Ungünstige Nutzerstruktur und teure Werbekampagne belasten jedoch weiter das Ergebnis
von Lutz Frühbrodt
Frankfurt/Hamburg - Der Onlinedienst AOL Deutschland kann seine Verluste im laufenden Geschäftsjahr offenbar deutlich verringern. Während das Hamburger Unternehmen 2002 bei einem Umsatz von 540 Mio. Euro ein Minus von 83 Mio. Euro schrieb, strebt die Geschäftsführung für dieses Jahr bei gleich hohen Erlösen einen Nettoverlust von 20 Mio. Euro an. Dies erfuhr die WELT aus Unternehmenskreisen.
Ein AOL-Sprecher wollte die Zahlen nicht kommentieren. Die Muttergesellschaft, der US-Medienkonzern AOL Time Warner, gibt für seine Auslandstöchter weder Umsatz noch Gewinn an. Die Deutschland-Dependance war im vorigen Jahr in die Krise geraten. Geschäftsführer Uwe Heddendorp wurde im Oktober 2002 durch den Franzosen Stan Laurent ersetzt, der Personal abgebaut, die Organisation gestrafft und eine "Qualitätsoffensive" ausgerufen hat.
"AOL könnte eigentlich schon in diesem Jahr rund 20 Mio. Euro Gewinn machen", heißt es in Unternehmenskreisen. Der monatliche Pauschaltarif für den schnellen Internetzugang DSL und die hohen Marketingausgaben für die neue Zugangssoftware "AOL 8.0" würden dies allerdings verhindern. Nach Informationen der WELT will AOL europaweit zwischen 130 und 150 Mio. Euro in die Werbekampagne für "8.0", die Anfang dieser Woche startet, investieren. Zum einen will der Onlinedienst damit neue Kunden gewinnen. AOL Deutschland hat derzeit rund 2,8 Millionen Abonnenten, was dem Vorjahresniveau entspricht. Zum anderen will AOL die bisher sehr hohe Wechselrate seiner Kundschaft von rund 30 Prozent verringern. Marktführer T-Online hat eine Wechselrate von lediglich sieben Prozent. Zugleich sollen die Bestandskunden motiviert werden, länger im Netz zu bleiben und zusätzliche AOL-Dienste zu nutzen.
Die Zugangssoftware enthält neben technischen Verbesserungen wie etwa einer leichteren Einwahl auch neue Dienste. Dazu gehört zum Beispiel die Möglichkeit, ein elektronisches Telegramm auf Handys zu schicken. Der Handy-Nutzer kann dann bei diesem neuen "Instant Messaging"-Dienst ebenfalls eine Nachricht postwendend an den AOL-Kunden zurücksenden. Dieser Dienst wie auch andere müssen vom Nutzer bezahlt werden und sind Bestandteil der Strategie Laurents, vermehrt auch kostenpflichtige Dienste und Inhalte anzubieten.
Die zweite Ursache für den Jahresverlust bilden die so genannten "Power User". Jeder zehnte Nutzer lädt derart viele Datenmengen aus dem Internet herunter, dass die daraus entstehenden Kosten den Preis für die DSL-Flatrate deutlich übersteigen. Da AOL über kein eigenes Netz verfügt, ist es auf die technische Plattform seines Partners Telefónica und dieser wiederum auf die Übertragungskapazitäten der Deutschen Telekom angewiesen. Diese werden nicht pauschal, sondern nach Volumen abgerechnet. Der deutlich größere Konkurrent T-Online erhält dagegen von seiner Muttergesellschaft Telekom große Mengenrabatte. Nach WELT-Informationen summierten sich die Netzwerkkosten von AOL Deutschland allein im Jahr 2002 auf 315 Mio. Euro, rund 60 Prozent davon mussten für die Durchleitung seitens der Telekom aufgebracht werden.
Der AOL-Chef Laurent hat auf das Problem reagiert, indem er vor kurzem den DSL-Pauschaltarif um 20 Prozent verteuert hat. Außerdem hat AOL Deutschland einen Volumentarif eingeführt: 5000 Megabyte kosten 19,90 Euro pro Monat. Dies sei für AOL die Schallmauer zwischen Gewinn und Verlust, heißt es in Unternehmenskreisen. Der Internetdienst müsse aber noch deutlich mehr "normale DSL-Nutzer" gewinnen, um das Kostenproblem mit den "Power Usern" in den Griff zu bekommen. Derzeit sind knapp 15 Prozent der AOL-Abonnenten DSL-Kunden. Ein Wert von über 30 Prozent wird angestrebt.
AOL Deutschland hat von der US-Muttergesellschaft die Vorgabe, 2004 über das gesamte Jahr profitabel zu arbeiten. In Unternehmenskreisen wird die Befürchtung geäußert, dass die deutsche Gesellschaft beim Verfehlen der Gewinnzone das gleiche Schicksal ereilen könnte wie die Töchter in Australien und Lateinamerika. Dort hat AOL sein Engagement stark zurückfahren müssen und pflegt jetzt nur noch seine Bestandskunden.
von Lutz Frühbrodt
Frankfurt/Hamburg - Der Onlinedienst AOL Deutschland kann seine Verluste im laufenden Geschäftsjahr offenbar deutlich verringern. Während das Hamburger Unternehmen 2002 bei einem Umsatz von 540 Mio. Euro ein Minus von 83 Mio. Euro schrieb, strebt die Geschäftsführung für dieses Jahr bei gleich hohen Erlösen einen Nettoverlust von 20 Mio. Euro an. Dies erfuhr die WELT aus Unternehmenskreisen.
Ein AOL-Sprecher wollte die Zahlen nicht kommentieren. Die Muttergesellschaft, der US-Medienkonzern AOL Time Warner, gibt für seine Auslandstöchter weder Umsatz noch Gewinn an. Die Deutschland-Dependance war im vorigen Jahr in die Krise geraten. Geschäftsführer Uwe Heddendorp wurde im Oktober 2002 durch den Franzosen Stan Laurent ersetzt, der Personal abgebaut, die Organisation gestrafft und eine "Qualitätsoffensive" ausgerufen hat.
"AOL könnte eigentlich schon in diesem Jahr rund 20 Mio. Euro Gewinn machen", heißt es in Unternehmenskreisen. Der monatliche Pauschaltarif für den schnellen Internetzugang DSL und die hohen Marketingausgaben für die neue Zugangssoftware "AOL 8.0" würden dies allerdings verhindern. Nach Informationen der WELT will AOL europaweit zwischen 130 und 150 Mio. Euro in die Werbekampagne für "8.0", die Anfang dieser Woche startet, investieren. Zum einen will der Onlinedienst damit neue Kunden gewinnen. AOL Deutschland hat derzeit rund 2,8 Millionen Abonnenten, was dem Vorjahresniveau entspricht. Zum anderen will AOL die bisher sehr hohe Wechselrate seiner Kundschaft von rund 30 Prozent verringern. Marktführer T-Online hat eine Wechselrate von lediglich sieben Prozent. Zugleich sollen die Bestandskunden motiviert werden, länger im Netz zu bleiben und zusätzliche AOL-Dienste zu nutzen.
Die Zugangssoftware enthält neben technischen Verbesserungen wie etwa einer leichteren Einwahl auch neue Dienste. Dazu gehört zum Beispiel die Möglichkeit, ein elektronisches Telegramm auf Handys zu schicken. Der Handy-Nutzer kann dann bei diesem neuen "Instant Messaging"-Dienst ebenfalls eine Nachricht postwendend an den AOL-Kunden zurücksenden. Dieser Dienst wie auch andere müssen vom Nutzer bezahlt werden und sind Bestandteil der Strategie Laurents, vermehrt auch kostenpflichtige Dienste und Inhalte anzubieten.
Die zweite Ursache für den Jahresverlust bilden die so genannten "Power User". Jeder zehnte Nutzer lädt derart viele Datenmengen aus dem Internet herunter, dass die daraus entstehenden Kosten den Preis für die DSL-Flatrate deutlich übersteigen. Da AOL über kein eigenes Netz verfügt, ist es auf die technische Plattform seines Partners Telefónica und dieser wiederum auf die Übertragungskapazitäten der Deutschen Telekom angewiesen. Diese werden nicht pauschal, sondern nach Volumen abgerechnet. Der deutlich größere Konkurrent T-Online erhält dagegen von seiner Muttergesellschaft Telekom große Mengenrabatte. Nach WELT-Informationen summierten sich die Netzwerkkosten von AOL Deutschland allein im Jahr 2002 auf 315 Mio. Euro, rund 60 Prozent davon mussten für die Durchleitung seitens der Telekom aufgebracht werden.
Der AOL-Chef Laurent hat auf das Problem reagiert, indem er vor kurzem den DSL-Pauschaltarif um 20 Prozent verteuert hat. Außerdem hat AOL Deutschland einen Volumentarif eingeführt: 5000 Megabyte kosten 19,90 Euro pro Monat. Dies sei für AOL die Schallmauer zwischen Gewinn und Verlust, heißt es in Unternehmenskreisen. Der Internetdienst müsse aber noch deutlich mehr "normale DSL-Nutzer" gewinnen, um das Kostenproblem mit den "Power Usern" in den Griff zu bekommen. Derzeit sind knapp 15 Prozent der AOL-Abonnenten DSL-Kunden. Ein Wert von über 30 Prozent wird angestrebt.
AOL Deutschland hat von der US-Muttergesellschaft die Vorgabe, 2004 über das gesamte Jahr profitabel zu arbeiten. In Unternehmenskreisen wird die Befürchtung geäußert, dass die deutsche Gesellschaft beim Verfehlen der Gewinnzone das gleiche Schicksal ereilen könnte wie die Töchter in Australien und Lateinamerika. Dort hat AOL sein Engagement stark zurückfahren müssen und pflegt jetzt nur noch seine Bestandskunden.