Aufsichtsamt nimmt sich EM.TV vor
Nach den Kursturbulenzen bei der krisengeschüttelten EM.TV & Merchandising ist die Aktie jetzt im Visier des Bundesaufsichtsamtes für Wertpapierhandel (BAWe). Man wolle vor allem den Handelsverlauf vor der am Freitag von EM.TV bekannt gegebenen Gewinnwarnung analysieren, sagte ein BAWe-Sprecher am Mittwoch gegenüber Reuters. Untersucht werde, ob es einen Verdacht auf Insiderhandel gibt...
"Wir haben noch keine konkreten Anhaltspunkte, dass irgendetwas los war, aber die Geschichte schlägt solche Wellen, der Kurs ist so dramatisch gefallen, und so viele Investoren haben Geld verloren, dass wir auf Nummer sicher gehen", sagte der Sprecher. Es handele sich also nicht um eine formelle Prüfung.
Der Münchener Filmrechtehändler hatte am Freitagabend nach Börsenschluss seine Gewinnprognosen für das Jahr 2000 auf 50 Millionen Mark von zuvor 525 Millionen nach unten korrigiert. Gerüchte über eine bevorstehende Gewinnwarnung hatten den EM.TV-Kurs aber schon in den Tagen davor massiv einbrechen lassen.
Die EM.TV-Aktien setzten derweil ihre Talfahrt fort und fielen im Computerhandel Xetra um mehr als 20 Prozent auf ein neues Rekordtief von 6,86 Euro. Die Titel gehörten erneut zu den zehn am meisten gehandelten Aktien auf Xetra. Ein Ende des Kursverfalls ist nicht absehbar. "Der Abwärtstrend der Aktien ist noch nicht abgeschlossen", sagte Ludwig Gutmann, technischer Analyst der Bayerischen Landesbank. Eine Bodenbildung der EM.TV-Aktien sei noch nicht auszumachen. Auch die Händler am Neuen Markt sehen kein Ende der Verkäufe von EM.TV-Aktien. Durch die vielen negativen Meldungen hätten die Investoren das Vertrauen in EM.TV verloren und trennten sich nun von noch vorhandenen Beständen, sagte ein Händler.
Haffa gesteht Fehler ein
Der in die Kritik geratene EM.TV-Chef Thomas Haffa gestand in einem Interview ein, Fehler gemacht zu haben. Gegenüber dem Magazin "Focus Money" sagte er: "Wir haben Fehler gemacht...Wir haben auch die Aufgabe, die Zahlen in einem internationalen Konzern zu konsolidieren, eindeutig unterschätzt", sagte er. Auf der Pressekonferenz am Montag, bei der die strategische Partnerschaft mit der Kirch-Gruppe erläutert wurde, hatte er noch erklärt, er habe sich nichts vorzuwerfen. Zu der Ankündigung von Aktionärsvereinigungen und Anwälten, Klagen gegen EM.TV zu prüfen, sagte Haffa, er halte Klagen durchaus für möglich. Bisher seien aber noch keine eingegangen.
Haffa kündigte außerdem an, alle Beteiligungen von EM.TV auf den Prüfstand zu stellen. "Wir werden unser Augenmerk in nächster Zeit stärker auf die Kostenseite legen. Die Frage ist: Welche Beteiligungen und Aktivitäten bringen guten Profit?". Bei der US-Tochter und Muppets-Produzenten Jim Henson, die von April bis September einen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 8,4 Millionen Mark erzielt hatte, rechnet Haffa jedoch bald mit Gewinnen. Beim Internetprojekt JuniorWeb erwarte er in der nächsten Zeit einen Abschluss mit einem großen Partner.
EM.TV ist außerdem noch in Gesprächen über einen Rückverkauf seines 45-prozentigen Anteils an der Tele München Gruppe an deren Mehrheitsaktionär Herbert Kloiber. "Auch die Verhandlungen mit der Autoindustrie über deren eventuellen Einstieg bei der Formel Eins laufen weiter positiv", sagte Haffa dem Magazin.
Leidet die Deutsche Bank unter EM.TV?
Die Deutsche Bank lehnte einen Kommentar zu angeblichen Buchverlusten durch den EM.TV-Kursverfall ab. Es wird spekuliert, dass ein Fonds ihrer Tochtergesellschaft Morgan Grenfell auf EM.TV-Aktien Buchverluste von umgerechnet bis zu 900 Millionen Mark drohen. Ein Sprecher bestätigte nur, die Bank sei im März für den Verkauf ihres 12,5-prozentigen Formel-Eins-Anteils an EM.TV nicht in bar bezahlt worden, sondern habe EM.TV-Aktien im Wert von 450 Millionen Dollar erhalten. Diese Aktien würden nicht direkt von der Deutschen Bank gehalten, sondern von der Londoner Tochtergesellschaft Private Equity in dem Fonds Deutsche European Partners IV LP für Institutionelle Anleger verwaltet.
In Finanzkreisen wird davon ausgegangen, dass der Fonds die EM.TV-Aktien zu einem Kurs von rund 100 Euro erhalten hatte. Damit dürfte das Paket nach den dramatischen Kursverlusten der vergangenen Monate bei EM.TV zu jetzigen Kursen weniger als 40 Millionen Dollar wert sein.
mfg
gere1
Nach den Kursturbulenzen bei der krisengeschüttelten EM.TV & Merchandising ist die Aktie jetzt im Visier des Bundesaufsichtsamtes für Wertpapierhandel (BAWe). Man wolle vor allem den Handelsverlauf vor der am Freitag von EM.TV bekannt gegebenen Gewinnwarnung analysieren, sagte ein BAWe-Sprecher am Mittwoch gegenüber Reuters. Untersucht werde, ob es einen Verdacht auf Insiderhandel gibt...
"Wir haben noch keine konkreten Anhaltspunkte, dass irgendetwas los war, aber die Geschichte schlägt solche Wellen, der Kurs ist so dramatisch gefallen, und so viele Investoren haben Geld verloren, dass wir auf Nummer sicher gehen", sagte der Sprecher. Es handele sich also nicht um eine formelle Prüfung.
Der Münchener Filmrechtehändler hatte am Freitagabend nach Börsenschluss seine Gewinnprognosen für das Jahr 2000 auf 50 Millionen Mark von zuvor 525 Millionen nach unten korrigiert. Gerüchte über eine bevorstehende Gewinnwarnung hatten den EM.TV-Kurs aber schon in den Tagen davor massiv einbrechen lassen.
Die EM.TV-Aktien setzten derweil ihre Talfahrt fort und fielen im Computerhandel Xetra um mehr als 20 Prozent auf ein neues Rekordtief von 6,86 Euro. Die Titel gehörten erneut zu den zehn am meisten gehandelten Aktien auf Xetra. Ein Ende des Kursverfalls ist nicht absehbar. "Der Abwärtstrend der Aktien ist noch nicht abgeschlossen", sagte Ludwig Gutmann, technischer Analyst der Bayerischen Landesbank. Eine Bodenbildung der EM.TV-Aktien sei noch nicht auszumachen. Auch die Händler am Neuen Markt sehen kein Ende der Verkäufe von EM.TV-Aktien. Durch die vielen negativen Meldungen hätten die Investoren das Vertrauen in EM.TV verloren und trennten sich nun von noch vorhandenen Beständen, sagte ein Händler.
Haffa gesteht Fehler ein
Der in die Kritik geratene EM.TV-Chef Thomas Haffa gestand in einem Interview ein, Fehler gemacht zu haben. Gegenüber dem Magazin "Focus Money" sagte er: "Wir haben Fehler gemacht...Wir haben auch die Aufgabe, die Zahlen in einem internationalen Konzern zu konsolidieren, eindeutig unterschätzt", sagte er. Auf der Pressekonferenz am Montag, bei der die strategische Partnerschaft mit der Kirch-Gruppe erläutert wurde, hatte er noch erklärt, er habe sich nichts vorzuwerfen. Zu der Ankündigung von Aktionärsvereinigungen und Anwälten, Klagen gegen EM.TV zu prüfen, sagte Haffa, er halte Klagen durchaus für möglich. Bisher seien aber noch keine eingegangen.
Haffa kündigte außerdem an, alle Beteiligungen von EM.TV auf den Prüfstand zu stellen. "Wir werden unser Augenmerk in nächster Zeit stärker auf die Kostenseite legen. Die Frage ist: Welche Beteiligungen und Aktivitäten bringen guten Profit?". Bei der US-Tochter und Muppets-Produzenten Jim Henson, die von April bis September einen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 8,4 Millionen Mark erzielt hatte, rechnet Haffa jedoch bald mit Gewinnen. Beim Internetprojekt JuniorWeb erwarte er in der nächsten Zeit einen Abschluss mit einem großen Partner.
EM.TV ist außerdem noch in Gesprächen über einen Rückverkauf seines 45-prozentigen Anteils an der Tele München Gruppe an deren Mehrheitsaktionär Herbert Kloiber. "Auch die Verhandlungen mit der Autoindustrie über deren eventuellen Einstieg bei der Formel Eins laufen weiter positiv", sagte Haffa dem Magazin.
Leidet die Deutsche Bank unter EM.TV?
Die Deutsche Bank lehnte einen Kommentar zu angeblichen Buchverlusten durch den EM.TV-Kursverfall ab. Es wird spekuliert, dass ein Fonds ihrer Tochtergesellschaft Morgan Grenfell auf EM.TV-Aktien Buchverluste von umgerechnet bis zu 900 Millionen Mark drohen. Ein Sprecher bestätigte nur, die Bank sei im März für den Verkauf ihres 12,5-prozentigen Formel-Eins-Anteils an EM.TV nicht in bar bezahlt worden, sondern habe EM.TV-Aktien im Wert von 450 Millionen Dollar erhalten. Diese Aktien würden nicht direkt von der Deutschen Bank gehalten, sondern von der Londoner Tochtergesellschaft Private Equity in dem Fonds Deutsche European Partners IV LP für Institutionelle Anleger verwaltet.
In Finanzkreisen wird davon ausgegangen, dass der Fonds die EM.TV-Aktien zu einem Kurs von rund 100 Euro erhalten hatte. Damit dürfte das Paket nach den dramatischen Kursverlusten der vergangenen Monate bei EM.TV zu jetzigen Kursen weniger als 40 Millionen Dollar wert sein.
mfg
gere1