Bougainville Copper Ltd. (Code ASX: BOC) – ein Unternehmen, bei dem eine Investition einen 10-bagger bis zum Totalverlust bringen kann. Ein Unternehmen, dessen Geschichte mit jener der Insel Bougainville verbunden ist. Bougainville ist eine rund 8.800 km2 große Insel im pazifischen Ozean, gehört zum Inselstaat Papua-Neuguinea und verfügt über große Kupfer- und Goldvorkommen. Der Bergbau auf der 'Panguna' Open Cut-Mine (Slideshow) begann im Jahre 1968 durch Bougainville Copper Ltd., dem australischen Tochterunternehmen des britisch-australischen Bergbauunternehmen Rio Tinto (vormals CRA).
Die Mine wuchs auf eine Länge von 2,4 Kilometern und eine Tiefe von über 400 Metern. Bis zum blutigen Bürgerkrieg ins Jahr 1989 hinein war sie eine der weltweit größten Kupferminen, die im Tagebau betrieben wurden und diesbezüglich ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für das Bruttosozialprodukt von Papua-Neuguinea. Aus der Mine wurden Kupferkonzentrate produziert und von 1972 bis zur Schließung 3,1 Millionen Tonnen Kupfer, 306 Tonnen Gold und 783 Tonnen Silber gefördert. Rund 3.600 Menschen arbeiteten für die Mine, die sich aus ca. 80% aus Einheimischen rekrutierten.
Der Grund für den Bürgerkrieg, bei dem über 20.000 Menschen starben, war zum einen die ungerechte Aufteilung der Erträge aus der 'Panguna'-Mine zwischen drei großen Interessensgruppen: den Landeignern, der Provinzegierung und der nationalen Regierung. Über 17 Jahre hinweg wurden die Erträge aus der Minentätigkeit zu 58,4% an die nationale Regierung und nur 4,8% an die Provinzregierung abgeführt mit lediglich 0,2% für die Landeigner. Die verbleibenden 46,6% gingen an die Aktionäre. Dabei war der Staat Papua-Neuguinea zu 19,1% und die Öffentlichkeit mit 37,3% an der Mine beteiligt. Infolge der durch die Rebellen erzwungenen Stillegung der Mine gingen die Staatseinnahmen Papua-Neuguineas um 20% zurück.
Der Grundstein für den blutigen Bürgerkrieg wurde schon von Beginn der Bougainville Kupfer-Mine an durch die Regelung gelegt, dass an die Bevölkerung von Bougainville monatliche Zuwendungen zu zahlen wären, aber lediglich an jene, die zum Zeitpunkt der Errichtung der Mine lebten. Die nachfolgende Bevölkerung war ausgeschlossen. Wie in der oben aufgelisteten prozentualen Verteilung hervorgeht, floss zudem nur ein Bruchteil der Erträge nach Bougainville zurück. Ein offener Affront bezüglich der hohen Arbeitslosigkeit und Armut.
Außerdem führte die im Tagebau betriebene Mine völlig ungebremst zu enormen ökologischen Schäden. An Faktoren des Umweltschutzes oder gar Renaturierung wurde seinerzeit nicht gedacht. Wo einst ein Berg war, klaffte nach 17 Jahren ein 500 Meter tiefes Loch und die Flussläufe des Gebietes lagen brach oder waren vergiftet.
Starke Spannungen zwischen den Clans, der Bevölkerung von Bougainville, dem Minenbetreiber und dem Staat Papua-Neuguinea waren die Folge. Die im Umfeld der 'Panguna'-Mine lebenden Clans gründeten die „Revolutionäre Armee Bougainvilles“ (BRA). Aktionen und Reaktionen wurden infolge der Ignoranz gegenüber den Forderungen forciert und waren mehr und mehr von Gewalt geprägt. Die Ureinwohner benutzten klassische Waffen wie Pfeil und Bogen, primitive Gewehre oder aus dem 2. Weltkrieg liegen gebliebene Sprengbomben.
Wurden anfänglich die durch den Urwald führenden Strommasten zur Energieversorgung der 'Panguna'-Mine gekappt und somit der Minenbetrieb mehrmals stillgelegt, so wurden später die Busse zur Beförderung der Minenarbeiter angegriffen und Arbeiter getötet. Nach wiederholter Ablehnung der durch die Clans vorgetragenen Forderung für eine Entschädigung für durch die Mine bedingte Umweltschäden, wurde die 'Panguna'-Mine durch Gruppen um um Francis Ona, den Präsidenten der 'Panguna Land Owners Association, im November 1988 derart sabotiert, dass sie stillgelegt wurde.
Durch die nationale Regierung entsendete Militärtruppen sollten im März 1989 alle Aufstände und den Widerstand brechen, was jedoch scheiterte und die Situation eskalieren ließ. Weder konnte die Stromversorgung, die durch den Urwald führte, gesichert werden, noch das Personal der Mine geschützt, so dass Rio Tinto/CRA im Jahre 1989 die Aufgabe der Mine beschloss.
Unter dem nachfolgendem Link ist in vier Teilen jeweils rund 10-minütige TV-Dokumentation über die Folgen des Bürgerkrieges auf Bougainville zu sehen. Ebenso erscheinen darin Francis Ona und Joseph Kabui. Gezeigt werden insbesondere im 2. Teil Aufnahmen von der 'Panguna'-Mine in Produktion sowie des Areals heute:
video.google.de/...=Witness+Coconut+Revolution+in+Bougainville Aufgrund des äußerst brutalen Vorgehens der 'regulären' Armee gegen die Bevölkerung konnte die „Revolutionäre Armee Bougainvilles“ (BRA) große Teile der knapp 200.000 Insolaner für sich gewinnen. Nach diversen Siegen der BRA-Guierilla-Kämpfer gegen die Regierungstruppen wurde die Armee 1990 abgezogen. Infolge verhängte die Nationale Regierung Papua-Neuguineas eine Blockade über die Insel Bougainville. Ohne eingeführte Lebensmittel und medizinische Versorgung starben Tausende Zivilisten an den Folgen des Embargos.
Die „Revolutionäre Armee Bougainvilles“ konnte weder für die Versorgung der Bevölkerung, noch für einen wirtschaftlichen Wiederaufbau sorgen. Im Gegenteil, sie wurde zum Sinnbild von Korruption und Gewalt gegenüber Zivilisten. Infolge wurden Truppen zum Schutz der Dörfer aufgestellt, die sich den im Jahre 1992 zur Rückeroberung von Bougainville entsendeten Regierungstruppen anschlossen. Die letzte Hochburg der „Revolutionären Armee Bougainvilles“ war das Berggebiet um die 'Panguna'-Mine. Hier gründeten die Revolutionäre ihr 'Bougainville Interim Government' mit Francis Ona als Präsident.
Julius Chan, 1997 papua-neuguinesischer Premierminister, holte im selben Jahr die britisch-südafrikanische Söldnertruppe 'Sandline International' nach Bougainville. Die Söldnertruppe sollte die „Revolutionäre Armee Bougainvilles“ bezwingen und die Kupfermine zurück erobern. In Port Moresby, der Hauptstadt von Papua-Neuguinea, kam es zu eskalierenden Demonstrationen gegen den Einsatz von 'Sandline International', an denen auch Teile der regulären Armee beteiligt waren. Aufgrund der Demonstrationen und der sogenannten Sanaline-Affäre musste Premierminister Chan zurücktreten. General Jerry Singirok nahm die Söldnertruppe gefangen und verwies sie des Landes. Auf der Insel Bougainville besiegten die Rebellen abermals die entsandten Truppen der Regierung, so dass der neue Premier Bill Skate unverzüglich die Verhandlungen mit Francis Ona aufnahm.
Im Oktober 1997 kam es schließlich zur Waffenruhe und im Januar 1998 wurde in Neuseeland ein vorläufiges Friedensabkommen unterzeichnet. Im Jahre 2001 folgte das endgültige Friedensabkommen, in dem für Bougainville der Status einer autonomen Provinz innerhalb Papua-Neuguineas gewährt wurde.
Am 15. Juni 2005 kam es zur Wahl der ersten Autonomen Regierung von Bougainville, die nach dem Bürgerkrieg rund 175.000 Insolaner vertritt, die 30 der 800 verschiedenen Sprachen Papua-Neuguineas sprechen. Präsident wurde Joseph Kabui, ein ehemaliger Weggefährte von Francis Ona, der sich gegen die Wahlen ausgesprochen hatte, da seines Erachtens Bougainville bereits unabhängig war. Im Juli 2005 starb Francis Ona an Malaria und Typhus. Ein von ihm in San Francisco wegen der Umweltzerstörungen angestrengter Prozess muss noch über milliardenschwere Entschädigungsforderungen zugunsten der Clans und Landeigner um die Kupfermine entscheiden. Erst mit 17. April 2007 entschied U.S. 9th Court für die Aufrechterhaltung der Rechtsansprüche der Insolaner von Bouganville gegen Rio Tinto. Der Prozess indessen wird noch viele Jahre andauern.
Die Autonome Regierung von Bougainville hat vom Parlament aufgrund der wirtschaftlichen Vorteile die Bestätigung einer offenen Option zur Wiedereröffnung der Mine erhalten. Denn der wirtschaftliche Wiederaufbau erweist sich als äußerst schwierig und langwierig. Grund dafür ist sind die durch den Bürgerkrieg zerstörten ökonomischen Strukturen, was infolge bedingt, dass die Autonome Regierung in der Insel-Hauptstadt Arawa kaum über Steuereinnahmen und somit über die benötigten finanziellen Mittel verfügt, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Somit ist die Wiedereröffnung der 'Panguna'-Mine ein makro-ökonomischer Faktor, um mithilfe von Steuereinnahmen alternative Wirtschaftszweige wie Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus zu fördern. Im März 2006 kam es dann in London zu ersten Verhandlungen bezüglich einer Wiedereröffnung der 'Panguna'-Mine zwischen dem papua-neuguineanischen Minister Sam Akoitai und dem Konzern Rio Tinto.
Zahlen und Fakten:
Die Lebensdauer der 'Panguna'-Mine bei Wiedereröffnung beträgt noch rund 18 Jahre. Unter Verwendung der aktuellen Rohstoffpreise beträgt der Wert der Reserven geschätzte 30 Milliarden US$. Dies macht auch nachträglich verständlich warum bereits 1991 Jay Pritzker, Milliardär und Investor aus Chicago, pro Share aus dem Aktienkaptial von Bougainville Copper Ltd. 3,32 US$ bot (damals 5,60 DM/Aktie). Rio Tinto (vormals CRA), das als größer Aktionär 53,58% an der 'Panguna'-Mine besitzt, schlug das Angebot als 'ungenügend' ab. Der Kupferpreis lag Anfang der 1990er-Jahre übrigens bei 800-1.000 US$/Tonne; gegenwärtig und bedingt durch sinkende Lagerbestände sowie anziehender Nachfrage aus den USA und China und zudem durch den Streik in einer der größten Kupferminen Chiles stieg der Preis für Kupfer gar auf 7.970 US$ je Tonne.
Im mit 19.04.2007 herausgegebenen 'Quaterly Production Report' für das Quartal mit Ende 31.03.2007 heißt es schlicht: 'The Directors of Bougainville Copper Limited report that ther has been no production since 15 May 1989."
Die Aktivitäten rund um die Wiederaufnahme des Abbaus gehen jedoch weiter. Gegenwärtig laufen Verhandlungen mit den Landeignern des Gebietes, um die 'Panguna'-Mine wieder eröffnen zu können. Ein neues 'Bougainville Copper Agreement' (kurz "BCA") wird ausgehandelt, das den Landeignern gegenüber den in den 70er und 80er Jahren minimalen 0,02% definitiv 2-2,5% aus den Erlösen des Verkaufs der auf ihrem Gebiet geförderten Edelmetalle garantieren soll.
Neben den noch positiv abzuschließenden Verhandlungen gibt es einen ernst zu nehmenden Konkurrenten, der ebenfalls die Mine wieder in Betrieb nehmen möchte: Ord River Resources. Eine Tochtergesellschaft von China Non-Ferrous Metal Mining (CNMC), namens China Non-Ferrous Metals International Mining (CNMIM), hält seit über 2 Jahren eine Beteiligung von über 15% an Ord River Resources. Über das australische Minenunternehmen versucht man, an eine Genehmigung für die Wiederaufnahme des Open-Pit-Abbaus für die 'Panguna'-Mine zu gelangen.
Nun gibt es zwei Fronten: Sir Michael Somare, der Premierminister von Papua Neuguinea, bevorzugt eher die Wiederaufnahme der Minenaktivität unter australisch-chinesischer Führung, also ORD River Resources.
Dagegen würden die Landeigner aufgrund der Beteiligungszusprüche von 2-2,5% sowie der papua-neuguineanische Minister für Bergbau, Akatoi, eher Bougainville Copper Ltd. (BOC) bevorzugen. Sprecher der Landeigner ist im übrigen Lawrence Daveona, Cousin des verstorbenen Francis Ona.
Mittlerweile wird die Wiederöffnung der 'Panguna'-Mine unter den Insolanern von Bougainville öffentlich diskutiert.
Bougainville Copper selbst wähnt sich dem Ziel einer Wiedereröffnung der 'Panguna'-Mine näher denn je. Anfang Februar 2007 legten Peter R. Taylor sowie der Vorstand der Gesellschaft einen 3-Jahresplan vor mit der klaren Zielsetzung einer baldigen Rückkehr zur aktiven Exploration und gewinnbringenden Bergbau. Noch im Jahr 2007 soll der leidige Steuerstreit beigelegt werden und die Überarbeitung des oben genannten Bougainville Copper Agreement (BCA) beginnen. Im Falle einer Aufhebung der bestehenden Gesetzeslage will man vorbereitet sein. Die Gesellschaft hat in der Inselhauptstadt Arawa Büros eröffnet. Laut Peter R. Taylor laufen bereits die Vorbereitungen zur erneuten Inbetriebnahme der 'Panguna'-Mine, um in der Lage zu sein, die Mine schnellstmöglich wieder in Betrieb nehmen zu können. Das Minenvermögen ist indessen nach wie vor nicht zugänglich, so dass Bouganivlle Copper die Unterstützung der Landeigner benötigt, um die Vermögenswerte und somit die Kosten für die Wiedereröffnung berechnen zu können.
Hier den Jahresbericht 2006 abrufen:
www.bougainvillecopper.com.pg/annual2006.pdf Die wichtigsten Zahlen daraus: 2006 2005
Investment income (Kina '000) 8,203 7,434
Operating profit (Kina '000) 3,657 116
Earnings per share (toea) 0.912 0.029
Shareholders’ funds (Kina '000) 378,240 340,566
Return on shareholders’ funds (per cent) 0.967 0.034
Analyse: So aussichtsreich ein Invest in Bougainville Copper Ltd. auch erscheinen mag, die Risiken sind nicht zu übersehen. Umweltschutz und offener Gruben-Abbau lassen sich kaum vereinen. Die Folgen sind für alle ersichtlich, gerade in einem ökologisch derart hochwertigen Inselreich wie Bougainville. Mit Widerstand gegen den erneuten Abbau sollte also auch weiterhin zu rechnen sein.
Für den potentiellen Anleger stehen zudem zwei Aktien zur Auswahl:
Bougenville Copper Ltd. ADR (Auslandsaktien) Orginale
WKN:
867948 852652 ISIN:
US1013952007 PG0008526520 Symbol an deutschen Börsen BOU BOU1
Kurs am 18.04.2007 0,374 Euro 0,44 Euro
Bei Vergleich der Kurse zwischen den ADR's und den ORG's fällt die derzeitige Spanne von rund 6,5 Cent auf, wobei der Umtausch der ARD's in ORG's lediglich 3 Cent pro Aktie kostet. Herkömmliche Anleger sollten aber die Vorteile der ORG's schätzen, denn neben größeren Aktionärsrechten bieten sie eine höhrere Kurssicherheit.
Für Anleger gilt, Chancen und Potential von Bougainville Copper Ltd. gegen das Risiko eines Totalausfalls durch Nichterhalt der Genehmigung zur Wiedereröffnung der Mine abzuwiegen. Das bestehende Potential der 'Panguna'-Mine besteht aus 166.000 Tonnen Kupfer, 13,8 Tonnen Gold, 48 Tonnen Silber sowie einer unbestimmten Menge an zusehends mehr gefragten Molybdän. Hochrechnungen ergeben einen geschätzten Gewinn von 1,17 Milliarden US$ jährlich bei einem Minenleben von 18 Jahren – ohne Molybdän. Zusätzlich verfügt die Gesellschaft über neun weitere Lizenzen auf Bougainville.
Fazit: Sollte Bougainville Copper Ltd. die 'Panguna'-Mine wieder eröffnen können, so steht der Aktie wohl eine einzigartige Kursrallye bevor. Bis zu positiven Meldungen könnte der Kurs jedoch etwas abdriften.
Ausgegebene Aktien 401 Mio.
Marktkapitalisierung 176,5 Mio. €
Kurs 18.04.2006 0,44€
StoppLoss: -15 % des Kaufkurses
Kursziel 4 €
Die 0,44 Euro werden wir wohl nicht mehr sehen.