Liebe Frau Leutheusser-Schnarrenberger,
zunächst vielen Dank für Ihre guten Wünsche. Ich antworte Ihnen hier aus meinem Wahlkreisbüro in Ludwigsburg, nachdem ich gerade die Planungen zu einer gemeinsamen Fußball-Feier am Samstag abgeschlossen habe. Ich möchte den senegalesischen und den türkischen Botschafter einladen, um gemeinsam zu zittern und gegebenenfalls zu feiern. Danke auch für Ihre Glückwünsche zum Sieg der Türkei über Japan. Habe meinen türkischen Freunden gesagt, dass sie nach dem Spiel gegen Senegal auch der deutschen Nationalmannschaft die Daumen drücken müssen!
Vergleiche zwischen Fußball und der Politik hinken sicher oft. Aber ich will es trotzdem wagen: Es könnte dem Duo Fischer-Schröder und Grün-Rot ja ähnlich ergehen wie den zuvor völlig unterschätzten Nationalmannschaften Deutschlands und der Türkei... Überraschungen nicht ausgeschlossen. Oh Gott, was mach ich eigentlich, wenn Deutschland gegen die Türkei im Finale steht???
Was Ihre Absicht angeht, die FDP gegen Rechts abzudichten, kann ich Ihnen persönlich nur alles Gute wünschen. Die Demokratie und das innenpolitische Klima, aber auch unser Ansehen im Ausland würden davon profitieren. Wenn ich mir allerdings anschaue, dass nun Herr Blüm Herrn Möllemann zur Seite springt und immer noch viele in der Bevölkerung Möllemanns Äußerungen als "Befreiungsschlag" empfinden (wer wurde eigentlich wovon befreit???), bleibe ich skeptisch.
Zur zugegebenermaßen schwierigen Rolle des kleineren Koalitionspartners verweise ich auf ein sinngemäßes Zitat des prominenten SPD-Politikers Erhard Eppler: Die Grünen sind der bislang einflussreichste kleine Koalitionspartner in der Geschichte der Bundesrepublik. Nachdem wir uns bereits alle sehr gefreut hatten, fügte er hinzu: Allerdings gab es bislang auch nur die FDP...
Ich fand es übrigens interessant, dass Sie bei der FDP vor der Wahlniederlage 1998 eine "sinnentleerende" Phase erkannt haben. Ein lobenswertes Eingeständnis! Dass diese Phase aber ausgerechnet mit Gaga-Guido geendet haben soll, kann ich nicht nachvollziehen.
Viel Spaß bei spannenden Fußball-Nachmittagen wünscht Ihr
Cem Özdemir
Quelle: www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,201789,00.html
Und nun meine Frage: Wie kann ein deutscher Politiker die Interessen unseres Landes vertreten, wenn sein Herz anscheinend mehr an einem anderen hängt? Ich finde solche Äußerungen unmöglich!
zunächst vielen Dank für Ihre guten Wünsche. Ich antworte Ihnen hier aus meinem Wahlkreisbüro in Ludwigsburg, nachdem ich gerade die Planungen zu einer gemeinsamen Fußball-Feier am Samstag abgeschlossen habe. Ich möchte den senegalesischen und den türkischen Botschafter einladen, um gemeinsam zu zittern und gegebenenfalls zu feiern. Danke auch für Ihre Glückwünsche zum Sieg der Türkei über Japan. Habe meinen türkischen Freunden gesagt, dass sie nach dem Spiel gegen Senegal auch der deutschen Nationalmannschaft die Daumen drücken müssen!
Vergleiche zwischen Fußball und der Politik hinken sicher oft. Aber ich will es trotzdem wagen: Es könnte dem Duo Fischer-Schröder und Grün-Rot ja ähnlich ergehen wie den zuvor völlig unterschätzten Nationalmannschaften Deutschlands und der Türkei... Überraschungen nicht ausgeschlossen. Oh Gott, was mach ich eigentlich, wenn Deutschland gegen die Türkei im Finale steht???
Was Ihre Absicht angeht, die FDP gegen Rechts abzudichten, kann ich Ihnen persönlich nur alles Gute wünschen. Die Demokratie und das innenpolitische Klima, aber auch unser Ansehen im Ausland würden davon profitieren. Wenn ich mir allerdings anschaue, dass nun Herr Blüm Herrn Möllemann zur Seite springt und immer noch viele in der Bevölkerung Möllemanns Äußerungen als "Befreiungsschlag" empfinden (wer wurde eigentlich wovon befreit???), bleibe ich skeptisch.
Zur zugegebenermaßen schwierigen Rolle des kleineren Koalitionspartners verweise ich auf ein sinngemäßes Zitat des prominenten SPD-Politikers Erhard Eppler: Die Grünen sind der bislang einflussreichste kleine Koalitionspartner in der Geschichte der Bundesrepublik. Nachdem wir uns bereits alle sehr gefreut hatten, fügte er hinzu: Allerdings gab es bislang auch nur die FDP...
Ich fand es übrigens interessant, dass Sie bei der FDP vor der Wahlniederlage 1998 eine "sinnentleerende" Phase erkannt haben. Ein lobenswertes Eingeständnis! Dass diese Phase aber ausgerechnet mit Gaga-Guido geendet haben soll, kann ich nicht nachvollziehen.
Viel Spaß bei spannenden Fußball-Nachmittagen wünscht Ihr
Cem Özdemir
Quelle: www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,201789,00.html
Und nun meine Frage: Wie kann ein deutscher Politiker die Interessen unseres Landes vertreten, wenn sein Herz anscheinend mehr an einem anderen hängt? Ich finde solche Äußerungen unmöglich!