Börsenhalbzeit: Dax schlägt Fonds mit 4:1


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Börsenhalbzeit: Dax schlägt Fonds mit 4:1

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07.07.06 15:08
SPIEGEL ONLINE - 07. Juli 2006, 12:22
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http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,425582,00.html

Börsenhalbzeit
 
Dax schlägt Fonds mit 4:1

Von Kai Lange

Die Lehren des ersten Halbjahrs 2006 lauten: Der Dax schlägt Investmentfonds mit 4:1, die Fed hat ihr Drohpotenzial erhalten - und obenauf sind Anleger in Down under. Im zweiten Halbjahr wird man weniger über Zinsen und mehr über Wachstum reden.

Hamburg - Die erste Hälfte des Börsenjahres ist vorbei. War da was? Wer Anfang Mai im Urlaub weilte, wird die Aufregung nicht verstehen: Vier Prozent Performance im Dax von Anfang Januar bis Ende Juni, das ist ordentlich.

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APBörse in Frankfurt: Mit vier Prozent Halbjahresrendite schlägt der Dax die meisten Fonds
Unschön nur das Maigewitter, das beim Fünfjahreshoch von 6140 Punkten einsetzte und, so DWS-Geschäftsführer Klaus Kaldemorgen, "wie ein Erdbeben der Stärke neun" über uns kam. Wobei der Dax noch Stärke zeigte im Vergleich zu den hoch gelobten Emerging Markets: Der brasilianische Bovespa, der russische RTX oder der türkische ISE-Index rauschten zwischen 20 und 40 Prozent in die Tiefe. Zeit also, die Lehren aus der ersten Halbzeit zu ziehen.

Lehre Nummer eins: Auch Fonds bieten keine zusätzliche Sicherheit, wenn die Herde erst einmal in Bewegung ist. Nach Daten der Reuters-Tochter Lipper hat die Hälfte aller Fondsgruppen im ersten Halbjahr 2006 Verluste verzeichnet. Fonds mit deutschen Aktien retteten durchschnittlich ein Plus von lediglich einem Prozent, während der Dax drei Prozentpunkte mehr schaffte.

Zufrieden mit der Leistung der professionellen Geldverwalter in der ersten Halbzeit 2006 können nur diejenigen sein, die auf Fonds mit Schwerpunkt China (durchschnittlich 14 Prozent Plus seit Januar) oder auf europäische Immobilienwerte (plus zehn Prozent) setzten. Eine Wette auf den australischen Aktienmarkt wäre besonders lohnend gewesen, schon allein wegen der vielen Minen- und Rohstoffwerte.

Vorsicht bei gutem Wetter

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manager-magazin.deDax-Show: Erholung nach dem Maigewitter
Lehre Nummer zwei: Es wird immer dann gefährlich, wenn scheinbar bestes Börsenwetter ist. Ende April brummte die Weltwirtschaft, Dax-Unternehmen erfreuten mit Rekordgewinnen nach dem ersten Quartal sowie mit Rekord-Ausschüttungen für 2005. Das Geschäftsklima in Deutschland war so gut wie seit 15 Jahren nicht, die Wechselkurse waren stabil, die Inflationsraten gering, die Indizes zogen bei geringer Volatilität wie an der Schnur gezogen aufwärts. Dann: Themenwechsel.

Lehre Nummer drei: Die Börse liebt solche Umschwünge. Sobald ein neues Thema gefunden ist, kann die Herde binnen kürzester Zeit in die entgegengesetzte Richtung rennen. Wer mittendrin ist, hält sich nicht mit langen Diskussionen über den Grund des Richtungswechsels auf. "Inflation" stand auf dem neuen Richtungsschild: Sie könnte entlang des Weges zu weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank führen, bis die US-Wirtschaft in Richtung Rezession abbiegt. Dieses dunkle Tal liegt jedoch in weiter Ferne.

Wichtiger ist nun aber, sich auf die zweite Spielhälfte einzustellen. Zwei Tendenzen zeichnen sich bereits ab.

Erstens: Das Thema Inflation wird den Markt nicht mehr so stark beherrschen wie gegen Ende des ersten Halbjahrs. Die erwartete Abschwächung der US-Konjunktur verringert den Inflationsdruck und gibt der Notenbank Gelegenheit zu einer Zinspause.

Die Bemerkung von Fed-Chef Ben Bernanke, dass sich das Wachstumstempo ermäßigt habe und die Fed weitere Zinsschritte von künftigen Wirtschaftsdaten abhängig machen werde, sorgte in der vergangenen Woche für eine Kehrtwende am Markt. Am gleichen Tag, als die Notenbank mit ihrer 17. Zinserhöhung in Folge den Leitzins auf 5,25 Prozent schraubte, erreichten Dow Jones und Nasdaq Composite die höchsten Tagesgewinne seit drei Jahren.

Die neuen Dax-Ziele

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TERMINVORSCHAU

Freitag, 7. Juli
USA: Arbeitsmarktbericht Juni


Montag, 10. Juli
Jahres- Pk des Verbands deutscher Maschinen- und Anlagenbauer
Alcoa, Zahlen Q2 (Auftakt Quartalssaison)


Dienstag, 11. Juli
DIW- Konjunkturbericht
Lufthansa: Verkehrszahlen Juni


Mittwoch, 12.Juli
BIP Euro- Zone erstes Quartal
Air France, HV


Donnerstag, 13. Juli
Jahres- Pk Hauptverband Deutscher Einzelhandel (HDE)
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe
Volkswagen: EuGH- Urteil zu Kartellstrafe 2001
PepsiCo: Zahlen Q2


Freitag, 14. Juli
Zinsentscheidung Bank of Japan
Verbrauchervertrauen Juli USA
General Electric: Zahlen Q2
Zweitens: Analysten und Fondsmanager sind widerstandsfähige Wesen. Kaum haben sie ihre Blessuren gepflegt, kehren sie rasch wieder zurück ins Spiel. Die Mehrzahl der Finanzhäuser sieht den Dax zum Ende der zweiten Halbzeit bei mindestens 6000 Punkten. Die Deutsche Bank (Kursziel 6100 Punkte) gibt sich ebenso wie WestLB (6000) oder Sal. Oppenheim (6000) optimistisch, DZ Bank (6200) und Commerzbank (6300) wagen sich noch weiter hervor. Optimismus herrscht auch bei der Dekabank: Die Fondsgesellschaft der Sparkassen traut dem Dax auf Sicht der nächsten zwölf Monate ein Kurspotenzial von zehn Prozent zu.

"Die US-Notenbank hat einen mächtigen Verbündeten gewonnen: Eine sich abschwächende US-Konjunktur", sagt Deka-Fondsmanager Trudbert Merkel im Gespräch mit manager-magazin.de. Er rechnet damit, dass sich die US-Wachstumsraten im zweiten Halbjahr auf unter drei Prozent abschwächen werden - mit der Folge, dass bei schwächerer Nachfrage auch die Preise für Rohstoffe und Industriemetalle zurückgehen dürften. "Damit nimmt der Inflationsdruck ab, und die Fed kann gelassener agieren", sagt Merkel.

Schwächeres Wachstum nimmt viele Sorgen

Die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale sieht der Fondsmanager nicht: Der globale Wettbewerb und Niedriglohn-Konkurrenz in Asien sorgen dafür, dass die Lohnsteigerungen in USA wie Europa moderat bleiben. "Da ist ein Deckel drauf", sagt Merkel. "Wir werden im zweiten Halbjahr nicht so sehr über Zinsen und Inflation, sondern über Wachstum reden."

Zwar sieht auch Merkel das Risiko einer "harten Landung" auf dem US-Immobilienmarkt. Doch gleichzeitig bestehe auch eine gute Chance, dass die Wachstumsbeschleunigung in Japan und Europa die Konjunkturabkühlung in den USA kompensiert. "So lange die Weltwirtschaft im Schnitt mit mehr als vier Prozent wächst, so lange haben auch deutsche Unternehmen gute Chancen, ihre Umsätze und Gewinne zu steigern", sagt Merkel.

Sobald die Unsicherheit über das Ausmaß der Konjunkturabkühlung in den USA schwinde und sich Anzeichen für ein weiterhin robustes globales Wachstum bestätigten, sollte der Markt wieder nach oben drehen: Ende September könnte es so weit sein. Dax-Unternehmen hätten auch 2007 das Potenzial, ihre Gewinne um durchschnittlich zehn Prozent zu steigern, so Merkel. Für Unternehmen wie Deutsche Bank, Commerzbank, MAN oder Continental zahle sich der harte Sparkurs der Vorjahre bereits in Form höherer Gewinnmargen aus.

US-Immobilienmarkt bleibt Risiko

Während Arbeitnehmer um ihren Job zittern und Lohneinkommen kaum steigen, klettern die Unternehmensgewinne kräftig. Nach Ansicht von Goldman Sachs-Chefvolkswirt Jan Hatzius ist dies die "Kehrseite der Globalisierung", an der höchstens Aktionäre, nicht aber Beschäftigte ihre Freude haben. Die meisten Unternehmen bauen Jobs aus einer Position der Stärke heraus ab, denn die Auftragsbücher sind gut gefüllt. "Der Dax bietet auf Zwölf-Monats-Sicht eine zweistellige Renditechance", ist Deka-Fondsmanager Merkel überzeugt.

Viel spekulatives Kapital ist inzwischen aus dem Markt. Investoren, die vor dem Hintergrund stetig steigender Börsen und niedriger Zinssätze Aktien auf Kredit gekauft haben, haben sich im Mai zügig von ihren Papieren getrennt. Wer bis Ende Juni nicht verkauft hat, sollte noch mindestens bis Herbst eine ruhige Hand behalten. "Die Weltwirtschaft wächst immer noch dynamisch, und die Wahrscheinlichkeit, dass die Dividendenrendite die Rendite am Geldmarkt schlägt, ist sehr groß", ergänzt Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

Ein Zeichen für relative Stärke können Unternehmen bereits in der kommenden Woche setzen. In den USA legen Alcoa , PepsiCo und General Electric ihre Ergebnisse für das zweite Quartal vor, bevor eine Woche später SAP , Philips und Nokia über das abgelaufene Quartal berichten.

Dass Finanzhäuser eine erfreuliche zweite Jahreshälfte versprechen, gehört zu ihrem Job. Es ist die Pflicht jedes Trainers, das Team für die zweite Halbzeit stark zu reden. Doch Anleger brauchen für die kommenden Monate nicht einmal besonders hohe Erwartungen an die Wirtschaftskraft zu hegen: Im zweiten Halbjahr kann sogar eine leichte Abkühlung der Konjunktur für Erleichterung sorgen.

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