Aus der FTD vom 19.6.2001
Boris Becker: Als Geschäftsmann Kreisklasse
Von Anton Notz und Nina Klöckner, Hamburg
Der Unternehmer Boris Becker zahlt Lehrgeld und muss nun sein Imperium neu ordnen.
Zwei Jahre nach seinem letzten Match in Wimbledon macht er wieder das, was er unbestritten kann. Der Business-Anzug von Armani hängt zu Hause in Bogenhausen im Kleiderschrank, und Boris Becker spielt im sonnigen Florida Tennis. In aller Ruhe bereitet er sich auf das Comeback bei der Senioren-ATP-Tour vor, während sein Firmenimperium in Deutschland Risse bekommt.
Das Internetportal Sportgate AG, an dem Boris Becker mit 55 Prozent beteiligt ist, musste in der vergangenen Woche Insolvenz beantragen. Die Öko-Lebensmittelfirma New Food AG, an der er zehn Prozent hält, kommt nicht aus den Startlöchern. Und zahlreiche andere Unternehmungen wie die Agenturen Boris Becker Marketing (BBM) in München oder Boris Becker International Sportmarketing (BBI) im Schweizer Steuerparadies Pfäffikon dümpeln vor sich hin.
"Boris muss im wahren Leben erst ankommen und begreifen, dass sich seine Existenz nicht mehr auf dem Tennisplatz entscheidet", sagt Helmut Thoma, Vorstandsvorsitzender bei Sportgate. Als früherer RTL-Chef dem Star schon seit den 80er Jahren verbunden, meint er heute resigniert: "Nach diesen Erfahrungen würde ich kein Geschäft mehr mit Boris Becker machen." Auch der Gründer der Mediaagentur Pixelpark, Paulus Neef, der bei Sportgate 7 Mio. DM einbüßte, ist entnervt: "Vielfache Versuche, mit Herrn Becker Termine für die notwendigen Gespräche und Abstimmungen zu machen, sind gescheitert. In den letzten Tagen war er nicht einmal mehr telefonisch zu erreichen."
Seit der Scheidung von seiner Frau Barbara ist der 33-Jährige vor allem Lebemann. Dabei hatte er im vergangenen Jahr noch großspurig angekündigt, er wolle im Sommer 2001 an der Börse sein. Gazetten wie "Frau im Spiegel" schwärmten: "Aus Boris Becker ist ein brillanter, zukunftsorientierter Geschäftsmann geworden - selbstbewusst im edlen Zwirn und mit Zigarre." Wirklich erfolgreich ist der Jungunternehmer aber nur mit seiner Selbstvermarktung.
Völkl wartet auf ein Becker-Ass
Werbeverträge mit AOL und DaimlerChrysler sichern ihm zweistellige Millionenbeträge. Die Verbindung mit dem US-Online-Dienst nennt er dabei gerne eine "strategische Partnerschaft", aus der noch einmal ganz Großes erwachsen soll. Allerdings hat sein Siegerimage gelitten unter Scheidungskrieg und Samenraub.
Als Becker im Juli 1999 bei der Traditionsfirma Völkl einstieg, wollte er ihr mehr als nur sein PR-Gesicht leihen. Er brachte 7,5 Mio. DM ein und übernahm die Hälfte an der Völkl Tennis GmbH. Der letzte deutsche Skihersteller, Anfang der 90er Jahre fast pleite, müht sich seither, mit dem Namen des dreimaligen Wimbledon-Siegers das Geschäft zügig auszubauen.
Anfang Februar präsentierte Boris seinen neuen Wunderschläger "Quantum 10 Tour". Dieses Rackett, im Bumm-Bumm-Stil "speziell für Serve-and-Volley konzipiert", sollte angeblich mehr können als nur den Filzball übers Netz befördern: Es sollte seinen Besitzer darin bestätigen, dass er einfach klasse ist. "Die Marke BB vermittelt ein Lebensgefühl, eine Botschaft und Connections", sagt Becker. Aber für das gemeine Tennisvolk scheint das Lebensgefühl des Sportidols derzeit wenig erstrebenswert zu sein. "In einem stark einbrechenden Markt läuft der Völkl-Schläger ausgesprochen mäßig", heißt es im Sportfachhandel.
"Wir wollen die Nummer eins werden", hatte Becker als Ziel ausgegeben. Doch davon ist Völkl-Tennis Ewigkeiten entfernt. Nach Weltmarktführer Head und Verfolger Wilson kommt lange nichts. Die Becker-Firma hat bescheidene fünf Prozent Marktanteil und rangelt mit Dunlop und Prince um die weiteren Plätze. "Mit Völkl spielen vorwiegend Leute, die im Winter einen Völkl-Ski fahren", sagt Randolph Petersen, Deutschlands größter Versandhändler für Tennisschläger. "Das Unternehmen schafft es nicht, von außen Nachfrage zu schaffen." Zum Völkl-Gesamtumsatz von 150 Mio. DM trägt die Tennis-Tochter nur zehn Prozent bei. Profitabel ist das Geschäft bisher nicht.
"Boris Becker steht für Erfolg und Seriosität", lautet der Leitspruch seiner BBM, die auf die Vermarktung von Sportlern und Events ausgerichtet ist. Aber der Versuch, seinem ersten Manager Ion Tiriac nachzueifern, den eigenen Schützlingen Millionenverträge zuzuschanzen und selbst glänzend dabei zu verdienen, ist in den Anfängen steckengeblieben.
B.B.s Öko-Trip mit Hindernissen
"Ich nehme nicht viele und nur die Besten", hatte Becker angekündigt. Topstars stehen bei BBM jedoch nicht Schlange. In der Branche gilt die Agentur als "eine nicht wahrnehmbare Größe". Das Unternehmen beschäftigt eine Hand voll Mitarbeiter und macht dem Vernehmen nach unter 500.000 DM Jahresumsatz.
Statt der von Becker avisierten "Kollektion von Diamanten" hat BBM nur Halbedelsteine im Schaufenster. Den deutschen Tennisprofi David Prinosil beispielsweise, Platz 96 der Weltrangliste; und den Fußballstürmer Andrej Schewtschenko vom AC Mailand. Anfänglich konnte BBM dem Weißrussen noch nicht einmal einen Schuhvertrag besorgen. Auch sonst ist der Kicker im Business nur schwer zu vermitteln. So winkte Telegate-Chef Klaus Harisch, ein Becker-Bekannter, dankend ab. Mit dem Computer-Reparaturbetrieb Home Jumper kam schließlich ein Vier-Millionen-Deal zustande. Allerdings hat Boris Becker dabei offensichtlich mit sich selbst ein Geschäft gemacht. Nach Harischs Angaben ist B.B. an Home Jumper finanziell beteiligt.
Auch das Engagement bei der New Food AG läuft etwas anders als gedacht. Ursprünglich plante der Öko- Vertrieb, bei dem Becker im Februar mit 1 Mio. DM einstieg, über ein Shop-in-Shop-System sowie Teleshopping und Internet "biologisch hochwertige Lebensmittel" zu verkaufen. Doch dann gerieten Hauptgesellschafter Harisch und Mitgesellschafter Friedrich Büse über Kreuz - und der Fahrplan durcheinander.
Im April sollten erste Produkte wie Nudeln, Olivenöl und Brot angeboten werden, im Herbst auch Fleisch, Fisch und Gemüse. Fehlanzeige. Der Start für den Verkauf des Gesundheitsfutters wurde auf 2002 verschoben. "Das Konzept wird völlig überarbeitet. Der alte Vorstand hat nicht so professionell vorgearbeitet, wie das notwendig ist", begründet die neue Geschäftsführerin Susanne Hofmann den Schlingerkurs. Der Finanzvorstand bei New Food ist weg, auch Mitbegründer Büse inzwischen ausgestiegen. Er hat Zweifel, ob das Startup jemals erfolgreich sein wird: "Für 2002 lag das Umsatzziel bei 32 Mio. DM. Das ist auf keinen Fall zu erreichen."
Ziemlich problemlos und solide läuft eigentlich nur Beckers Geschäft mit den drei Mercedes-Autohäusern in Stralsund, Greifswald und Ribnitz-Damgarten. Die 110 Mitarbeiter, die dort beschäftigt sind, setzen im Jahr gut 100 Mio. DM um.
Sportlich einst Weltklasse, geschäftlich nur Kreisklasse. Ein deklassierendes Ergebnis, vor allem dann, wenn Entrepreneur Becker sich an eigenen Aussagen messen lässt.
Ein globaler Superstar wie er denkt und redet nur in Superlativen. "Mit zweitrangigen Dingen gebe ich mich nicht ab. Das habe ich nicht nötig", tönte er gegenüber der "Wirtschaftswoche". Außerdem könne er sich auf sein Bauchgefühl verlassen: "Ich spüre nicht nur früh, ob es gut läuft. Ich spüre auch rechtzeitig, ob das Ganze den Bach runtergeht."
"Er hat Visionen und Leidenschaft, verliert aber auch schnell die Lust", sagt einer seiner früheren Wegbegleiter. Über Becker-Sätze wie "Die Büroarbeit macht mir Spaß. Ich bin ja auch diszipliniert genug, um immer da zu sein, wenn ich gebraucht werde" schmunzelt er nur.
Eine Holding solls richten
Selbst auf dem Gebiet, in dem der ehemalige Tennisprofi seine "Kernkompetenz" wähnt, läuft es nicht gerade rund. Gut zwei Jahre fungierte er als Daviscup-Teamchef, bevor er nach Krisen, Krächen und Konflikten "auf eigenen Wunsch" den Dienst quittierte. Die finanzielle Unterstützung der Mannschaft scheiterte ebenfalls. BBM wollte dem Verband einen Sponsor vermitteln. Der Kontrakt mit Viag Interkom kam jedoch nie zustande. Becker hatte übersehen, dass der Werbeplatz auf den T-Shirts der Tennisspieler bereits exklusiv an den US-Ausrüster Nike vergeben war.
Sein Mercedes-Junior-Team, 1997 mit viel Getöse eingerichtet, sollte den Nachwuchs der kränkelnden Sportart wieder an die Spitze führen. Die Bilanz: Zwei Spieler wurden wegen Diebstahl gefeuert, am Ende umfasste das Team gerade noch zwei Athleten, die irgendwo in den Hundertern der Weltrangliste rangierten. Inzwischen ist die Kaderschmiede in dieser Form aufgelöst.
Der Autokonzern sucht nun mit dem DTB nach einer neuen Basis für die Nachwuchsförderung. Welche Rolle Becker dabei einnehmen wird, ist ungewiss. "Von einem Ausstieg kann nicht die Rede sein", sagt Mercedes-Sprecherin Claudia Merzbach zwar. Viel Wert auf eine weitere Zusammenarbeit scheint der Konzern aber auch nicht zu legen. Eine Verwendung werde es für den prominenten Mitarbeiter bestimmt geben, sagt Merzbach lapidar.
Nicht alle lassen sich von Beckers zweifelhaften Ruf als Geschäftsmann verunsichern. Hans-Dieter Cleven, erfolgreicher Manager und Metro-Aufsichtsrat, hat mit ihm erst vor wenigen Wochen eine Firma gegründet. Sie soll Beckers Portfolio bereinigen, das Firmenkonglomerat samt aller Beteiligungen umstrukturieren und überschaubarer machen - mit dem neuen BBM-Chef Thomas Deissenberger als Vorstandsvorsitzenden. "Boris Becker plant einen Neuanfang für bestimmte Dinge", sagt Cleven.
Der Manager mit Schweizer Wohnsitz scheint einer der wenigen zu sein, die den "beratungsresistenten Becker" (so Thoma) mit ihren Botschaften noch erreichen. "Da halte ich auch mal den Mund und höre zu", gibt der große Meister selbst zu. Aus Clevens Sicht geben sie beide ein perfektes Doppel ab: "Ich kann nicht so gut Tennis spielen wie er und er nicht so gut Business machen wie ich."
Boris Becker: Als Geschäftsmann Kreisklasse
Von Anton Notz und Nina Klöckner, Hamburg
Der Unternehmer Boris Becker zahlt Lehrgeld und muss nun sein Imperium neu ordnen.
Zwei Jahre nach seinem letzten Match in Wimbledon macht er wieder das, was er unbestritten kann. Der Business-Anzug von Armani hängt zu Hause in Bogenhausen im Kleiderschrank, und Boris Becker spielt im sonnigen Florida Tennis. In aller Ruhe bereitet er sich auf das Comeback bei der Senioren-ATP-Tour vor, während sein Firmenimperium in Deutschland Risse bekommt.
Das Internetportal Sportgate AG, an dem Boris Becker mit 55 Prozent beteiligt ist, musste in der vergangenen Woche Insolvenz beantragen. Die Öko-Lebensmittelfirma New Food AG, an der er zehn Prozent hält, kommt nicht aus den Startlöchern. Und zahlreiche andere Unternehmungen wie die Agenturen Boris Becker Marketing (BBM) in München oder Boris Becker International Sportmarketing (BBI) im Schweizer Steuerparadies Pfäffikon dümpeln vor sich hin.
"Boris muss im wahren Leben erst ankommen und begreifen, dass sich seine Existenz nicht mehr auf dem Tennisplatz entscheidet", sagt Helmut Thoma, Vorstandsvorsitzender bei Sportgate. Als früherer RTL-Chef dem Star schon seit den 80er Jahren verbunden, meint er heute resigniert: "Nach diesen Erfahrungen würde ich kein Geschäft mehr mit Boris Becker machen." Auch der Gründer der Mediaagentur Pixelpark, Paulus Neef, der bei Sportgate 7 Mio. DM einbüßte, ist entnervt: "Vielfache Versuche, mit Herrn Becker Termine für die notwendigen Gespräche und Abstimmungen zu machen, sind gescheitert. In den letzten Tagen war er nicht einmal mehr telefonisch zu erreichen."
Seit der Scheidung von seiner Frau Barbara ist der 33-Jährige vor allem Lebemann. Dabei hatte er im vergangenen Jahr noch großspurig angekündigt, er wolle im Sommer 2001 an der Börse sein. Gazetten wie "Frau im Spiegel" schwärmten: "Aus Boris Becker ist ein brillanter, zukunftsorientierter Geschäftsmann geworden - selbstbewusst im edlen Zwirn und mit Zigarre." Wirklich erfolgreich ist der Jungunternehmer aber nur mit seiner Selbstvermarktung.
Völkl wartet auf ein Becker-Ass
Werbeverträge mit AOL und DaimlerChrysler sichern ihm zweistellige Millionenbeträge. Die Verbindung mit dem US-Online-Dienst nennt er dabei gerne eine "strategische Partnerschaft", aus der noch einmal ganz Großes erwachsen soll. Allerdings hat sein Siegerimage gelitten unter Scheidungskrieg und Samenraub.
Als Becker im Juli 1999 bei der Traditionsfirma Völkl einstieg, wollte er ihr mehr als nur sein PR-Gesicht leihen. Er brachte 7,5 Mio. DM ein und übernahm die Hälfte an der Völkl Tennis GmbH. Der letzte deutsche Skihersteller, Anfang der 90er Jahre fast pleite, müht sich seither, mit dem Namen des dreimaligen Wimbledon-Siegers das Geschäft zügig auszubauen.
Anfang Februar präsentierte Boris seinen neuen Wunderschläger "Quantum 10 Tour". Dieses Rackett, im Bumm-Bumm-Stil "speziell für Serve-and-Volley konzipiert", sollte angeblich mehr können als nur den Filzball übers Netz befördern: Es sollte seinen Besitzer darin bestätigen, dass er einfach klasse ist. "Die Marke BB vermittelt ein Lebensgefühl, eine Botschaft und Connections", sagt Becker. Aber für das gemeine Tennisvolk scheint das Lebensgefühl des Sportidols derzeit wenig erstrebenswert zu sein. "In einem stark einbrechenden Markt läuft der Völkl-Schläger ausgesprochen mäßig", heißt es im Sportfachhandel.
"Wir wollen die Nummer eins werden", hatte Becker als Ziel ausgegeben. Doch davon ist Völkl-Tennis Ewigkeiten entfernt. Nach Weltmarktführer Head und Verfolger Wilson kommt lange nichts. Die Becker-Firma hat bescheidene fünf Prozent Marktanteil und rangelt mit Dunlop und Prince um die weiteren Plätze. "Mit Völkl spielen vorwiegend Leute, die im Winter einen Völkl-Ski fahren", sagt Randolph Petersen, Deutschlands größter Versandhändler für Tennisschläger. "Das Unternehmen schafft es nicht, von außen Nachfrage zu schaffen." Zum Völkl-Gesamtumsatz von 150 Mio. DM trägt die Tennis-Tochter nur zehn Prozent bei. Profitabel ist das Geschäft bisher nicht.
"Boris Becker steht für Erfolg und Seriosität", lautet der Leitspruch seiner BBM, die auf die Vermarktung von Sportlern und Events ausgerichtet ist. Aber der Versuch, seinem ersten Manager Ion Tiriac nachzueifern, den eigenen Schützlingen Millionenverträge zuzuschanzen und selbst glänzend dabei zu verdienen, ist in den Anfängen steckengeblieben.
B.B.s Öko-Trip mit Hindernissen
"Ich nehme nicht viele und nur die Besten", hatte Becker angekündigt. Topstars stehen bei BBM jedoch nicht Schlange. In der Branche gilt die Agentur als "eine nicht wahrnehmbare Größe". Das Unternehmen beschäftigt eine Hand voll Mitarbeiter und macht dem Vernehmen nach unter 500.000 DM Jahresumsatz.
Statt der von Becker avisierten "Kollektion von Diamanten" hat BBM nur Halbedelsteine im Schaufenster. Den deutschen Tennisprofi David Prinosil beispielsweise, Platz 96 der Weltrangliste; und den Fußballstürmer Andrej Schewtschenko vom AC Mailand. Anfänglich konnte BBM dem Weißrussen noch nicht einmal einen Schuhvertrag besorgen. Auch sonst ist der Kicker im Business nur schwer zu vermitteln. So winkte Telegate-Chef Klaus Harisch, ein Becker-Bekannter, dankend ab. Mit dem Computer-Reparaturbetrieb Home Jumper kam schließlich ein Vier-Millionen-Deal zustande. Allerdings hat Boris Becker dabei offensichtlich mit sich selbst ein Geschäft gemacht. Nach Harischs Angaben ist B.B. an Home Jumper finanziell beteiligt.
Auch das Engagement bei der New Food AG läuft etwas anders als gedacht. Ursprünglich plante der Öko- Vertrieb, bei dem Becker im Februar mit 1 Mio. DM einstieg, über ein Shop-in-Shop-System sowie Teleshopping und Internet "biologisch hochwertige Lebensmittel" zu verkaufen. Doch dann gerieten Hauptgesellschafter Harisch und Mitgesellschafter Friedrich Büse über Kreuz - und der Fahrplan durcheinander.
Im April sollten erste Produkte wie Nudeln, Olivenöl und Brot angeboten werden, im Herbst auch Fleisch, Fisch und Gemüse. Fehlanzeige. Der Start für den Verkauf des Gesundheitsfutters wurde auf 2002 verschoben. "Das Konzept wird völlig überarbeitet. Der alte Vorstand hat nicht so professionell vorgearbeitet, wie das notwendig ist", begründet die neue Geschäftsführerin Susanne Hofmann den Schlingerkurs. Der Finanzvorstand bei New Food ist weg, auch Mitbegründer Büse inzwischen ausgestiegen. Er hat Zweifel, ob das Startup jemals erfolgreich sein wird: "Für 2002 lag das Umsatzziel bei 32 Mio. DM. Das ist auf keinen Fall zu erreichen."
Ziemlich problemlos und solide läuft eigentlich nur Beckers Geschäft mit den drei Mercedes-Autohäusern in Stralsund, Greifswald und Ribnitz-Damgarten. Die 110 Mitarbeiter, die dort beschäftigt sind, setzen im Jahr gut 100 Mio. DM um.
Sportlich einst Weltklasse, geschäftlich nur Kreisklasse. Ein deklassierendes Ergebnis, vor allem dann, wenn Entrepreneur Becker sich an eigenen Aussagen messen lässt.
Ein globaler Superstar wie er denkt und redet nur in Superlativen. "Mit zweitrangigen Dingen gebe ich mich nicht ab. Das habe ich nicht nötig", tönte er gegenüber der "Wirtschaftswoche". Außerdem könne er sich auf sein Bauchgefühl verlassen: "Ich spüre nicht nur früh, ob es gut läuft. Ich spüre auch rechtzeitig, ob das Ganze den Bach runtergeht."
"Er hat Visionen und Leidenschaft, verliert aber auch schnell die Lust", sagt einer seiner früheren Wegbegleiter. Über Becker-Sätze wie "Die Büroarbeit macht mir Spaß. Ich bin ja auch diszipliniert genug, um immer da zu sein, wenn ich gebraucht werde" schmunzelt er nur.
Eine Holding solls richten
Selbst auf dem Gebiet, in dem der ehemalige Tennisprofi seine "Kernkompetenz" wähnt, läuft es nicht gerade rund. Gut zwei Jahre fungierte er als Daviscup-Teamchef, bevor er nach Krisen, Krächen und Konflikten "auf eigenen Wunsch" den Dienst quittierte. Die finanzielle Unterstützung der Mannschaft scheiterte ebenfalls. BBM wollte dem Verband einen Sponsor vermitteln. Der Kontrakt mit Viag Interkom kam jedoch nie zustande. Becker hatte übersehen, dass der Werbeplatz auf den T-Shirts der Tennisspieler bereits exklusiv an den US-Ausrüster Nike vergeben war.
Sein Mercedes-Junior-Team, 1997 mit viel Getöse eingerichtet, sollte den Nachwuchs der kränkelnden Sportart wieder an die Spitze führen. Die Bilanz: Zwei Spieler wurden wegen Diebstahl gefeuert, am Ende umfasste das Team gerade noch zwei Athleten, die irgendwo in den Hundertern der Weltrangliste rangierten. Inzwischen ist die Kaderschmiede in dieser Form aufgelöst.
Der Autokonzern sucht nun mit dem DTB nach einer neuen Basis für die Nachwuchsförderung. Welche Rolle Becker dabei einnehmen wird, ist ungewiss. "Von einem Ausstieg kann nicht die Rede sein", sagt Mercedes-Sprecherin Claudia Merzbach zwar. Viel Wert auf eine weitere Zusammenarbeit scheint der Konzern aber auch nicht zu legen. Eine Verwendung werde es für den prominenten Mitarbeiter bestimmt geben, sagt Merzbach lapidar.
Nicht alle lassen sich von Beckers zweifelhaften Ruf als Geschäftsmann verunsichern. Hans-Dieter Cleven, erfolgreicher Manager und Metro-Aufsichtsrat, hat mit ihm erst vor wenigen Wochen eine Firma gegründet. Sie soll Beckers Portfolio bereinigen, das Firmenkonglomerat samt aller Beteiligungen umstrukturieren und überschaubarer machen - mit dem neuen BBM-Chef Thomas Deissenberger als Vorstandsvorsitzenden. "Boris Becker plant einen Neuanfang für bestimmte Dinge", sagt Cleven.
Der Manager mit Schweizer Wohnsitz scheint einer der wenigen zu sein, die den "beratungsresistenten Becker" (so Thoma) mit ihren Botschaften noch erreichen. "Da halte ich auch mal den Mund und höre zu", gibt der große Meister selbst zu. Aus Clevens Sicht geben sie beide ein perfektes Doppel ab: "Ich kann nicht so gut Tennis spielen wie er und er nicht so gut Business machen wie ich."