Warren Buffett - Von Omaha nach Asien
Am vergangenen Wochenende war es wieder mal so weit, Berkshire Hathaway hielt die jährliche Hauptversammlung ab und Firmenchef Warren Buffett sprach zu den Anteilseignern. Eine Rekordzahl von 15.000 Aktionären war angereist, oder sollten wir sagen nach Omaha gepilgert, um den Weisheiten des Gurus zu lauschen. Für diejenigen, die nicht kommen konnten oder die sich die Aktie nicht leisten können (70.400 Dollar das Stück), hielt Buffett anschließend noch eine Pressekonferenz ab.
Dort wiederholte die Investmentlegende Vorwürfe, amerikanische Manager tendierten zu Gier, Pfusch und Größenwahn. Um den Bossen die Untugenden auszutreiben appellierte Buffett an die Großaktionäre, den CEOs Druck zu machen. "Großaktionäre sind für Manager so etwas wie ein 800-Pfund-Gorilla, den man nicht zornig erleben will", sagte Buffett. Die Anteilseigner sollten ihre Macht nutzen, um sinnvolle Führungsprinzipien in den Chefetagen durchzusetzen.
Wirtschaftsprüfer und Investmentbanker hätten im letzten Jahrzehnten genau das Gegenteil dessen getan, was eigentlich ihr Job sei, so der 72jährige: "Sie haben bei Verfehlungen nicht nur geschwiegen, sondern Konzerne sogar noch bei intransparenter Bilanzierung und Vertuschung beraten."
Buffetts Nachfolger schon gefunden
Warren Buffett hat keine Sorgen, dass bei Berkshire Hathaway einmal ähnliches passieren könnte. Gleich vier Nachfolger hält er für fähig, sein Amt zu besetzen, wenn er einmal nicht mehr in der Lage dazu ist. Allerdings denkt der zweitreichste Mann der Welt noch nicht ans aufhören.
Auf seiner unermüdlichen Suche nach unterbewerteten Unternehmen hat es das Orakel von Omaha jetzt bis nach Asien verschlagen. "Wir haben uns asiatische Unternehmen angesehen, schon gekauft und würden gerne weiter kaufen." PetroChina ist der größte Deal, den Berkshire bisher in Asien abgewickelt hat.
Buffett hat wegen der niedrigen Aktienkurse auch japanische Konzerne analysiert, war aber nicht wirklich begeistert. "Ich hatte gedacht, bei dem Kursniveau würde ich mehr Schnäppchen finden." Da ihm die Aussichten in der Region aber prinzipiell zusagen, ist Buffett gewillt, weiter nach Engagements Ausschau zu halten.
Zurück in der Heimat, gab der Selfmademan noch einen Kommentar zu den Steuerplänen des Präsidenten George Bush ab. Die Streichung der Besteuerung von Dividenden sei unfair, so Buffet, weil sie reichen Bürgern Vorteile verschaffe. Buffett muss es wissen, nach Bill Gates ist er der zweitreichste Mann der Welt.