China dämpft die Hoffnung auf eine schnelle Aufwertung des Yuan
Von Claus Tigges, Washington
Zu schnellen Verschiebungen im Wechselkursgefüge wird es nach dem Ende der exklusiven Kursbindung des Yuan an den Dollar nicht kommen.
Das hat die chinesische Zentralbank den Akteuren an den internationalen Finanzmärkten und den Regierungen der Siebenergruppe (G 7) in der vergangenen Woche deutlich gemacht. So, wie die Führung in Peking den Zeitpunkt der Änderung des Wechselkursregimes selbst bestimmt hat, wird sie auch alleine darüber entscheiden, in welchem Maß sie eine Aufwertung des Yuan zuläßt, die über die anfänglichen 2 Prozent hinausgeht.
Daß sich die People's Bank of China zu wichtigen Details der neuen Wechselkurspolitik in Schweigen hüllt und insbesondere keinen Pfad für den Außenwert des Yuan vorgibt, trägt eher zur Beruhigung als zur Nervosität der Märkte bei. Denn jedes Wechselkursziel würde unweigerlich zu einem turbulenten, spekulativen Kurswettlauf führen.
Aufwertung nur in kleinen Schritten
Die ersten Erfahrungen mit dem veränderten Yuan-Regime haben viele Marktstrategen zu der Einsicht gebracht, daß mit einer Aufwertung des Yuan tatsächlich nur in sehr kleinen Schritten zu rechnen ist. Dies ist nicht zuletzt für den amerikanischen Kapitalmarkt von Bedeutung. In dem Bemühen um eine geordnete und langsame Aufwertung wird China auch in den nächsten Monaten in das Geschehen an den Devisenmärkten eingreifen.
Damit sind bis auf weiteres Dollar-Käufe in Form amerikanischer Staatsanleihen wahrscheinlich. Die bisherigen Devisenmarktinterventionen Chinas haben nach Einschätzung von Alan Greenspan, Chairman der amerikanischen Notenbank Fed, einen Anstieg der Renditen um rund 50 Basispunkte gedämpft.
Daß die Bewertung des chinesischen Interventionseffekts mit großer Unsicherheit behaftet ist, zeigt der Vergleich mit den Berechnungen des Ökonomen Nouriel Roubini von der New York University; er veranschlagt den Renditeeffekt der chinesischen Nachfrage auf rund 200 Basispunkte.
Kapitalstrom stammt auch aus privaten Quellen
Die Aussicht auf fortgesetzte Anleihekäufe durch die Notenbank in Peking hat in jedem Fall schon dazu beigetragen, daß die Kapitalmarktrenditen zuletzt nicht in die Höhe geschossen sind. Zum Wochenschluß rentierte die maßgebliche amerikanische Staatsanleihe mit 4,28 Prozent, nur wenig höher als zu Beginn der Handelswoche.
So wichtig das Schicksal der amerikanischen Staatsanleihen in den Händen Chinas letztlich auch sein mag, Investoren wissen, daß die Preisbildung auf dem Anleihemarkt von vielen Faktoren beeinflußt wird. Der Kapitalstrom, der nach Amerika fließt, stammt nicht nur aus "offiziellen", sprich Notenbank-Quellen. Auch private Investoren tragen ihr Geld zuhauf in die Vereinigten Staaten und kaufen dafür neben Aktien auch Anleihen aus einem reichhaltigen Angebot.
Die Mittel, die Amerika in der Erwartung vergleichsweise höherer Renditen angeboten werden, stammen nicht zuletzt aus dem Land selbst: Das hohe Defizit in der amerikanischen Leistungsbilanz ist das Ergebnis eines riesigen Hungers amerikanischer Konsumenten und Unternehmen nach ausländischen Waren und Dienstleistungen. Das Geld, mit dem Amerika die Produkte bezahlt, fließt in großem Umfang wieder zurück, da die Verbraucher in Europa, Asien und anderswo weniger ausgeben und mehr sparen.
Liquidität global aufgebläht
Zum niedrigen Renditeniveau trägt freilich auch bei, daß die Marktakteure das Versprechen der Federal Reserve ernst nehmen, die Preisstabilität zu sichern. Denn wie in anderen Finanzprodukten spiegelt sich auch in den Preisen für Staatsanleihen die Erwartung der Anleger bezüglich Inflation, Wachstum und anderer Faktoren wie des Verlustrisikos. Wenn Greenspan dennoch von einem "rätselhaften" Verhalten der Anleihemärkte spricht, so bezieht er sich darauf, daß gewöhnlich ein Anstieg der kurzfristigen Zinsen auch zu höheren Renditen bei mittleren und längeren Laufzeiten führt.
Dazu ist es dieses Mal nicht gekommen. Zu den Erklärungen, die der Währungshüter angeboten hat, zählt ein seiner Meinung nach nicht gerechtfertigter Pessimismus unter den Marktakteuren bezüglich der Konjunkturerwartungen. Die Furcht vor einem schweren Niedergang der Wirtschaft - und folglich einer geringeren Verzinsung des eingesetzten Kapitals - sei unbegründet, meint Greenspan.
Bankvolkswirte führen mitunter eine weitere Begründung an, die plausibel scheint: Die lange Zeit überaus lockere Geldpolitik führender Notenbanken, einschließlich der Fed und der Europäischen Zentralbank, habe die Liquidität global aufgebläht. Die Notwendigkeit zur Kapitalanlage sei darum so groß, daß viel Geld auf die Finanzmärkte ströme und dort die Kurse treibe. Diese Argumentation hat den Charme, daß sie nicht nur zur Erklärung der niedrigen Anleiherenditen dienen kann, sondern auch zumindest zum Teil die Kursgewinne an den Aktienmärkten in ein helleres Licht rückt.