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Börsenhalbzeit
Dax schlägt Fonds mit 4:1
Von Kai Lange
Die Lehren des ersten Halbjahrs 2006 lauten: Der Dax schlägt Investmentfonds mit 4:1, die Fed hat ihr Drohpotenzial erhalten - und obenauf sind Anleger in Down under. Im zweiten Halbjahr wird man weniger über Zinsen und mehr über Wachstum reden.
Hamburg - Die erste Hälfte des Börsenjahres ist vorbei. War da was? Wer Anfang Mai im Urlaub weilte, wird die Aufregung nicht verstehen: Vier Prozent Performance im Dax von Anfang Januar bis Ende Juni, das ist ordentlich.
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| APBörse in Frankfurt: Mit vier Prozent Halbjahresrendite schlägt der Dax die meisten Fonds |
Lehre Nummer eins: Auch Fonds bieten keine zusätzliche Sicherheit, wenn die Herde erst einmal in Bewegung ist. Nach Daten der Reuters-Tochter Lipper hat die Hälfte aller Fondsgruppen im ersten Halbjahr 2006 Verluste verzeichnet. Fonds mit deutschen Aktien retteten durchschnittlich ein Plus von lediglich einem Prozent, während der Dax drei Prozentpunkte mehr schaffte.
Zufrieden mit der Leistung der professionellen Geldverwalter in der ersten Halbzeit 2006 können nur diejenigen sein, die auf Fonds mit Schwerpunkt China (durchschnittlich 14 Prozent Plus seit Januar) oder auf europäische Immobilienwerte (plus zehn Prozent) setzten. Eine Wette auf den australischen Aktienmarkt wäre besonders lohnend gewesen, schon allein wegen der vielen Minen- und Rohstoffwerte.
Vorsicht bei gutem Wetter
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Lehre Nummer drei: Die Börse liebt solche Umschwünge. Sobald ein neues Thema gefunden ist, kann die Herde binnen kürzester Zeit in die entgegengesetzte Richtung rennen. Wer mittendrin ist, hält sich nicht mit langen Diskussionen über den Grund des Richtungswechsels auf. "Inflation" stand auf dem neuen Richtungsschild: Sie könnte entlang des Weges zu weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank führen, bis die US-Wirtschaft in Richtung Rezession abbiegt. Dieses dunkle Tal liegt jedoch in weiter Ferne.
Wichtiger ist nun aber, sich auf die zweite Spielhälfte einzustellen. Zwei Tendenzen zeichnen sich bereits ab.
Erstens: Das Thema Inflation wird den Markt nicht mehr so stark beherrschen wie gegen Ende des ersten Halbjahrs. Die erwartete Abschwächung der US-Konjunktur verringert den Inflationsdruck und gibt der Notenbank Gelegenheit zu einer Zinspause.
Die Bemerkung von Fed-Chef Ben Bernanke, dass sich das Wachstumstempo ermäßigt habe und die Fed weitere Zinsschritte von künftigen Wirtschaftsdaten abhängig machen werde, sorgte in der vergangenen Woche für eine Kehrtwende am Markt. Am gleichen Tag, als die Notenbank mit ihrer 17. Zinserhöhung in Folge den Leitzins auf 5,25 Prozent schraubte, erreichten Dow Jones und Nasdaq Composite die höchsten Tagesgewinne seit drei Jahren.
Die neuen Dax-Ziele
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"Die US-Notenbank hat einen mächtigen Verbündeten gewonnen: Eine sich abschwächende US-Konjunktur", sagt Deka-Fondsmanager Trudbert Merkel im Gespräch mit manager-magazin.de. Er rechnet damit, dass sich die US-Wachstumsraten im zweiten Halbjahr auf unter drei Prozent abschwächen werden - mit der Folge, dass bei schwächerer Nachfrage auch die Preise für Rohstoffe und Industriemetalle zurückgehen dürften. "Damit nimmt der Inflationsdruck ab, und die Fed kann gelassener agieren", sagt Merkel.
Schwächeres Wachstum nimmt viele Sorgen
Die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale sieht der Fondsmanager nicht: Der globale Wettbewerb und Niedriglohn-Konkurrenz in Asien sorgen dafür, dass die Lohnsteigerungen in USA wie Europa moderat bleiben. "Da ist ein Deckel drauf", sagt Merkel. "Wir werden im zweiten Halbjahr nicht so sehr über Zinsen und Inflation, sondern über Wachstum reden."
Zwar sieht auch Merkel das Risiko einer "harten Landung" auf dem US-Immobilienmarkt. Doch gleichzeitig bestehe auch eine gute Chance, dass die Wachstumsbeschleunigung in Japan und Europa die Konjunkturabkühlung in den USA kompensiert. "So lange die Weltwirtschaft im Schnitt mit mehr als vier Prozent wächst, so lange haben auch deutsche Unternehmen gute Chancen, ihre Umsätze und Gewinne zu steigern", sagt Merkel.
Sobald die Unsicherheit über das Ausmaß der Konjunkturabkühlung in den USA schwinde und sich Anzeichen für ein weiterhin robustes globales Wachstum bestätigten, sollte der Markt wieder nach oben drehen: Ende September könnte es so weit sein. Dax-Unternehmen hätten auch 2007 das Potenzial, ihre Gewinne um durchschnittlich zehn Prozent zu steigern, so Merkel. Für Unternehmen wie Deutsche Bank, Commerzbank, MAN oder Continental zahle sich der harte Sparkurs der Vorjahre bereits in Form höherer Gewinnmargen aus.
US-Immobilienmarkt bleibt Risiko
Während Arbeitnehmer um ihren Job zittern und Lohneinkommen kaum steigen, klettern die Unternehmensgewinne kräftig. Nach Ansicht von Goldman Sachs-Chefvolkswirt Jan Hatzius ist dies die "Kehrseite der Globalisierung", an der höchstens Aktionäre, nicht aber Beschäftigte ihre Freude haben. Die meisten Unternehmen bauen Jobs aus einer Position der Stärke heraus ab, denn die Auftragsbücher sind gut gefüllt. "Der Dax bietet auf Zwölf-Monats-Sicht eine zweistellige Renditechance", ist Deka-Fondsmanager Merkel überzeugt.
Viel spekulatives Kapital ist inzwischen aus dem Markt. Investoren, die vor dem Hintergrund stetig steigender Börsen und niedriger Zinssätze Aktien auf Kredit gekauft haben, haben sich im Mai zügig von ihren Papieren getrennt. Wer bis Ende Juni nicht verkauft hat, sollte noch mindestens bis Herbst eine ruhige Hand behalten. "Die Weltwirtschaft wächst immer noch dynamisch, und die Wahrscheinlichkeit, dass die Dividendenrendite die Rendite am Geldmarkt schlägt, ist sehr groß", ergänzt Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank.
Ein Zeichen für relative Stärke können Unternehmen bereits in der kommenden Woche setzen. In den USA legen Alcoa , PepsiCo und General Electric ihre Ergebnisse für das zweite Quartal vor, bevor eine Woche später SAP , Philips und Nokia über das abgelaufene Quartal berichten.
Dass Finanzhäuser eine erfreuliche zweite Jahreshälfte versprechen, gehört zu ihrem Job. Es ist die Pflicht jedes Trainers, das Team für die zweite Halbzeit stark zu reden. Doch Anleger brauchen für die kommenden Monate nicht einmal besonders hohe Erwartungen an die Wirtschaftskraft zu hegen: Im zweiten Halbjahr kann sogar eine leichte Abkühlung der Konjunktur für Erleichterung sorgen.

