Wenn man sich mal vor Augen hält, dass die Stillen sowieso über kurz oder lang bedient (=zurückgezahlt) werden müssen (für die Stille der SoFFin ist das lt. EU-Vorgaben bis Ende 2014 Pflicht) und das Argument mit dem Wegfall der Verzinsung der Stillen zumindest mittelfristig nicht von der Hand zu weisen ist, fragt man sich natürlich, ob es Alternativen zu dem jetzt anstehenden Weg gibt, die möglichst liquiditäts- und EK - schonend sind. Natürlich gibts die in mehreren Varianten, schauen wir uns mal ein Szenario an:
Commerzbank führt die stillen Einlagen von Allianz (750 Mio) und Soffin (1,6 Mrd) bis Ende 2014 in zwei Tranchen zu jeweils 50 % vollständig zurück. SoFFin erhält in 2013 und in 2014 jeweils 800 Mio in cash. Allianz erhält in 2013 375 Mio in Aktien und in 2014 375 Mio in cash. Für die Wandlung in Aktien in 2013 wird das genehmigte Kapital 2012/II teilweise gezogen. Zugleich werden in 2013 350 Mio variable Gehaltsbestandteile in Aktien abgegolten, dafür wird das genehmigte Kapital 2012/I teilweise gezogen. Die HV 2013 beschließt über eine evtl. Anpassung der Ermächtigung für das genehmigte Kapital 2012/I, hebt die Ermächtigung für das genehmigte Kapital 2012/II auf (nicht mehr nötig, weil die Stillen wie beschrieben bedient sind) und bestätigt die weitere Ermächtigung zur Wandlung von Anleihen, die es ohnehin schon seit 2012 gibt. Zugleich moderater Resplit 1:3 bei Beibehaltung des Nennwertes ein Euro, um das Pennystockgespenst zu bannen.
Schauen wir uns die Auswirkungen an.
Zahl der Aktien: Es gäbe je nach Ausgabekurs 500 bis 600 mio neue Aktien (ohne Resplit). Bei 1,25 wären es 600 Mio, also gut 10 % neue. Darüber wäre keiner begeistert, aber 10 % wäre imho hinnehmbar und für die Aktionäre ein durchaus akzeptabler Preis für ein Paket, mit dem die vollständige Rückführung der Stillen erreicht wird. Der Allianz, die bei der Fusion Dreba / Coba eine für meine Begriffe durchaus zwielichtige Drahtzieher - Rolle gespielt hat, kann man auch Aktien statt cash zumuten - die wollen ja raus. Nach Replit 1:3 hätten wir dann so 2,2 Mrd shares.
Staatsquote bei den Aktien: sinkt unter die Sperrminorität von 25 %, weil SoFFin trotz der erhöhten Aktienzahl eben nicht mehr einen Teil der Stillen wandelt. Der viel beschworene Einstieg in den Ausstieg, und zwar ohne Verlustrealisierung durch die Abgabe von shares.
Liquidität: in 2013 muss die Coba 800 Mio für Soffin locker machen, in 2014 nochmal 1,175 Mrd. für SoFFin und Allianz. Kein Problem. Maddin hat gerade bergeweise cash an die EZB zurückgegeben und Liquidität kommt aufgrund des Abbaus der NCA laufend neu rein.
Eigenkapital: Hier unterstelle ich mal der Einfachheit halber, dass die Stillen komplett als EK zählen. In 2013 hätten wir dann beim EK minus 800 Mio aufgrund Auszahlung an SoFFin, kompensiert durch ein Plus von 725 Mio aufgrund der Teilwandlung der Stillen der Allianz und der Wandlung der Gehaltsbestandteile, in Summe also ein Minus von 75 Mio beim EK. Nicht der Rede wert ! In 2014 siehts anders aus, da hätten wir beim EK aufgrund der Rückzahlung der zweiten Tranche der Stillen beim EK ein Minus von 1,175 Mrd. Schon eine Hausnummer, aber ist das ein schwerwiegendes Problem ? Njet ! Siehe die Berechnungen von rpm1974, die ich verkürzt wie folgt zusammenfasse: Über kurz oder lang muß gezeigt werden 9 % bezogen auf die zu erwartenden 200 Mrd. RWA, das macht dann 18 Mrd. Derzeitiger Stand 23 Mrd. 23 Mrd - 1,175 Mrd. macht immer noch 21,825 Mrd. und damit einen weiteren Puffer für die Leichenrisiken von 3,825 Mrd.
Deswegen: Blankes Unverständnis für den Weg, den Maddin jetzt geht. Accounter hat bereits mehrfach auf das Ausstiegsszenario - Paper für die SoFFin hingewiesen (war auch in 2012 schon Thema), und aus diesem Paper lassen sich sehr wohl auch gewisse Obliegenheiten im Verhältnis zu den Aktionären herleiten. Warum Maddin den jetzt angekündigten Weg geht, weiß ich auch nicht. Eine der möglichen Gründe ist, dass die Roadmap - Kosten weitaus höher zu Buche schlagen und das ganze im Verbindung mit dem NCA - Abbau für 2013-2015 nicht nur zu einer roten Null im Jahresergebnis führt, sondern zu Verlusten von bis zu 1 Mrd. pro Jahr - dann wird es freilich eng.