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Biontech & MRNA: Revolution in der Pharmaindustrie

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klaus1234:

Genentech

3
29.10.26 21:46
Dass biontech die Untersuchung von inest aktuell aufgrund der Vertragslage mit genentech eingestellt hat, halte ich für weit hergeholt. Biontech kann mit Zustimmung jederzeit inest Studien starten, auch adjuvant oder im frühen stadium, braucht dafür die Zustimmung von genentech, muss die Studien selbst bezahlen und gewährt genentech eine Option später einzusteigen, was sollte genentech also dagegen haben?
Auch die Ausgliederung in ein neues Unternehmen sehe ich nicht als probantes Mittel um zukünftig alleine inest entwickeln zu können.
Es läuft außerdem auch noch eine inest studie zu bauchspeicheldrüsenkrebs mit genentech als sponsor, die Studie wird noch ein paar Jahre laufen, bis dahin oder darüber hinaus, im Falle einer Vermarktung, bleibt die Kooperation und der Vertrag bestehen oder nicht?

Was wir hier übersehen:
Der geteste Einsatzbereich von inest und moderna  intismeran ist unterschiedlich, die einen nach vollständiger Entfernung des tumorgewebes, die anderen bei hoher tumorlast.
Moderna testet mit pembrolizumab, biontech will hingegeben pembrolizumab durch pumitamig auf breiter front ersetzen, macht es Sinn hier noch in die Forschung zu investieren?

Aufbau und Verabreichung:
Moderna intramuskulär, biontech intravenous
Moderna nutzt LNP, biontech LNX
Moderna ersetzt Nukleosid Uridin durch N1-Methylpseudouridin, Biontech nutzt nicht nukleosidmodifizierte Uridin-RNA.

Tranportmedium und rna Modifizierung waren schon beim coronaimpfstoff entscheidend und haben curevac und Translate bio zum Scheitern gebracht, gut möglich dass man hier nochmal grundsätzlich nachbessern muss, ggf. bin unter zur Hilfe nahme der curevac patente die vor 10 Jahren noch nicht verfügbar waren
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Dictus:

Klaus

 
30.10.26 18:08
Genau das habe ich oben doch erklärt.

Moderna hatte Erfolg im adjuvanten Setting in einer Kombo-Therapie mit Keytruda.

Mono-Therapie scheint bei mRNA nicht ausreichend zu sein. BioNtech darf die eigene individuelle mRNA-Plattform gemäß des Vertrages mit Roche aber nicht mit einem fremden PD-(L)1-Inhibitor wie Keytruda oder Pumitamig kombinieren (bzw. nur dann wenn Roche ausdrücklich zustimmt). Nur mit Tecentriq von Roche selbst.  Und das beschränkt erstens die Wirksamkeit der Kombination & zweitens die Indikationen in denen man die Kombi überhaupt erproben kann.
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klaus1234:

Bnt122

2
31.10.26 07:48
Die Phase 2 melanoma wurde auch in Kombi mit pembrolizumab erprobt, Phase 2 Magenkrebs in Kombi mit nivolumab von brystol, nur die studie zu bauchspeicheldrüsenkrebs läuft mit tecentriq von roche.
Bei darmkrebs ist keytruda adjuvant nicht zugelassen, daher wird es auch nicht in Kombi erprobt.
Was also soll roche gegen Kombis mit pembrolizumab haben, die kassieren 50% völlig egal mit welchem Medikament kombiniert wird, wichtig ist nur, dass es eingesetzt wird.
Wenn einer was dagegen hat ist es merck, da sie das Konkurrenzprodukt mit moderna erproben...
Biontech hat in Mainz seit ende der coronazeit eine inest Produktion hochgezogen, man war fest vom Erfolg überzeugt der bis jetzt nicht eingekehrt, ich geh davon aus dass man am wirkmechanismus arbeiten muss.  
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Fabinio:

mRNA II

4
31.10.26 12:39
Ich tue mich aktuell schwer in der Meinungsbildung bezüglich Biontechs Abhängigkeiten bei Autogene Cevumeran von Roche. Schwer vorstellbar dass dies der einzige Grund für das aktuell gefühlte scheitern der Autogene Cevumeran Plattform ist. Der Einwand von Klaus1234 bezüglich der Verwendung von Pembrolizumab beim Melanom ist absolut berechtigt.
Was ich nicht für berechtigt halte ist der Zweifel an der Wirksamkeit der Autogene Cevumeran Plattform. Der entscheidende Unterschied der beiden Melanomstudien von Biontech und von Moderna liegt im komplett unterschiedlich behandelten Tumorstadium. Das Patientenkollektiv von Moderna ist adjuvant nach komplett reseziertem Tumor, das von Biontech waren Patienten mit metastasierten oder nicht operablen Tumoren.

Zusätzlich wurde beispielsweise bei der im August diesen Jahres abgebrochenen Darmkrebsstudie mit Autogene Cevumeran bei allen untersuchten Patienten eine zielgerichtete, neu entstandene (de novo) T-Zell-Antwort gegen die krebsspezifischen Neoantigene ausgelöst. Die generierten T-Zellen wiesen Eigenschaften von Effektor-Gedächtniszellen (Effector Memory) auf und machten teilweise einen erheblichen Anteil der zirkulierenden CD8+-T-Zellen aus. Trotz dieser messbaren T-Zell-Antwort im Blut konnte der Impfstoff den Rückfall der Erkrankung in dieser spezifischen Studiensituation klinisch nicht ausreichend verhindern. Das heißt doch der Impfstoff hat die erhoffte Immunantwort ausgelöst, nur gebracht hat die Immunantwort dann eben nichts.

Die aktuellen Niederlagen von Biontech bezüglich mRNA werte ich eher als grundsätzliche Limitationen der mRNA-Technologie in der Onkologie und müssten eigentlich auch den Kurs von Moderna belasten. Ich kann nur auf meinen leider nicht beachteten letzten Post hinweisen. Nur weil Moderna es geschafft hat einen Riesenhype an der Börse auszulösen, heißt das noch lange nicht dass die Technologie tatsächlich in den nächsten Jahren den erhofften medizinischen und folglich finanziellen Erfolg bringt, wie von der Börse wohl aktuell antizipiert.

Zu guter Letzt tue ich mich schwer zu denken Biontech hätte bezüglich mRNA in den letzten Jahren fast alles falsch gemacht. Nochmals bleibt zu betonen dass die individuelle Produktion und Logistik eine sehr große unbeantwortete Herausforderung für individualisierte mRNA Impfstoffe bleibt. Vielleicht ist in den nächsten Jahren einfach die Zeit dafür noch gar nicht reif und im Hintergrund ist das der tatsächliche Wettbewerb zwischen Moderna und Biontech. Dass am Ende ein per KI berechneter individualisierter mRNA-Impfstoff mit möglichst vielen Targets das Beste in der mRNA Onkologie wird, ist aktuell naheliegend. Nur selbst dieser Impfstoff heilt wohl nicht alle Tumoren und erst recht nicht in allen Stadien. Das hat Biontech aktuell nachgewiesen. Aber es kann ein wichtiger Baustein eines multimodalen Konzepts werden, besonders wegen der sehr geringen Nebenwirkungen.  

Ich bin sehr gespannt ob Biontech nächste Woche etwas zur zukünftigen Strategie des Unternehmens bezüglich mRNA sagt. Man tut sich aktuell wirklich schwer eine zu erkennen…
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Magnesium:

mRNA

2
31.10.26 15:07
Der Roche Vertrag bezieht sich auf individualisierte mRNA Impfstoffe und Roche hat sich mit dem Vertrag die Exklusivität gekauft (Zeitraum unbekannt).

@Klaus: Die angesprochene Melanom Kombi ist off-the-shelf, oder? Off-the-shelf ist vom Vertrag nicht berührt. Mir ist keine Biontech Studie mit individualisierter mRNA ohne Roche bekannt... aber möglicherweise liege ich da falsch und lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Dass Biontech eine neue Studie aufsetzt, voll bezahlt und anschließend 50% des Profits an Roche abdrückt wäre sehr riskant und eher ungewöhnlich... mal abgesehen davon, ob dies überhaupt möglich wäre (rechtliche Bewertung nötig / der Vertrag ist voll mit Klauseln).

Fakt ist, dass Biontech nach Covid im Bereich mRNA trotz großer Erwartungen nach aktuellem Stand komplett gescheitert ist (mal abgesehen vom wirtschaftlichen Nischenprodukt BNT122 Pankreas in der mittleren Zukunft, wobei auch dies offen ist). Man hat im Bereich individualisierter mRNA Impfstoffe, was aktuell von der Börse als riesiges Zukunfs-Geschäft bewertet wird, quasi nichts vorzuweisen und das obwohl man mit InstaDeep einen KI Anbieter gekauft und am Standort Mainz massiv investiert hat. Was ist aus der Kooperation mit dem englischen Gesundheitswesen geworden? Man hört nichts mehr...

Und ich wiederhole es nur ungern, selbst die "sichere Bank" Covid-Grippe-Impfstoff hat man nicht annähernd in die Nähe einer Zulassung gebracht. Stattdessen steht seit Monaten eine mRNA Ausgründung im Raum, für welche die Strategie nach wie vor absolut unklar ist. Letztendlich ist dies meiner Meinung nach aber ein Zugeständnis des Scheiterns und dass man es sich intern nicht zutraut mittelfristig. Bei aller wissenschaftlichen Expertise der Shahins wird es allerhöchste Eisenbahn, dass Profis im Konzern das Ruder übernehmen, die sich voll auf die Kommerzialisierung konzentrieren.

Natürlich ist Moderna im Bereich mRNA die Benchmark, wer denn sonst? Und ja, Moderna war wesentlich cleverer, wie sie ihre mRNA Studien aufgesetzt haben... Biontech hingegen möglicherweise etwas überambitioniert in den Indikationen. Dass Biontech hier so ins Hintertreffen geraten ist, liegt sicher nicht nur an der Roche Vereinbarung, aber ein Klotz am Bein und Blockade ist die Vereinbarung mit Sicherheit.
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Dictus:

klaus

2
31.10.26 15:36
Verschiedene Punkte

1. Eine Phase-2-Studie mit BNT122 und Nivolumab bei Magenkrebs hat es nie gegeben. Du meinst vermutlich die Studie IMcode004 bei muskelinvasivem Blasenkrebs (MIUC), die tatsächlich mit Nivolumab von BMS durchgeführt wurde. Warum hat man dort Nivolumab statt Roche's Tecentriq verwendet? Weil Tecentriq zuvor in der adjuvanten Blasenkrebs-Studie (IMvigor010) gescheitert war, während BMS dort die Zulassung als Standard of Care hatte. Übrigens liefen neben Pankreas weitere Studien mit Tecentriq, etwa die Phase-1-Studie und die Phase-2-Lungenkrebsstudie IMcode002, die wegen Rekrutierungsproblemen zurückgezogen wurde. Und genau diese Blasenkrebs-Studie mit dem fremden Nivolumab (IMcode004) haben Roche und BioNTech Anfang 2026 ohne Ergebnis wieder eingestellt.

2. Du schreibst, dass Keytruda bei Darmkrebs adjuvant nicht zugelassen ist und deshalb dort nicht in Kombination erprobt wird. Beim Bauchspeicheldrüsenkrebs (IMcode003) ist Tecentriq aber ebenfalls weder adjuvant noch bei Metastasen zugelassen – trotzdem wird BNT122 dort mit Tecentriq kombiniert! Für eine klinische Studie braucht der Antikörper keine bestehende Zulassung in der Indikation. Dass BNT122 bei Darmkrebs als reine Monotherapie ohne Checkpoint-Inhibitor lief, lag schlicht daran, dass Roche die Studie nicht mitfinanzieren wollte (weshalb BioNTech sie gemäß Section 4.5 allein gezahlt hat) und Section 4.5.4(f) des Vertrags BioNTech bei solchen Solo-Studien freie Kombinationen verbietet (also solche denen Roche nicht zustimmt).

3. Natürlich kann Merck rechtlich nicht verhindern, dass Roche und BioNTech Keytruda für eine Studie auf dem Markt einkaufen. Für Roche ist das jedoch ein schlechtes Geschäft bei großen Phase-3-Programmen: Roche muss Mercks Keytruda oder BMS' Nivolumab in der Studie für sehr viel Geld teuer zukaufen. Bei einer späteren Zulassung streicht Konkurrent Merck 100 Prozent der Keytruda-Umsätze ein, während sich Roche und BioNTech die verbleibende Marge von BNT122 teilen müssten. Roche ging es nie per se um BNT122, sondern darum den Wert von Tecentriq zu steigern. Studien mit anderen Antikörpern zu finanzieren wären für Roche also komplett idiotisch.

4. BioNTech hat die mRNA-Technologie seit Jahren nicht weiterentwickelt und ebenso lange keine neuen Studien mehr gestartet. Im Bereich der mRNA-Technologie hat Moderna dagegen 4 Phase-3-, 6 Phase-2- und 6 Phase-1-Programme in der Onkologie laufen. Bei Infektionskrankheiten sind es 18 weitere Studien. BioNTech hat insgesamt nur sieben laufende mRNA-Studien. Wie schon auf dem ESMO-Poster zum Pankreaskarzinom zu sehen war, kodiert Modernas Algorithmus bis zu 34 Neoantigene auf einem einzigen mRNA-Strang, während die iNeST-Plattform (BNT122) von BioNTech nur mit bis zu 20 Neoantigenen arbeitet. Es gibt nur einen einzigen logischen Grund dafür, dass BioNTech trotz finanziell quasi unbegrenzter Möglichkeiten diesen Schatz nicht hebt und das ist der Deal mit Roche. Man möchte Roche keinen Anlass geben, den Vertrag fortzuführen, da man das Potenzial der mRNA kennt und die eigenen individualisierten mRNA-Programme langfristig mit Pumitamig und den eigenen ADCs kombinieren möchte. Dafür benötigt man die Ausgründung von Arife in einer Form, in der BioNtech nicht Mehrheitseigentümer ist. In der Theorie passt jedes Puzzleteil.  
Antworten
Dictus:

Fabinio

2
31.10.26 15:45
„Die aktuellen Niederlagen von Biontech bezüglich mRNA werte ich eher als grundsätzliche Limitationen der mRNA-Technologie in der Onkologie und müssten eigentlich auch den Kurs von Moderna belasten. Ich kann nur auf meinen leider nicht beachteten letzten Post hinweisen. Nur weil Moderna es geschafft hat einen Riesenhype an der Börse auszulösen, heißt das noch lange nicht dass die Technologie tatsächlich in den nächsten Jahren den erhofften medizinischen und folglich finanziellen Erfolg bringt, wie von der Börse wohl aktuell antizipiert.“

I Ich halte Moderna ebenfalls für überbewertet. Aber wenn ich eines in meinen vielen Börsenjahren gelernt habe, dann, dass der Markt langfristig fast immer recht behält. Nun ist die Katze bezüglich der Wirksamkeit von Modernas mRNA-Wirkstoff bei Hautkrebs aus dem Sack. Ebenso die Frühdaten von Moderna in anderen Indikationen. Der Markt hat Moderna dafür kaum abgestraft: Das Unternehmen hat immer noch eine Marktkapitalisierung von 90 Milliarden USD. Und das bei marginalen Umsätzen. Was bedeutet das? Dass der Markt die vorliegenden Daten zu mRNA weiterhin als Paradigmenwechsel in der Onkologie einstuft. Biontech hatte nach 2020 die gleichen Voraussetzungen, um den Erfolg von Modernas mRNA-Technologie zu feiern. Das ist aber nicht passiert, weil die mRNA-Forschung bei BioNtech vernachlässigt wurde. Meiner Meinung nach liegt das maßgeblich am Knebelvertrag mit Roche. Nichtsdestotrotz wäre es jetzt fahrlässig von BioNTech, diesen Schatz – den die Börse sehr wertvoll findet – nicht zu heben. Insbesondere, da BioNTech trotz des großen Rückstands hinter Moderna immer noch auf dem zweiten Platz steht. Und der dritte Platz ist noch weiter abgeschlagen.
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Artikel 14:

Gegenthese zum Thema mRNA (User Dictus)

 
10:47
Allein die Tatsache, dass Biontech auch Studien durchgeführt hat, in denen kein Medikament von Roche oder Genentech ein Kombipräparat war, widerlegt doch die Annahme, dass Genentech und Roche blockieren.

Das sind alles Studien von Biontech, in denen es in mindestens einem Studienarm keine Kombination mit einem Medikament von Roche oder Genentech gab:
Ohne Kombinationspartner
HARE-40 (BNT113): keine
IVAC MUTANOME: keine
TNBC-MERIT (BNT114 + IVAC_M): keine (nur zwei BioNTech-RNAs)
BNT122-01 (Autogene Cevumeran, CRC): keine
BNT151: keine (nur Monotherapie-Teil durchgeführt)
BNT152+BNT153: keine (nur die beiden RiboCytokine)
BNT142: keine (nicht im Protokoll geprüft)
Mit Monotherapie- und Kombinationsarmen
BNT141: nab-Paclitaxel + Gemcitabin
PRO-MERIT (BNT112): Cemiplimab
LuCa-MERIT-1 (BNT116): Cemiplimab, Docetaxel, ADCs
BNT111-01: Cemiplimab
GO39733 (Autogene Cevumeran): Atezolizumab
Lipo-MERIT (BNT111): anti-PD-1 (nicht geprüft)

Darüber hinaus haben die beiden Firmen doch auch ein finanzielles Interesse an einem Erfolg der mRNA Pipeline von Biontech.
[Meinungen? Diese Gegenthese wurde weitergeleitet aus einem nichtöffentlichen Biontech-Forum, Danke an den User für den Beitrag und die Freigabe zur Weiterleitung]

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