Immer weniger Deutsche kaufen sich einen Neuwagen. Auch in den USA sitzt das Geld für Autos made in Germany nicht mehr so locker. Dennoch setzen die Analysten auf BMW, DaimlerChrysler, Porsche und Volkswagen.

Jahrelang galten die Schornsteine des alten Volkswagen-Kraftwerks, das inzwischen sogar unter Denkmalschutz steht, als das Symbol für Wolfsburg schlechthin. Egal von welcher Seite sich ein Besucher der VW-Stadt näherte, die vier Schornsteine waren als erstes zu sehen. Seit ein paar Jahren müssen sich die Backsteinschlote die Skyline aber mit zwei imposanten Glastürmen teilen. Als Herzstück der "Autostadt" beherbergen sie die Neuwagen, die von stolzen Besitzern nicht wie früher "ab Werk", sondern im Rahmen einer "Erlebnis-Abholung" in Empfang genommen werden. Neben der Warenausgabe im Freizeitparkformat bietet die Autostadt so viele Attraktionen, dass seit der Eröffnung im Juni 2000 bereits fast 4,5 Millionen Besucher gezählt wurden. Fazit: Das Auto ist in Wolfsburg Kult.
Bernd Pischetsrieder, seit Mitte des Jahres Vorstandsvorsitzender bei Volkswagen , könnte diesen Zahlen sicherlich noch mehr Freude abgewinnen, wenn aus jedem Autobewunderer auch ein Autokäufer werden würde. Die Realität sieht aber etwas anders aus. Die Zahl der gesamten Neuzulassungen in Deutschland steuert in diesem Jahr auf den tiefsten Stand seit 1990 zu. Experten rechnen nur noch mit 3,15 Millionen frisch auf die Straße rollenden Fahrzeugen, 190.000 weniger als 2001.
Davon ist auch Volkswagen betroffen. Auf der Halbjahrespressekonferenz senkte Pischetsrieder den erwarteten Jahresgewinn vor Steuern von 4,4 Milliarden Euro auf rund vier Milliarden Euro. Der schwache Heimatmarkt und der Absatzeinbruch in Südamerika von 17 Prozent lassen für 2002 nur knapp fünf Millionen ausgelieferte Volkswagen erwarten. Jetzt hoffen alle auf den Golf V, der 2003 parallel zum neuen Opel Astra an den Start geht.

Die Analysten der Berenberg Bank erwarten für die zweite Jahreshälfte aber keine weiteren schlechten Nachrichten aus Wolfsburg. Der Umsatz habe sich weniger stark reduziert, als der Rückgang in absoluten Zahlen vermuten ließ. Außerdem werde der Konzern von der erwarteten Erholung des europäischen Automarkts im nächsten Jahr überproportional profitieren. Daher empfehlen die Hamburger Banker, günstige Kurse zum Nachkaufen der Aktie zu nutzen. Auch die Investmentbank J.P. Morgan Chase hält Volkswagen mittelfristig für eine "interessante Story". Vor allem die Konzerntochter Audi überzeugt die Analysten.
Dem neuen A6 aus Ingolstadt fällt denn auch eine Schlüsselrolle im nächsten Jahr zu. Im Dienstwagen-Segment muss er vor allem im Vergleich mit dem neuen 5er von BMW überzeugen. Die Münchener kommen mit einer breiten Brust. Unbeeindruckt von der bröckelnden Gesamtnachfrage jagt BMW von einem Rekord zum nächsten. Dank eines Überbleibsels aus dem Rover-Debakel, dem Mini, peilt Vorstandschef Helmut Panke für dieses Jahr an, beim Absatz die Millionenschwelle zu überschreiten. Aber auch ohne den kleinen Briten bedeuten voraussichtlich über 900.000 verkaufte BMWs eine Bestmarke. Im zweiten Quartal dieses Jahres legten die Bayern beim Umsatz im reinen Autogeschäft um 7,2 Prozent auf 9,98 Milliarden Euro zu.
Um die aktuelle Absatzwelle für die Zukunft zu sichern (Planungen gehen in Richtung 1,3 Millionen verkaufte Fahrzeuge im Jahre 2007), nehmen sich die erfolgsverwöhnten Münchener ein Beispiel an Volkswagen. Ende 2004 soll die "BMW Welt" fertig gestellt sein, die weiß-blaue Variante der Wolfsburger Autostadt.
Die BMW-Flotte überzeugt aber auch jetzt schon nicht nur die Käufer, sondern auch die Analysten. Sie überschütten den zu 46,6 Prozent im Besitz der Quandt-Familie befindlichen Autobauer mit Lob. Nicht zuletzt auf Grund der Tatsache, dass in allen BMW-Werken im Sommer durchgearbeitet wurde, bleibt Merrill Lynch bei einem "strong buy". Auch die Branchenkenner von Sal. Oppenheim halten BMW für einen "Outperformer". Das Bankhaus ist von der "beachtenswerten Gewinnkraft" beeindruckt und sieht den Erfolg des Unternehmens "nicht im derzeitigen Kurs reflektiert".

Aber auch der Erzrivale der Münchener, DaimlerChrysler , bekommt von Sal. Oppenheim das Votum "Outperformer". Zwar sind die Analysten bei den Stuttgartern nicht so euphorisch wie bei BMW, sehen aber im Kurs ein Potenzial von über 25 Prozent nach oben, Ziel 59 Euro. In den USA erwarten die Banker durch die neue Mercedes E-Klasse, direkter Konkurrent von 5er BMW und Audi A6, eine deutliche Verbesserung bei den Volumenmodellen.
DaimlerChrysler, auch von der DZ Bank zum Kauf empfohlen, hatte Mitte August die Gewinnprognose deutlich erhöht. Für dieses Jahr erwartet Konzernchef Jürgen Schrempp gegenüber 2001 eine Verdreifachung des operativen Gewinns, also deutlich mehr als vier Milliarden Euro. Außerdem teilte er mit, der Turnaround-Plan bei Chrysler sei auf gutem Wege und der Lkw-Bauer Freightliner habe sogar schon wieder einen kleinen operativen Gewinn verbucht. "Dass sich DaimlerChrysler bei den Ergebnisprognosen so deutlich herauslehnt, hätte ich nicht gedacht", zeigte sich Frank Biller von der BW Bank überrascht.
&zeitvon=&skalierung=log&B1=Aktualisieren&typ=1&von=0&zeitraum=8&ind_volume=ON)
Während der Stuttgarter Autobauer mit der Zentrale im Stadtteil Möhringen seit Monaten um die Rückkehr auf die Gewinnerstraße kämpft, gibt die Sportwagenschmiede aus Stuttgart-Zuffenhausen weiter Vollgas. Im Juli legte Porsche im wichtigsten Markt, Nordamerika, um über elf Prozent zu. Im gesamten Geschäftsjahr, das Mitte August endete, verkaufte Porsche in den USA und Kanada aber 7,5 Prozent weniger Fahrzeuge. Dennoch will Porsche-Chef Wendelin Wiedeking Umsatz und Gewinn mindestens auf Vorjahresniveau ausweisen.
Die Analysten scheinen auf Wiedeking zu vertrauen. Für Merrill Lynch ist Porsche nach wie vor ein "strong buy". Den Cayenne noch gar nicht berücksichtigt, habe Porsche ein sehr hohes Auftragseingangsniveau, das für Beruhigung sorge.
Wohlwollen auch von der Wissenschaft: "Wenn es Porsche gelingt, nur ein Drittel seiner heutigen Kunden für den Cayenne als Zweitwagen zu gewinnen, ist bereits die gesamte Produktion des Fahrzeugs für mehrere Jahre verkauft", schätzt Willi Diez, Leiter des renommierten Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) an der Fachhochschule Nürtingen.
Für Unruhe sorgte in der vergangenen Woche die Meldung, dass Porsche sein Listing an der New York Stock Exchange überdenke. "Wir warten ab, was die US-Börsenkommission SEC derzeit für die nahe Zukunft beschließt", sagte Wiedeking am Rande der Eröffnung des Porsche-Montagewerks für den Cayenne in Leipzig. Wegen fehlender Quartalsberichte hatte sich Wiedeking auch schon mit der Deutschen Börse angelegt.
Ein Seitenhieb Richtung "Wendelin Wunderkind" kam ausgerechnet aus Wolfsburg. "Wiedeking hat noch nie einen Knick gehabt. Irgendwann braucht er einen Knick, damit er was ganz Großes machen kann. Hoffentlich erlebt er den nicht bei Porsche", sagte Volkswagen-Aufsichtsratschef und Porsche-Enkel Ferdinand Piëch der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" auf die Frage, ob erst ein Fehler einen Manager zu einem Spitzenjob qualifiziere. Wiedeking war lange als möglicher Piëch-Nachfolger gehandelt worden.
Über seine Prognose für die Entwicklung der Automärkte sagte der in den USA zum Automanager des Jahrhunderts gekürte Piëch im Interview nichts. Vielleicht orakelt er ja im Winter ein bisschen, wenn die zu riesigen Adventskerzen umfunktionierten Kraftwerksschlote die Szenerie am Mittellandkanal in ein mystisches Licht tauchen.
E X P E R T E N - C H E C K:
Trotz Konjunkturflaute sind Hiobsbotschaften der konjunktursensiblen deutschen Autohersteller bislang ausgeblieben. Analysten nennen den Grund für die robuste Performance und benennen ihre Favoriten.
DaimlerChrysler, BMW, Volkswagen und Porsche haben Anlegern in diesem Jahr mit robusten Absatzzahlen, vor allem in den USA, viel Freude bereitet. Die Autotitel haben dabei andere Branchen wie Technologie- oder Finanzwerte deutlich überflügelt. Seit Anfang August haben sie zweistellig zugelegt. Experten trauen der deutschen Autoindustrie wieder einiges zu, auch wenn sich die Konjunktur nur langsam erholen sollte.
Erfolgreiche Nischenstrategie
"Die deutschen Hersteller haben in den USA sehr erfolgreich Nischen besetzt", sagt Hans Joachim König, Fondsmanager bei Union Investment. Porsche, BMW und DaimlerChrysler mit Mercedes bedienen mit ihren Modellen das Premiumsegment und sind dadurch durch eine schwache Konjunktur weniger verwundbar: Ihre Kunden bleiben auch in flauen Zeiten zahlungskräftig.
Selbst der Massehersteller Volkswagen hatte mit der Einführung des "New Beetle" in den USA erfolgreich Akzente gesetzt. Die Nachfrage nach Autos "made in Germany" sei Konsequenz einer intelligenten Modellpolitik.
Etwas nüchterner erklärt Jens Troll, Fondsmanager beim Bankhaus Julius Bär, die robuste Performance der deutschen Autowerte. "In diesem Jahr erwarten wir für Europa einen Absatzrückgang von vier bis fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr", sagt Troll. Die Automobilaktien hätten diesen Rückgang aber überwiegend schon im Jahr 2001 vorweggenommen. Da die Autotitel nicht so stark überbewertet waren wie andere Branchen, konnten sie sich in diesem Jahr bislang auch besser entwickeln als der Gesamtmarkt.
Währungsrisiken im Griff
Der Aufschwung des Euro war an den Märkten ein gern genanntes Argument, um von einem Engagement in den exportorientierten deutschen Autotiteln abzuraten. Nach Ansicht der beiden Experten haben die Hersteller dieses Währungsrisiko aber im Griff.
BMW und DaimlerChrysler haben eigene Produktionsstätten in den USA und sind dadurch von Währungsschwankungen weniger betroffen. Volkswagen produziert in Mexiko.
Exporteur Porsche trägt das höchste Dollar-Risiko, doch haben die Zuffenhausener sich durch Termingeschäfte am Devisenmarkt abgesichert. "Teilweise sichert Porsche Währungsschwankungen bis zu zwei Jahren im voraus ab", erklärt Troll. "Diese Hedging-Strategie hat bei Porsche bislang gut funktioniert", ergänzt König.
Verkaufsförderung – still und leise
Noch haben es die deutschen Hersteller nicht nötig, dem Beispiel von General Motors zu folgen und den Absatz durch aggressive Rabatt- und Nullzinsangebote zu erhöhen. Sie setzen auf das gute Image ihrer Marken und darauf, dass sich ihre Kunden die neuen Modelle etwas kosten lassen.
Dennoch betreiben auch sie Verkaufsförderung auf dezente Art: "Auch in Deutschland gibt es höhere, zum Teil versteckte Rabatte durch Modellverbesserungen, die den Endpreis des Autos nicht erhöhen", sagt Troll. "Hier zu Lande wird viel über die Ausstattung eines Autos gesteuert", erklärt König. Rabatt wird jedoch nur auf auslaufende Modellreihen gewährt: Bei Neuwagen sei eine Discountstrategie nicht sinnvoll.
Porsche mit neuem Modell, Volkswagen mit günstiger Bewertung

Union-Fondsmanager König sieht weiterhin gute Chancen vor allem für die Porsche-Aktie: "Das Unternehmen ist sehr ertragsstark, und das neue Modell Cayenne weckt Kursphantasie." Dass Porsche nun mit dem Geländewagen Cayenne eine dritte Baureihe auf den Markt bringt und etwas mehr in die Breite geht, statt sich weiterhin auf die exklusiven zwei Baureihen zu beschränken, hat bei einigen Beobachtern Kritik ausgelöst. König dagegen sieht weitere Chancen bei Umsatz und Ertrag.
JB-Fondsmanager Troll würde eher der Aktie von Volkswagen den Vorzug geben: Die VW-Aktie sei derzeit auch im historischen Vergleich günstig bewertet. Probleme sieht er dagegen bei DaimlerChrysler: "Kurzfristig scheinen die Probleme bei Chrysler gelöst, mittelfristig dürfte das Chrysler-Engagement aber weiter belasten", sagt Troll. Die Überkapazitäten auf dem US-Markt seien noch immer zu hoch und die Wettbewerbsfähigkeit von Chrysler sei eher als unterdurchschnittlich einzustufen.
Die weltweite Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autohersteller habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, lobt König. Die Unternehmen profitierten von einer guten Marktstellung und einer gelungenen Produktstrategie.
Nach Ansicht von Troll hat sich Porsche dabei die beste Position im Markt erarbeitet: Das Unternehmen sei im Sportwagensegment fast konkurrenzlos und werde auch mittelfristig von seinem starken Markennamen profitieren. Rauer ginge es hingegen im Massegeschäft, dem so genannten Commodity-Segment, zu. Dort sei Volkswagen besser aufgestellt als zum Beispiel Chrysler und habe gute Chancen, sich im starken Wettbewerb zu behaupten.
mm.de
Gruß
Happy End

Jahrelang galten die Schornsteine des alten Volkswagen-Kraftwerks, das inzwischen sogar unter Denkmalschutz steht, als das Symbol für Wolfsburg schlechthin. Egal von welcher Seite sich ein Besucher der VW-Stadt näherte, die vier Schornsteine waren als erstes zu sehen. Seit ein paar Jahren müssen sich die Backsteinschlote die Skyline aber mit zwei imposanten Glastürmen teilen. Als Herzstück der "Autostadt" beherbergen sie die Neuwagen, die von stolzen Besitzern nicht wie früher "ab Werk", sondern im Rahmen einer "Erlebnis-Abholung" in Empfang genommen werden. Neben der Warenausgabe im Freizeitparkformat bietet die Autostadt so viele Attraktionen, dass seit der Eröffnung im Juni 2000 bereits fast 4,5 Millionen Besucher gezählt wurden. Fazit: Das Auto ist in Wolfsburg Kult.
Bernd Pischetsrieder, seit Mitte des Jahres Vorstandsvorsitzender bei Volkswagen , könnte diesen Zahlen sicherlich noch mehr Freude abgewinnen, wenn aus jedem Autobewunderer auch ein Autokäufer werden würde. Die Realität sieht aber etwas anders aus. Die Zahl der gesamten Neuzulassungen in Deutschland steuert in diesem Jahr auf den tiefsten Stand seit 1990 zu. Experten rechnen nur noch mit 3,15 Millionen frisch auf die Straße rollenden Fahrzeugen, 190.000 weniger als 2001.
Davon ist auch Volkswagen betroffen. Auf der Halbjahrespressekonferenz senkte Pischetsrieder den erwarteten Jahresgewinn vor Steuern von 4,4 Milliarden Euro auf rund vier Milliarden Euro. Der schwache Heimatmarkt und der Absatzeinbruch in Südamerika von 17 Prozent lassen für 2002 nur knapp fünf Millionen ausgelieferte Volkswagen erwarten. Jetzt hoffen alle auf den Golf V, der 2003 parallel zum neuen Opel Astra an den Start geht.

Interessante Story bei Volkswagen
Die Analysten der Berenberg Bank erwarten für die zweite Jahreshälfte aber keine weiteren schlechten Nachrichten aus Wolfsburg. Der Umsatz habe sich weniger stark reduziert, als der Rückgang in absoluten Zahlen vermuten ließ. Außerdem werde der Konzern von der erwarteten Erholung des europäischen Automarkts im nächsten Jahr überproportional profitieren. Daher empfehlen die Hamburger Banker, günstige Kurse zum Nachkaufen der Aktie zu nutzen. Auch die Investmentbank J.P. Morgan Chase hält Volkswagen mittelfristig für eine "interessante Story". Vor allem die Konzerntochter Audi überzeugt die Analysten.
Dem neuen A6 aus Ingolstadt fällt denn auch eine Schlüsselrolle im nächsten Jahr zu. Im Dienstwagen-Segment muss er vor allem im Vergleich mit dem neuen 5er von BMW überzeugen. Die Münchener kommen mit einer breiten Brust. Unbeeindruckt von der bröckelnden Gesamtnachfrage jagt BMW von einem Rekord zum nächsten. Dank eines Überbleibsels aus dem Rover-Debakel, dem Mini, peilt Vorstandschef Helmut Panke für dieses Jahr an, beim Absatz die Millionenschwelle zu überschreiten. Aber auch ohne den kleinen Briten bedeuten voraussichtlich über 900.000 verkaufte BMWs eine Bestmarke. Im zweiten Quartal dieses Jahres legten die Bayern beim Umsatz im reinen Autogeschäft um 7,2 Prozent auf 9,98 Milliarden Euro zu.
Eine Welt in weiß-blau
Um die aktuelle Absatzwelle für die Zukunft zu sichern (Planungen gehen in Richtung 1,3 Millionen verkaufte Fahrzeuge im Jahre 2007), nehmen sich die erfolgsverwöhnten Münchener ein Beispiel an Volkswagen. Ende 2004 soll die "BMW Welt" fertig gestellt sein, die weiß-blaue Variante der Wolfsburger Autostadt.
Die BMW-Flotte überzeugt aber auch jetzt schon nicht nur die Käufer, sondern auch die Analysten. Sie überschütten den zu 46,6 Prozent im Besitz der Quandt-Familie befindlichen Autobauer mit Lob. Nicht zuletzt auf Grund der Tatsache, dass in allen BMW-Werken im Sommer durchgearbeitet wurde, bleibt Merrill Lynch bei einem "strong buy". Auch die Branchenkenner von Sal. Oppenheim halten BMW für einen "Outperformer". Das Bankhaus ist von der "beachtenswerten Gewinnkraft" beeindruckt und sieht den Erfolg des Unternehmens "nicht im derzeitigen Kurs reflektiert".

DaimlerChrysler lehnt sich aus dem Fenster
Aber auch der Erzrivale der Münchener, DaimlerChrysler , bekommt von Sal. Oppenheim das Votum "Outperformer". Zwar sind die Analysten bei den Stuttgartern nicht so euphorisch wie bei BMW, sehen aber im Kurs ein Potenzial von über 25 Prozent nach oben, Ziel 59 Euro. In den USA erwarten die Banker durch die neue Mercedes E-Klasse, direkter Konkurrent von 5er BMW und Audi A6, eine deutliche Verbesserung bei den Volumenmodellen.
DaimlerChrysler, auch von der DZ Bank zum Kauf empfohlen, hatte Mitte August die Gewinnprognose deutlich erhöht. Für dieses Jahr erwartet Konzernchef Jürgen Schrempp gegenüber 2001 eine Verdreifachung des operativen Gewinns, also deutlich mehr als vier Milliarden Euro. Außerdem teilte er mit, der Turnaround-Plan bei Chrysler sei auf gutem Wege und der Lkw-Bauer Freightliner habe sogar schon wieder einen kleinen operativen Gewinn verbucht. "Dass sich DaimlerChrysler bei den Ergebnisprognosen so deutlich herauslehnt, hätte ich nicht gedacht", zeigte sich Frank Biller von der BW Bank überrascht.
Beruhigende Zahlen bei Porsche
Während der Stuttgarter Autobauer mit der Zentrale im Stadtteil Möhringen seit Monaten um die Rückkehr auf die Gewinnerstraße kämpft, gibt die Sportwagenschmiede aus Stuttgart-Zuffenhausen weiter Vollgas. Im Juli legte Porsche im wichtigsten Markt, Nordamerika, um über elf Prozent zu. Im gesamten Geschäftsjahr, das Mitte August endete, verkaufte Porsche in den USA und Kanada aber 7,5 Prozent weniger Fahrzeuge. Dennoch will Porsche-Chef Wendelin Wiedeking Umsatz und Gewinn mindestens auf Vorjahresniveau ausweisen.
Die Analysten scheinen auf Wiedeking zu vertrauen. Für Merrill Lynch ist Porsche nach wie vor ein "strong buy". Den Cayenne noch gar nicht berücksichtigt, habe Porsche ein sehr hohes Auftragseingangsniveau, das für Beruhigung sorge.
Wohlwollen auch von der Wissenschaft: "Wenn es Porsche gelingt, nur ein Drittel seiner heutigen Kunden für den Cayenne als Zweitwagen zu gewinnen, ist bereits die gesamte Produktion des Fahrzeugs für mehrere Jahre verkauft", schätzt Willi Diez, Leiter des renommierten Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) an der Fachhochschule Nürtingen.
Das Orakel aus Wolfsburg
Für Unruhe sorgte in der vergangenen Woche die Meldung, dass Porsche sein Listing an der New York Stock Exchange überdenke. "Wir warten ab, was die US-Börsenkommission SEC derzeit für die nahe Zukunft beschließt", sagte Wiedeking am Rande der Eröffnung des Porsche-Montagewerks für den Cayenne in Leipzig. Wegen fehlender Quartalsberichte hatte sich Wiedeking auch schon mit der Deutschen Börse angelegt.
Ein Seitenhieb Richtung "Wendelin Wunderkind" kam ausgerechnet aus Wolfsburg. "Wiedeking hat noch nie einen Knick gehabt. Irgendwann braucht er einen Knick, damit er was ganz Großes machen kann. Hoffentlich erlebt er den nicht bei Porsche", sagte Volkswagen-Aufsichtsratschef und Porsche-Enkel Ferdinand Piëch der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" auf die Frage, ob erst ein Fehler einen Manager zu einem Spitzenjob qualifiziere. Wiedeking war lange als möglicher Piëch-Nachfolger gehandelt worden.
Über seine Prognose für die Entwicklung der Automärkte sagte der in den USA zum Automanager des Jahrhunderts gekürte Piëch im Interview nichts. Vielleicht orakelt er ja im Winter ein bisschen, wenn die zu riesigen Adventskerzen umfunktionierten Kraftwerksschlote die Szenerie am Mittellandkanal in ein mystisches Licht tauchen.
E X P E R T E N - C H E C K:
Mit Vollgas auf deutschem Sonderweg
Trotz Konjunkturflaute sind Hiobsbotschaften der konjunktursensiblen deutschen Autohersteller bislang ausgeblieben. Analysten nennen den Grund für die robuste Performance und benennen ihre Favoriten.
DaimlerChrysler, BMW, Volkswagen und Porsche haben Anlegern in diesem Jahr mit robusten Absatzzahlen, vor allem in den USA, viel Freude bereitet. Die Autotitel haben dabei andere Branchen wie Technologie- oder Finanzwerte deutlich überflügelt. Seit Anfang August haben sie zweistellig zugelegt. Experten trauen der deutschen Autoindustrie wieder einiges zu, auch wenn sich die Konjunktur nur langsam erholen sollte.
Erfolgreiche Nischenstrategie
"Die deutschen Hersteller haben in den USA sehr erfolgreich Nischen besetzt", sagt Hans Joachim König, Fondsmanager bei Union Investment. Porsche, BMW und DaimlerChrysler mit Mercedes bedienen mit ihren Modellen das Premiumsegment und sind dadurch durch eine schwache Konjunktur weniger verwundbar: Ihre Kunden bleiben auch in flauen Zeiten zahlungskräftig.
Selbst der Massehersteller Volkswagen hatte mit der Einführung des "New Beetle" in den USA erfolgreich Akzente gesetzt. Die Nachfrage nach Autos "made in Germany" sei Konsequenz einer intelligenten Modellpolitik.
Etwas nüchterner erklärt Jens Troll, Fondsmanager beim Bankhaus Julius Bär, die robuste Performance der deutschen Autowerte. "In diesem Jahr erwarten wir für Europa einen Absatzrückgang von vier bis fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr", sagt Troll. Die Automobilaktien hätten diesen Rückgang aber überwiegend schon im Jahr 2001 vorweggenommen. Da die Autotitel nicht so stark überbewertet waren wie andere Branchen, konnten sie sich in diesem Jahr bislang auch besser entwickeln als der Gesamtmarkt.
Währungsrisiken im Griff
Der Aufschwung des Euro war an den Märkten ein gern genanntes Argument, um von einem Engagement in den exportorientierten deutschen Autotiteln abzuraten. Nach Ansicht der beiden Experten haben die Hersteller dieses Währungsrisiko aber im Griff.
BMW und DaimlerChrysler haben eigene Produktionsstätten in den USA und sind dadurch von Währungsschwankungen weniger betroffen. Volkswagen produziert in Mexiko.
Exporteur Porsche trägt das höchste Dollar-Risiko, doch haben die Zuffenhausener sich durch Termingeschäfte am Devisenmarkt abgesichert. "Teilweise sichert Porsche Währungsschwankungen bis zu zwei Jahren im voraus ab", erklärt Troll. "Diese Hedging-Strategie hat bei Porsche bislang gut funktioniert", ergänzt König.
Verkaufsförderung – still und leise
Noch haben es die deutschen Hersteller nicht nötig, dem Beispiel von General Motors zu folgen und den Absatz durch aggressive Rabatt- und Nullzinsangebote zu erhöhen. Sie setzen auf das gute Image ihrer Marken und darauf, dass sich ihre Kunden die neuen Modelle etwas kosten lassen.
Dennoch betreiben auch sie Verkaufsförderung auf dezente Art: "Auch in Deutschland gibt es höhere, zum Teil versteckte Rabatte durch Modellverbesserungen, die den Endpreis des Autos nicht erhöhen", sagt Troll. "Hier zu Lande wird viel über die Ausstattung eines Autos gesteuert", erklärt König. Rabatt wird jedoch nur auf auslaufende Modellreihen gewährt: Bei Neuwagen sei eine Discountstrategie nicht sinnvoll.
Porsche mit neuem Modell, Volkswagen mit günstiger Bewertung

Union-Fondsmanager König sieht weiterhin gute Chancen vor allem für die Porsche-Aktie: "Das Unternehmen ist sehr ertragsstark, und das neue Modell Cayenne weckt Kursphantasie." Dass Porsche nun mit dem Geländewagen Cayenne eine dritte Baureihe auf den Markt bringt und etwas mehr in die Breite geht, statt sich weiterhin auf die exklusiven zwei Baureihen zu beschränken, hat bei einigen Beobachtern Kritik ausgelöst. König dagegen sieht weitere Chancen bei Umsatz und Ertrag.
JB-Fondsmanager Troll würde eher der Aktie von Volkswagen den Vorzug geben: Die VW-Aktie sei derzeit auch im historischen Vergleich günstig bewertet. Probleme sieht er dagegen bei DaimlerChrysler: "Kurzfristig scheinen die Probleme bei Chrysler gelöst, mittelfristig dürfte das Chrysler-Engagement aber weiter belasten", sagt Troll. Die Überkapazitäten auf dem US-Markt seien noch immer zu hoch und die Wettbewerbsfähigkeit von Chrysler sei eher als unterdurchschnittlich einzustufen.
Die weltweite Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autohersteller habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, lobt König. Die Unternehmen profitierten von einer guten Marktstellung und einer gelungenen Produktstrategie.
Nach Ansicht von Troll hat sich Porsche dabei die beste Position im Markt erarbeitet: Das Unternehmen sei im Sportwagensegment fast konkurrenzlos und werde auch mittelfristig von seinem starken Markennamen profitieren. Rauer ginge es hingegen im Massegeschäft, dem so genannten Commodity-Segment, zu. Dort sei Volkswagen besser aufgestellt als zum Beispiel Chrysler und habe gute Chancen, sich im starken Wettbewerb zu behaupten.
mm.de
Gruß
Happy End
