Hexensabbat auf dem Parkett
Am Freitag tanzen die Hexen auf dem Börsenparkett, denn der große Verfall steht an. Heuter verfallen die Futures auf den Dax, die Optionen auf den Dax sowie Optionen auf Einzelaktien. An diesen Tagen werden die Kurse oft wie von unsichtbarer Hand geführt, ohne dass fundamentale Gründe dahinter stehen. Denn Marktteilnehmer versuchen die Kurse in die von ihnen gewünschte Richtung zu schieben, damit sich ihre Terminkontrakte günstig entwickeln. Seriöse Prognosen sind am großen Verfallstag nicht möglich. Strategische Investoren halten sich am besten zurück und beobachten das Geschehen aus sicherer Entfernung.
Bund-Future in gefährlicher Region
Mit dem Rutsch auf 105 Prozent hat sich der Bund-Future in eine gefährliche Region vorgewagt. Technische Analysten machen die nächste Unterstützung erst bei 104,19 Prozent aus.
Euro legt leicht zu
Der Euro legt am Freitagmorgen leicht zu. Der Euro steigt gegen 7.30 Uhr auf 0,8834 Dollar, nach Kursen von 0,8823 Dollar am Donnerstagaben in New York. Zum Yen notiert der Dollar mit 129,13 Yen, nach 129,24 Yen im späten New Yorker Handel am Vorabend.
Börse Tokio freundlich
Gestützt auf Kursgewinne bei Standardwerten wie Sony hat die Börse in Tokio am Freitag freundlich tendiert. Die Hoffnungen der Anleger auf bessere Aussichten der Unternehmen im kommenden Geschäftsjahr stiegen, sagten Händler. Als positives Signal sei vor allem der Einstieg der weltgrößten Supermarktkette Wal-Mart Stores beim japanischen Einzelhandelskonzern Seiyu aufgenommen worden. Der Nikkei-225-Index gewann 0,7 Prozent auf 11.648,01 Yen. Der Topix-Index rückte um 1,2 Prozent auf 1.097,24 Punkte vor.
Mit einer 6,1 Prozent-Beteiligung an Seiyu für sechs Milliarden Yen (40,5 Millionen Euro) hat sich Wal-Mart den Zutritt zum japanischen Markt verschafft und zugleich eine Option auf einen Mehrheitsanteil an der japanischen Kette gesichert. Analysten begrüßten den Einstieg eines ausländischen Investors. „Es ist gut, mehr Restrukturierungsfälle zu sehen, an denen ausländische Firmen beteiligt sind", sagte Kenji Kobata, Managing Director bei Ace Securities. „Angesichts der schneller als erwarteten Restrukturierung einiger großer Firmen kann eine V-förmige Erholung im kommenden Geschäftsjahr nicht ausgeschlossen werden.“ Für die Aktien der fünftgrößten japanischen Supermarktkette Seiyu lagen am Freitag Händlern zufolge nur Gebote bei 460 Yen vor. Die Papiere hatten am Vortag bereits um 80 Yen auf bei 380 Yen zugelegt. Sony-Aktien stiegen um 0,71 Prozent, Hitachi um 1,98 Prozent. Japans größter Elektronikhersteller Hitachi hatte am Vortag mitgeteilt, seine Beschäftigten hätten für das neue Geschäftsjahr, das im April beginnt, eine Lohnkürzung um fünf Prozent akzeptiert.
Aktien Hongkong am Mittag leichter
Leichter präsentieren sich die Aktienkurse am Freitagmittag (Ortszeit) in Hongkong. Zum Ende der ersten Sitzungshälfte verliert der Hang-Seng-Index (HSI) 0,7 Prozent Punkte auf 11.228,41 Punkte. Der HSI bewege sich seit acht Tagen in einer Spanne zwischen 11.000 und 11.400 Punkten und werde wahrscheinlich auch am Nachmittag in diesem Bereich bleiben, vermuten Händler. Die Unterstützung bei 11.000 Zählern werde wahrscheinlich halten. Kursverluste verzeichnen die Aktien von Landerschließungsgesellschaften vor der Veröffentlichung von Zahlen von Henderson Land, Cheung Kong und New World Development in der kommenden Woche.
US-Nachbörse im Minus
Die Aktien von Oracle gaben nachbörslich 31 Cents auf 13,13 Dollar nach. Das Softwareunternehmen meldete enttäuschende Ergebnisse und gab einen verhaltenen Ausblick für das laufende Quartal gab. Adobe Systems verteuerten sich dagegen um 1,24 Dollar auf 37,83 Dollar, nachdem das Ergebnis im vierten Quartal die Prognosen übertroffen hat. Intel verbilligten sich nachbörslich um elf Cents auf 30,86 Dollar, Sun Microsystems um um zehn Cents auf 9,11 Dollar und Cisco um neun Cents auf 16,65 Dollar. Der Future auf den Nasdaq 100 gab zehn Stellen auf 1.480 Punkte nach. Der S&P-500-Future fiel 0,70 Punkte auf 1.154,90.
Sorgen um Konjunkturaufschwung drücken US-Tech-Werte
Sorgen der Anleger, der Konjunkturaufschwung in den USA könne schwächer als erwartet ausfallen, haben am Donnerstag vor allem die Technologiewerte an den US-Börsen belastet. Die Blue Chips seien dagegen von Kursgewinnen der Aktien des Mischkonzerns General Electric und Eastman Kodak gestützt worden. "Es scheint, dass die Leute davon überzeugt sind, dass die Erholung da ist. Die Frage ist einfach, wie stark wird sie sein", sagte James Volk, stellvertretender Leiter Institutioneller Handel bei D.A. Davidson and Co. Der Dow-Jones-Index stieg zum Schluss leicht um 0,15 Prozent auf 10.517,14 Punkte, während der technologielastige Nasdaq-Index 0,42 Prozent auf 1.854,14 Zähler nachgab. Der breiter gefasste S&P-500-Index notierte mit minus 0,09 Prozent bei 1.153,04 Zählern nahezu unverändert.
Die Anleger sorgten sich, die Kursgewinne der Technologietitel könnten der erwarteten Erholung der Unternehmensgewinne bereits zu weit vorausgelaufen sein, sagten Börsianer. Die Kursverluste großer Konzerne wie Sun Microsystems und Juniper Networks hätten den Nasdaq-Index nach unten gezogen. Sun-Aktien verloren 2,85 Prozent auf 9,21 Dollar, die Titel von Juniper fielen 11,27 Prozent auf 11,50 Dollar. Die Titel des Telekomausrüsters Lucent Technologies gaben rund zwei Prozent auf 4,82 Dollar ab und waren der umsatzstärkste Wert an der New York Stock Exchange.
Bei den Standardwerten hätten dagegen Kursgewinne der Aktien des Mischkonzerne General Electric (GE) für Unterstützung gesorgt, hieß es auf dem Parkett. Der Kurs stieg um rund ein Prozent auf 40,41 Dollar. Die GE-Finanztochter, GE Capital, hatte am Vortag nach Börsenschluss mitgeteilt, sie habe eine weltweite Unternehmensanleihe im Volumen von elf Milliarden Dollar platziert. Damit habe sich der Konzern Finanzen zu den derzeit noch niedrigen Zinsen gesichert, sagten Händler. Positiv habe sich bei den Blue Chips auch die erneute Bestätigung der Ertragsprognosen des Herstellers von Filmen und Kameras, Eastman Kodak, ausgewirkt. Die Aktien des Dow-Wertes stiegen 4,35 Prozent auf 32,35 Dollar, nachdem der Konzern seine Prognose für das erste Quartal und das Gesamtjahr zum zweiten Mal in weniger als drei Wochen bekräftigt hatte.
US-Anleihen schließen sehr schwach
Sehr schwach haben sich die US-Staatsanleihen am Donnerstag präsentiert. Zehnjährige Papiere mit einem Kupon von 4,875 Prozent fielen um 30/32 auf 96-2/32 und rentierten mit 5,388 Prozent nach 5,271 Prozent. Der 30-Jährige Longbond mit einem Kupon von 5,375 Prozent gab um 1-4/32 auf 93-28/32 nach, Rendite: 5,812 Prozent nach 5,726 Prozent. Händler machten für die kräftigen Abschläge vor allem eine Welle an Unternehmensanleihen, den anhaltenden Konjunkturoptimismus sowie die Charthistorie verantwortlich. Dabei sollen die Umsätze jedoch relativ niedrig und ein Zeichen dafür gewesen sein, dass es praktisch kaum Käufer am Markt gegeben habe.
In den vergangenen Wochen hatten stärkere Konjunkturdaten und entsprechende Kommentare von Vertretern der Federal Reserve die Renditen der Staatsanleihen deutlich in die Höhe getrieben, weil man auch von der Fed in den nächsten Monaten Zinserhöhungen erwartete. Ein Blick in die Chart-Historie würde zudem zeigen, dass die Kurse in der jetzt anstehenden Zinserhöhungsphase noch weiter fallen werden, was zusätzlichen Druck ausübte, sagte ein Händler. Zu diesem negativen Sentiment seien Unternehmensanleihen hinzugekommen, welche die Anleger von den Staatspapieren weggelockt hätten, hieß es. Insbesondere die Begebung einer Mammut-Anleihe von General Electric Capital über elf Milliarden Dollar habe Fondsmanager dazu veranlasst, in ihren Portfolios Raum für diese Papiere zu schaffen.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters
Medienschau
Unternehmensnachrichten
Oracle erwartet keine schnelle Erholung
Der weltweit zweitgrößte Software-Hersteller Oracle hat im dritten Quartal 2001/2002 einen Gewinn- und Umsatzrückgang verzeichnet und erwartet auch weiterhin Ausgaben-Zurückhaltung im Technologiesektor. Oracle wies am Donnerstag für das dritte Quartal (zum 28. Februar) einen Umsatz von 2,2 (Vorjahr 2,7) Milliarden Dollar und einen Reingewinn von 508 (583) Millionen Dollar oder neun (zehn) Cents je Aktie aus. Während der Gewinn des Unternehmens den Entwartungen der Analysten entsprach, war der Umsatzrückgang stärker als erwartet. Der Kurs der Oracle-Aktie fiel im nachbörslichen Instinet-Handel auf 13,17 Dollar von 13,44 Dollar beim Börsenschluss. (FAZ.NET, Reuters)
Adobe sieht Gewinn auch im 2. Quartal
Adobe Systems hat im ersten Quartal seines laufenden Geschäftsjahres einen Gewinnrückgang in Höhe der Erwartungen verzeichnet. Der Gewinn werde auch im zweiten Quartal im Rahmen der Prognosen liegen, teilte Adobe am Donnerstag in San Jose (Kalifornien) mit. Für die drei Monate zum 28. Februar 2002 wies der Hersteller der Software Photoshop und Acrobat einen Reingewinn von 49,8 (Vorjahr 69,8) Millionen Dollar oder 20 (28) Cents je Aktie aus. Für das laufende Quartal sagte Adobe den Umsatz zwischen 305 Millionen Dollar und 325 Millionen Dollar und den Gewinn je Aktie zwischen 24 und 27 Cents voraus. Diese Prognose liegt im Rahmen der Analysten-Erwartungen. Im nachbörslichen Instinet-Handel stieg der Kurs der Adobe-Aktie auf 37,95 Dollar von 36,95 Dollar beim Börsenschluss. (Reuters)
Boeing prüft Zusammenarbeit mit Cargolifter
Boeing prüft nach Informationen der „Financial Times Deutschland“ eine Zusammenarbeit mit Cargolifter. Offen sei jedoch noch, ob es sich um eine finanzielle Beteiligung oder lediglich um eine technologische Kooperation handelt. Auch EADS habe Cargolifter intensiv geprüft, sich dann aber gegen ein Engagement entschlossen. (FTD, S. 3)
Allianz will Flugzeuge wieder gegen Terror versichern
Die Allianz will demnächst wieder Fluggesellschaften umfassend gegen Terror versichern, heißt es in einem Bericht der “Süddeutsche Zeitung“ (Freitagausgabe). Die Deckungssumme soll sich auf fünf Milliarden Dollar belaufen, schreibt die Zeitung unter Bezug auf Branchenkreise. Das Angebot solle “jeden Tag auf den Tisch kommen“. Nach den Terroranschlägen in den USA hatten alle Versicherer weltweit die Verträge gekündigt, mit denen sich Fluggesellschaften gegen Haftpflichtschäden versicherten, die beispielsweise durch entführte Flugzeuge entstehen können. (Süddeutsche Zeitung, S. 23)
Versicherer Gerling steht zum Verkauf
Die Versicherungsgruppe Gerling steht nach Informationen der „Financial Times Deutschland“ zum Verkauf. Rolf Gerling habe sich bereit erklärt, seine Mehrheit an dem Konzern abzugeben, wenn die Deutsche Bank einen Käufer finde, berichtete die Zeitung am Donnerstag vorab unter Berufung auf Banken- und Versicherungskreise. Sollte der Käufer dies wünschen, werde Gerling seinen Anteil von 65,5 Prozent auch vollständig abgeben, hieß es im Zeitungsbericht weiter. Die Deutsche Bank wolle ihren Anteil von 34,5 Prozent an dem Versicherer ebenfalls verkaufen. (FTD, S. 1)
Drillisch 2001 mit Verlust - Umsatzziel übertroffen
Drillisch ist 2001 in den Verlust gerutscht. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) habe sich auf minus 4,3 Millionen Euro von plus 11,9 Millionen Euro im Vorjahr reduziert, teilte Drillisch mit. Der Umsatz sei auf 173 Millionen Euro von 187,9 Millionen Euro im Vorjahr gesunken, hieß es weiter. Damit sei aber das im dritten Quartal 2001 angekündigte Umsatzziel von 165 Millionen Euro übertroffen worden. Die Zahl der Mobilfunkkunden sei um 20,7 Prozent auf 607.000 gestiegen. Die Nettoschulden seien um 9,4 Millionen Euro auf 8,4 Millionen Euro reduziert worden. (Ad-hoc)
Wirtschaftsnachrichten
Opec-Ausschuss empfiehlt unveränderte Fördermenge bis Ende Juni
Der Ausschuss, der dem Ministertreffen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) zuarbeitet, wird am Freitag die Beibehaltung der Fördermenge bis Ende Juni empfehlen. Der iranische Ölminister Bijan Namdar Zangeneh sagte nach einer Zusammenkunft des “Ministerial Monitoring Sub-Committee“ (MMC) am Donnerstag, dass die Einhaltung der geltenden Förderkürzungen bei 85 Prozent liege. Er hoffe im zweiten Quartal auf eine größere Einhaltung sowohl bei den Opec-Mitliedern als auch bei den Erdölproduzenten außerhalb der Opec. (vwd)
JP/Industrieproduktion Januar nach unten revidiert
Die japanische Industrieproduktion ist im Januar schlechter ausgefallen als zunächst gemeldet. Wie das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) am Freitag berichtet, fiel die Produktion saisonbereinigt und gegenüber dem Vormonat um 1,5 Prozent, nachdem vorläufig ein Rückgang um 1,0 Prozent gemeldet worden war. Für die Lagerbestände der Industrie wurde wurde ein revidierter Wert von ebenfalls minus 1,5 (vorläufig: minus 1,1) Prozent zum Vormonat angegeben. (vwd)
Gruß
Happy End