Bundesregierung wird Wachstumsprognose 2003 revidi


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Bundesregierung wird Wachstumsprognose 2003 revidi

 
25.01.03 15:22
Reuters
VORSCHAU-Bundesregierung wird Wachstumsprognose 2003 revidieren
Samstag 25. Januar 2003, 14:21 Uhr

- Von Gernot Heller -
Berlin, 25. Jan (Reuters) - Die Bundesregierung wird ihre Wachstumsprognose für 2003 in ihrem für Mittwoch angekündigten Jahreswirtschaftsbericht aller Voraussicht nach deutlich zurücknehmen.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte in den vergangenen Tagen angekündigt, die Regierung gehe in dem Bericht nur noch von einem Prozent Wirtschaftswachstum aus. In Regierungskreisen war davon bereits seit einigen Wochen die Rede gewesen. Die abgesenkte Prognose liegt damit um ein Drittel unter der bisherigen Regierungsprognose vom Herbst, in der 1,5 Prozent erwartet worden waren. Auch die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen von 4,2 bis 4,3 Millionen in diesem Jahr ist durchgesickert. Clement, der den Bericht erstmals präsentiert, spricht offiziell bislang von über vier Millionen Arbeitslosen. Darüber hinaus erfuhr Reuters aus Koalitionskreisen, dass die Regierung in dem Bericht mit einer wirtschaftlichen Belebung im zweiten Halbjahr rechnet. Der Export dürfte demnach wieder etwas stärker als 2002 zunehmen und Konjunkturmotor sein.

Die Regierung wird in dem Bericht voraussichtlich darauf hinweisen, dass der Fortgang des Irak-Konflikts der Ausschlag gebende Risikofaktor für alle Prognosen sei. So äußerte Clement bereits die Erwartung, dass eine friedliche Lösung der Krise der Konjunktur in Deutschland einen kräftigen Schub geben könnte. Ein prominenter Wirtschaftsforscher warnte dagegen: "Wenn es zu einem langen Irak-Krieg kommt, können wir alle Prognosen einstampfen." Und ein Regierungsexperte klagte: "Die Unsicherheiten um den Irak lähmen derzeit die gesamte Weltwirtschaft, auch in den USA." Wenn es überraschend doch zu einem längeren Krieg komme, dürften Ölpreise und Dollar-Kurs ansteigen, warnte Außenhandelspräsident Anton Börner. Die Folge wäre ein weiterer Einbruch der Weltwirtschaft und damit auch der deutschen Konjunktur. Für diesen Fall führen die Experten bereits das Wort Rezession im Munde.


AUCH REVIDIERTE REGIERUNGSPROGNOSE NOCH RELATIV HOCH

Auch mit einer revidierten Wachstumsprognose von einem Prozent läge die Bundesregierung noch am oberen Ende der Experten-Erwartungen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte erst vor kurzem seine Schätzung auf 0,6 Prozent zurückgenommen, auch der Bundesverband des Groß- und Außenhandels erwartet nicht mehr. Immer mehr der führenden deutschen Institute und Experten in Wissenschaft und Wirtschaft setzen inzwischen Wachstumsraten von unter einem Prozent an. Das obere Ende der Schätzungen liegt bei 1,1 Prozent.

Sollte die Irak-Krise aber, wie die meisten Fachleute in der Wirtschaft hoffen und erwarten, mit einem allenfalls kurzen militärischen Einsatz schnell gelöst werden, dürfte der Schaden für die Wirtschaftsentwicklung begrenzt bleiben. "Das wichtigste ist, dass die Unsicherheit aus dem Markt kommt", heißt es in Regierungskreisen. Sei die erst einmal beseitigt, könnten private Verbraucher wie Investoren wieder Mut schöpfen. Ein Aufschwung im zweiten Halbjahr 2003 wäre dann wahrscheinlich, getrieben von der US-Wirtschaft. Der bislang lahmende private Konsum sollte dann gleichfalls anziehen. In diesem Fall werde auch der zuletzt stark unter der Konsumentenzurückhaltung leidende Handel profitieren.

In ihrer optimistischeren Herbstprojektion 2002 hatte die Bundesregierung noch Zuwächse beim privaten Konsum und auch bei den Anlageinvestitionen um jeweils 1,5 Prozent angenommen. Die Exporte sollten demnach 2003 um 5,5 Prozent, die Importe um fünf Prozent zunehmen. Die Arbeitslosenzahl war in der Prognose im Jahresdurchschnitt noch auf 4,1 Millionen geschätzt worden.

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