Chronologie der Mannesmann-Affäre


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Nassie:

Chronologie der Mannesmann-Affäre

 
25.09.03 09:30
mannesmann-affäre

Erst kassieren, dann klagen

Tagebuch einer Affäre

22. Oktober 1999: Mannesmann will den britischen Mobilfunkbetreiber Orange kaufen. Konkurrent Vodafone, mit 34 Prozent an Mannesmann Mobilfunk beteiligt, fühlt sich herausgefordert.


7. November: Vodafone-Chef Chris Gent plädiert für eine Fusion. Klaus Esser, der Mannesmann-Vorstandschef, lehnt ab.


14. November: Vodafone veröffentlicht ein offizielles Übernahmeangebot. Gent bietet je Mannesmann-Aktie 43,7 Vodafone-Anteile.


19. November: Gent erhöht das Angebot auf 53,7 Vodafone-Aktien und spricht jetzt direkt die Mannesmann-Aktionäre an. Aus der Fusionsidee ist der Plan einer feindlichen Übernahme geworden. Der Wert der Vodafone-Offerte beträgt umgerechnet 124 Milliarden Euro. Es ist das höchste Übernahmeangebot der Wirtschaftsgeschichte. Mannesmann lehnt ab.


23. November: Auf einer Protestdemonstration in Düsseldorf wenden sich rund 1000 Mannesmann-Betriebsräte gegen die Übernahme. Ihre Parole: „Wir lassen uns nicht kaufen!“


Dezember: Die Medien werden zum Schlachtfeld der Kontrahenten. Beide Konzerne starten Kampagnen, um die Aktionäre für sich zu gewinnen. Allein Mannesmann gibt angeblich 330 Millionen Mark für Anzeigen aus.

11. Januar 2000: Laut Wall Street Journal verhandelt Mannesmann mit dem französischen Medienkonzern Vivendi über einen Einstieg. Die Beteiligung der Franzosen würde den Zugriff durch Vodafone vereiteln.

28. Januar: Mannesmann spricht mit AOL Europe über eine Zusammenarbeit.

30. Januar: Die Position von Mannesmann wird entscheidend geschwächt: Vivendi will mit Vodafone zusammenarbeiten, sobald die Briten die Mehrheit an Mannesmann haben.


3. Februar: In der Nacht einigen sich Esser und Gent auf eine Fusion. Die Kooperation mit AOL Europe wird, obwohl die Verträge angeblich unterschriftsreif sind, verworfen. Vodafone zahlt rund 190Milliarden Euro in eigenen Aktien.

4. Februar: Der Mannesmann-Aufsichtsrat genehmigt die Fusion. Zuvor hatte der Ausschuss für Vorstandsangelegenheiten über Prämien für Esser und mehr als ein Dutzend weitere Manager verhandelt. An diesem und den folgenden Tagen und Wochen werden laut Anklage immer neue Protokolle geschrieben. Sie sollen dazu gedient haben, den Geldgeber für die Prämien (Mannesmann) zu verschleiern wie auch die Mitwirkung und Anwesenheit der Arbeitnehmervertreter Klaus Zwickel und Jürgen Ladberg. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG verweigern zunächst die Unterschrift, weil sie die Rechtmäßigkeit der Zahlungen bezweifeln. Erst nach Änderungen unterschreiben sie später doch.


24. Februar: Klaus Esser, wegen seiner Rekordabfindung von rund 30 Millionen Mark bereits heftig in der Kritik, bekommt nun Ärger mit der Justiz. Die Stuttgarter Anwälte Mark Binz und Martin Sorg stellen Strafanzeige bei der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft. Der Vorwurf: Verdacht auf Bestechung. Das Ermittlungsverfahren wird später eingestellt.


12. März 2001: Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf weist die Staatsanwälte an, die Ermittlungen gegen Esser und die Mannesmann-Spitze wieder aufzunehmen. Der Vorwurf diesmal: Untreue.


20. August: Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen Klaus Zwickel (damals IG-Metall-Chef) und Josef Ackermann (zu diesem Zeitpunkt Vorstandsmitglied der Deutschen Bank).


28. August: Zwickel gibt erstmals öffentlich zu, bei der Vergabe der Millionenzahlungen Fehler gemacht zu haben.


31. Juli: Esser klagt vor dem Landgericht Düsseldorf gegen das Land Nordrhein-Westfalen. Grund: Amtspflicht-Verletzung der Staatsanwälte und Rufschädigung. Esser will Schmerzensgeld und Schadensersatz.


7. Februar 2003: Das nordrhein-westfälische Justizministerium lässt die Anklage gegen Esser und Co. zu.


17. Februar: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf erhebt Klage gegen Ackermann, Zwickel, Esser, den ehemaligen Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk, Konzernbetriebsrat Ladberg und den ehemaligen Personalvorstand Dietmar Droste.


30. April: Das Land Nordrhein-Westfalen muss Esser wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte durch die Justiz ein Schmerzensgeld von 10000 Euro zahlen.


19. September: Das Landgericht lässt die Anklage gegen Esser und die fünf anderen Beschuldigten zu.

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