Interview mit Brokat über die Kooperation mit Siemens.
Viel Spaß beim Lesen.
Haiopeis.
Brokat: "Das Marktvolumen ist enorm"
Brokat zählt zu den weltweit führenden Anbietern von
Verschlüsselungssoftware, welche beispielsweise beim Electronic
Banking oder dem Bezahlen im Internet benutzt wird.
Instock sprach mit dem Vizepräsidenten Hans-Dieter Groffmann über
die am 2. Oktober gemeldete dreiprozentige Beteiligung von Siemens an
Brokat und die ebenfalls vereinbarte Kooperation zwischen beiden
Unternehmen.
Instock:
Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Beteiligung von
Siemens an Brokat und der Kooperation bezüglich Entwicklung und
Vertrieb eines gemeinsamen Produktes zur Bezahlung von Einkäufen
über das Handy?
Groffmann:
Die strategische Beteiligung bildet die Grundlage für die gemeinsame
Arbeit. Wir arbeiten ja nicht nur beim Vertrieb, sondern auch bei der
Produktion eng mit Siemens zusammen. Produkte von Brokat und von
Siemens sollen dabei in ein neues Produkt integriert werden.
Instock:
Wieso beteiligt sich dann Brokat nicht auch an Siemens?
Groffmann:
Es hat sich einfach so angeboten, dass Siemens diese Kooperation mit
einer strategischen Beteiligung untermauert. Es sind ja bei uns auch
Aufwendungen notwendig. So werden beide Unternehmen zur
Realisierung des Projektes rund 50 Mitarbeiter einstellen.
Instock:
Ist es für ein solches Projekt notwendig, dass Siemens bei drei
Prozent Beteiligung an Brokat auch gleich noch einen
Aufsichtsratsposten in Ihrem Unternehmen bekommt?
Groffmann:
Der Aufsichtsrat wird ja von der Hauptversammlung gewählt. Es wird
selbstverständlich einen entsprechenden Vorschlag unsererseits geben.
Sicherlich ist es kein Automatismus, dass es bei Brokat für einen
bestimmten Beteiligungs-Prozentsatz einen Aufsichtsratsposten gibt. Es
macht einfach Sinn, bei unserer strategischen Ausrichtung auf „Mobile
Commerce“ erfahrene Personen von Siemens mit einzubinden.
Instock:
Wer ist mit welchen Anteilen an der Kooperation beteiligt?
Groffmann:
Wir kommen aus dem Bereich Internet-Zahlungssysteme und haben
schon neue mobile Zahlungssysteme entwickelt. Siemens ICM ist in der
Telekommunikations-Infrastruktur zu Hause und bietet Produkte wie
Prepaid-Kartensysteme im Telekommunikationsbereich an. Ausgehend
davon werden wir darauf basierende Neuentwicklungen auf den Markt
bringen. Für diese Produkte halten wir gemeinschaftlich die Rechte.
Instock:
Wie weit ist die Entwicklung bereits gediehen?
Groffmann:
Wir stehen noch am Anfang der Entwicklung. Es gibt erste Vorstellungen.
Wir haben auch schon erste Kontakte zu Kunden. Hier zeichnen sich
Möglichkeiten der Zusammenarbeit und gemeinsamer Auftritte ab.
Instock:
Können Sie die Kunden nennen?
Groffmann:
Nein.
Instock:
Wann wird die Markteinführung der gemeinsamen Produkte erfolgen?
Groffmann:
Es ist heute so, dass wir durch die Kombination unserer Produkte mit
denen von Siemens bereits gemeinsam am Markt auftreten. Darüber
hinaus werden wir eine gemeinsame Entwicklung anstoßen, um den
künftigen Herausforderungen gerecht zu werden.
Instock:
Wie sind die Risiken und Gewinne zwischen beiden Partnern verteilt?
Groffmann:
Jede Gesellschaft trägt ihren Teil. Jeder kann ja seine Produkte auch
anderweitig einsetzen. Der Gewinn richtet sich nach den Anteilen am
jeweiligen Projekt.
Instock:
Wie groß ist das prognostizierte Marktvolumen im Segment Mobile
Zahlungssysteme weltweit?
Groffmann:
Das Marktvolumen ist enorm. Studien gehen von 5 bis 6 Milliarden
US-Dollar in den nächsten drei bis vier Jahren aus. Davon wollen wir mit
unseren Produkten einen wesentlichen Anteil abdecken.
Instock:
Was ist für Sie ein wesentlicher Anteil?
Groffmann:
Von der Idee her sind das sicher schon zweistellige Prozentsätze. Das
hängt selbstverständlich auch davon ab, wie schnell sich das Ganze
umsetzen läßt und wie schnell auch die Kunden die neuen
Dienstleistungen in Anspruch nehmen werden.
Instock:
In der Meldung aus Ihrem Haus heißt es weiter, dass Siemens
umfangreiche Software-Lizenzen von Brokat erwirbt. Um welche
Software-Produkte handelt es sich?
Groffmann:
Wie ich bereits sagte, bringen wir in diese Kooperation unsere mobilen
Zahlungssystem-Applikationen und Twister mit ein.
Instock:
Wie werden sich die genannten Aktivitäten auf die Finanzplanung von
Brokat auswirken?
Groffmann:
Ich denke, dass wir hier einen wesentlichen Beitrag leisten können,
unsere anspruchsvollen Entwicklungsziele auch zu erfüllen.
Instock:
Gibt es daneben weitere Kooperationen mit Siemens oder sind weitere
in Planung?
Groffmann:
Diese Kooperation ist sicher ein Startpunkt gewesen. Hier sind noch
andere Dinge vorstellbar. Konkrete Überlegungen gibt es aber derzeit
noch nicht.
Instock:
Würde eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit Siemens auch zu
einer Aufstockung der Beteiligung von Siemens an Brokat führen?
Groffmann:
Das ist heute kein Gegenstand von Überlegungen.
Instock:
Gibt es Überlegungen, mit anderen Unternehmen Kooperationen
einzugehen, die mit einer entsprechenden Beteiligung an Brokat
gekoppelt sind?
Groffmann:
Es gab ja in der Historie schon einige Beteiligungen, etwa von Intel, an
Brokat. So etwas ist immer denkbar und sinnvoll, wenn man vor hat,
längerfristig in einem Kontext zusammenzuarbeiten. Ob es dazu kommt,
wird die Zukunft zeigen.
Instock:
Herr Groffmann, vielen Dank für das Interview.
Quelle:
www.instock.de/unternehmen/artikel/2000/10/04/37012/index.shtml