Capital Power ist für mich aktuell eine gute, aber keine einfache Stromaktie. Zum Stand 13. April 2026 beziehe ich mich beim Kurs auf den zuletzt breit verfügbaren Schlusskurs von 68,27 CAD vom 10. April 2026. Das Unternehmen ist heute kein regionaler Alberta-Wert mehr, sondern ein nordamerikanischer Independent Power Producer mit 32 Anlagen und 12,1 GW Nettokapazität; laut Gesellschaft entfallen inzwischen grob 60 % von Kapazität und Adjusted EBITDA auf das US-Geschäft. Genau diese Transformation ist der Kern der Investmentthese: Capital Power ist größer, diversifizierter und strategisch besser aufgestellt als noch vor wenigen Jahren, aber eben auch komplexer und kapitalintensiver. (StockAnalysis)
Die Geschichte des Unternehmens reicht operativ bis 1891 zurück, als in Edmonton die Edmonton Electric Lighting and Power Company gegründet wurde. Später wurde daraus die kommunale Stromversorgung, dann EPCOR, und 2009 entstand Capital Power als eigenständige, börsennotierte Gesellschaft durch den Börsengang der Stromerzeugungsaktivitäten von EPCOR. Seitdem hat sich Capital Power Schritt für Schritt von einem stark Alberta- und kohlelastigen Erzeuger zu einem diversifizierten Betreiber von Gas-, Wind-, Solar- und Speicheranlagen in Kanada und den USA entwickelt. Der wichtigste Umbau der letzten Jahre war die Repowering von Genesee: Das Projekt ging 2024 in Betrieb, brachte 512 MW zusätzliche Kapazität, senkte die Emissionen laut Unternehmen um 3,4 Millionen Tonnen pro Jahr und ermöglichte den Ausstieg aus der Kohleverstromung fünf Jahre vor der ursprünglichen Frist 2030. (Capital Power)
Operativ ist Capital Power heute eine Mischung aus vertraglich abgesicherten Cashflows und bewusst beibehaltenem Merchant-Risiko. Im 2026er Portfoliobild entfallen 6,2 GW auf US-Flexible Generation, 4,4 GW auf kanadische Flexible Generation, 0,6 GW auf US-Erneuerbare und 0,9 GW auf kanadische Erneuerbare. Das ist wichtig, weil die Aktie deshalb nicht wie ein klassischer, regulierter Versorger tickt. Ein Teil des Portfolios ist langfristig abgesichert, etwa Ontario-Verträge teils bis 2035 oder 2047, der Midland-Cogeneration-Vertrag bis 2040 und die Arlington-Valley-Verlängerung bis 2038. Ein anderer Teil, etwa Genesee oder Teile des PJM-Portfolios, profitiert deutlich stärker von Strompreis-, Gaspreis- und Spread-Bewegungen. Genau daraus kommen die Chancen, aber auch die Volatilität.
Die Fundamentals für 2025 sind ordentlich. Capital Power hat 44.616 GWh erzeugt, eine durchschnittliche Verfügbarkeit von 91 % erreicht, 3,72 Mrd. CAD Umsatz bzw. sonstige Erlöse verbucht, 1,58 Mrd. CAD Adjusted EBITDA und 1,066 Mrd. CAD AFFO erzielt; das entsprach 7,08 CAD AFFO je Aktie. Die Dividende lag 2025 bei 2,6858 CAD je Aktie, wurde im Juli 2025 um 6 % auf 0,6910 CAD je Quartal erhöht und entspricht auf Basis des genannten Schlusskurses einer laufenden Rendite von rund 4,0 %. Die Ausschüttung auf Basis des 2025er AFFO lag bei rund 38 % und ist damit gut gedeckt. Bilanzseitig ist die Gesellschaft allerdings kein Leichtgewicht mehr: Die Kredite und Darlehen lagen Ende 2025 bei 6,73 Mrd. CAD, das Net Debt bei 6,77 Mrd. CAD. Positiv ist, dass Capital Power weiter Investment-Grade-Ratings von S&P, DBRS und Fitch hält. Auf Basis des Kurses vom 10. April komme ich grob auf eine Marktkapitalisierung von 10,65 Mrd. CAD, ein trailing P/AFFO von rund 9,6 und ein EV/EBITDA von etwa 11. (Capital Power)
Der strategische Ausblick für die nächsten 5 bis 15 Jahre ist aus meiner Sicht grundsätzlich attraktiv. 2025 war tatsächlich ein Transformationsjahr: Capital Power hat mit Hummel und Rolling Hills für rund 3,0 Mrd. CAD beziehungsweise 2,2 Mrd. US-Dollar etwa 2,2 GW an US-Gaskapazität im PJM-Markt gekauft, den Midland-Cogeneration-Vertrag bis 2040 verlängert, Arlington Valley bis 2038 abgesichert, zwei Memorandums of Understanding zur Versorgung von Rechenzentren über zusammen 500 MW geschlossen und weitere Solar- und Speicherprojekte vorangebracht. Für 2026 gibt das Management 1,565 bis 1,765 Mrd. CAD Adjusted EBITDA und 890 bis 1.010 Mio. CAD AFFO aus. Für 2030 nennt die Gesellschaft 8 bis 10 % AFFO-je-Aktie-Wachstum pro Jahr, zusätzlich 3,5 GW eigene US-Kapazität und 13 bis 15 % jährlichen Total Shareholder Return als Ziel. Das ist ambitioniert, aber nicht aus der Luft gegriffen, weil Nordamerika gleichzeitig in eine Phase steigender Stromnachfrage eintritt; der Canada Energy Regulator sieht sowohl den Strombedarf als auch die Erdgasproduktion bis 2050 wachsen. (Reuters)
Die Risiken sollte man trotzdem nicht kleinreden. Erstens ist Capital Power trotz des erneuerbaren Ausbaus im Kern ein gaslastiger Stromerzeuger mit relevanter Merchant-Exponierung, vor allem in Alberta und PJM. Zweitens ist die Bilanz nach den großen Zukäufen spürbar belasteter; das sieht man direkt daran, dass im 2026er Ausblick die Zinszahlungen mit 365 Mio. CAD deutlich über den 263 Mio. CAD von 2025 liegen. Drittens bleibt die Regulierung ein Thema: Kanadas Clean Electricity Regulations setzen für fossil befeuerte Kraftwerke Emissionsgrenzen, und genau solche Regeln können Bewertungsmultiplikatoren und Investitionsentscheidungen beeinflussen. Viertens hängt viel daran, dass Capital Power bestehende Anlagen erfolgreich weiter kontrahiert und die US-Expansion diszipliniert finanziert. Das ist machbar, aber eben nicht trivial.
Meine Einschätzung zur Aktie ist deshalb klar: qualitativ gut, strategisch interessant, langfristig aussichtsreich, aber nicht mehr spottbillig. Aus der 2026er AFFO-Spanne von rund 5,71 bis 6,48 CAD je Aktie leite ich ein konservatives 12-Monats-Kursziel von 60 CAD, ein faires Kursziel von 76 CAD und ein optimistisches Kursziel von 90 CAD ab. Das entspricht grob Bewertungsansätzen von etwa 10,5x, 12,5x und 14x AFFO. Mein zentrales Urteil lautet daher: Capital Power ist für mich auf Sicht von 5 bis 15 Jahren eher ein guter Compounder mit brauchbarer Dividende als ein Spekulationswert. Wer einen quasi anleihenähnlichen Versorger sucht, ist hier falsch. Wer einen diszipliniert geführten Stromerzeuger mit US-Wachstum, ordentlicher Dividende und realistischen Chancen auf steigende Cashflows pro Aktie sucht, kann sich die Aktie sehr gut anschauen. Unterhalb von etwa 65 CAD fände ich sie attraktiv, im Bereich um 76 CAD fair bewertet und oberhalb von 90 CAD klar anspruchsvoll. (StockAnalysis)
Autor: ChatGPT