Hat hierzu jemand eine Einschätzung für die kommenden Wochen/Monate/Jahre/Jahrzehnte?
Gruß,
T.
Quelle: www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/artikel126636.php
Das Internet wird zum Fass ohne Boden
Überkapazitäten verhageln Cable&Wirelesse das Geschäft / Kurs rutscht ab
Von Gerd Zitzelsberger
London – Von allen Fällen – im doppelten Sinne des Wortes – ist es der unfassbarste: Der traditionsreiche Telekom-Konzern Cable & Wireless hat im Boom vieles besser gemacht als die Konkurrenz. Trotzdem ist sein Börsenkurs zum Wochenschluss auf den tiefsten Stand seit über elf Jahren gerutscht.
Was die Cable & Wireless Plc, London, auch sagt oder macht - die Aktiennotierung rutscht derzeit immer ab. Bis Spätherbst 1999 war der Kurs langsam, aber relativ beständig nach oben geklettert. Im Winter 1999/2000 kam dann, wie bei anderen Telekom-Konzernen auch, der große Euphorie-Schub, und die Notierung sprang bis auf 1500 Pence. Doch seitdem geht es beinahe nur noch bergab – zuletzt sogar ziemlich rasant. Zum Wochenschluss rutschte die Notierung auf 207 Pence. Das ist der niedrigste Stand seit Ende November 1990. Das ganze Jahrzehnt ist damit per saldo für die Cable & Wireless-Aktionäre verloren.
Dabei agiert Graham Wallace, der Mann an der Spitze des Konzerns mit 31000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von gut acht Milliarden Euro, als wäre er der Musterschüler aller Unternehmensberater: Als Wallace im Februar 1999 das Ruder übernahm, bildete der Konzern einen bunten Fleckenteppich mit Geschäftsschwerpunkt in Hongkong und Beteiligungen in verschiedensten Winkeln der Welt: Bermudas Telefon-Monopol gehörte ihm ebenso wie etwa ein australisches Mobilfunk-Netzwerk und Unterseekabel, die man elfmal um den ganzen Globus wickeln könnte. Entstanden war der ganze Fleckenteppich, weil C&W, dessen Wurzeln auf das Jahr 1872 zurückreichen im Zuge der britischen Kolonialisierung groß geworden ist. Am Ende des ersten Weltkriegs umfasste das britische Empire ein Viertel der Weltbevölkerung. Und die Eastern Telegraph Company, wie C&W damals hieß, bildete das Nervenzentrum dieses Weltreiches. Als die Kolonien selbständig wurden, brachen immer wieder große Stücke aus dem C&W-Imperium.
Weltweiter Dienst
Rechtzeitig, als die Branchen-Euphorie noch hochschäumte, verkaufte Wallace die meisten der bunten Flicken zu hohen Preisen, um den Konzern auf ein Gebiet zu konzentrieren: Hochgeschwindigkeits-Übertragungen, speziell nach dem Internet-Standard, und ähnliche Dienstleistungen für andere Telekom-Unternehmen und global agierende Konzerne. Heute verfügt C&W über ein Internet-Rückgrat, wie kaum ein anderer Konzern: Die gesamte Bibliothek des amerikanischen Kongresses könnte C&W innerhalb von sieben Sekunden von Washington nach New York überspielen, und ein Datenpaket schickt das Unternehmen binnen 134 Millisekunden von Frankfurt nach Sydney. C&W gilt daneben als das weltweit größte „Hotel“ für die Internet-Seiten anderer Firmen mit einem Marktanteil von 20 Prozent. Das technische Know-how holte Wallace sich durch die Übernahme von nicht weniger als 28 Internet-Service-Providern in aller Herren Länder. Auch die Zukäufe erfolgten – entsprechend der Euphorie dieser Zeit – zu hohen Preisen, doch viel Geld blieb immer noch übrig.
Heute ist C&W der einzige alteingesessene Telekom-Konzern Europas, der nicht auf einem Berg von Schulden, sondern einem Sack von Geld sitzt. Per Ende Januar beziffert C&W sein Netto-Geldvermögen auf 6,4 Milliarden Euro.
Doch die mit vielen Auszeichnungen bedachte Technik und das Geld machen C&W keineswegs zum König unter den Wettbewerbern: Das Umsatzwachstum kommt nicht von den neuen Geschäftsfeldern, auf die Wallace gesetzt hatte, sondern von den verbliebenen kleinen – und hochprofitablen – Regionalgesellschaften. Auf C&W Global, in der das neue (Internet-)Geschäft zusammengefasst ist, entfallen mittlerweile zwar 70 Prozent des Umsatzes. Nach Abschreibungen aber weist der Bereich einen Verlust aus. Und selbst der Umsatz dürfte im laufenden Geschäftsjahr um zehn Prozent niedriger liegen. Denn die Nachfrage nach Internet-Übertragungen ist zwar gestiegen, aber das Angebot der Branche insgesamt noch mehr: Überkapazitäten und fallende Preise verhageln das Geschäft als Großhändler von Internet- und Übertragungsdienstleistungen.
Gruß,
T.
Quelle: www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/artikel126636.php
Das Internet wird zum Fass ohne Boden
Überkapazitäten verhageln Cable&Wirelesse das Geschäft / Kurs rutscht ab
Von Gerd Zitzelsberger
London – Von allen Fällen – im doppelten Sinne des Wortes – ist es der unfassbarste: Der traditionsreiche Telekom-Konzern Cable & Wireless hat im Boom vieles besser gemacht als die Konkurrenz. Trotzdem ist sein Börsenkurs zum Wochenschluss auf den tiefsten Stand seit über elf Jahren gerutscht.
Was die Cable & Wireless Plc, London, auch sagt oder macht - die Aktiennotierung rutscht derzeit immer ab. Bis Spätherbst 1999 war der Kurs langsam, aber relativ beständig nach oben geklettert. Im Winter 1999/2000 kam dann, wie bei anderen Telekom-Konzernen auch, der große Euphorie-Schub, und die Notierung sprang bis auf 1500 Pence. Doch seitdem geht es beinahe nur noch bergab – zuletzt sogar ziemlich rasant. Zum Wochenschluss rutschte die Notierung auf 207 Pence. Das ist der niedrigste Stand seit Ende November 1990. Das ganze Jahrzehnt ist damit per saldo für die Cable & Wireless-Aktionäre verloren.
Dabei agiert Graham Wallace, der Mann an der Spitze des Konzerns mit 31000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von gut acht Milliarden Euro, als wäre er der Musterschüler aller Unternehmensberater: Als Wallace im Februar 1999 das Ruder übernahm, bildete der Konzern einen bunten Fleckenteppich mit Geschäftsschwerpunkt in Hongkong und Beteiligungen in verschiedensten Winkeln der Welt: Bermudas Telefon-Monopol gehörte ihm ebenso wie etwa ein australisches Mobilfunk-Netzwerk und Unterseekabel, die man elfmal um den ganzen Globus wickeln könnte. Entstanden war der ganze Fleckenteppich, weil C&W, dessen Wurzeln auf das Jahr 1872 zurückreichen im Zuge der britischen Kolonialisierung groß geworden ist. Am Ende des ersten Weltkriegs umfasste das britische Empire ein Viertel der Weltbevölkerung. Und die Eastern Telegraph Company, wie C&W damals hieß, bildete das Nervenzentrum dieses Weltreiches. Als die Kolonien selbständig wurden, brachen immer wieder große Stücke aus dem C&W-Imperium.
Weltweiter Dienst
Rechtzeitig, als die Branchen-Euphorie noch hochschäumte, verkaufte Wallace die meisten der bunten Flicken zu hohen Preisen, um den Konzern auf ein Gebiet zu konzentrieren: Hochgeschwindigkeits-Übertragungen, speziell nach dem Internet-Standard, und ähnliche Dienstleistungen für andere Telekom-Unternehmen und global agierende Konzerne. Heute verfügt C&W über ein Internet-Rückgrat, wie kaum ein anderer Konzern: Die gesamte Bibliothek des amerikanischen Kongresses könnte C&W innerhalb von sieben Sekunden von Washington nach New York überspielen, und ein Datenpaket schickt das Unternehmen binnen 134 Millisekunden von Frankfurt nach Sydney. C&W gilt daneben als das weltweit größte „Hotel“ für die Internet-Seiten anderer Firmen mit einem Marktanteil von 20 Prozent. Das technische Know-how holte Wallace sich durch die Übernahme von nicht weniger als 28 Internet-Service-Providern in aller Herren Länder. Auch die Zukäufe erfolgten – entsprechend der Euphorie dieser Zeit – zu hohen Preisen, doch viel Geld blieb immer noch übrig.
Heute ist C&W der einzige alteingesessene Telekom-Konzern Europas, der nicht auf einem Berg von Schulden, sondern einem Sack von Geld sitzt. Per Ende Januar beziffert C&W sein Netto-Geldvermögen auf 6,4 Milliarden Euro.
Doch die mit vielen Auszeichnungen bedachte Technik und das Geld machen C&W keineswegs zum König unter den Wettbewerbern: Das Umsatzwachstum kommt nicht von den neuen Geschäftsfeldern, auf die Wallace gesetzt hatte, sondern von den verbliebenen kleinen – und hochprofitablen – Regionalgesellschaften. Auf C&W Global, in der das neue (Internet-)Geschäft zusammengefasst ist, entfallen mittlerweile zwar 70 Prozent des Umsatzes. Nach Abschreibungen aber weist der Bereich einen Verlust aus. Und selbst der Umsatz dürfte im laufenden Geschäftsjahr um zehn Prozent niedriger liegen. Denn die Nachfrage nach Internet-Übertragungen ist zwar gestiegen, aber das Angebot der Branche insgesamt noch mehr: Überkapazitäten und fallende Preise verhageln das Geschäft als Großhändler von Internet- und Übertragungsdienstleistungen.
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