CHART-KOLUMNE: Nachhaltige Trendentfaltungen noch unwahrscheinlich
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die übergeordnete, fallende Bewegungstendenz erlangte zum Wochenschluß hin wieder die Oberhand. Befanden sich die beurteilten Aktienindizes noch bis Donnerstag letzter Woche in einer technischen, aufwärts ausgerichteten Reaktionsbewegung, so endete diese am Freitag in erneut deutlichen Kursrückgängen. Damit scheint nun dem Reaktionsaufschwung die letzte Spitze gebrochen worden zu sein.
AKTIENINDIZES IN INTAKTEN ABWÄRTSTRENDS
Erstens: der überwiegende Teil, der von uns beobachteten Aktienindizes, befindet sich noch immer innerhalb intakter, charttechnisch definierter Abwärtstrends. Die jüngsten Kursanstiege der Vorwoche erfüllten bisher nur die Bedingungen technischer Korrektur- / Reaktionsbewegungen. Ausnahmen bilden hierbei der holländische AEX (AEXX.FX1), ein Index, der bisher seinen breit gefassten, seit November letzten Jahres gültigen Konsolidierungsbereich ohnehin nicht verlassen hatte und somit, aus strategischem Blickwinkel heraus, weiterhin als neutral zu bewerten ist. Die beiden asiatischen Indizes Nikkei 225 (Japan) (NI225.FX1) und Hang Seng Index (Hongkong), überwanden in der Vorwoche ebenfalls ihre Abwärtstrends in ihrer bisherigen Definition, gleiches gilt für den US amerikanischen Dow Jones (INDU.IND) und für den S&P 500 Index. Zweitens: war der Monat Februar von einem auffallenden Anstieg an mittelfristiger Bewegungsdynamik geprägt, so ist diese Entwicklungstendenz derzeit wieder rückläufig. Über den ADX gemessen und grafisch dargestellt, weisen die Dynamikkurven seit einigen Tagen wieder einen sich deutlich abflachenden Anstiegswinkel, womit ein recht deutliches Indiz dafür vorliegt, dass die Schwungkraft aus den Kursbewegungen heraus geht. Sehen wir uns das Ausmaß der jüngsten Reaktionen an, so überwiegen Maximalkorrekturen in den einzelnen Indizes. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Bewegungsdynamik auf der Unterseite noch nicht ausreichte, um die Entfaltung eines stabilen Trendverlaufes zu bewirken.
Drittens: im kurzfristigen Zeitfenster liegen uns erneut Verkaufsmuster vor, welche ein Ende der jüngsten Reaktionen erwarten lassen.
KEINE NACHHALTIGE TRENDENTWICKLUNG
In der Konsequenz aus dieser Entwicklung heraus, können wir derzeit festhalten, dass wir auch weiterhin noch immer keine wirkliche, nachhaltige Trendentwicklung unterstellen können. Trotzdem wir in den letzten zwei Wochen einen Dynamikanstieg in nahezu allen Aktienindizes gesehen haben, reichte dieser bisher nicht aus, eine Kursentwicklung ins Leben zu rufen, welche auch mit strategischen Positionierungen hätte gewinnbringend umgesetzt werden können. Aus statistischem Blickwinkel heraus ist dies auch keine große Überraschung.
Wie wir bereits mehrfach an dieser Stelle hinwiesen, gibt es bei allen Trendbewegungen minimale Dynamikniveaus, welche in der Vergangenheit erreicht wurden, ab denen eine ausreichend hohe Bewegungsstabilität auftrat. Trotz eines deutlichen Dynamikanstieges in den letzten Tagen, wurden diese Absolut-Niveaus bisher nicht erreicht. Statistische Tests im DAX (DAX.ETR) zeigen, dass strategische / trendfolgende Positionierungen erst ab einem ADX von 20 und höher (bei steigender Tendenz), tatsächlich erst akzeptable Handelsergebnisse abwarfen (aktuell liegt der ADX bei 17,07 Punkten). Somit war die Konsequenz der letzten Wochen, weiterhin auf strategische Neupositionierungen zu verzichten, durchaus sinnvoll.
STRATEGISCH/MITTELFRISTIGE BEURTEILUNG
Aus dem strategisch/mittelfristigen Blickwinkel heraus, befindet sich der DAX derzeit weiterhin innerhalb eines übergeordneten, sekundären Abwärtstrends, der Anfang Februar mit dem Unterschreiten der 4872 eingeleitet wurde. Definitionsgemäß war damit die bis dahin geltende Konsolidierungszone nach unten hin gebrochen und neutralisiert worden. Die obere Begrenzung des noch dominanten Abwärtstrends läßt sich aus der Verbindung der Hochs vom 4. Januar bei 5.352 und des Hochs vom 29. Januar bei 5.205 konstruieren und verläuft per heute im Bereich um 5.085. Das bisherige Bewegungstief dieses Trends liegt bei 4.730 und wurde am 7. Februar markiert.
KURSVERLUSTE ALS IMPULSBEWEGUNG
Die Frage, die sich nun erneut stellt, ist die nach der Nachhaltigkeit dieser Bewegungstendenz. Grundsätzlich können wir derzeit wohl davon ausgehen, dass Kursverluste der Kategorie der Impulsbewegungen zuzuordnen sind, während Kursanstiege als Reaktionsschübe zu interpretieren sind. Mit welcher Wahrscheinlichkeit werden wir nun, nach Abschluss der Reaktion, mit einer nachhaltigen Fortsetzung des übergeordneten Abwärtstrends rechnen müssen?
Hierzu hilft uns wieder ein Blick auf die Bewegungsdynamik. Gemessen über die Korrekturpotentiale, ist die abwärts ausgerichtete Bewegungsdynamik wohl noch nicht so weit, um eine kräftige Anschlussbewegung auf der Unterseite erwarten zu können. In den vergangenen Tagen wurde die letzte (abwärts ausgerichtete) Impulsstrecke maximal korrigiert. Statistische Tests im DAX zeigen jedoch, dass bei einer Korrektur solchen Ausmaßes, in der Regel nur noch in wenigen Fällen in der Anschlussbewegung neue Bewegungsextreme erreicht wurden (etwa in 35 Prozent der Fälle).
ANSTIEGSWINKEL DEUTLICH ABGEFLACHT
Gemessen über den ADX, wird dem DAX derzeit zwar noch eine leicht steigende Dynamik angezeigt, der Anstiegswinkel hat sich mittlerweile jedoch deutlich abgeflacht.
Daraus ziehen wir derzeit folgende Schlussfolgerung: mit hoher Wahrscheinlichkeit müssen wir in den nächsten Tagen und Wochen mit einer Neuauflage der Konsolidierungstendenz im DAX rechnen. Der Bereich um 4974 / 4992 hat sich wiederholt als nachhaltige Widerstandszone herausgestellt, so dass wir bei aktuellem Dynamik Niveau davon ausgehen, dass dieses Niveau als obere Barriere einer neuen, potentiellen Konsolidierungszone anzusehen ist. Auf der Unterseite lassen sich derzeit zwei potentielle Unterstützungsniveaus herleiten: 4834 und 4730. Einer dieser Bereiche wird wohl die potentielle Untergrenze einer erwarteten Schiebezone werden, da der sich deutlich verlangsamende Dynamikanstieg kaum auf einen kraftvollen Anschlusstrend auf der Unterseite hoffen läßt.
In der Konsequenz daraus bleiben wir bei unserer Aussage: keine strategischen Neupositionierungen eingehen. --- Von Uwe Wagner, Deutsche Bank --- /uw/jh/
Quelle: wiwo.de / dpa-AFX