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AlanG.:

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21.06.04 19:08
Cheneys Liebling


Ermittlungen gegen Halliburton-Konzern belasten Spitzenpolitiker der Bush-Regierung



Anfang Juni charakterisierte Jyoti Thottam im TIME-Magazin den texanischen Konzern Halliburton folgendermaßen: »Die Rekonstruktion des Irak, dieses großartige Bemühen,  die Herzen und Köpfe der Iraker zu gewinnen, ist ein neuer Kriegsschauplatz Amerikas, auf dem nicht alles nach Plan verläuft. Man könnte sagen, daß Halliburton, das mit einem Exklusivabkommen die Unterstützung der US-Soldaten übernommen und mit Abstand den größten Anteil von Verträgen zum Wiederaufbau der zerstörten irakischen Infrastruktur abgeschlossen hat, die Kommandozentrale der Schlacht um die Wiederherstellung des Landes darstellt.«

Aktuelle Ermittlungen im US-Kongreß gegen die »Kommandozentrale Halliburton« bringen jedoch auch zunehmend stärker Regierungsvertreter wie US-Vizepräsident Richard Cheney ins Zentrum der Vorwürfe. Cheneys Stabschef, Lewis Libby, hatte offenbar mit dem Pentagon-Staatssekretär Douglas Feith zahlreiche Vertragsdetails zur Auftragsvergabe an den texanischen Multi koordiniert (siehe jW vom 17. Juni). Die US-Börsenaufsicht SEC und das Justizministerium strengen derweil voneinander getrennte Untersuchungen gegen die Kriegsprofiteure aus Houston an, die seit der Erfindung einer Mustervertragskonstruktion namens Logistics Civil Augmentation Programm (LOGCAP) 1992 ungeschlagene Spitzenreiter beim Geldverdienen in Kriegszeiten sind.

Die ausgewiesen guten Kontakte zwischen dem weltgrößten Öl- und Gasdienstleistungsunternehmen und dem US-Verteidigungsministerium geraten jedoch immer mehr in die Kritik. Der kalifornische Kongreßabgeordnete Henry A. Waxman konzentrierte sich in der letzten Woche auf die Sonderkonditionen, die Halliburton unter dem LOGCAP-Vertrag und dem Wiederaufbauprogramm der irakischen Ölproduktion (RIO) zugestanden worden sind. Das Gesamtvolumen beider Verträge schaufelt über sieben  Milliarden US-Dollar in die Kassen der Firma. Aus welchem Blickwinkel man Halliburton auch immer betrachten wolle, ob aus der »bodenständigen« Sicht eines Halliburton-Beschäftigten, der »Überflugperspektive« der Kostenkontrolleure des Pentagon oder aus der Sichtweise des General Accounting Office, also der Rechnungsprüfer des Kongresses: »Alle drei Perspektiven führen zur gleichen Schlußfolgerung: Halliburton betrügt den Steuerzahler, und die Bush-Administration kümmert das offenbar nicht«, so Waxman.

Zeitgleich mit der Aktionärsversammlung Mitte letzten Monats und dem TIME-Artikel über die »Koordinationsarbeit« für den texanischen Multi im Büro des US-Vizepräsidenten, gelang US- Rüstungskritikern ein Meisterstück. Unter dem Titel »Houston, we have a Problem« haben Halliburton-Gegner einen »alternativen Halliburton-Jahresbericht« ins Internet gestellt. Die Web-Site  www.warprofiteers.com ist Ende April aus einem seit langem existierenden Verbund US-amerikanischer Wirtschaftskritiker hervorgegangen, die sich unter www.corpwatch.org mit den Geschäftspraktiken multinationaler US-Firmen beschäftigen. Die 25 Seiten umfassende, sauber recherchierte Untersuchung deckt detailliert Entstehungsgeschichte, politische Querverbindungen und internationale Aktivitäten der texanischen Kriegsgewinnler auf. Zahlreiche Fallbeispiele und Übersichten verdeutlichen, welche Rolle die Firma nicht nur bei US-amerikanischen Militäreinsätzen einnimmt.

Die skandalträchtige Chronik des Konzerns beginnt bereits mit der Firmengründung 1919. Earle P. Halliburton nutzte damals illegal patentrechtlich geschützte Technologien seines früheren Arbeitgebers zum Aufbau des eigenen Unternehmens. Seitdem ist die Firma in zahllose umstrittene Projekte im Bereich der Erschließung und Gewinnung von Erdöl und später Erdgas verstrickt. Insgesamt 90 Millionen US-Dollar an Buß- und Strafgeldern zahlte der Konzern in den 70er Jahren. In verschiedenen Verfahren war Halliburton beschuldigt worden, innerhalb einer Zeitspanne von 16 Jahren die Preise für Offshore-Erschließungen und Bohrungen im Golf von Mexiko kartellartig fixiert zu haben.

Dank guter Beziehungen rangiert das Unternehmen nicht erst seit dem »Krieg gegen den Terror« in der ersten Liga der »Bruderschaft der Gutbezahlten«. Die Vorwürfe gegen den texanischen Multi, an Kriegen zu gewinnen, reichen bis zum Indochinakrieg der USA zurück. Damals beschuldigte ein noch wenig bekannter republikanischer Abgeordneter aus Illinois namens Donald H. Rumsfeld den Firmenboß George R. Brown und den damaligen Präsidenten Lyndon B. Johnson. Während seinerzeit im US-Kongreß über einen millionenschweren Vertrag für Brown & Root Services diskutiert wurde, hatte Halliburton durch eine großzügige Spende an Johnsons »Presidents Club« das Geschäft bereits auf den Weg gebracht. Rumsfeld, heute Oberpriester der Privatisierung militärischer Dienstleistungen, kritisierte damals »das unter diesem Vertrag mögliche Potential für Verschwendung und Profitmacherei.«

* www.warprofiteers.com  
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