ftd.de, Fr, 28.9.2001, 7:39, aktualisiert: Fr, 28.9.2001, 15:50
Bin Laden bestreitet erneut Verwicklung in Terroranschläge
Der als Drahtzieher gesuchte mutmaßliche Terrorist Osama Bin Laden hat seine Verwicklung in die Terroranschläge von New York und Washington erneut bestritten. Im Zuge der Fahndung nach Komplizen wurden offenbar mehrere geplante Attentate vereitelt.
Die in der südpakistanischen Stadt Karachi erscheinende Zeitung "Ummat" zitierte Bin Laden mit dieser Aussage in ihrer Ausgabe vom Freitag. Das schriftlich geführte Interview sei von der Taliban-Führung in Afghanistan übermittelt worden. Demnach schrieb Bin Laden: "Weder wusste ich von diesen Angriffen, noch unterstütze ich die Tötung unschuldiger Männer, Frauen und Kinder." Er sei Moslem und "lüge daher nicht".
Die Versuche der USA, die Guthaben seiner Organisation El Kaida zu sperren, würden keinerlei Auswirkungen auf ihre Schlagkraft haben, schrieb Bin Laden demnach weiter. "Dank der Gnade Gottes hat El Kaida mehr als drei verschiedene finanzielle Netzwerke." US-Präsident George W. Bush hatte am Montag angeordnet, sämtliche Konten der Organisation in den USA zu sperren.
Pakistanische Delegation verhandelt mit Taliban-Führung
Osama Bin Laden
Eine pakistanische Delegation ist am Freitag in Afghanistan eingetroffen, um die Taliban-Führung doch noch zu einer Auslieferung Bin Ladens zu bewegen. Die Abordnung von 16 Regierungsmitgliedern und islamischen Geistlichen kam in Kandahar, dem Hauptquartier der Taliban, mit Vertretern der islamisch-fundamentalistischen Miliz zusammen.
Begleitet wurde die Abordnung vom Taliban-Botschafter in Pakistan, Mullah Abdul Salam Saif. Eine erste pakistanische Delegation hatte vor einer Woche die Taliban-Führung zur Auslieferung Bin Ladens aufgerufen. Daraufhin hatte der Rat der Geistlichen und Religionsgelehrten Afghanistans Bin Laden aufgefordert, das Land freiwillig zu verlassen. Diese Aufforderung wurde nach Angaben der Taliban dem mutmaßlichen Terroristenführer am Donnerstag übergeben.
Pakistan übernimmt Vermittler-Rolle
Ein Sprecher der pakistanischen Militärregierung, General Raschid Qureshi, sagte, die Reise der Delegation demonstriere die Entschlossenheit Pakistans, den Konflikt zwischen den USA und den Taliban zu lösen. Pakistan ist das einzige Land, das noch offizielle Beziehungen zu dem Regime in Kabul unterhält. Eine weitere Delegation mit Vertretern islamischer Parteien in Pakistan will in den nächsten Tagen nach Afghanistan reisen.
Die USA suchen Bin Laden als Drahtzieher der Anschläge. Sein Aufenthaltsort ist nicht bekannt. Zuletzt hielt er sich in Afghanistan auf, wo er das Gastrecht der fundamentalislamischen Taliban genießt. Der Heilige Krieg werde auch ohne ihn fortgeführt, zitierte "Ummat" Bin Laden weiter. "Überall auf der Welt sind Gotteskrieger aktiv. Von Kabul bis Tschetschenien, in Palästina, Bosnien, Sudan, Birma, Kaschmir und vielen anderen Ländern."
USA wollen Vereinte Nationen einbeziehen
Die USA haben sich entschlossen, die Vereinten Nationen (UN) in den Kampf gegen den internationalen Terrorismus einzubeziehen. Washingtons neuer UN-Botschafter John Negroponte legte dem Sicherheitsrat den Entwurf einer Resolution vor, durch die alle Staaten verpflichtet werden sollen, jede Unterstützung für Terroristen zu unterbinden.
US-Präsident George W. Bush will sich auch auf die Hilfe arabischer Staaten stützen. Am Freitag wollte er mit dem jordanischen König Abdullah II. zusammentreffen. Beobachter gehen davon aus, dass Abdullah die Bereitschaft seines Landes zur Bekämpfung des Terrorismus bekräftigen und die USA zu einer aktiveren Rolle im Nahen Osten auffordern wird.
Auch die syrische Regierung bekundete ihre Bereitschaft, internationale Bemühungen zum Kampf gegen den Terror zu unterstützen. Außenminister Faruk el Scharaa sagte am Donnerstag, eine derartige Mission müsse aber im Rahmen der UN erfolgen. Für den angekündigten Feldzug gegen den Terrorismus kann die USA auch türkischen Luftraum nutzen. Dies vereinbarten die Außenminister der beiden NATO-Staaten, Colin Powell und Ismail Cem, am Donnerstag in Washington.
Neue Terror-Angriffe erwartet
Die britische Regierung rechnet mit neuen Anschlägen islamischer Terroristen, die sich auch gegen Ziele in Großbritannien richten. "Wir gehen davon aus, dass es diese Organisation weltweit immer noch gibt, und dass es eine Gefahr neuer Angriffe gibt", sagte der britische Außenminister Jack Straw am Freitag in einem Fernsehinterview. Zuvor hatte der für Europa zuständige Staatsminister im Außenministerium, Peter Hain, vor neuen Terrorangriffen gewarnt. "Soweit ich weiß, bereitet Bin Laden neue Terrorangriffe von großer Bedeutung in den kommenden Wochen vor", sagte Hain am Freitag.
Britische Polizisten haben einen algerischen Piloten unter Berufung auf einen Haftbefehl und Auslieferungsantrag aus den USA festgenommen, bestätigte ein Sprecher von Scotland Yard am Freitag. Nach Angaben der Polizei steht er auf einer Liste von 200 Personen, die von der US-Bundespolizei FBI im Zusammenhang mit den Terrorangriffen auf New York und Washington gesucht werden.
Attentate vereitelt
Die weltweite Fahndung nach den Hintermännern der Terroranschläge soll mindestens zwei weitere Attentate vereitelt haben, wie aus amerikanischen Regierungskreisen verlautete. Demnach waren Anschläge auf die US-Botschaft in Paris und eine Militäreinrichtung in Brüssel geplant, die auf Grund der bei den zahlreichen Razzien sicher gestellten Beweise verhindert werden konnten.
Einer der in Spanien gefassten mutmaßlichen Gefolgsleute Bin Ladens hat sich nach Polizeierkenntnissen auf einen Selbstmordanschlag vorbereitet. Das geht nach Presseberichten vom Freitag aus Notizbüchern hervor, die bei der Festnahme von sechs als "Schläfer" geltenden Algeriern in dieser Woche sichergestellt worden waren. Diese hätten Verbindungen zu einem zuvor in Belgien verhafteten Tunesier gehabt, der ein Selbstmordattentat auf eine Synagoge oder das Hauptquartier der Nato in Brüssel geplant haben soll. Für einen Anschlag in Spanien gebe es dagegen keine Anhaltspunkte.
Die US-Bundespolizei FBI gab am Donnerstag erstmals bekannt, dass einige der 19 mutmaßlichen Flugzeugentführer, die die gekaperten Maschinen in den World Trade Center und ins Pentagon steuerten, in Verbindung mit Bin Laden standen. Das FBI veröffentlichte Fotos der Verdächtigen und räumte ein, dass die Ermittler nicht sicher seien, ob es sich bei den angegebenen Namen der mutmaßlichen Entführer um ihre tatsächliche Identität handle.
Atta hatte Anweisungen für Anschläge im Gepäck
Im Gepäck des mutmaßlichen Terroristen Mohammed Atta hat die US-Bundespolizei FBI einem Zeitungsbericht zufolge ein handschriftliches Dokument mit Gebetssprüchen und Anweisungen für die Terroranschläge in New York und Washington gefunden. Atta bestieg den Ermittlungen zufolge in Portland ein Flugzeug nach Boston und stieg dort in die Maschine der American Airlines um, die er in den nördlichen Turm des World Trade Center flog. Sein Gepäck sei nicht in die American-Airlines-Maschine umgeladen worden, das FBI habe es deshalb gefunden, berichtete die "Washington Post".
Bei den Bergungsarbeiten in New York wurde die Zahl der in den Trümmern des World Trade Centers vermissten Menschen nach unten korrigiert. Bürgermeister Rudolph Giuliani sagte am Donnerstag, gesucht werde jetzt noch nach 5960 Personen. Zuvor gingen die Behörden von 6347 Vermissten aus. Tot geborgen wurden bisher 305 Menschen.
Bin Laden bestreitet erneut Verwicklung in Terroranschläge
Der als Drahtzieher gesuchte mutmaßliche Terrorist Osama Bin Laden hat seine Verwicklung in die Terroranschläge von New York und Washington erneut bestritten. Im Zuge der Fahndung nach Komplizen wurden offenbar mehrere geplante Attentate vereitelt.
Die in der südpakistanischen Stadt Karachi erscheinende Zeitung "Ummat" zitierte Bin Laden mit dieser Aussage in ihrer Ausgabe vom Freitag. Das schriftlich geführte Interview sei von der Taliban-Führung in Afghanistan übermittelt worden. Demnach schrieb Bin Laden: "Weder wusste ich von diesen Angriffen, noch unterstütze ich die Tötung unschuldiger Männer, Frauen und Kinder." Er sei Moslem und "lüge daher nicht".
Die Versuche der USA, die Guthaben seiner Organisation El Kaida zu sperren, würden keinerlei Auswirkungen auf ihre Schlagkraft haben, schrieb Bin Laden demnach weiter. "Dank der Gnade Gottes hat El Kaida mehr als drei verschiedene finanzielle Netzwerke." US-Präsident George W. Bush hatte am Montag angeordnet, sämtliche Konten der Organisation in den USA zu sperren.
Pakistanische Delegation verhandelt mit Taliban-Führung
Osama Bin Laden
Eine pakistanische Delegation ist am Freitag in Afghanistan eingetroffen, um die Taliban-Führung doch noch zu einer Auslieferung Bin Ladens zu bewegen. Die Abordnung von 16 Regierungsmitgliedern und islamischen Geistlichen kam in Kandahar, dem Hauptquartier der Taliban, mit Vertretern der islamisch-fundamentalistischen Miliz zusammen.
Begleitet wurde die Abordnung vom Taliban-Botschafter in Pakistan, Mullah Abdul Salam Saif. Eine erste pakistanische Delegation hatte vor einer Woche die Taliban-Führung zur Auslieferung Bin Ladens aufgerufen. Daraufhin hatte der Rat der Geistlichen und Religionsgelehrten Afghanistans Bin Laden aufgefordert, das Land freiwillig zu verlassen. Diese Aufforderung wurde nach Angaben der Taliban dem mutmaßlichen Terroristenführer am Donnerstag übergeben.
Pakistan übernimmt Vermittler-Rolle
Ein Sprecher der pakistanischen Militärregierung, General Raschid Qureshi, sagte, die Reise der Delegation demonstriere die Entschlossenheit Pakistans, den Konflikt zwischen den USA und den Taliban zu lösen. Pakistan ist das einzige Land, das noch offizielle Beziehungen zu dem Regime in Kabul unterhält. Eine weitere Delegation mit Vertretern islamischer Parteien in Pakistan will in den nächsten Tagen nach Afghanistan reisen.
Die USA suchen Bin Laden als Drahtzieher der Anschläge. Sein Aufenthaltsort ist nicht bekannt. Zuletzt hielt er sich in Afghanistan auf, wo er das Gastrecht der fundamentalislamischen Taliban genießt. Der Heilige Krieg werde auch ohne ihn fortgeführt, zitierte "Ummat" Bin Laden weiter. "Überall auf der Welt sind Gotteskrieger aktiv. Von Kabul bis Tschetschenien, in Palästina, Bosnien, Sudan, Birma, Kaschmir und vielen anderen Ländern."
USA wollen Vereinte Nationen einbeziehen
Die USA haben sich entschlossen, die Vereinten Nationen (UN) in den Kampf gegen den internationalen Terrorismus einzubeziehen. Washingtons neuer UN-Botschafter John Negroponte legte dem Sicherheitsrat den Entwurf einer Resolution vor, durch die alle Staaten verpflichtet werden sollen, jede Unterstützung für Terroristen zu unterbinden.
US-Präsident George W. Bush will sich auch auf die Hilfe arabischer Staaten stützen. Am Freitag wollte er mit dem jordanischen König Abdullah II. zusammentreffen. Beobachter gehen davon aus, dass Abdullah die Bereitschaft seines Landes zur Bekämpfung des Terrorismus bekräftigen und die USA zu einer aktiveren Rolle im Nahen Osten auffordern wird.
Auch die syrische Regierung bekundete ihre Bereitschaft, internationale Bemühungen zum Kampf gegen den Terror zu unterstützen. Außenminister Faruk el Scharaa sagte am Donnerstag, eine derartige Mission müsse aber im Rahmen der UN erfolgen. Für den angekündigten Feldzug gegen den Terrorismus kann die USA auch türkischen Luftraum nutzen. Dies vereinbarten die Außenminister der beiden NATO-Staaten, Colin Powell und Ismail Cem, am Donnerstag in Washington.
Neue Terror-Angriffe erwartet
Die britische Regierung rechnet mit neuen Anschlägen islamischer Terroristen, die sich auch gegen Ziele in Großbritannien richten. "Wir gehen davon aus, dass es diese Organisation weltweit immer noch gibt, und dass es eine Gefahr neuer Angriffe gibt", sagte der britische Außenminister Jack Straw am Freitag in einem Fernsehinterview. Zuvor hatte der für Europa zuständige Staatsminister im Außenministerium, Peter Hain, vor neuen Terrorangriffen gewarnt. "Soweit ich weiß, bereitet Bin Laden neue Terrorangriffe von großer Bedeutung in den kommenden Wochen vor", sagte Hain am Freitag.
Britische Polizisten haben einen algerischen Piloten unter Berufung auf einen Haftbefehl und Auslieferungsantrag aus den USA festgenommen, bestätigte ein Sprecher von Scotland Yard am Freitag. Nach Angaben der Polizei steht er auf einer Liste von 200 Personen, die von der US-Bundespolizei FBI im Zusammenhang mit den Terrorangriffen auf New York und Washington gesucht werden.
Attentate vereitelt
Die weltweite Fahndung nach den Hintermännern der Terroranschläge soll mindestens zwei weitere Attentate vereitelt haben, wie aus amerikanischen Regierungskreisen verlautete. Demnach waren Anschläge auf die US-Botschaft in Paris und eine Militäreinrichtung in Brüssel geplant, die auf Grund der bei den zahlreichen Razzien sicher gestellten Beweise verhindert werden konnten.
Einer der in Spanien gefassten mutmaßlichen Gefolgsleute Bin Ladens hat sich nach Polizeierkenntnissen auf einen Selbstmordanschlag vorbereitet. Das geht nach Presseberichten vom Freitag aus Notizbüchern hervor, die bei der Festnahme von sechs als "Schläfer" geltenden Algeriern in dieser Woche sichergestellt worden waren. Diese hätten Verbindungen zu einem zuvor in Belgien verhafteten Tunesier gehabt, der ein Selbstmordattentat auf eine Synagoge oder das Hauptquartier der Nato in Brüssel geplant haben soll. Für einen Anschlag in Spanien gebe es dagegen keine Anhaltspunkte.
Die US-Bundespolizei FBI gab am Donnerstag erstmals bekannt, dass einige der 19 mutmaßlichen Flugzeugentführer, die die gekaperten Maschinen in den World Trade Center und ins Pentagon steuerten, in Verbindung mit Bin Laden standen. Das FBI veröffentlichte Fotos der Verdächtigen und räumte ein, dass die Ermittler nicht sicher seien, ob es sich bei den angegebenen Namen der mutmaßlichen Entführer um ihre tatsächliche Identität handle.
Atta hatte Anweisungen für Anschläge im Gepäck
Im Gepäck des mutmaßlichen Terroristen Mohammed Atta hat die US-Bundespolizei FBI einem Zeitungsbericht zufolge ein handschriftliches Dokument mit Gebetssprüchen und Anweisungen für die Terroranschläge in New York und Washington gefunden. Atta bestieg den Ermittlungen zufolge in Portland ein Flugzeug nach Boston und stieg dort in die Maschine der American Airlines um, die er in den nördlichen Turm des World Trade Center flog. Sein Gepäck sei nicht in die American-Airlines-Maschine umgeladen worden, das FBI habe es deshalb gefunden, berichtete die "Washington Post".
Bei den Bergungsarbeiten in New York wurde die Zahl der in den Trümmern des World Trade Centers vermissten Menschen nach unten korrigiert. Bürgermeister Rudolph Giuliani sagte am Donnerstag, gesucht werde jetzt noch nach 5960 Personen. Zuvor gingen die Behörden von 6347 Vermissten aus. Tot geborgen wurden bisher 305 Menschen.