Von Stefan Wolff / Der Spiegel
Das Kursfeuerwerk am Dienstag ließ ein Wort
auf dem Parkett kursieren, dass lange vergessen
schien: Trendwende. Das Hoffen auf bessere
Zeiten zerstörten Yahoo und Intel gründlich. Ein
paar gute Signale gibt es dennoch.
Hamburg - Schon als das Büdelsdorfer
Telefonunternehmen Mobilcom am 10.
März 1997 mit seinem Börsendebüt
die Geburtsstunde des Neuen Marktes
einläutete, spotteten altgediente
Börsianer über die blauen Lampen, die
auf dem Frankfurter Börsenparkett die
"Wachstumsbörse" markierten. Hier entstehe
vielmehr das Rotlichtviertel der Börse, spotteten sie.
Anfangs zeichnete sich dieses Rotlichtviertel lediglich
durch überzogene Preise aus, die Anleger aber gern
zahlten. Schließlich schrieb Mobilcom eine
Erfolgsstory. Weitrere Top-Stars folgten, wie EM-TV
oder Intershop. Mut machte Millionäre. Gier
verbrannte Geld.
Anlegerschützer erinnern
dieser Tage daran, dass man
die Luftblase eher hätte
erkennen können, da viele
der jungen Unternehmen
schon bald nach ihrem
Börsengang von ihren
gesteckten Zielen abrückten.
Dagegen standen aber die
Kurshorizonte der Analysten,
die von einem Füllhorn der
Kursgewinne schwärmten.
Die ins Taumeln geratenen
Branchenriesen ließen auch
die Kleinen fallen. Eine
gehörige Portion
Kriminaltango zerstörte das
Vertrauen vollends. Aber
nicht nur die Haffas von
EM-TV und andere Manager
am Neuen Markt versilberten
ihre Milliarden
unerlaubterweise. In den
USA ist ein weiterer Ex-Star
ins Kreuzfeuer geraten.
Amazon-Chef Jeff Bezos soll
eigene Aktien versilbert
haben, nachdem ihm eine
Studie vorgelegt wurde, die
dem Online-Buchhändler
finanzielle Probleme
attestierte. Die gemeinen
Anleger hatten von dieser
Studie noch keinen
Schimmer. Zusätzlich geriet
zum Wochenschluss erneut
Intel unter die Räder. Eine Gewinnwarnung wegen
der nachlassenden Nachfrage nach Computern riss
auch die Hightech-Branche hierzulande zurück
zumindest in die Lethargie. Der PC-Markt ist
gesättigt, sagen Experten. Die Verbraucher seien
schlicht und ergreifend zufrieden mit ihren
Computern. Dazu komme ein hausgemachtes
Problem bei Intel. Konkurrent AMD habe schlicht bei
der neuesten Halbleiter-Generation die Nase vorn.
Die vermeintliche Trendwende wurde bereits zuvor
von Yahoo unter Druck gesetzt. Nach der
Gewinnwarnung erwiesen sich deutsche Titel noch
als erstaunlich widerstandsfähig, aber am Ende hielt
das Eigenleben nicht. Ohnehin bleiben die Stimmen
skeptisch. Auch nach den dramatischen Abstürzen
gilt der neue Markt insgesamt als überbewertet.
Dennoch gibt es am Neuen Markt noch so manches
As, das sticht. Aixtron gab am Donnerstag
nachbörslich Rekordzahlen bekannt. Die
Unternehmensgewinne (ohnehin eine Seltenheit bei
"Wachstumswerten") stiegen um 78 Prozent. Die
Dividende (noch so ein Fremdwort) soll mehr als
verdoppelt werden. Hinzu kommt die Ankündigung
eines Aktiensplits.
Nach den mehr als fünf Prozent umfassenden
Verlusten zum Wochenschluss an der Nasdaq dürfte
am Neuen Markt wohl kaum Ruhe einkehren.
Bilanzen und Prognosen von Schering, BASF,
Münchner Rück, Rheinmetall und Klöckner könnten
die Standardwerte in den Vordergrund rücken.
Außerdem stehen zum Wochenschluss die bereits
beschlossenen Veränderungen in den Indizes an.
Das Kursfeuerwerk am Dienstag ließ ein Wort
auf dem Parkett kursieren, dass lange vergessen
schien: Trendwende. Das Hoffen auf bessere
Zeiten zerstörten Yahoo und Intel gründlich. Ein
paar gute Signale gibt es dennoch.
Hamburg - Schon als das Büdelsdorfer
Telefonunternehmen Mobilcom am 10.
März 1997 mit seinem Börsendebüt
die Geburtsstunde des Neuen Marktes
einläutete, spotteten altgediente
Börsianer über die blauen Lampen, die
auf dem Frankfurter Börsenparkett die
"Wachstumsbörse" markierten. Hier entstehe
vielmehr das Rotlichtviertel der Börse, spotteten sie.
Anfangs zeichnete sich dieses Rotlichtviertel lediglich
durch überzogene Preise aus, die Anleger aber gern
zahlten. Schließlich schrieb Mobilcom eine
Erfolgsstory. Weitrere Top-Stars folgten, wie EM-TV
oder Intershop. Mut machte Millionäre. Gier
verbrannte Geld.
Anlegerschützer erinnern
dieser Tage daran, dass man
die Luftblase eher hätte
erkennen können, da viele
der jungen Unternehmen
schon bald nach ihrem
Börsengang von ihren
gesteckten Zielen abrückten.
Dagegen standen aber die
Kurshorizonte der Analysten,
die von einem Füllhorn der
Kursgewinne schwärmten.
Die ins Taumeln geratenen
Branchenriesen ließen auch
die Kleinen fallen. Eine
gehörige Portion
Kriminaltango zerstörte das
Vertrauen vollends. Aber
nicht nur die Haffas von
EM-TV und andere Manager
am Neuen Markt versilberten
ihre Milliarden
unerlaubterweise. In den
USA ist ein weiterer Ex-Star
ins Kreuzfeuer geraten.
Amazon-Chef Jeff Bezos soll
eigene Aktien versilbert
haben, nachdem ihm eine
Studie vorgelegt wurde, die
dem Online-Buchhändler
finanzielle Probleme
attestierte. Die gemeinen
Anleger hatten von dieser
Studie noch keinen
Schimmer. Zusätzlich geriet
zum Wochenschluss erneut
Intel unter die Räder. Eine Gewinnwarnung wegen
der nachlassenden Nachfrage nach Computern riss
auch die Hightech-Branche hierzulande zurück
zumindest in die Lethargie. Der PC-Markt ist
gesättigt, sagen Experten. Die Verbraucher seien
schlicht und ergreifend zufrieden mit ihren
Computern. Dazu komme ein hausgemachtes
Problem bei Intel. Konkurrent AMD habe schlicht bei
der neuesten Halbleiter-Generation die Nase vorn.
Die vermeintliche Trendwende wurde bereits zuvor
von Yahoo unter Druck gesetzt. Nach der
Gewinnwarnung erwiesen sich deutsche Titel noch
als erstaunlich widerstandsfähig, aber am Ende hielt
das Eigenleben nicht. Ohnehin bleiben die Stimmen
skeptisch. Auch nach den dramatischen Abstürzen
gilt der neue Markt insgesamt als überbewertet.
Dennoch gibt es am Neuen Markt noch so manches
As, das sticht. Aixtron gab am Donnerstag
nachbörslich Rekordzahlen bekannt. Die
Unternehmensgewinne (ohnehin eine Seltenheit bei
"Wachstumswerten") stiegen um 78 Prozent. Die
Dividende (noch so ein Fremdwort) soll mehr als
verdoppelt werden. Hinzu kommt die Ankündigung
eines Aktiensplits.
Nach den mehr als fünf Prozent umfassenden
Verlusten zum Wochenschluss an der Nasdaq dürfte
am Neuen Markt wohl kaum Ruhe einkehren.
Bilanzen und Prognosen von Schering, BASF,
Münchner Rück, Rheinmetall und Klöckner könnten
die Standardwerte in den Vordergrund rücken.
Außerdem stehen zum Wochenschluss die bereits
beschlossenen Veränderungen in den Indizes an.
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