monaten deutlich reduzieren. Derzeit verbraucht das Unternehmen 190 Mill. $ pro Quartal, Ende dieses Geschäftsjahres sollen es nur noch 45 Mill. $ sein. Derzeit habe CMGI gut 1 Mrd. $ liquide Mittel.
Die 17 Firmen, die CMGI mehrheitlich gehören, sollen in sechs Geschäftszweigen organisiert werden. Für Icast suchte die Gesellschaft einen strategischen Partner. Da sie einen solchen offenbar nicht fand, wird sie jetzt aus dem Geschäft aussteigen. Auch sinkende Werbeeinnnahmen, unter denen die Branche leidet, treffen CMGI, wie der geplante Verkauf von 1stUp.com zeigt. Das Portal bot freie Internet-Zugänge, die über Werbung finanziert wurden.
Analysten spekulieren nun, was CMGI noch verkaufen oder liquidieren wird. Die Zahl der Mehrheitsbeteiligungen soll bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres auf fünf bis zehn sinken, hatte das Unternehmen bekannt gegeben. Vorstandschef David Wetherell sagte, er hoffe auf eine Entscheidung in den kommenden zwei Quartalen. Frühestens in einem Jahr soll CMGI die Gewinnschwelle erreichen.
Henry Blodget, Analyst beim Investmenthaus Merrill Lynch, stufte CMGI langfristig von „kaufen“ auf „akkumulieren“ herunter, nachdem er bereits die Bewertung für andere Inkubatoren gesenkt hatte.
HANDELSBLATT, Mittwoch, 15. November 2000