AOL: Internetkrise und SEC-Ermittlungen


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AOL: Internetkrise und SEC-Ermittlungen

 
25.07.02 06:23
Einmal mehr hat Harry Potter AOL Time Warner gerettet. Vor allem dank der Old-Media-Sparten übertrafen Gewinn und Umsatz des weltgrößten Medienkonzerns die Erwartungen. Im Internetgeschäft hingegen vertieft sich die Krise.

New York - AOL Time Warner hat im zweiten Quartal einen Pro-Forma-Gewinn von 24 Cents pro Aktie erwirtschaftet. Das gab das Unternehmen am Mittwoch nach Börsenschluss in New York bekannt. Es waren zwei Cents mehr als Analysten erwartet hatten, aber deutlich weniger als die 32 Cents des gleichen Vorjahreszeitraums.

Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf 10,58 Milliarden Dollar. Analysten hatten bloß zehn Milliarden Dollar erwartet. Der Nettogewinn betrug 394 Milliarden Dollar oder 9 Cents pro Aktie. Im Vorjahresquartal hatte der Medienkonzern noch einen Nettoverlust von 734 Milliarden Dollar gemacht.

Anlass zur Sorge gibt weiterhin die Internettochter AOL. Werbeeinnahmen sanken im zweiten Quartal um elf Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar.

Die Schwäche wurde allerdings mehr als ausgeglichen durch die Zuwächse im Film- und Abogeschäft. Der Umsatz der Filmsparte wuchs um 20 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar, dank der Videopremiere von Filmen wie "Harry Potter" und "Oceans Eleven". Das Abogeschäft legte 15 Prozent auf fünf Milliarden Dollar zu, getrieben von neuen AOL- und Kabelkunden.

Für das laufende dritte Quartal schraubte das Unternehmen seine Gewinnerwartungen allerdings herunter: Der Pro-Forma-Gewinn (Ebitda) werde im dritten Quartal voraussichtlich stagnieren oder nur leicht zulegen.

Der Umsatz soll im dritten Quartal im mittleren einstelligen Bereich wachsen. Für das Gesamtjahr peilt der Konzern ein Umsatzwachstum am oberen Ende der Spanne von fünf bis acht Prozent an.

Es war das zweite Quartal in Folge, dass der Konzern seine Quartalszahlen nach Negativschlagzeilen bekanntgab. Vor drei Monaten hatte AOL Time Warner durch eine rekordverdächtige Goodwill-Abschreibung den Wert der Fusion nachträglich halbiert. Vergangene Woche musste Chief Operating Officer Robert Pittman zurücktreten.

Der Konzern bestätigte auch, dass die US-Börsenaufsicht die Bilanzierungspraxis bei AOL untersuche.

Die AOL-Time-Warner-Aktie, die über 70 Prozent von ihrem Allzeithoch gefallen ist, verlor im nachbörslichen Handel weitere 85 Cents auf 10,70 Dollar.  
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Zahlen nur ein fauler Zauber?

 
25.07.02 09:17
Der weltgrößte Medienkonzern schreibt netto wieder schwarze Zahlen. Doch die US-Börsenaufsicht SEC traut den Buchungen nicht. Sie ermittelt wegen des Verdachts der Bilanzfälschung. Nachbörslich stürzte die Aktie ab.

New York – Die amerikanische Börsenaufsicht hat Ermittlungen gegen den Medienkonzern AOL Time Warner  aufgenommen. Auslöser sind Presseberichte über dubiose Angaben zu Werbeumsätzen. Vorstandschef Richard Parsons erklärte am Mittwoch nach Börsenschluss in New York, der Konzern unterstütze die Untersuchungen der Börsenaufsichtsbehörde SEC.

Zum Gegenstand der Ermittlung machte Parsons keine konkreten Angaben. Die Zeitung "Washington Post" hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass der Konzern unter anderem Anzeigenerlöse als eigene Einnahmen verbucht habe, die für das Internet-Auktionshaus eBay vermittelt worden seien. Außerdem soll AOL Time Warner Umsätze zwischen verschiedenen Abteilungen umgebucht haben. Parsons erklärte, alle Buchungsvorgänge seien korrekt.

Das Unternehmen gab die Ermittlungen der Börsenaufsicht anlässlich einer Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des zweiten Quartals bekannt. Demnach hat der Konzern im zweiten Quartal im Zuge eines unverändert schwachen Online-Geschäfts einen zum Vorjahr stagnierenden Gewinn vor Sonderposten ausgewiesen. Das Unternehmen schrieb jedoch erstmals seit Abschluss der Mega-Fusion von AOL und Time Warner vor rund 18 Monaten auch netto wieder schwarze Zahlen.

Schwaches Online-Geschäft überlagert starkes Filmgeschäft

Der Gewinn vor Sonderposten habe wie im Vorjahreszeitraum 0,24 Dollar je Aktie betragen, teilte AOL mit. Analysten hatten im Mittel nur mit 0,22 Dollar Gewinn je Aktie gerechnet. Der Nettogewinn betrug 394 Millionen Dollar nach einem Verlust von 734 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Im ersten Vierteljahr hatte AOL Time Warner wegen milliardenhoher Abschreibungen noch den höchsten Nettoverlust der US-Geschichte verbucht.

Der Quartalsumsatz legte binnen Jahresfrist um zehn Prozent auf 10,6 Milliarden Dollar zu und übertraf damit ebenfalls die Analystenprognosen von 10,02 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr prognostizierte AOL Time Warner ein Umsatzwachstum am oberen Ende der bereits zuvor genannten Bandbreite von fünf bis acht Prozent.

Im abgelaufenen Quartal florierte AOL Time Warner zufolge besonders das Filmgeschäft und auch die Fernsehkabelnetz-Sparte. Vor allem der Kino-Hit "Harry Potter und der Stein der Weisen" trug zum Erfolg der Filmsparte bei.

"Probleme beim Kundenwachstum dramtisch verschlechtert"

Die vergleichsweise schwachen Erträge der AOL-Sparte belasteten dagegen das Quartalsergebnis des Medienkonzerns. Der Online-Geschäftsbereich kämpft seit längerem mit sinkenden Werbeeinnahmen und schwächerem Wachstum des Kundenstamms. Die Sparte verzeichnete auf vergleichbarer Basis einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 473 Millionen Dollar nach 652 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Der Umsatz fiel auf 2,27 Milliarden Dollar von 2,33 Milliarden Dollar. In den vergangen drei Monaten meldeten sich zudem nur 492.000 neue Nutzer bei dem AOL-Online-Dienst an. Analysten hatten mit bis zu einer Millionen Neukunden gerechnet.

"Die Probleme beim Wachstum des Kundenstamms haben sich bei AOL dramatisch verschlechtert", sagte Analyst Jordan Rohan von SoundView Technology. AOL-Manager begründeten dies mit einem traditionell schwachen Zuwachs im zweiten Quartal, räumten aber ein, dass vor allem in Europa und Lateinamerika kaum oder gar keine neuen Kunden hinzu gekommen seien.

AOL-Aktien, die im Jahresverlauf bereits 65 Prozent an Wert verloren haben, sanken im außerbörslichen Instinet-Handel auf 10,60 Dollar, nachdem sie den regulären Handel an der Wall Street bei 11,40 Dollar beendet hatten. Analysten führten die Verluste auf Anlegersorgen wegen der offenbar begonnenen SEC-Prüfung der AOL-Bücher zurück. Rohan von SoundView Technology prognostizierte: "Diese Sache wird eine Zeit lang einen Schatten auf die Aktie werfen."

mm.de
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