Börsenunwort des Jahres: "Bester Preis"
Kleine Börsen haben es nicht leicht, von den Anlegern wahrgenommen zu werden. Während die große Deutsche Börse in Frankfurt jeden Abend vor der Tagesschau im Bild ist und ihre eigene Aktie im Dax notiert, müht sich die Düsseldorfer Börse verzweifelt um ein bisschen Aufmerksamkeit.
Unwort ist alles, was die Herren nervt: 2001 Gewinnwarnung, 2002 Enronitis. Für 2003 gewann Bester Preis die Wahl.
Das ist ein Seitenhieb auf die Konkurrenz. Andere Börsen, allen voran Stuttgart, werben damit, dass Anleger hier den besten nur denkbaren Börsenpreis bekämen.
Das ist in der Tat angreifbar: Ein Börsenpreis ist laut Gesetz der Preis, zu dem sich die meisten Kauf- und Verkaufsorders zusammenbringen und ausführen lassen. Fertig. Der beste Preis für den Käufer wäre außerdem der schlechteste für den Verkäufer – und umgekehrt. Theoretisch ist es also Unfug, Anleger mit einem besten Preis zu locken. In der Praxis sieht das anders aus. An den Regionalbörsen sind die Umsätze oft schwach. Es gibt gar nicht so viele Orders, dass die Makler immer streng nach Lehrbuch einen Börsenpreis organisieren können. Sie nehmen zum Teil Orders auf eigene Rechnung an, organisieren sich die Aktien später woanders oder schlagen sie später wieder los.
Die Spanne zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis streicht der Makler ein. Hält er sie niedrig, verdient er weniger, der Anleger aber bekommt einen besseren Preis. Diese Kleinigkeit haben die Düsseldorfer Makler vergessen. Ob das Werbeversprechen bester Preis eingehalten wird, ist für Anleger aber kaum zu kontrollieren. Insofern ist die Kritik an dem schönen Etikett berechtigt. Außerdem drängt sich der Verdacht auf, dass Makler, wenn ihnen der beste Preis nicht passt, lieber ganz verzichten.
Anleger berichten immer wieder, dass Makler, zum Beispiel aus Stuttgart, im Internet zwar Verkaufsbereitschaft zu einem günstigen Preis signalisieren. Kommt dann aber wirklich eine Order rein, ziehen sie den Kurs hoch. Von wegen bester Preis.
HAUKE REIMER
17.02.2004
Viele Grüße
aus dem Ruhrpott