Rüffel für die Regenmacher Schröder und Stoiber
Der Mann hat Erfahrung. Dick Morris war Chefberater von US-Präsident Bill Clinton. Jetzt hat der Polit-Marketingprofi den Wahlkampf von Bundeskanzler Schröder und Unionskandidat Stoiber kritisiert. Hauptvorwurf: Beide Politiker hätten die Zeichen der Zeit nicht erkannt.
Marl - "Die Wähler begreifen, dass ein Politiker, der Arbeitsplätze verspricht, genau so gut Regen versprechen könnte", erläuterte Morris in einem Schreiben an das Marler Grimme-Institut. Der ehemalige Wahlkampf-Manager von Clinton will seine Thesen Anfang September bei den Marler Medientagen vertreten, kündigte das Institut am Donnerstag an.
Weder Schröder noch Stoiber hätten verstanden, worin der Knackpunkt aller Politik in diesem Jahrzehnt eigentlich liege, schrieb Morris. Den Wählern sei klar, dass die globalisierte Wirtschaft nicht von Politikern, sondern von Banken, Managern und unkontrollierten Märkten bestimmt werde. Schröder und Stoiber sollten daher besser die Themen Umwelt, Bildung, Gesundheit, Renten, Kriminalität und Einwanderung in den Vordergrund rücken, die sie auch wirklich beeinflussen könnten.
"Als Chirac Kriminalität zum Wahlkampfthema machte, wurde er gewählt", schrieb Morris zu Wahlerfahrungen in Frankreich. "Als Jospin über gerechtere Einkommen sprach, schaffte er es nicht einmal in die Endrunde."
Auch Tony Blair habe in Großbritannien mit den Themen Gesundheitswesen, Bildung und Kriminalität die Wahlen gewonnen. "In ganz Europa haben linksgerichtete Kandidaten wegen ihrer Konzentration auf wirtschaftliche Themen verloren, während die Rechte über soziale Fragen wie Kriminalität und Einwanderung spricht und gewinnt."