Konsolidierung der europäischen Handelsplätze und Erholung der Aktienmärkte versprechen Kurspotenzial
Die Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft entwickelt sich immer stärker auch zu einem interessanten Anlagethema. Während zahlreiche Papiere an schwachen Handelstagen immer wieder Rückschläge zu verzeichnen haben, schlagen sich die Börsenwerte alles andere als schlecht. Auch von dem Einbruch der Aktienkurse nach den Ereignissen vom 11. September erholten sich die Börsen an der Börse mehrheitlich. So legte die Londoner Börse seit ihrem Tiefpunkt am 20. September von 283 Pfund auf rund 370 Pfund zu; der Kurs der Gemeinschaftsbörse Euronext kletterte von 13,50 Euro auf über 19 Euro an. Und auch die Aktie der Deutschen Börse zeigte Stärke: ihr Kurs stieg von 33 Euro auf zeitweise knapp 42 Euro an. Derzeit ist die Notiz jedoch wieder auf rund 39 Euro abgerutscht, nachdem die Frankfurter erfolglos aus dem Bieterkampf um die Londoner Terminbörse Liffe hervorgegangen sind.
Am Dienstag nun erhielten Gerüchte über die fortschreitende Konsolidierung unter den Börsen durch die Chefin der Londoner Börse, Clara Furse, neue Nahrung. Derzeit stehe die London Stock Exchange (LSE) mit mehreren Parteien in Gesprächen über strategische Möglichkeiten; dazu zähle auch die US-Technologiebörse Nasdaq, ließ sie verlauten. Der fehlgeschlagene Fusionsversuch mit der Deutschen Börse bedeute nicht, dass sich die LSE einer Zusammenarbeit mit anderen großen Börsen verschließe, präzisierte Furse. Auch die Deutsche Börse sei "offen für alle Schritte", die den Wert des Unternehmens für die Aktionäre und die Kunden erhöhen, hieß es daraufhin in Frankfurt.
Interessant werden Börsenwerte für Anleger jedoch nicht allein durch die Konsolidierung in der Branche. "Alle Börsen werden im kommenden Jahr von der zu erwartenden Erholung der Aktienmärkte profitierten", sagt Christian Diebitsch, Aktienanalyst bei BNP Paribas. Denn steigende Umsätze lassen bei ihnen das Geld in der Kasse klingeln.
Generell am schlechtesten positioniert ist dabei nach Einschätzung von Diebitsch die LSE, deren Aktien derzeit mit einem Übernahmebonus gehandelt würden. Die Strategie der Londoner Börse sei noch vollkommen unklar.
Gespannt warten die Branchenbeobachter nun auf die Neun-Monats-Zahlen der Deutschen Börse AG, die am Freitag vorgelegt werden sollen. "Bis jetzt haben wir diesen Wert mit ‚neutral' bewertet, aber eine Hochstufung ist durchaus möglich", sagt Diebitsch. Birgit Grüner, Analystin bei der Bankgesellschaft Berlin, bewertet den Titel dagegen mit "Akkumulieren". Sie sieht die Frankfurter nicht als Verlierer im Bieterwettbewerb um die Liffe. Schließlich sei vollkommen offen gewesen, ob die Europäische Kommission der Übernahme überhaupt zugestimmt hätte, so Grüner. Denn die Deutsche Börse AG dominiere den Terminmarkt mit der Eurex bereits jetzt europaweit. Ihr gefällt die komplette Wertschöpfungskette der Frankfurter, die von der Handelsplattform bis zum Clearing und Settlement reiche.
Skeptischer beurteilt sie dagegen die Positionierung der Euronext, vor allem wegen einiger Nachteile beim Handelssystem. Ihr Urteil hier lautet "Neutral". Ein Vorteil der Gemeinschaftsbörse sei jedoch die länderübergreifende Aufstellung. Im Gegensatz dazu sei die Deutsche Börse immer noch stark auf den heimischen Markt konzentriert. "Es wird zwar kooperiert, aber auf der Top-Ebene ist das immer noch eine sehr deutsche Angelegenheit", sagt Grüner.
"Die Deutsche Börse ist im europäischen Vergleich sehr gut positioniert", meint auch Andreas Wiederhold, Analyst bei Independent Research. Die Deutsche Börse verfüge über ein breites Geschäftsfeld und könne auf eine sehr gute Entwicklung ihres Terminmarktes Eurex verweisen. "Die Zahlen zum zweiten Quartal waren gut", sagt Wiederhold. Deshalb bewertet Independent Research die Deutsche Börse mit "Übergewichten".
Gruß Kostolmoney