Börsenflaute: Mehr Aktien als Idioten?
Vertrauenskrise läßt die Kurse purzeln
Konfusion und Mißtrauen gegenüber den Bilanzierungspraktiken lassen die Börsen weltweit schwächeln.
Der verstorbene Altmeister des Börsen-Bonmots, André Kostolany, hat gewußt, wie Aktienkurse zustandekommen: Es komme immer darauf an, ob es an den Märkten gerade mehr Idioten als Aktien, oder mehr Aktien als Idioten gebe, hat er einmal gesagt. Derzeit gibt es entschieden mehr Aktien. Die Kurse sinken also ganz gegen den zu Jahresbeginn verbreiteten Optimismus rasant.
Die Erklärung, der verzögerte Konjunkturaufschwung trage daran die Hauptschuld, greift ein wenig zu kurz. Die Malaise mag auch damit zusammenhängen, daß die Kostolanyschen Idioten in jüngster Zeit einige unvermutete Schläge einstecken mußten. Und leichte Schläge auf den Hinterkopf, so wußte eine alte Rohrstaberl-Weisheit, sollen ja das Denkvermögen erhöhen.
In der feineren Sprache der Finanzanalysten: Es herrscht eine Vertrauenskrise an den Finanzmärkten. Und das Vertrauen ist hauptsächlich deshalb weg, weil sich herausgestellt hat, daß der Anteil von Roßtäuschern, Schönfärbern und echten Kriminellen in den Vorstandsetagen börsenotierter Konzerne weltweit offenbar signifikant über dem vergleichbaren Prozentsatz in der Gesamtbevölkerung liegt.
Anders gesagt: Der rasante Anstieg der Börsenkurse bis zum Platzen der Börsenblase war nicht nur auf geldgierige Anleger zurückzuführen. Sondern zum nicht geringen Teil auch auf Bilanzen, die unter Ausnutzung aller (offenbar zu zahlreichen) legalen Möglichkeiten dramatisch geschönt, zum Teil, wie etwa im Fall Enron oder bei einigen Neue-Markt-Firmen in Deutschland, aber auf kriminelle Weise gefälscht waren.
Der ausgewiesene und der für die kommenden Jahre geschätzte Gewinn sind in ganz entscheidender Weise kursbestimmend. Sind diese Gewinnziffern überhöht, dann sind auch die darauf basierenden Kurse viel zu hoch. Ein Teil der Aktienblase ist also in den Finanzabteilungen der börsenotierten Firmen zum Teil fahrlässig, zum Teil bewußt "produziert" worden.
Seit in den wichtigen Aktienmärkten USA und Deutschland der tägliche Bilanzierungsskandal mehr oder weniger schon zur Gewohnheit geworden ist, beginnt das Pendel in die andere Richtung auszuschlagen: Vorstände, die sehen, wie ihre bilanzschönenden Kollegen in die Bredouille geraten, beginnen nun wieder, extrem vorsichtig und konservativ zu bilanzieren. Das führt zu deutlich (teilweise unrealistisch) abgesenkten Gewinnerwartungen. Was auf Gewinziffern schielende Analysten und Aktionäre abschreckt und die Kurse rasseln läßt.
Da wird es einige Zeit dauern, bis das Grundvertrauen wieder hergestellt ist. Zumal die "Sünder" selber nicht allzu viel dafür tun: Die durch schiere Käuflichkeit zum Schaden der Aktionäre aufgefallene amerikanische Analystenzunft glaubt, mit ein paar Pro-Forma-Reformen wegzukommen. Und Unternehmen und Investmentbanken tun unterdessen alles, um Anleger weiter zu verwirren. Die Amerikaner verwenden - je nach Investmentbank - bereits nicht weniger als vier (in den Ergebnissen voneinander stark abweichende) Gewinn-Berechnungsarten (operating earnings, core earnings, pro forma earnings, reported earnings). Geplagte Aktionäre werden künftig also zu Bilanzspezialisten - oder lassen die Finger von den Papieren.
Vertrauenskrise läßt die Kurse purzeln
Konfusion und Mißtrauen gegenüber den Bilanzierungspraktiken lassen die Börsen weltweit schwächeln.
Der verstorbene Altmeister des Börsen-Bonmots, André Kostolany, hat gewußt, wie Aktienkurse zustandekommen: Es komme immer darauf an, ob es an den Märkten gerade mehr Idioten als Aktien, oder mehr Aktien als Idioten gebe, hat er einmal gesagt. Derzeit gibt es entschieden mehr Aktien. Die Kurse sinken also ganz gegen den zu Jahresbeginn verbreiteten Optimismus rasant.
Die Erklärung, der verzögerte Konjunkturaufschwung trage daran die Hauptschuld, greift ein wenig zu kurz. Die Malaise mag auch damit zusammenhängen, daß die Kostolanyschen Idioten in jüngster Zeit einige unvermutete Schläge einstecken mußten. Und leichte Schläge auf den Hinterkopf, so wußte eine alte Rohrstaberl-Weisheit, sollen ja das Denkvermögen erhöhen.
In der feineren Sprache der Finanzanalysten: Es herrscht eine Vertrauenskrise an den Finanzmärkten. Und das Vertrauen ist hauptsächlich deshalb weg, weil sich herausgestellt hat, daß der Anteil von Roßtäuschern, Schönfärbern und echten Kriminellen in den Vorstandsetagen börsenotierter Konzerne weltweit offenbar signifikant über dem vergleichbaren Prozentsatz in der Gesamtbevölkerung liegt.
Anders gesagt: Der rasante Anstieg der Börsenkurse bis zum Platzen der Börsenblase war nicht nur auf geldgierige Anleger zurückzuführen. Sondern zum nicht geringen Teil auch auf Bilanzen, die unter Ausnutzung aller (offenbar zu zahlreichen) legalen Möglichkeiten dramatisch geschönt, zum Teil, wie etwa im Fall Enron oder bei einigen Neue-Markt-Firmen in Deutschland, aber auf kriminelle Weise gefälscht waren.
Der ausgewiesene und der für die kommenden Jahre geschätzte Gewinn sind in ganz entscheidender Weise kursbestimmend. Sind diese Gewinnziffern überhöht, dann sind auch die darauf basierenden Kurse viel zu hoch. Ein Teil der Aktienblase ist also in den Finanzabteilungen der börsenotierten Firmen zum Teil fahrlässig, zum Teil bewußt "produziert" worden.
Seit in den wichtigen Aktienmärkten USA und Deutschland der tägliche Bilanzierungsskandal mehr oder weniger schon zur Gewohnheit geworden ist, beginnt das Pendel in die andere Richtung auszuschlagen: Vorstände, die sehen, wie ihre bilanzschönenden Kollegen in die Bredouille geraten, beginnen nun wieder, extrem vorsichtig und konservativ zu bilanzieren. Das führt zu deutlich (teilweise unrealistisch) abgesenkten Gewinnerwartungen. Was auf Gewinziffern schielende Analysten und Aktionäre abschreckt und die Kurse rasseln läßt.
Da wird es einige Zeit dauern, bis das Grundvertrauen wieder hergestellt ist. Zumal die "Sünder" selber nicht allzu viel dafür tun: Die durch schiere Käuflichkeit zum Schaden der Aktionäre aufgefallene amerikanische Analystenzunft glaubt, mit ein paar Pro-Forma-Reformen wegzukommen. Und Unternehmen und Investmentbanken tun unterdessen alles, um Anleger weiter zu verwirren. Die Amerikaner verwenden - je nach Investmentbank - bereits nicht weniger als vier (in den Ergebnissen voneinander stark abweichende) Gewinn-Berechnungsarten (operating earnings, core earnings, pro forma earnings, reported earnings). Geplagte Aktionäre werden künftig also zu Bilanzspezialisten - oder lassen die Finger von den Papieren.