CeBIT lässt die Börse kalt


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CeBIT lässt die Börse kalt

 
19.03.02 11:28
Tolle Produkte locken zwar die Besucher. Doch Anleger interessieren sich dafür in diesem Jahr kaum. Sie warten auf Zahlen und Ausblicke. Wer diese scheut, wird ignoriert. Da helfen auch keine Kooperationen. Samsung zählt mit seinen Handys zu den wenigen Überraschungen in Hannover. Nokia-Aktionären droht deshalb ein rauer Wind.

Ort und Zeit, um seine Modelle auf der Cebit medienwirksam zu präsentieren. Doch sechs neue Handys halfen nichts, denn die Zentrale in Helsinki spielte nicht mit. Zeitgleich äußerte sie sich skeptisch zu den weiteren Aussichten, was Analysten als Gewinnwarnung deuteten. Innovation hin, Weltmarktführer her – der Aktienkurs brach sofort um gut 7 % ein. Wie Nokia geht es fast allen Firmen auf der Cebit: Gute und neue Produkte nehmen Investoren gerne zur Kenntnis. Doch die Zeiten, in denen der Kurs sich daraufhin bewegt, sind vorbei. Allein Quartalszahlen und Prognosen zählen.

„Der mangelnde Ausblick ist das große Problem. Das zeigt auch jetzt die Cebit. Sogar frühere Großmäuler halten sich nach den Enttäuschungen in der Vergangenheit zurück“, meint Robert Halver von der Schweizer Vontobel-Gruppe. „Den Ankündigungen auf der Cebit stehen ebenso viele Fragezeichen entgegen“, bleibt Thomas Langer von West LB Panmure skeptisch. So hätten sich die Handyanbieter mit Ausnahme von Siemens sehr überzeugend dargestellt. Fraglich bleibe aber, ob die ambitionierten Zeitpläne eingehalten werden könnten.

Nur wer die Cebit als Megaphon für Umsatz- und Ertragsprognosen nutzt, profitiert. So stiegen die Aktienkurse von Intraware (Software) und Plaut (Internet), weil beide Firmen Hoffnung auf Gewinne im laufenden Jahr machten. Dagegen kommen Innovationen nicht an – wie bei der Deutschen Post das Versprechen, in diesem Jahr 2,5 Milliarden. Euro in Technologie investieren zu wollen. Für Vodafone blieb der UMTS-Teststart auf dem Messegelände und in der City von Hannover ein „Non-Event“. Der Kurs von T-Online rutschte nach der Ankündigung eines neuen Breitbandportals für die Übertragung von Live-Konzerten und TV-Serien im Internet sogar ins Minus.

„Blickt man auf den Aktienkurs, dann rechnet sich die Cebit bislang für kein großes Unternehmen“, bilanziert HSBC-Stratege Klaus Lüpertz. Zwar verkündete SAP in Hannover die Übernahme der israelischen Softwarefirma Topmanage Financial Solutions, und der Aktienkurs stieg gestern um fast 3 %. Doch Ursache waren positive Kommentare mehrerer Bankhäuser. So hoben Lehman Brothers die Ertragsprognosen an – ein Zusammenhang mit dem jüngsten Deal besteht nicht.

Technologie-Experte Theo Kitz von Merck Finck will statt vollmundiger Produktankündigungen Zahlen sehen. „Die Leute trauen dem Braten nicht mehr.“ Kitz entdeckt allerdings einige positive Überraschungen auf der Cebit. „Samsung ist auf der Überholspur, wächst im Handymarkt am schnellsten und unterstreicht dies mit acht neuen Modellen in Hannover. Die Koreaner wollen ihren Weltmarktanteil von zuletzt 7,9 % weiter steigern. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Gartner Dataquest erhöhte Samsung seinen Absatz deutlich zu Lasten anderer Hersteller.

Von den auf der Cebit vorgestellten Mobiltelefonen sind vier für schnelle Datenübertragungen im Standard GPRS geeignet. Die meisten Modelle verfügen über große Farbbildschirme. Egal, wie viele Monate man zurückblättert: Nach Angaben der Finanzagentur Bloomberg raten alle Bankhäuser zum Kauf der Samsung-Aktie – ungeachtet der Kurssteigerung von 200 Prozent in den letzten sechs Monaten. Auch gestern legte der Kurs um gut 4 % zu. Unisono verweisen die Strategen auf das im Verhältnis zu Wettbewerbern niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 13 auf Basis des laufenden und nur 9 auf Schätzung des nächsten Geschäftsjahres.

West-LB-Stratege Langer setzt zumindest kurzfristig auch auf Nokia: „Das erste Halbjahr wird sehr gut. Doch danach kommen Wettbewerber wie Sony-Ericsson und Samsung mit neuen und guten Modellen auf den Markt. Dann weht Nokia ein heftiger Wind entgegen.“ Vorausgesetzt, die Ankündigungen bewahrheiten sich.

Ulf Sommer, Handelsblatt

Quelle: wiwo.de
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