Anti-Globalisierung: Wie man jährlich 300 Milliarden Mark einspart!
Ein Mittel gegen Devisenspekulationen
Eine Idee, die in den 70er-Jahren der US-amerikanische Ökonom und Nobelpreisträger James Tobin angeregt hat, und die seitdem unter dem Namen Tobin-Steuer diskutiert wird. Die Befürworter hoffen, dass schon ein geringer Steuersatz von 0,1 Prozent auf die rund vier Billionen Mark, die täglich rund um den Globus bewegt werden, spekulative Währungsgeschäfte, die sich geringe Zins- und Kursunterschiede zu Nutze machen, einschränken würde. Wechselkursschwankungen, die Wirtschaftskrisen in einzelnen Staaten hervorrufen oder verstärken können, sollen so verhindert werden. Dagegen würden Investitionen und Geldflüsse zur Handelsabwicklung kaum berührt, weil dabei 0,1 Prozent zusätzliche Kosten keine Rolle spielen. Außerdem kämen so jedes Jahr mehr als 300 Milliarden Mark Steuereinnahmen herein, die dann für Entwicklungsprojekte genutzt werden könnten.
Globalisierungsproteste kein neues Phänomen
Bereits Mitte der80er-Jahre kam es am Rande des Weltwirtschaftgipfels in Bonn zu Demonstrationen. 1988 fand im kanadischen Toronto zum ersten Mal ein „anderer Weltwirtschaftsgipfel“ als Protestveranstaltung statt. Und im selben Jahr gab es einen Gegenkongress und eine Demonstration mit 80000 Teilnehmern gegen die Jahrestagung von Weltwährungsfonds und Weltbank in West-Berlin. Auch in den 90er-Jahren gab es kaum große Wirtschaftskonferenzen und Tagungen ohne Proteste. Ein Höhepunkt war 1999 – Seattle. Die Tagung der Welthandelsorganisation war von massiven Protesten und einem heftigen Polizeieinsatz begleitet. Ein breites Bündnis von Kommunisten bis zu den US-Gewerkschaften machte – aus völlig unterschiedlichen Gründen – Front gegen die neue Runde in der Liberalisierung des Welthandels. Während die einen die Ausbeutung der ärmsten Länder anprangerten, sahen die anderen durch mögliche Billig-Konkurrenz ihre Jobs bedroht. Am Ende scheiterte die Konferenz, die Delegierten reisten unverrichteter Dinge ab. „Was in Seattle passierte, war ein wichtiger Sieg – ein symbolischer Sieg. Es war das erste Mal, dass Bewegungen aus der ganzen Welt in dieser Weise zusammenkamen“ schwärmt der französische Globalisierungsgegner Jose Bove. Seitdem wird der Protest ernst genommen. Zu Recht, denn Umfragen zeigen, dass die Kritik an der Weltwirtschaft Wirkung zeigt. Immerhin 65 Prozent der Deutschen haben Verständnis für friedliche Proteste der Globalisierungsgegner, nur 33 Prozent haben nichts dafür übrig. .....
Für Oliver Moldenhauer von Attac (franz. Abkürzung für: Aktion für eine Toboin-Steuer als Bürgerhilfe ins Leben rufen) ist das keine Überraschung: „Der Wohlstand ist auf der Welt immer noch ungerecht verteilt, und statt besser wird es mit zunehmender Globalisierung für alle sichtbar immer schlimmer.“ So leben 1,3 Milliarden Menschen von weniger als einem Dollar am Tag. Drei Milliarden Menschen müssen mit weniger als zwei Dollar täglich auskommen. „Das ist wie Fußballspielen am Hang“ sagt Moldenhauer. Und genau wie beim Fußballspiel sind die Regeln, nach denen gespielt wird, keine Naturgesetze, sondern vom Menschen gemacht.
Auszug aus: Steuern statt Steine, Themenbeilage der Märkischen Allgemeinen, 19.07.2001
Fortsetzung folgt
Ein Mittel gegen Devisenspekulationen
Eine Idee, die in den 70er-Jahren der US-amerikanische Ökonom und Nobelpreisträger James Tobin angeregt hat, und die seitdem unter dem Namen Tobin-Steuer diskutiert wird. Die Befürworter hoffen, dass schon ein geringer Steuersatz von 0,1 Prozent auf die rund vier Billionen Mark, die täglich rund um den Globus bewegt werden, spekulative Währungsgeschäfte, die sich geringe Zins- und Kursunterschiede zu Nutze machen, einschränken würde. Wechselkursschwankungen, die Wirtschaftskrisen in einzelnen Staaten hervorrufen oder verstärken können, sollen so verhindert werden. Dagegen würden Investitionen und Geldflüsse zur Handelsabwicklung kaum berührt, weil dabei 0,1 Prozent zusätzliche Kosten keine Rolle spielen. Außerdem kämen so jedes Jahr mehr als 300 Milliarden Mark Steuereinnahmen herein, die dann für Entwicklungsprojekte genutzt werden könnten.
Globalisierungsproteste kein neues Phänomen
Bereits Mitte der80er-Jahre kam es am Rande des Weltwirtschaftgipfels in Bonn zu Demonstrationen. 1988 fand im kanadischen Toronto zum ersten Mal ein „anderer Weltwirtschaftsgipfel“ als Protestveranstaltung statt. Und im selben Jahr gab es einen Gegenkongress und eine Demonstration mit 80000 Teilnehmern gegen die Jahrestagung von Weltwährungsfonds und Weltbank in West-Berlin. Auch in den 90er-Jahren gab es kaum große Wirtschaftskonferenzen und Tagungen ohne Proteste. Ein Höhepunkt war 1999 – Seattle. Die Tagung der Welthandelsorganisation war von massiven Protesten und einem heftigen Polizeieinsatz begleitet. Ein breites Bündnis von Kommunisten bis zu den US-Gewerkschaften machte – aus völlig unterschiedlichen Gründen – Front gegen die neue Runde in der Liberalisierung des Welthandels. Während die einen die Ausbeutung der ärmsten Länder anprangerten, sahen die anderen durch mögliche Billig-Konkurrenz ihre Jobs bedroht. Am Ende scheiterte die Konferenz, die Delegierten reisten unverrichteter Dinge ab. „Was in Seattle passierte, war ein wichtiger Sieg – ein symbolischer Sieg. Es war das erste Mal, dass Bewegungen aus der ganzen Welt in dieser Weise zusammenkamen“ schwärmt der französische Globalisierungsgegner Jose Bove. Seitdem wird der Protest ernst genommen. Zu Recht, denn Umfragen zeigen, dass die Kritik an der Weltwirtschaft Wirkung zeigt. Immerhin 65 Prozent der Deutschen haben Verständnis für friedliche Proteste der Globalisierungsgegner, nur 33 Prozent haben nichts dafür übrig. .....
Für Oliver Moldenhauer von Attac (franz. Abkürzung für: Aktion für eine Toboin-Steuer als Bürgerhilfe ins Leben rufen) ist das keine Überraschung: „Der Wohlstand ist auf der Welt immer noch ungerecht verteilt, und statt besser wird es mit zunehmender Globalisierung für alle sichtbar immer schlimmer.“ So leben 1,3 Milliarden Menschen von weniger als einem Dollar am Tag. Drei Milliarden Menschen müssen mit weniger als zwei Dollar täglich auskommen. „Das ist wie Fußballspielen am Hang“ sagt Moldenhauer. Und genau wie beim Fußballspiel sind die Regeln, nach denen gespielt wird, keine Naturgesetze, sondern vom Menschen gemacht.
Auszug aus: Steuern statt Steine, Themenbeilage der Märkischen Allgemeinen, 19.07.2001
Fortsetzung folgt