Bankgeschäfte am Samstag


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vega2000:

Bankgeschäfte am Samstag

 
23.04.02 10:49

Service am Samstag bleibt die Ausnahme
„Samstags nie“ heißt es in den meisten deutschen Bankfilialen. Einzelne Institute wagen dennoch den Tabu-Bruch.


Vor gut zwei Jahren machte das Thema den Bankern noch Beine: Etwa 10000 Angestellte von Geldinstituten gingen bundesweit auf die Straße, um gegen „zuschlagsfreie Samstagsarbeit“ zu demonstrieren. Von einem „Salto rückwärts in die fünfziger Jahre“ war damals die Rede – und davon, dass der freie Samstag ein „hohes soziales Gut“ sei.

Das Muskelspiel der Bankangestellten und ihrer Gewerkschaften hatte Erfolg – zumindest aus deren Sicht. Die Filialen der Kreditinstitute bleiben an Samstagen zum größten Teil nach wie vor geschlossen. Wer an diesem Tag der Woche seine Bankgeschäfte erledigen will, muss über das Wochenende mit den elektronischen Serviceangeboten der Institute vorlieb nehmen.

Sogar bei der Euro-Bargeld- Premiere am 1. Januar blieben die meisten Bankfilialen geschlossen.

Mehr Service für Berufstätige

Jetzt wagt eines der kleineren Institute einen Vorstoß zu kundenfreundlicheren Öffnungszeiten und kokettiert damit, „ein Tabu zu brechen“. Die Norisbank will ab 3. Mai etwa die Hälfte ihrer rund 100 Filialen der Norisbank jeweils samstags zwischen 10 und 14 Uhr öffnen, und zwar „wo immer es die örtlichen Marktgegebenheiten erlauben“, heißt es bei dem zur HypoVereinsbank-Gruppe zählenden Institut.

Vor allem in größeren Städten und Ballungsräumen hofft die Bank auf Zuspruch. „Die neuen Öffnungszeiten geben Berufstätigen die Möglichkeit, dann eine Beratung in Anspruch zu nehmen, wenn sie Zeit dafür haben“, sagt Norisbank-Vorstandssprecher Theophil Graband. Eine Betriebsvereinbarung sieht vor, dass die Beschäftigten als Ausgleich für ihren Samstagsdienst mit einem freien Tag entschädigt werden.

Doch selbst wenn sich die Nürnberger Banker als „Tabu-Brecher“ darstellen, gehören sie keineswegs zu den Pionieren. So bietet zum Beispiel die Berliner Volksbank als größte deutsche Genossenschaftsbank in einigen ihrer Filialen Service am Samstag.

Die Stadtsparkasse Köln hat samstags 19 Filialen geöffnet, bei der Frankfurter Sparkasse sind es zwei in der Innenstadt. Auch die in jüngster Vergangenheit verstärkt gegründeten regionalen Beratungscenter der Direct-Broker und Direktbanken öffnen samstags ihre Pforten. Die Direkt-Anlage-Bank (DAB) empfängt ihre Kunden an diesen Tagen zwischen 10 und 14 Uhr in ihren regionalen Beratungsräumen, Entrium sogar von 10 bis 16 Uhr.

„Gut besucht“ seien die Beratungscenter in den Innenstädten an Samstagen, fasst ein Entrium-Sprecher die Erfahrungen der ersten Monate zusammen. Die Möglichkeit, sich an diesen Tagen frei vom Alltagsstress beraten zu lassen, nähmen die Kunden gern an. Für die Postbank schließlich stellt sich die Frage der Samstagsarbeit überhaupt nicht: Die meisten der 13000 Postfilialen sind am letzten Werktag der Woche geöffnet.

Filialgeschäft ankurbeln

Trotzdem lässt sich nicht von einem Trend zum Samstag sprechen. Die Großbanken halten ihre Schalter am Wochenende in der Regel geschlossen. Die Stadtsparkasse München plant ebenfalls keine Öffnung am Wochenende. „Wir haben montags und donnerstags bis 18 Uhr offen. Außerdem können uns die Kunden leicht und ohne große Anfahrtswege erreichen, weil sie unsere Filialen überall in der Stadt finden“, sagt eine Sprecher des Instituts.

In der Regel verweisen Filialbanken auf die hohe Kosten, die geöffnete Schalter am Samstag mit sich bringen. Mancher dürfte sich aber fragen, welche Vorteile ein Institut mit Filialen noch bringt, dessen Mitarbeiter nur dann Zeit haben, wenn die Kunden arbeiten müssen und in deren Freizeit die Bank womöglich nur per Internet oder Telefon erreichbar ist.

Das Argument der Kundennähe und des persönlichen Kontakts wird durch die relativ starren Öffnungszeiten jedenfalls relativiert. Der Samstags-Service der Norisbank soll denn auch dazu beitragen, „das Filialgeschäft weiter anzukurbeln“, sagt Vorstandssprecher Graband. Der Schwerpunkt werde dabei auf der Beratung und dem Verkauf liegen.

Ob längere Öffnungszeiten der Geschäftsstellen allein ausreichen, um auf Dauer im härter werdenden Wettbewerb um die Privatkunden bestehen zu können, gilt im deutschen Geldgewerbe als eher unwahrscheinlich. Die Banken, meint zum Beispiel Commerzbank-Vorstandsmitglied Martin Blessing, müssten sich künftig an Wettbewerbern wie MLP oder DVAG orientieren, also an Finanzdienstleistern, deren Mitarbeiter ihre Kunden zu Hause besuchen – außerhalb „der üblichen Öffnungszeiten“.  

Quelle:SZ
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