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AOL Time Warner verbucht im 1. Quartal Rekordverlust von 54 Milliarden Dollar
NEW YORK (dpa-AFX) - Der weltgrößte Medien- und Internetkonzern AOL Time Warner hat im ersten Quartal einen Nachsteuerverlust von 54,24 Milliarden US-Dollar verbucht. Dies ist der größte Unternehmens-Verlust in der Wirtschaftgeschichte der USA. Auf Grund eines massiven Wertverfalls seit der Übernahme von Time Warner im vergangenen Jahr musste der US-Konzern die Rekordsumme von 54,24 Milliarden Dollar abschreiben. AOL hatte bereits zu Jahresbeginn angekündigt, die neuen US-Rechnungslegungsvorschriften auszunutzen und die Goodwill-Abschreibungen in einem einzigen Quartal vorzunehmen.
Der Verlust sei im Jahresvergleich auf 12,25 Dollar je Aktie gestiegen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in New York mit. Im gleichen Vorjahreszeitraum hatte AOL einen Verlust von 1,37 Milliarden bzw. 0,31 Dollar je Aktie verzeichnet. Der Umsatz stieg in Jahresfrist um 4 Prozent auf 9,76 Milliarden Dollar.
ZWEIMAL WURDEN UMSATZPROGNOSEN GESENKT
AOL Time Warner nahm im ersten Quartal Wertberichtigungen für Vermögensanteile vor, nachdem der Aktienkurs des Unternehmens seit der im Januar 2000 angekündigten Übernahme um mehr als 70 Prozent gesunken war. Im vergangenen Jahr musste der Konzern zweimal seine Umsatzprognosen korrigieren, während der einstige Wachstumsmotor, der Internet-Provider America Online, mit sinkenden Online-Werbeumsätzen und einer Verlangsamung des Kundenwachstums zu kämpfen hatte.
Auf Grund des weiterhin schwächelnden Internet-Werbemarktes senkte das Unternehmen bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen die Gesamtjahres-Wachstumsprognose für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Zinsen (EBITDA) auf eine Spanne von 5 bis 9 Prozent. Zuvor hatte AOL mit einem Plus von 8 bis 12 Prozent gerechnet. Gleichzeitig bekräftigte das Unternehmen jedoch das Ziel, im Geschäftsjahr 2002 den Umsatz um 5 bis 8 Prozent zu steigern.
EBITDA SOLL 2002 AUF VORJAHRESNIVEAU LIEGEN
Für das laufende zweite Quartal rechnet AOL mit einem Umsatzplus im "mittleren einstelligen Prozentbereich". Das EBITDA, eine von AOL bevorzugte Kenngröße zur Darstellung des internen Wachstums, soll auf dem gleichen Niveau liegen wie im zweiten Quartal 2002.
Für das erste Quartal 2002 wies AOL ein EBITDA von 2,05 Milliarden Dollar aus. Im Vergleich zum Vorjahreswert von 1,98 Milliarden Dollar entspricht das einem Wachstum von 3,5 Prozent. Im operativen Geschäft sei der Gewinn von 1,98 Milliarden auf 2,05 Milliarden Dollar gestiegen. Während das um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis je Aktie (Cash EPS) von 16 auf 18 Cent stieg. Analysten hatten nach einer Befragung von First Call/Thomson Financial im Durchschnitt mit einem bereinigten Ergebnis von 14 Cent je Anteilschein gerechnet.
INTERNETGESCHÄFT GEGENÜBER VORJAHR UNVERÄNDERT
Das Internetgeschäft America Online verzeichnete im Berichtszeitraum mit 2,297 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahresquartal unveränderte Umsätze. Das EBITDA sank hingegen um 15 Prozent auf 433 Millionen Dollar. Nach Angaben von AOL Time Warner glich das Abonnenten-Wachstum von 17 Prozent die Schwäche im Werbe- und Internethandels-Geschäft (-31%) teilweise aus. Insgesamt habe der Internet-Dienst im ersten Quartal 1,4 Millionen neue Kunden hinzugewonnen. Zum Ende des Monats März hatte AOL damit 34,6 Millionen Abonennten.
Die übrigen Geschäftsbereiche verzeichneten unterschiedliche Entwicklungen. Die Kabelnetzsparte steigerte den Umsatz um 19 Prozent auf 2,01 Milliarden Dollar. Das Fernsehgeschäfts setzte mit 1,79 Milliarden 5 Prozent mehr um als ein Jahr zuvor, während die Filmsparte 3,4 Prozent weniger Erlöse (2,14 Mrd Dollar) verbuchte. Im Geschäftsfeld Musik stiegen die Umsätze um 5 Prozent auf 1,79 Milliarden Dollar und im Verlagsgeschäft um 3 Prozent auf 1,08 Milliarden Dollar./rh/sh