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[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Anlage zur Umwandlung von Wärmeenergie, vorzugsweise solarer Wärme, in mechanische Energie durch Entspannung eines dampfförmigen Arbeitsmittels in einer mit einem Verdampfer verbundenen Entspannungsvorrichtung, wobei sämtliche Hilfsenergien für die Herstellung und Förderung von auftretenden Dämpfen und Gasen vollständig aus der Bewegungsenergie des in dem Verdampfer gebildeten dampfförmigen Arbeitsmittels und/oder des in einem Sonnenkollektor erzeugten Treibdampfes bereitgestellt werden, so dass keine zusätzliche mechanische oder elektrische Hilfsenergie zur Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens erforderlich wird.
[0002] Für die Umwandlung solarer Wärmeenergie in mechanische Energie sind nach dem Stand der Technik unterschiedliche Verfahren und Vorrichtungen bekannt. Diese Verfahren werden im Wesentlichen dazu genutzt, die mechanische Energie mit Hilfe von Generatoren weiter in elektrische Energie umzuwandeln und ergänzen damit die für die Umwandlung von Solarstrahlung in elektrische Energie vorherrschenden Photovoltaik-Verfahren, mit denen die Direktumwandlung von Strahlungsenergie in eine elektrische Spannung möglich ist.
[0003] Für die Umwandlung der solaren Wärmeenergie in mechanische oder elektrische Energie, die sog. solarthermische Stromgewinnung durch eine Entspannung dampfförmiger Arbeitsmittel, werden bevorzugt drei unterschiedliche Auslegungsalternativen verfolgt. Bei der ersten Alternative wird die Sonnenstrahlung mit Aussenspiegeln auf einen zentral angeordneten Verdampfer konzentriert, mit dem ein Arbeitsmittel verdampft wird, das anschliessend in einer Turbine entspannt wird. Bei der zweiten Alternative erfolgt die Konzentration der Sonnenstrahlung bereits in der Auffangvorrichtung, bspw. Parabolrinnenkollektoren, bei denen ein Absorberrohr in der Brennachse eines linearen Parabolspiegels verläuft. Der dort erzeugte Dampf wird anschliessend zusammengeführt und in einer zentralen Entspannungsturbine entspannt. Dieser thermische Entspannungsprozess in einer Entspannungsturbine entspricht im Wesentlichen den thermischen Entspannungsprozessen in Kraftwerken.
[0004] Als dritte, neuere Alternative werden inzwischen sog. Dish-Stirling-Systeme verwendet, bei denen die Solarstrahlung
in einem Parabolspiegel auf den Verdampferraum eines Stirling-Motors konzentriert wird, wodurch der Stirling-Motor angetrieben wird.
[0005] In DE 10 2004 014 652 A1 wird ein System zur Umwandlung von Wärme in mechanische Energie beschrieben, bei dem extern eingebrachte Wärme in einem Verdampfer ein Arbeitsmittel verdampft, das anschliessend über ein Niederdruck-Entspannungsaggregat entspannt wird, wobei ein Teil der Treibdampfenergie in mechanische Energie umgewandelt wird. Weiter soll die im entspannten Treibdampf noch enthaltene thermische Energie zu einem möglichst grossen Anteil dadurch weiter genutzt werden, indem sie mit einem Wärmepumpenprozess auf ein Temperaturniveau oberhalb der Verdampfungstemperatur im Verdampfer transformiert wird und damit in den Verdampfungsprozess rückführbar wird.
[0006] Als technische Ausführungsformen für dazu geeignete Wärmepumpenprozesse werden einerseits mechanisch angetriebene Wärmepumpen mit ausgewählten Arbeitsmitteln, andererseits Absorptions-Wärmepumpensysteme in Lösemittelgemischen mit azeotroper Mischung oder mit einer reversibel immobilisierbaren Komponente beschrieben.
[0007] In der Offenlegungsschrift DE 101 62 934 A1 wird ein Verfahren sowie eine Anlage zur solarthermischen Kälteerzeugung beschrieben, bei dem ein Kältemittel eines Strahlverdichters mit Hilfe eines Sonnenkollektors verdampft und der Kältemitteldampf nach Verdichtung durch den Strahlverdichter kondensiert wird. Der Strahlverdichter wird hierbei als Dampfstrahlverdichter mit Wasser als Kältemittel betrieben, das im Sonnenkollektor direkt verdampft und dem Strahlverdichter als Treibdampf zugeführt wird.
[0008] Nachteil der bisher beschriebenen Systeme ist die entsprechend den Cannot-Bedingungen für einen guten Wirkungsgrad erforderliche hohe Ausgangstemperatur zur Entspannung des Dampfes. Dies ist der Grund für die Konzentration der Sonnenstrahlung mit Spiegelsystemen, da nur so die geforderten hohen Temperaturen überhaupt erreicht werden können. Ein Nachteil ist dabei, dass diese Forderungen nur bei direkter Sonneneinstrahlung, also nicht bei diffuser Sonnenstrahlung, wie es bei bedecktem Himmel gegeben ist, erfüllt werden kann. Dies hat nachteilige Konsequenzen für die Verfügbarkeit einer so aufgebauten Anlage.
[0009] Ein besonderer Nachteil ist dies in solchen Regionen, in denen die Zahl der Jahresstunden mit direkter Sonneneinstrahlung vergleichsweise niedrig ist, wie etwa in Nord- und Mitteleuropa. Dadurch ist es keine Überraschung, dass die Erzeugung von elektrischer Energie aus solarthermischen Anlagen bisher nur in sonnenreichen Regionen vorgesehen wird, wie etwa Südeuropa, die sonnenreichen Staaten der USA oder sonstige äquatornahe Regionen.
[0010] Die Erfindung hat sich nun zum Ziel gesetzt, wesentliche der genannten Nachteile zu überwinden. Merkmal des erfindungsgemässen Verfahrens ist dabei vor allem die Möglichkeit, die Umwandlung der Solarwärme in mechanische Energie auch bei bedecktem Himmel zu realisieren. Dies bedeutet, dass zum Auffangen der Solarstrahlung einfachere Kollektorsysteme ermöglicht werden, bspw. Plattenkondensatoren, bei denen die Sonneneinstrahlung flächig aufgenommen wird. Die damit erreichbaren Temperaturen, die auf ein durchströmendes Wärmeträgerfluid übertragen werden, sind dabei auf Temperaturen begrenzt, wie sie zur Warmwasserbereitung benötigt werden, also etwa 60 deg. bis 70 deg. C, abhängig von der aktuellen Einstrahlungsleistung.
[0011] Das erfindungsgemässe Verfahren sieht vor, dass mit dem über den Kollektor bereitgestellten Temperaturniveau Treibdampf zum Betrieb eines Strahlverdichters erzeugt wird. Dies bedeutet, dass als Arbeitsmittel Flüssigkeiten verwendet werden, deren Siedepunkt so viel niedriger liegt als die vom Kollektor bereitgestellte Temperatur, dass ein Treibdampf von mehr als etwa 2 bar bereitgestellt wird. Zusätzlich zu dieser Forderung soll das Arbeitsmittel noch eine niedrige molare Verdampfungsenthalpie aufweisen, damit mit einer gegebenen Wärmemenge ein grosses Dampfvolumen erzeugt wird. Deshalb sieht die Erfindung die Verwendung von kurzkettigen organischen Lösemitteln aus der Klasse der ein- oder mehrwertigen Alkohole, Aldehyde, Ketone oder Ester, Kältemittel, kurzkettige Kohlenwasserstoffe mit Nebengruppen oder Silikone als Arbeitsmittel vor.
[0012] Eine bevorzugte Ausführung des erfindungsgemässen Verfahrens sieht die Umwandlung von Wärmeenergie in mechanische Energie durch eine Entspannung eines dampfförmigen Arbeitsmittels in einem mit der Verdampfer verbundenen Entspannungsaggregat vor, das bereits im Niederdruckbereich, bevorzugt weniger als 1 bar, bereits mit gutem Wirkungsgrad arbeitet. Eine solche Niederdruck-Entspannungsvorrichtung wird erfindungsgemäss durch ein Wälzkolbengebläse mit gasdichtem Schöpfraum realisiert. Nach der Entspannung wird das dampfförmige Arbeitsmittel in einem Strahlverdichter, der mit Treibdampf, der aus solarer Wärme in einem Plattenkollektor erzeugt wurde, angetrieben wird, verdichtet und dabei erwärmt. Das Gemisch aus Treibdampf und entspanntem Arbeitsmittel hat nach der Verdichtung eine Temperatur, die höher liegt als die Verdampfungstemperatur im Verdampfer, so dass das Dampfgemisch im Wärmeaustausch gegen die Flüssigkeit im Verdampfer kondensiert werden kann. Dabei gibt das Dampfgemisch seine Kondensationsenthalpie an das siedende Arbeitsmittel im Verdampfer ab. Das Kondensat wird anschliessend von einer Fördereinrichtung in einem Ausgleichsbehälter gefördert und dabei so mit Druck beaufschlagt, dass das Kondensat einerseits zurück in den Kollektor, andererseits über ein niveaugesteuertes Schaltventil zurück in den Verdampfer gefördert wird.
[0013] Die beschriebene Ausführung entspricht der in dem Antrag Nr. 10 2004 006 837.2 beschriebenen Anordnung, auf die hier in vollem Umfang Bezug genommen wird.
[0014] Über diese Ausführung hinaus weist das erfindungsgemässe Verfahren als zusätzliches erfinderisches Merkmal einen Antrieb jeglicher mechanischer Fördereinrichtung, beispielsweise für das Kondensat, über eine kleine Entspannungsturbine aus, die mit Treibdampf aus dem Kollektor angetrieben wird. Der Vorteil dieser Anordnung liegt in dem vollständigen Verzicht auf jegliche externe mechanische und elektrische Hilfsenergien zur Umsetzung des Verfahrens und für den Betrieb einer zugehörigen Anlage.
[0015] Dadurch ist die nach dem erfindungsgemässen Verfahren aufgebaute Anlage in der Lage, aus dem Ruhezustand allein durch die aufgenommene Wärmeenergie aus der Sonnenstrahlung anzufahren, ohne dass in irgendeiner Form eine mechanische oder elektrische Starterenergie erforderlich wird.
[0016] Grundsätzlich kann Wärmeenergie in beliebiger Form zur Verfügung gestellt werden, neben der Solarenergie bspw. auch als fossile Energie oder Bioenergie. Auch kann sie in Form von Abwärme, die entweder direkt oder nach Transformation mit Hilfe einer oder mehrerer Wärmepumpe/n auf das für die Erzeugung des Treibdampfes für den Strahlverdichter geforderte Temperaturniveau gebracht wird.
[0017] Damit können die Energiequelle/n zur Erzeugung der für den Antrieb des Strahlverdichters benötigten Wärmeenergie neben einem Kollektor eine Abgaswärmequelle, eine Abwärmequelle von Verbrennungsprozessen, eine geothermische Quelle, eine Wärmepumpe, eine Brennstoffzelle, eine Abwärmequelle von Kühlprozessen, ein Verbrennungsmotor, ein Blockheizkraftwerk sein.
[0018] Bevorzugt ist die Bereitstellung von Wärmeenergie aus der Solarwärme, bevorzugt aus nicht-konzentrierenden Kollektorsystemen, mit Verwendung geeigneter Arbeitsmittel hinsichtlich der Siedetemperatur und des erreichbaren Verdampfungsdrucks, eingeschlossen sind jedoch auch konzentrierende Kollektorsysteme, mit denen höhere Temperaturen bereitgestellt werden können.
[0019] Ein weiterer Gegenstand der Erfindung betrifft eine Anlage zur Umwandlung von Wärmeenergie aus der Solarstrahlung in mechanische, elektrische und/oder thermische Energie.
[0020] Erfindungsgemäss wird eine Anlage zur Umwandlung von Wärmeenergie aus der Solarstrahlung in mechanische, elektrische und/oder thermische Energie zur Verfügung gestellt, folgende Komponenten umfassend:
a) eine Verdampfereinheit (8), in der ein Arbeitsmittel verdampfbar ist,
b) eine Niederdruck-Entspannungsvorrichtung (9), die optional mit einem Generator (10) verbunden ist, wobei die Niederdruck-Entspannungsvorrichtung (9) der Verdampfereinheit (8) nachgeschaltet ist.
c) ein Strahlverdichter (3), der der Niederdruck-Entspannungsvorrichtung (9) nachgeschaltet ist, und in dem das entspannte dampfförmige Arbeitsmittel verdichtet wird,
d) eine Wärmequelle (1), bevorzugt Solarstrahlung, und ein Kollektor (2) als Sammler der Wärmeenergie, mit dem Treibdampf erzeugt wird,
e) eine Pumpe (5) und ein Ausgleichsbehälter (6) mit niveaugesteuertem Ventil (7), mit dem das nach der Kondensation in der Verdampfereinheit (8) gebildete Kondensat zurück in den Kollektor (2) oder in die Verdampfereinheit (8) gefördert wird,
f) eine Entspannungsturbine (4), die vom Treibdampf aus dem Kollektor (2) angetrieben wird, und über eine Antriebswelle (11) die Pumpe (5) antreibt.
[0021] Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung, in der in Bezugnahme auf Fig. 1 ein Ausführungsbeispiel der Erfindung im Einzelnen beschrieben wird. Dabei können die in den Ansprüchen und der Beschreibung erwähnten Merkmale jeweils einzeln für sich oder in beliebiger Kombination erfindungswesentlich sein.
[0022] Es zeigt
[0023] Fig. 1 eine Anlage zur Umwandlung solarer Wärmeenergie in mechanische, elektrische und/oder thermische Nutzenergie.
[0024] Die aus der Energiequelle (1) Solarstrahlung in einem Kollektor (2) anfallende Wärmeenergie erzeugt Treibdampf für einen Strahlverdichter (3). Bei der Entspannung des Treibdampfes im Strahlverdichter übertragt er einen Teil der Bewegungsenergie auf ein dampfförmiges Arbeitsmittel, das in einer Verdampfereinheit (8) verdampft und in einer dem Verdampfer nachgeordneten Niederdruck-Entspannungsvorrichtung (9) entspannt worden ist. Arbeitsmittel und Treibdampf sind aus dem gleichen Medium gebildet, so dass bei der Durchmischung eine homogene Dampfphase gebildet wird, die verdichtet und dabei bis zur Sattdampftemperatur des Enddrucks erwärmt wird.
[0025] Die Anlage wird so betrieben, dass das Druckniveau und damit die Temperatur des Dampfes höher als der Druck und die Siedetemperatur des im Verdampfer (8) siedenden Arbeitsmittels ist. Deshalb kann der verdichtete Dampf seine Kondensationsenergie im Wärmetausch auf das im Verdampfer (8) siedende Arbeitsmittel übertragen. Das Kondensat wird mit einer Pumpe (5) über einen Ausgleichsbehälter (6) einerseits zurück in den Sonnenkollektor (2), andererseits über eine mit einem niveaugesteuerten Ventil versehene Zuleitung zurück in den Verdampfer (8) gefördert. Die Pumpe (5) wird dabei mittels einer Antriebswelle (11) von einer Entspannungsturbine (4) angetrieben, die mit Treibdampf aus dem Solarkollektor (2) beaufschlagt wird.
1 : Energiequelle/Solarstrahlung
2 : Kollektor
3 : Strahlverdichter
4 : Entspannungsturbine
5 : Pumpe
6 : Ausgleichsbehälter
7 : Ventil, niveaugesteuert
8 : Verdampfer
9 : Niederdruck-Entspannungsvorrichtung
10 : Generator
11 : Antriebswelle