Interview mit Hendrik Leber
„Die Biontech-Aktie passt gut in mein Value-Konzept“
Quelle: www.dasinvestment.com/...st-gut-in-mein-value-konzept/?page=2
Hendrik Leber hat schon vor Jahren sein Verständnis von Value-Aktien geändert und neuen Gegebenheiten angepasst. Hier erklärt der Fondsmanager und Acatis-Chef, was bleibt, was sich verändert und ob es bei einstelligen KGVs nicht doch noch manchmal in den Fingern juckt.
Andreas Harms (Redakteur) // 08.04.2021
Auszug...
Nennen Sie doch mal ein Beispiel, das in die neue, aber nicht mehr in die alte Welt passt.
Leber: Ich nehme mal Biontech, weil die inzwischen jeder kennt. Die Aktie habe ich im Datini und im Aktien Global. Im Datini habe ich sie beim Börsengang zu 15 Euro gekauft, weil ich die Konzepte zur Krebsbekämpfung so großartig finde und dem Unternehmen generell eine tolle Zukunft zutraue. Im Aktien Global habe ich sie gekauft, als klar war, dass der Impfstoff an den Markt kommt und die Stückzahlen einigermaßen feststanden.
Alles ein bisschen berechenbarer.
Leber: Damit passte die Aktie in mein Value-Konzept. Die einfache Rechnung lautet: Biontech will dieses Jahr 2 Milliarden Impfdosen ausliefern, zu einem Kaufpreis von durchschnittlich 19 Dollar je Dosis. Davon bekommt Biontech die Hälfte, also rund 9,50 Dollar. Macht insgesamt etwa 18 Milliarden Dollar, also vielleicht 15 Milliarden Euro Umsatz. Davon müssen wir Kosten, Steuern und anderes abziehen und landen bei 10 Milliarden Euro Gewinn, vielleicht auch etwas weniger. Der Marktwert der Aktie liegt aktuell bei etwa 21 Milliarden Euro was einem KGV von 2 bis maximal 5 entspricht. Die wenigen Analysen, die es zu der Aktie gibt, spiegeln das, was ich hier gerade ausgerechnet habe, überhaupt nicht wider.
Vielleicht sind Sie auch zu optimistisch.
Leber: Das kann immer sein. Aber ich wüsste nicht, was an der Rechnung falsch sein sollte. Ich halte das für eine jener Gelegenheiten, die einen förmlich anschreien, wie Warren Buffett das immer ausdrückt. Er sagt ja auch, dass man oft gar keine komplizierten Rechnungen braucht, um so etwas zu sehen.
Und keine klassischen Zahlen.
Leber: Keine Dividende, kein Gewinn, kein Buchwert – da ist einfach nichts dergleichen. Aber das ist erst der Anfang. Denn die ganze weitere Zukunft in der Krebsforschung und dergleichen ist in der Rechnung noch gar nicht enthalten. Solche Firmen werden in der Regel für 30 Milliarden Euro übernommen. Ich bekomme also zunächst mein Geld zurück und habe dann noch eine Übernahme. Das ist für mich Value, auch wenn es nach klassischen Kriterien überhaupt nicht so aussieht.
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Fazit:
Passt doch wie die Faust aufs Auge...
das haben wir schon im Januar gerechnet...