Wirtschaft
Tchibo will Beiersdorf für Hamburg sichern
Der Kaffeeröster will seine Anteile aufstocken und so verhindern, dass ein Gigant den Nivea-Hersteller schluckt und zerschlägt.
Von Daniela Stürmlinger
Hamburg - In der Eigentümerfamilie des Kaffeerösters Tchibo gibt es neue, ernsthafte Bestrebungen, die Mehrheit am Hamburger Beiersdorf-Konzern zu übernehmen und so eine Zerschlagung des Nivea-Herstellers zu verhindern. Das geht aus einem Schreiben hervor, das Tchibo-Miteigentümer Joachim Herz an seine Geschwister und den Aufsichtsrat des Kaffeeimperiums geschickt hat.
Tchibo besitzt bereits rund 30 Prozent an Beiersdorf und hat auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass der Anteil aufgestockt werden soll. Doch außer der Willensbekundung wurde nichts unternommen. Bislang. Jetzt hat Joachim Herz, zweitältester Sohn der Tchibo-Eignerfamilie, seine Geschwister aufgefordert, die Beteiligung an Beiersdorf zu erhöhen. Helfen soll dabei auch Günter Herz, der mit seinen drei Brüdern Joachim, Wolfgang und Michael Herz im Clinch liegt.
Es geht um das 44-prozentige Beiersdorf-Paket, das der Versicherungskonzern Allianz anbietet. Nach dem derzeitigen Börsenwert müsste Tchibo rund 3,9 Milliarden Euro dafür bezahlen, doch die Allianz will mehr Geld, verlangt einen kräftigen Aufschlag.
Den wollte Tchibo bislang nicht akzeptieren. Der Münchner Versicherungskonzern hatte deshalb das Beiersdorf-Paket bereits dem französischen Kosmetikhersteller L'Oreal angedient und danach dem US-Konzern Procter & Gamble. Beide winkten ab, weil Tchibo mit seinen 30 Prozent eine Sperrminorität an Beiersdorf hält und Entscheidungen des neuen Mehrheitsgesellschafters blockieren könnte.
Die Familie Herz wird sich bereits am 18. August mit Beiersdorf befassen. An diesem Tag findet eine außerordentliche Hauptversammlung der Tchibo-Holding statt. Dort soll beschlossen werden, dass Günter Herz, seine Schwester Daniela und der Hamburger Wirtschaftsprüfer Otto Gellert mit rund vier Milliarden Euro ausgezahlt werden. Im Gegenzug bekämen die Brüder die 40 Prozent an Tchibo, die Günter und Daniela Herz sowie Gellert bislang halten. Günter Herz könnte den Verkaufserlös zur Aufstockung der Beiersdorf-Anteile einsetzen.
Für Beiersdorf-Chef Rolf Kunisch wäre dies der beste Weg. Denn nichts fürchtet er mehr als den Verkauf an einen Großkonzern. "Schauen Sie mal, was von Blendax in Mainz übrig geblieben ist, nachdem die Firma an Procter & Gamble verkauft worden war", bringt er auf den Punkt, was Beiersdorf passieren könnte: die Zerschlagung und Schließung von Bereichen in Hamburg. Immerhin geht es um rund 5000 Beiersdorf-Mitarbeiter in der Stadt und allein für 2002 um 188 Millionen Euro Steuern, die auch in Hamburg bezahlt wurden.
Die Wirtschaftsbehörde favorisiert deshalb auch die jetzt auftauchende Lösung: "Wir begrüßen jede Entscheidung, die eine Sicherung und Stärkung der Zentrale von Beiersdorf am Standort Hamburg zur Folge hat", sagte deren Staatsrat Heinrich Doppler dem Abendblatt.
erschienen am 5. Aug 2003 in Wirtschaft
Gruß Pichel 