*** BERNECKER IM JUNI ***


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MrBoom:

*** BERNECKER IM JUNI ***

 
08.06.02 22:50
           

Hans Bernecker: Stimmungen sind keine Fakten
Mails/Nachrichten vom 04.06.2002, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
das hätte nicht passieren dürfen. Aber der Rücktritt eines dubiosen Chefs (TYCO) und der Selbstmord des Finanzchef einer anderen Adresse (EL PASO) haben eine ähnliche Wirkung wie „New York“ im Miniformat. Das sind natürlich keine schönen Nachrichten, aber Stimmungen sind etwas anderes als Fakten, und deshalb ist dies keine Tröstung für Sie, sondern eine unverändert objektive Analyse der augenblicklichen Lage.

Bis hierher und nicht weiter, lautet mein Ansatz sowohl für Dow Jones als auch Nasdaq. Im Dow Jones wäre dies das Niveau vom Januar/Februar bei rd. 9.700 und im Nasdaq orientiere ich mich an dem Tief des letzten September, wie schon früher begründet. Ausgedrückt im NASDAQ 100, der gestern bei 28,87 $ landete und damit das Tief vom September bis auf ganz wenige Cents erreicht hat. Beide müssen nun halten.

Die Technik dazu: Die bekannten Relationen liegen weitgehend im Minus. Das tatsächliche Umsatzvolumen zeigt aber keine wesentliche Ausweitung. Das bedeutet, daß es keinen massiven Verkaufsdruck gibt. Kursabschläge von 20 % und mehr für die oben bezeichneten Titel liefen zudem bei relativ mäßigen Umsätzen. Natürlich bin ich froh, daß ich nach ENRON auch bei TYCO nicht dabei bin. Ich prognostiziere Ihnen gleichwohl: Alle, die in den letzten Jahren massiv extern gewachsen sind, sind zu überprüfen. Gleichgültig, wo die Probleme liegen: Entweder in der Bilanz oder den damit zusammenhängenden steuerlichen Folgen. Meiden Sie alle Titel, hinter denen eine derartige Strategie gestanden hat. Dazu gehören auch so illustre Adressen wie GE, die ich nach wie vor mit größtem Mißtrauen beäuge. Wehe, wenn hier etwas Derartiges passiert. Damit sind die vier Haupttitel im Dow angesprochen, die sich meinem vermutlichen Tief weiter annähern: MICROSOFT gestern bis 49,17 $, IBM bei 78 $, GE bei 29,95 $ und INTEL bei 26,44 $. Bevor diese vier Aktien nicht einen einwandfreien Boden gefunden haben, findet auch der Gesamtmarkt keinen zuverlässigen Ausgangspunkt.

Die Konjunktur läuft unterdessen weiter warm. Wie gestern avisiert, gibt es heute schon 5-Spalter zum US-Aufschwung. Der US-Einkaufsmanager-Index dürfte übrigens im Juni den bisherigen Gipfel vom November 1998 überschreiten. Das ist meine Prognose für Ende dieses Monats. Die Schätzung für das Wirtschaftswachstum der Amerikaner sprang gestern auf wiederum 4,7 %. Vergleichen Sie diese Zahl bitte mit den Vermutungen der „Experten“ vor weniger als 14 Tagen. Ergo:

Eine Börse ist mittelfristig so gut, wie sie von soliden Wirtschaftsdaten getragen wird. Allein daran können Sie sich orientieren. Meine Konjunktur-Titel liegen alle im Plus, kein einziger zeigt eine Schwäche, und dabei bleibt es. Bei COCA-COLA bitte aufpassen, weil ein Patentstreit mit PROCTER & GAMBLE entstanden ist, den ich nicht bewerten kann. Ergo: COCA-COLA glattstellen und abwarten. Neue Kaufbasis 48 $. Dagegen wiederhole ich meine Kaufempfehlung für PHILIP MORRIS mit gestern knapp 58 $ und den weiteren Gründen in der nächsten AB. Ich nenne auch zwei weitere Titel dieser Art für neue Investments.

Schaffen die Amerikaner den Einstieg bei HDW direkt? Heute morgen gerüchtet, daß NORTHROP 20 % an HDW erwerben will oder wird. Das wäre ein neuer Kaufgrund für NORTHROP nach inzwischen gut 60 % Kursgewinn gegenüber meinen Empfehlungen. Alles natürlich unter dem Vorbehalt der Genehmigung, aber ich bin sicher, daß die Amerikaner sich HDW unter den Nagel reißen. HDW ist übrigens im Sektor konventioneller U-Boote Weltmarktführer mit einem Anteil von knapp 60 %.

Frankfurt wird heute morgen versuchen, New York nachzuzeichnen. Ich bin aber nicht sicher, daß man dies durchhält. Am Ende gibt es eher ein Plus als ein Minus. Denn TYCO u. a. stehen nicht für den mittelfristigen Trend. Unverändert weise ich darauf hin: Die Achillesferse im DAX ist jetzt weniger die TELEKOM-Aktie als die drei Technologietitel, die die schlechteste Markttechnik von allen zeigen. Ihr Gewicht im DAX liegt aber immerhin bei 15 bzw. 20 %, je nachdem, ob man SIEMENS mit einbezieht. Dennoch als Leitlinie: Bezogen auf die Gewinnschätzungen aller DAX-Aktien per 2003 ergibt sich zur Zeit nur noch ein KGV von weniger als 16. Im MDAX übrigens 13. Das ist eine der tiefsten Bewertungen der letzten Jahre. Warum sage ich das?

Unterscheiden Sie zwischen Einmalergebnissen und einem Trend. Als kürzlich eine Aktie wie LOEWE von einem Analystenteam heruntergestuft wurde, sackte die Aktie von beinahe 10 E. in wenigen Tagen bei hohen Umsätzen ab. Inzwischen steigt sie wieder, aber bei Umsätzen von nur 4.000 Stück. Bei RHÖN-KLINIK lief es ähnlich, wie ich in der AB kommentiert hatte. Gleiches bei TECHEM vor 10 Tagen. Also:

Solche Gelegenheiten zu nutzen, halte ich weiter für attraktiv. Das ist klassisches Stock picking mit guten Daten und einem am Ende erfreulichen Ergebnis. Technologie-Freaks haben damit ihr Problem, wie ich zugebe, sie verlieren damit jedoch Geld, statt zu verdienen. Achten Sie auch darauf: Seit drei Tagen versucht ein größerer Fonds, die ALTANA-Position zu verringern. Also gibt es Druck auf den Titel mit Risiko bis 52/53 E. Die Spitze lag bei 65 E. Mit neuen Zahlen hat das nichts zu tun, aber mit dem, was einzelne Marktteilnehmer gerade unternehmen. Die neue WELLA-Akquisition in USA ist noch nicht ganz im Kurs berücksichtigt. Ich wiederhole daher meine kürzliche Empfehlung mit aktuellem Kursziel bis 72 E.

Die Gold-Spekulation ist noch nicht zu Ende. Machen Sie sich keine falschen Vorstellungen. Das längerfristige Kursziel reicht bis 400 $ je Unze und darüber. Kürzerfristig gibt es jedoch größere Schwankungen, die sich aus der Markttechnik des Goldpreises erklären. Mindestens eine Goldaktie sollten Sie im Depot führen. Einen gewissen Mittelweg erläutere ich in der nächsten AB und bitte, dies zu beachten.

Den Dollar sehen Sie bitte so, wie gestern beschrieben. Wenn alle auf dem Trip sind, daß der Dollar kollabieren soll, gehen Sie auf die Gegenseite. Warum der Dollar schwach werden würde, hatte Greenspan im März avisiert und ich habe dies ernst genommen. Die sich daraus ergebenden Folgen skizzierte ich im Brief Nr. 13. Das war bei rd. 84 Cents. Ab 94/95 Cents wird Kasse gemacht.

Grundtendenz für heute: Das beste Fundament Ihrer Entscheidungen sind die Konjunkturdaten. Halten Sie sich bitte allein daran.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
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MrBoom:

weiter gehts...

 
08.06.02 22:53
Hans Bernecker: Schwache Versicherungen mahnen zur Vorsicht!!
Mails/Nachrichten vom 05.06.2002, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
gestern nachmittag gegen 16.00 Uhr habe ich eine Ergänzung abgefaßt. Ich habe darüber berichtet, daß ich ein sehr ungutes Gefühl habe, wenn ich mir die Schwäche der großen Versicherungs-Aktien anschaue und sie ins Verhältnis setze zum Informationsstand in der Weltpolitik. Das hat mich veranlaßt, die Versicherungspositionen zu überprüfen. Es bleibt auffallend, wie der gestrige Verlauf gezeigt hat:

Alle großen Sach- und Rück-Versicherer zeigen eine bemerkenswert einheitliche Schwäche. Das gab es schon einmal, nämlich im August letzten Jahres.

Natürlich ist es gefährlich, mit diesen Kombinationen hausieren zu gehen. Ich bin mir dessen bewußt. Dennoch halte ich es für meine Pflicht, Sie auf diesen Umstand hinzuweisen. Ich lege daher nahe, diesen Gedankengängen zu folgen und Ihre diesbezüglichen Positionen zu überdenken. Ich stelle ferner klar:

Mit der fundamentalen Einschätzung hat dies nichts zu tun, wie alle Zahlen der Unternehmen nach den Quartalsergebnissen belegen. Das war auch der Grund, und zwar der richtige, vor einigen Wochen diese Aktien zu empfehlen. Verändern sich aber die äußerlichen Bedingungen, so müssen wir darauf Rücksicht nehmen. Rufen Sie sich bitte alle relevanten Charts auf und überprüfen Sie dies und denken Sie an den genannten Zusammenhang. Ferner:

Die Dollarschwäche geht mir etwas zu weit. Die seit 3 - 4 Tagen herumgereichten Begründungen reichen nicht aus. Auch das gab es im Juli/August letzten Jahres ebenfalls.

Ich fasse mich deshalb heute sehr kurz, weil ich diesen Bericht auch über Telefon diktiere.

Meinungsbörsen wie zur Zeit sind rational nicht zu erfassen. Weder in New York noch in Frankfurt hat das Umsatzvolumen deutlich zugenommen. Es ist sogar teilweise massiv gefallen. Im DAX auf 43 nach zuvor 78 Mio Stück pro Tag. Der Kurswert von 3,3 auf 1,9 Mrd E. (Vergleich 31.05/03.05.). Die Zahlen von gestern werden erst heute vormittag vorliegen. Es gibt also keine Baisse, sondern eine Meinungsschwäche, was darauf hindeutet, daß es „Rückzugsgefechte“ von Investoren gibt, die aus Vorsicht handeln. Den Rückschluß zu obigem Sachverhalt vollziehen Sie bitte selbst nach.

Daraus folgt: Ich halte es für falsch, jetzt grundsätzlich zu verkaufen. Aber ich lege Ihnen sehr nahe, wenn irgend möglich, eine Reserveposition aufzubauen um im Falle eines Falles über Liquidität zu verfügen. Ich persönlich würde mich nicht scheuen, Positionen mit erträglichen Verlusten zu realisieren, um der Präferenz der Liquidität willen. Kommt es zu einer akuten Schwäche, gleich welcher Art, müssen Sie handlungsfähig sein. Genauso handlungsfähig wie im Extremfall des letzten Septembers. Das ist heute morgen meine wichtigste Botschaft.

Im Moment zählen keine Firmennachrichten, deshalb verzichte ich darauf. „Look on the market“ ist jetzt ihre wichtigste Leitlinie. In der nächsten AB werde ich dies noch weiter präzisieren.

Abschließend: Natürlich ist es heikel, mit einem solchen Thema, wie eingangs erwähnt, umzugehen. Sind aber nun einmal diese Gegebenheiten vorhanden, so verschließe ich davor nicht die Augen.

Das wär’s, bis morgen.

Hans A. Bernecker  
Antworten
MrBoom:

Das ist ja interessant !

 
08.06.02 22:56


AXA ist auf dem Unterstützungsbereich bei 20 Euro aus 98, 01 und 02 angekommen. Umsatzverhalten ebenfalls durchschnittlich gleichbleibend über die Jahre.

Schweizer Rück ist am weitesten vom Sept.-Tief entfernt und hat noch mind. 3 Unterstützungsbereiche. Umsatzverhalten auch unverändert gleich.

Münchener Rück, ist auf dem Unterstützungsbereich von 98 - 99 angekommen mit rund 240 Euro. Tief war bei 209 Euro. Umsatzverhalten im durchschnittlichen Bereich !


Das die drei grössten Rück und interne Rückversicherer in Europa. Alle weisen lediglich darauf hin, das der Abwärtstrend nach wie vor intakt ist. Dazu zählt aber nicht die Grundlage eines erneut möglichen Terroranschlags, sondern auch die extremen Umwelteinflüsse durch Twizer, Überflutungen oder extreme Szenarien. Studien der Vers.-Konzerne haben ohnehin darauf hingewiesen (bereits 2000), das sich diese Gefahren und Szenarien häufen werden. Alleine diese Tatsache muss zu rückläufigen Kursen führen !

Zudem sind die Prämieneinnahmen nicht besonders gestiegen und ein weiterers Problem der Bilanzen ist die Rückstellungsbildung für gennante Risiken, die sich bei allen Rücks deutlich erhöht haben.

Dies jedoch zu einer solchen Annahme auszuarbeiten, das sich gleiches Bild wie vor dem Sept. abzeichnet, finde ich schon etwas übertrieben. Es sei den, der Markt weis, das ein Anschlag bevor steht. Aber wenn es der gesamte Markt wüsste, wären die Kurse bereits entsprechend gefallen. Das Risiko wären wenn es dennoch so käme 20%, was das Tief des Sept. entsprechen würde.

Aber was sich abzeichnet bei den Versicherern ist die Tatsache, das alle Charts wie oben aufgeführt die Chance beinhalten, sehr stark zu steigen. Alle weisen ein Schwächegap auf, was geschlossen werden will und zudem sind nahezu alle Titel überverkauft.

Möglicherweise hat Bernecker wohl das erste mal Angst in einer seiner Berichte aufkeimen lassen, was nicht in derartige Berichte gehört.


Gruss
Esram
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MrBoom:

Hans Bernecker: Märkte hängen durch

 
08.06.02 23:00
Hans Bernecker: Märkte hängen durch
vom 06.06.2002, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die Konjunkturzahlen werden immer besser, weil zuverlässiger, aber die Märkte hän-gen durch. Die Entwicklung der letzten drei Tage ist in der Tat wirklich sehr unbefrie-digend. Bleibt dies eine Schieflage für mich in Sachen Markterholung oder ein kurz-fristiger Durchhänger? Auch darin hänge ich am seidenen Faden. Überprüfen wir die Lage:

Die Wall Street zeigte gestern folgenden Verlauf. Die Relation A/D war in beiden Segmenten positiv. Gleiches gilt für new highs/new lows, bei gegenüber den Vorta-gen kaum veränderten Umsätzen errechnet sich ein höheres Upside-Volume gegen-über dem Downside-Volume. Das ist positiv. Für den Nasdaq ist besonders wichtig: Der berühmte Tracking-Stock verteidigt seine Basis 28,50/29,50 $. Bitte zeichnen Sie dies im Chart der letzten AB nach.

Das Ganze deckt sich mit den neuen Konjunkturzahlen von gestern, insbesondere für den US-Dienstleistungssektor. Daraufhin sprangen die Retailer sofort an. Ich er-innere an meine kürzliche Empfehlung und wiederhole sie: SEARS ROEBUCK ge-stern 58 $ und weiterhin ein Kauf. Eine klassische Konjunkturspekulation. Diese kön-nen Sie sogar noch ergänzen mit der bekanntesten Adresse in New York: SAKS bei rund 13,50 $, das berühmteste Kaufhaus an der 5th Avenue. Ich komme darauf noch zurück. Woher rühren die Frustrationswellen?

Von den Nachrichten über die Bilanzmanipulationen der amerikanischen Konzern-chefs. Ich bin überzeugt, daß es damit noch nicht sein Ende hat. Jeder Kommentar ist überflüssig, wenn Kriminalität oder Eigensucht in solchen Dingen die Motive sind. Natürlich wird auch diese Welle überwunden. Aber niemand kann sagen, wann sie zu Ende ist. Ich meine jedoch, daß mit den Halbjahresergebnissen und den daraus sich ergebenden Abschlüssen erkennbar sein wird, wo die weiteren Gefahren liegen. Be-troffen ist jedes Unternehmen, das in den vergangenen Jahren vor allem extern ge-wachsen ist. In diesen Bilanzen stecken die Probleme.

Mein einziger Rat in dieser Situation: Meiden Sie Aktien, hinter denen ein Unterneh-men steht, das vor allem durch Unternehmenskäufe expandierte. Ich rühre keinen dieser Titel an.

Frankfurt überzeichnet wie eh und je. Keine Börse in Europa reagiert so empfindlich auf New York wie die Deutschen. Das muß ich hinnehmen. Mit dem Durchrutschen des DAX hängt dieser Index im Moment komplett in der Luft. Erschwert ist dies durch die Schwäche der zwei großen Versicherer und derjenigen der Technologieaktien nebst DT. TELEKOM. Meine Verdachtsmomente in Sachen Versicherung halte ich aufrecht. Natürlich hoffe ich, dass dies nicht aufgeht. Ich kann an der Konstellation, wie im letzten Ticker beschrieben, jedoch nicht vorbeigehen. Die drei Technikaktien werden sich kurzfristig immer wieder erholen können, aber anschließend stets immer wieder ein neues Tief bilden. Die Gründe habe ich oft genug genannt. Machen Sie die Rechnung auf: Um wieviel ist INFINEON besser als AMD, wenn der Infineon-Umsatz 100 % höher bewertet wird als der von AMD, diese aber mit ziemlicher Sicherheit im nächsten Jahr schwarze Zahlen schreibt?

Alles, was solide ist, ist kein Verkauf mehr. Solange Sie nicht realisieren, sind Buch-verluste keine Verluste, denn am Jahresende notieren sie alle deutlich höher. Ich verzichte heute auf jede weitere Empfehlung, weil es nun darauf ankommt: Der Markt muß erst Vertrauen finden. Das braucht meistens zwei, drei Wochen. Ähnlich wie bei einem KO-Schlag bei einem Boxer. Er kommt erst in der Kabine wieder zu sich. Klare Warnung für Sie: Lassen Sie sich aus keiner einzigen Qualitätsaktie herausdrücken.

Gold muß eine Pause machen. Entsprechend volatil sind dann die Goldminen. Das bedeutet, daß diese Titel bis 10 % oder etwas mehr nachgeben können. Ich komme darauf noch zurück.

Ebenfalls Vorsicht beim Dollar. Er ist massiv überverkauft, woran kein Weg vorbei führt.

Nachrichtlich: HEWLETT PACKARD hatte am Dienstag Pressekonferenz. Die erste nach der Fusion mit COMPAQ. Das hörte sich gut an: Einsparvolumen im laufenden Jahr wird mit 2,5 Mrd $ vorfristig erreicht. Im nächsten Jahr sind 3 Mrd $ vorgesehen. 17 % der Belegschaft geht. Umsatzplan bleibt bei 82 Mrd $, aktueller Börsenwert nur 54 Mrd $ für die Nr. 2 im weltweiten Computergeschäft und die Nr. 1 im PC. Schauen Sie sich mal den Chart an. Hier entsteht eines der interessantesten Dauerinvest-ments über allerdings zwei Jahre. Gewinntaxe 1,30 $ je Aktie, also KGV 13,8. Po-tential jedoch kaum unter 100 %. Doch was ist nicht alles über diese Fusion negativ geschrieben worden. Das ist eine ziemlich typische Ausgangslage amerikanischer Technologieunternehmen vor dem Hintergrund der Konjunkturzahlen.

Ich verbleibe bis morgen, herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker


Antworten
MrBoom:

Hans Bernecker: Märkte hängen in der Luft

 
08.06.02 23:01
Hans Bernecker: Märkte hängen in der Luft
vom 07.06.2002, Bernecker & Cie.



Guten Morgen, meine Damen und Herren,

alle Märkte haben zum Wochenende kritische Marken erreicht bzw. unterschritten. Also eine ähnliche Situation wie im letzten August. Der Ausverkauf von damals wird sich natürlich nicht so wiederholen. Die Märkte sind deutlich überverkauft, aber nach dem Unterschreiten dieser Marken hängen sie tatsächlich in der Luft. Das gilt für Deutschland mehr als für die USA, wobei der Dow Jones noch immer das beste Bild bietet und der Nasdaq um den zweiten Boden kämpft, wie häufig beschrieben.

Grundthese in dieser Situation: Wer jetzt verkauft, wirft sich aus dem Rennen. Wenn Ihre Bank Sie jetzt anruft und zum Verkauf drängt, ist das falsch. Sollten Sie nicht unter möglichem Kreditdruck stehen, folgen sie derartigen Empfehlungen nicht. Buchverluste werden erst dann zu echten Verlusten, wenn sie realisiert sind. Das schreibe ich fast beschwörend, aber aus Überzeugung und langjähriger Erfahrung. Das gilt auch dann, wenn die Kurse im Schnitt um weitere 10 % nachgeben. Seien Sie ganz gewiß: Wer jetzt bei 20 E. verkauft, wird den Tiefstkurs bei 17 E., der vielleicht nur einen Tag gültig ist, nicht erwischen. Die Chance dafür steht nur 10:90. Es ist also richtiger, eine solche Lage auszusitzen, als hektisch zu operieren. Indes:

Was Intel gestern bot, habe ich auf der Seite 1 der heutigen AB mit 2 Zahlen beschrieben. Intel ist ein hervorragendes Unternehmen, wie jeder weiß, aber immer noch zu teuer. Der faire Wert liegt um 18/20 $, aber eben nicht bei 26, 28 oder gar 30 $. Risiko in dieser Aktie also noch gut 30 %. Das sind übrigens sehr schnell 36 Mrd $ Börsenwert. Andererseits:

Lucent und Nortel werden jetzt regelrecht abgeschossen. Hier sind die Werte nach unten überzogen. Für Lucent bedeuten Kurse von 2,94 $ einen Börsenwert von knapp 9 Mrd $ für 17 Mrd $ Technologieumsatz. Das ist ein einwandfreier Kauf, wenn ich auch nicht weiß, ob noch weitere 20 oder 30 Cents nach unten drin sind. Für Nortel zur Information: 6,4 Mrd $ für ca. 10,5 Mrd $ Umsatz sind die gleiche Relation. Beide Firmen sind aber keine Nonvaleurs, sondern Weltmarktführer in ihrer Technologie. In diesen Titeln wird investiert und nicht devestiert. Ich schreibe dies nur als Maßstab und werde die neuen Einschätzungen erst geben, wenn die 6-Monatzahlen vorliegen. Ich zeige Ihnen mit dieser Vergleichsrechnung lediglich, woran Sie erkennen können, wie diese Schieflage in den Bewertungen weiterhin ein Problem bleiben.

Schwierig wird es an einem anderen Ende: Die ansteigende Konjunktur-Temperatur steht seit 8 Wochen im Gegensatz zum Geldmengenwachstum. Die FED hat nicht nur die Zuwachsrate reduziert, sondern eine echte Kontraktion hingenommen. Die EZB fährt einen ähnlichen Kurs. Stabilität und keine Risiken, aber mit dieser Geldpolitik würgen sie die Dynamik ab. Aus der Sicht der Amerikaner läßt sich das vielleicht noch vertreten. Aus der Sicht der Europäer ist es unverständlich. FED-Chef Greenspan nimmt wahrscheinlich auf den schwachen Dollar Rücksicht. Aber auch er riskiert damit eine kritische Konstellation am Kapitalmarkt, so daß ich gespannt bin, wie er damit weiterhin umgehen will. So etwas geht jedenfalls selten gut.

Für Deutschland gilt das gleiche in Grün. Intel läßt sich nicht mit Infineon vergleichen, aber Infineon mit AMD. Das beschrieb ich Ihnen im gestrigen Ticker. Womit Sie wissen, wo die Risiken in diesen deutschen Technologieaktien liegen. Wenn SAP heute in den Medien mit Oracle verglichen wird, so ist das schon sehr illustrativ. Beide Titel sind im Verhältnis zum Umsatz und dem Gewinn noch immer zu teuer. Deshalb fasse ich sie auch weiterhin nicht an. Das schließt kurzfristige Gewinne von bis zu 20 % nicht aus, wie ich immer wieder betone. Aber am Ende landet Oracle wahrscheinlich bei 5 $ und SAP deutlich unter 100 E., so daß man dann über längerfristige Investments diskutieren kann. Beide Unternehmen sind hervorragend, aber eben noch sehr teuer.

These für heute: Gehen sie nicht raus und verkaufen keine einzige Aktie, soweit sie zu meinen Empfehlungen gehören und solide bewertet sind. Das gilt grundsätzlich.

Nachrichtlich: Bilfinger & Berger kauft Rheinhold & Mahla. Damit ist für letztere eine Abfindung gegeben. Ich hatte diese Aktien kürzlich schon empfohlen. Bei Rhön-Klinik, Loewe und Techem sind die Verkäufe ausgelaufen. Hier sind die Rückkäufe weiterhin gültig. Im übrigen verzichte ich heute auf eine aktuelle Empfehlung. Ein bißchen Galgenhumor zum Wochenende, wenn Sie auf die heutigen Kurse schauen: 'Auch der Dumme hat manchmal einen gescheiten Gedanken. Er merkt es nur nicht.'

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
Antworten
ruhrpottzocker:

Gut geschrieben, aber hat nichts mit Börse zu tun o.T.

 
08.06.02 23:06
Antworten
MrBoom:

hä? o.T.

 
08.06.02 23:07
Antworten
ruhrpottzocker:

Ja - weisst du denn das nicht ?

 
08.06.02 23:13
Ganz einfach - er würfelt. Und dann wählt er die entsprechenden Text-Bausteine.

Er spricht immer sehr persönlich und ist sehr, sehr nett. Das schafft Vertrauen. Symphatisch.

So verkauft sich ein Börsenbrief am besten. So wie ein Wort zum Sonntag.

Logisch ??
Antworten
ruhrpottzocker:

Also - ich bin mir sehr sicher, dass er

 
08.06.02 23:22
die Börsenbriefe für die nächsten 2 oder 3 jahre schon fertig hat.

Er tauscht die Namen einiger Aktien aus, lässt noch etwas Aktuelles einfliessen, ein bisschen Feinschliff - fertig.

Er wäre ja auch blöde, wenn er sich das Tag für Tag, Woche für Woche immer wieder neu aus den Fingern saugen würde. Das ist so wie bei Deutschlehrern, die auch in regelmäßigen Abständen immer wieder diegleichen Klassenarbeiten schreiben lassen.

So verdient man Geld.

Wie es weitergeht mit der Börse, davon hat er keinen blassen Schimmer. Mach mal eine Erfolgskontrolle.

Beispiel: Vor Monaten hat er Telekom empfohlen - bei 26 €. Sehr seriös hat er das Kursziel mit 40 angegeben.

Wenn du solchen Leuten vertraust, kannst du einpacken. Aber schön schreibt er, der nette Herr mit so viel Erfahrung.
Antworten
MrBoom:

@ruhrpottzocker natürlich hast du Recht

 
09.06.02 03:08


auf seine Empfehlungen höre ich auch nie
aber ich lese gerne seine Beiträge was er schreibt,
nur halt wissen wo die anderen dran sind.

Ich halte von langfristigen Investionen nichts...
Trade gerne!

Gruss
Esram

 
Antworten
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