Erste «Nutelleria» Deutschlands in Frankfurt eröffnet
Frankfurt/Main (dpa) - Unzählige Schleckermäuler in Deutschland schauen neidisch nach Frankfurt: Dort hat jetzt nach einigen Anlaufschwierigkeiten Deutschlands erste «Nutelleria» eröffnet, in der sich alles um die bekannte Nuss-Nugat-Creme des italienischen Süßwarenherstellers Ferrero dreht.
Die braune Creme genießt bei vielen Unter-40-Jährigen mittlerweile Kultstatus, weil sie damit aufwuchsen - den Ratschlägen von Ernährungswissenschaftlern zum Trotz, die seit eh und je auf den hohen Fett- und Zuckergehalt hinweisen. Für Marken-Experten ist die «Nutelleria» Teil eines Trends zum «Mono-Marken-Laden».
Zahlreiche Litfass-Säulen in Frankfurt werben seit Tagen für die «Nutelleria». Eigentlich sollte es schon Anfang Mai losgehen. Doch nach zwei Betriebstagen machte das Lokal erst einmal wieder zu - «wegen technischer Probleme», wie es heißt und nicht näher erläutert wird. Betreiber der «Nutelleria» ist die Firma Gustitalia, eine deutsche Tochter des italienischen Catering- und Gastro-Unternehmens Camst, an der auch der deutsch-italienische Eisdielen-Betreiber Egidio Meneghin beteiligt ist. Der Hersteller der Schoko-Nuss-Creme fungiert nur als Lizenzgeber des gewinnträchtigen Namens und selbstverständlich als Lieferant der Hauptzutat.
Im Angebot hat die «sweet and snack lounge», wie sich das Schnellrestaurant neudeutsch bewirbt, unter anderem Crêpes, Herzwaffeln, Krapfen, Pudding, Milchshakes, Eis und einen speziellen Cappuccino, alles nicht gerade günstig. Das Lokal ist ganz in den bekannten Verpackungsfarben schwarz, rot und weiß gehalten. Die Bedienungen sind uniformiert, die Theke ist schokobraun. Wenn der Betrieb in der Frankfurter «Nutelleria» gut läuft, werde es «in anderen deutschen Großstädten mit Szene-Publikum» weitere Filialen geben, kündigt eine Sprecherin an. Bisher gab es nur in Bologna und Genua Lokale dieser Art.
Der Laden liegt in Frankfurts Fußgängerzone direkt neben dem «Maggi-Kochstudio». Stephanie Scharpenack-Bingel vom Markenverband in Wiesbaden glaubt denn auch nicht, dass diese Tatsache nur Zufall ist: «Es gibt einen Trend zu Mono-Marken-Gaststätten, aber auch zu Marken-Kochbüchern», sagt sie, «das zeigt der Erfolg beispielsweise vom Aldi-, Milka-, Iglo- oder auch Nutella-Kochbuch.» Lokale oder Bücher, die sich nur um ein Produkt oder eine Marke drehen, sind nach ihrer Ansicht eine neue Form der Werbung und kommen den Bedürfnissen vor allem jüngerer Leute entgegen.
Scharpenack-Bingel verweist auf Nescafe-Kaffeebars oder auch eine Pizzeria des Fertigpizza-Riesen «Dr. Oetker» in Bielefeld. Dem Handel werde durch solche Lokale «nichts weggenommen», da es sich ja um keine exklusiven Verkaufsstellen handele, sondern um «einen Mehrwert für den Kunden.» Die Läden dienten vor allem Marktforschungszwecken. Scharpenack-Bingel kann sich Lokale dieser Art auch für andere Marken, gerade aus der Süßwarenindustrie, vorstellen, will jedoch keine Namen nennen. Der Markenverband vertritt die Interessen von gut 370 deutschen Markenartikelherstellern.
Nutella gibt es in Deutschland seit 1965. In Italien gab es einen Vorläufer namens «Supercrema», der 1964 zu Nutella wurde. Der Piemonteser Konditor Pietro Ferrero hatte bereits in den 40er Jahren die Idee, einen süßen Brotaufstrich mit gerösteten Haselnüssen und Kakao herzustellen.
Inzwischen gibt es zahlreiche, auch preiswertere, Konkurrenten des Originals. Für wahre Fans haben sie jedoch keine Bedeutung. Das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik in Aachen testete einst fünf Cremes dieser Art für eine Service-Sendung des Hessischen Rundfunks (hr). Ergebnis: «Nuss-Nugat-Cremes müssten treffender als Zucker-Öl-Creme mit 12 bis 13 Prozent Nüssen, etwas Magermilchpulver, wenig Kakao, Aroma und Lecithin heißen», so Sprecher Sven-David Müller. Mit einem Kaloriengehalt von bis zu 580 Kilokalorien pro 100 Gramm seien sie schiere Kalorienbomben.