EINTAGS-FLIEGE ?!
KONJUNKTUR-EXPERTEN
2003 kommt die nächste Flaute
Der Konjunkturaufschwung in Deutschland wird nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nur von kurzer Dauer sein. Bereits im kommenden Jahr könnte er schon wieder zu Ende gehen.
AP
Ist der Aufschwung im kommenden Jahr schon wieder zu Ende?
Berlin - Für die verschlechterten Konjunkturaussichten machte das DIW am Dienstag vornehmlich den Sparkurs der Bundesregierung - sowohl der jetzigen als auch der künftigen - verantwortlich. Auch deshalb werde die deutsche Wachstumsrate unter dem Durchschnitt des Euro-Raumes liegen.
"Der Aufschwung kommt, aber er bleibt nicht lange", sagte DIW-Konjunkturexperte Gustav Horn bei der Vorstellung der Sommer-Grundlinien 2002/03. Darin geht das DIW für 2003 nur noch von einem Wachstum von 2,0 Prozent und für dieses Jahr von 0,6 Prozent aus. Damit liegen die DIW-Experten unter den Erwartungen des Frühjahrsgutachtens der sechs führenden Forschungsinstitute vom April dieses Jahres und auch unter den Prognosen der Bundesregierung.
Die ostdeutsche Wirtschaft wird dem Westen länger hinterherhinken als bisher angenommen und auch im nächsten Jahr weiter zurückfallen. Die Wachstumsrate wird laut DIW mit 1,75 Prozent auch 2003 niedriger ausfallen als die westdeutsche. Für dieses Jahr wird in den neuen Ländern ein Plus von 0,5 Prozent erwartet. Im Frühjahrsgutachten waren die Institute für 2003 noch von 2,3 Prozent ausgegangen.
Die Bundesregierung lässt sich von den pessimistischen Voraussagen der Konjunkturforscher nicht irritieren. "Es gilt die Prognose von 2,5 Prozent", sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Jörg Müller. Die robuste Konjunktur gewinne immer noch an Fahrt. Festlegungen der Bundesregierung für eine Korrektur der eigenen Konjunkturerwartungen seien daher nicht angebracht, erklärte Müller. Die Einbußen im produzierenden Gewerbe im Mai seien auf Sonderfaktoren wie Streiks und Feiertage zurückzuführen und könnten schon bald wieder aufgeholt werden.
Für die zweite Jahreshälfte 2002 geht das DIW auch in Deutschland von Wachstumsraten zwischen 3,5 und 4,0 Prozent pro Quartal aus. Das Expansionstempo werde sich aber schon im ersten Halbjahr 2003 verlangsamen. Unter anderem verhindere ein gegenüber dem US-Dollar aufgewerteter Euro einen Exportboom. Vor allem belaste die restriktive Haushaltspolitik. Werden die Zusagen an Brüssel für ausgeglichene öffentliche Haushalte eingehalten - wovon unabhängig von der künftigen Bundesregierung ausgegangen werden könne - koste dies 0,5 Prozentpunkte Wachstum.
"Ohne diese Belastungen würde die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr um 2,5 Prozent wachsen und so an den Durchschnitt der Euro-Länder herankommen", sagte Horn. Die Hoffnung auf einen kräftigen Aufschwung im Jahre 2004, der für die Erreichung der Haushalts-Sparziele unerlässlich sei, dürfte sich als trügerisch erweisen. DIW-Präsident Klaus Zimmermann plädierte dafür, den Euro-Stabilitätspakt zu modifizieren, um stärker eine solide Haushaltspolitik und kurze Konjunkturschwankungen zu berücksichtigen.
In diesem Jahr geht das DIW von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um 150.000 Personen auf 4,2 Millionen aus. Im kommenden Jahr sei mit einem spürbaren Rückgang um 100.000 zu rechnen. Die Vorschläge der Hartz-Kommission hätten keine unmittelbaren konjunkturellen Auswirkungen. Sie könnten in einer Wachstumsphase aber hilfreich sein für eine schnellere Jobvermittlung. Die von der Kommission angestrebte Halbierung der Arbeitslosenzahl in drei Jahren hält das DIW für überzogen. Für eine nachhaltige Besserung sei ein Wirtschaftswachstum von deutlich über zwei Prozent notwendig.
KONJUNKTUR-EXPERTEN
2003 kommt die nächste Flaute
Der Konjunkturaufschwung in Deutschland wird nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nur von kurzer Dauer sein. Bereits im kommenden Jahr könnte er schon wieder zu Ende gehen.
AP
Ist der Aufschwung im kommenden Jahr schon wieder zu Ende?
Berlin - Für die verschlechterten Konjunkturaussichten machte das DIW am Dienstag vornehmlich den Sparkurs der Bundesregierung - sowohl der jetzigen als auch der künftigen - verantwortlich. Auch deshalb werde die deutsche Wachstumsrate unter dem Durchschnitt des Euro-Raumes liegen.
"Der Aufschwung kommt, aber er bleibt nicht lange", sagte DIW-Konjunkturexperte Gustav Horn bei der Vorstellung der Sommer-Grundlinien 2002/03. Darin geht das DIW für 2003 nur noch von einem Wachstum von 2,0 Prozent und für dieses Jahr von 0,6 Prozent aus. Damit liegen die DIW-Experten unter den Erwartungen des Frühjahrsgutachtens der sechs führenden Forschungsinstitute vom April dieses Jahres und auch unter den Prognosen der Bundesregierung.
Die ostdeutsche Wirtschaft wird dem Westen länger hinterherhinken als bisher angenommen und auch im nächsten Jahr weiter zurückfallen. Die Wachstumsrate wird laut DIW mit 1,75 Prozent auch 2003 niedriger ausfallen als die westdeutsche. Für dieses Jahr wird in den neuen Ländern ein Plus von 0,5 Prozent erwartet. Im Frühjahrsgutachten waren die Institute für 2003 noch von 2,3 Prozent ausgegangen.
Die Bundesregierung lässt sich von den pessimistischen Voraussagen der Konjunkturforscher nicht irritieren. "Es gilt die Prognose von 2,5 Prozent", sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Jörg Müller. Die robuste Konjunktur gewinne immer noch an Fahrt. Festlegungen der Bundesregierung für eine Korrektur der eigenen Konjunkturerwartungen seien daher nicht angebracht, erklärte Müller. Die Einbußen im produzierenden Gewerbe im Mai seien auf Sonderfaktoren wie Streiks und Feiertage zurückzuführen und könnten schon bald wieder aufgeholt werden.
Für die zweite Jahreshälfte 2002 geht das DIW auch in Deutschland von Wachstumsraten zwischen 3,5 und 4,0 Prozent pro Quartal aus. Das Expansionstempo werde sich aber schon im ersten Halbjahr 2003 verlangsamen. Unter anderem verhindere ein gegenüber dem US-Dollar aufgewerteter Euro einen Exportboom. Vor allem belaste die restriktive Haushaltspolitik. Werden die Zusagen an Brüssel für ausgeglichene öffentliche Haushalte eingehalten - wovon unabhängig von der künftigen Bundesregierung ausgegangen werden könne - koste dies 0,5 Prozentpunkte Wachstum.
"Ohne diese Belastungen würde die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr um 2,5 Prozent wachsen und so an den Durchschnitt der Euro-Länder herankommen", sagte Horn. Die Hoffnung auf einen kräftigen Aufschwung im Jahre 2004, der für die Erreichung der Haushalts-Sparziele unerlässlich sei, dürfte sich als trügerisch erweisen. DIW-Präsident Klaus Zimmermann plädierte dafür, den Euro-Stabilitätspakt zu modifizieren, um stärker eine solide Haushaltspolitik und kurze Konjunkturschwankungen zu berücksichtigen.
In diesem Jahr geht das DIW von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um 150.000 Personen auf 4,2 Millionen aus. Im kommenden Jahr sei mit einem spürbaren Rückgang um 100.000 zu rechnen. Die Vorschläge der Hartz-Kommission hätten keine unmittelbaren konjunkturellen Auswirkungen. Sie könnten in einer Wachstumsphase aber hilfreich sein für eine schnellere Jobvermittlung. Die von der Kommission angestrebte Halbierung der Arbeitslosenzahl in drei Jahren hält das DIW für überzogen. Für eine nachhaltige Besserung sei ein Wirtschaftswachstum von deutlich über zwei Prozent notwendig.