Arcandor ist frohen Mutes
Alles halb so wild: Arcandor ist bemüht, Optimismus auszustrahlen. Und spricht von vollen Lagern, normalen Geschäften und der Aussicht, dass die Umschuldung, über die gerade verhandelt wird, schon in Kürze perfekt ist. Der Aktie hilft's nicht.
Die im MDax notierte Arcandor-Aktie muss heute erneut starke Einbußen einstecken. Sie rauscht zeitweise 7 Prozent in die Tiefeauf bis auf ein Rekordtief von 3,82 Euro. Gestern waren die Titel bereits um 8 Prozent eingekracht. "Das Unternehmen ist solide finanziert", betonte ein Sprecher des Touristik- und Handelskonzern. Gerüchte über eine existenzgefährdende Lage des Konzerns "entbehren jeder Grundlage", fügte er hinzu. Die Geschäfte liefen normal, die Lager seien voll. Der Konzern steht auch nach eigenen Angaben nicht vor einer Kapitalerhöhung. "Wir sehen keinerlei Bedarf für eine Kapitalerhöhung", sagte der Sprecher.
Der Sprecher reagierte auf einen Bericht des Magazins "Focus Money", in dem es heißt, ein Handelsexperte befürchte eine Schieflage des Arcandor-Konzerns. Zuvor war bekannt geworden, dass der Kreditversicherer Euler Hermes Ausfallgarantien für Arcandor eingeschränkt hatte. "Euler Hermes ist der einzige Warenkreditversicherer, der so reagiert hat", hatte Arcandor dazu erklärt.
Umschuldung in Sicht
Das "Handelsblatt" berichtete unter Berufung auf das Umfeld der beteiligten Unternehmen, dass die Hermes-Entscheidung durch die derzeitigen Gespräche über die Umfinanzierung der Arcandor-Kredite ausgelöst worden seien. In mit der Situation vertrauten Kreisen war von Schwierigkeiten bei den Gesprächen zu hören.
Arcandor gibt sich dagegen zuversichtlich. Man gehe von einem kurzfristigen Abschluss mit einem Konsortium um Dresdner Bank, Commerzbank und BayernLB aus. Dabei gehe es um die Refinanzierung einer Tranche von Bankverbindlichkeiten. Die Höhe wollte der Sprecher nicht beziffern. Zum Halbjahr hatte Arcandor Nettofinanzverbindlichkeiten von 1,5 Milliarden Euro ausgewiesen.
"Bei Condor nicht unter Druck"
Unabhängig von den Diskussionen über die Lage des Konzerns betonte Arcandor-Chef Thomas Middelhoff, er stehe bei der Entscheidung über die Zukunft der Flug-Tochter Condor nicht unter Zeitdruck. "Wir haben kurzfristig keinen Handlungsdruck", sagte er am Dienstag in Köln. Condor schreibe Gewinn und habe sich als eigenständige Airline am Markt positioniert. Arcandor stehe "ganz klar" zu Thomas Cook und wolle dieses Geschäft ausbauen.
Die Konsolidierung der Tourismusbranche werde in den kommenden Jahren voranschreiten. "Wir haben noch einige weiße Flecken", sagte Middelhoff. Außerdem stellte er für die Touristik-Sparte Thomas Cook für das auslaufende Geschäftsjahr eine Rendite von fünf Prozent in Aussicht.