Ansehnliche Renditen in fast allen Kategorien


Thema
abonnieren
Beitrag: 1
Zugriffe: 276 / Heute: 3
Happy End:

Ansehnliche Renditen in fast allen Kategorien

 
27.12.04 07:31
Es gibt wohl nur wenige Anleger, die in diesem Jahr nicht ansehnliche Renditen erzielt haben - egal ob sie Aktien, Anleihen oder Rohstoffderivate im Depot haben. Angesichts der vielen Sorgen um hohe Ölpreise, Terror, Zinserhöhungen, Amerikas Zwillingsdefizite und die fortgesetzte Dollarabwertung ist dies ein bemerkenswertes Ergebnis.


Allerdings war das Jahr 2004 auch ein Jahr, das der Welt wahrscheinlich das höchste Wirtschaftswachstum seit 20 Jahren beschert hat. Und trotz dieses Booms fahren die meisten Zentralbanken immer noch eine Politik des billigen Geldes. In der Folge schwappt viel Liquidität über die Märkte, mit den entsprechenden Folgen für die Vermögenspreise.

Bilanz war unerwartet

Die wohl überraschendste Folge dieser Liquiditätsschwemme ist die fortgesetzte Hausse am Rentenmarkt. Es gab zu Jahresbeginn kaum einen Zinsauguren, der mit Blick auf eine erwartete Zinswende nicht zum Rückzug aus dem Rentenmarkt geblasen hatte. Statt dessen nahm der Bund-Future, der Terminkontrakt auf langlaufende Bundesanleihen, schon wiederholt Anlauf auf sein bisheriges Rekordhoch von 120 Prozent. Und Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank sind nicht in Sicht. Langlaufende Bundesanleihen warfen deshalb in diesem Jahr ein weiteres Mal hohe einstellige Renditen ab.

Ähnlich fällt - freilich weniger überraschend - die Bilanz für Aktienbesitzer aus. Der Deutsche Aktienindex Dax ist seit Jahresbeginn um gut 7 Prozent gestiegen. Allerdings ist das Bild am Aktienmarkt weniger homogen als am Rentenmarkt. Für Anleger, die nicht in die großen Standardwerte investierten, sieht die Rechnung oft ganz anders aus. So ist der Index für mittelgroße Werte, der M-Dax, seit Jahresbeginn um satte 20 Prozent gestiegen, während der Technologieindex Tec-Dax immer noch mit knapp 4 Prozent im Minus liegt.

Abnehmendes Wirtschaftswachstum gut für den Aktienmarkt?

Den Prognosen der Kapitalmarktexperten zufolge wird sich dieses Kapitalmarkt-Nirwana im kommenden Jahr nicht mehr fortsetzen. Ihnen fehlt - wie schon vor einem Jahr - die Phantasie für weitere Kursgewinne am Rentenmarkt. Allerdings besteht auch Konsens darüber, daß sich der erwartete Renditeanstieg in Grenzen halten wird. Denn sieht man einmal von der amerikanischen Zentralbank ab, werden Zinserhöhungen in der westlichen Welt rar bleiben, nicht zuletzt weil das Wirtschaftswachstum abflachen wird. In Japan und im Euro-Raum ist mit einem Wachstum von jeweils weniger als 2 Prozent zu rechnen. Das sind keine Rahmenbedingungen für einen Crash am Rentenmarkt.

Auf den ersten Blick erstaunlich ist der fortgesetzte, wenn auch verhaltenere Optimismus für den Aktienmarkt. Nach einer Bankenumfrage dieser Zeitung wird der Dax im nächsten Jahr fast auf 4600 Punkte steigen, was einem Indexgewinn von nochmals gut 7 Prozent entspräche. Nach einer ähnlichen Umfrage der "BusinessWeek" bei amerikanischen Brokerhäusern wird der S&P 500 auf 1270 Punkte klettern, ein weiteres Plus von 5 Prozent. Man darf bei diesen Umfragen zwar nicht vergessen, daß die Marktstrategen oft notorisch optimistische Zeitgenossen sind. Die Vergangenheit hat jedoch auch gezeigt, daß Jahre mit abnehmendem Wirtschaftswachstum und rückläufigem Gewinnwachstum oft gute Jahre für den Aktienmarkt sind. Die Experten von Morgan Stanley haben in Europa seit 1970 insgesamt 15 solcher Jahre mit sinkendem Gewinnwachstum ausgemacht. In zwölf dieser 15 Jahre ist der Aktienmarkt gestiegen - im Durchschnitt sogar um 19 Prozent. Allerdings sind es nicht zyklische Werte, die in solchen Phasen gut abschneiden, sondern eher defensive Branchen wie Einzelhandel, Nahrungsmittel oder Pharma.

"Mind the Dollar"

Die Optimisten unter den Aktienpropheten haben freilich noch weitere Argumente auf ihrer Seite: Dazu gehören neben den historisch betrachtet immer noch niedrigen Bewertungen ein wieder aktionärsfreundlicheres Umfeld. 2004 ist das Jahr, in dem viele Unternehmen ihre von Anleihegläubigern eingeforderte bilanzielle Konsolidierung abgeschlossen und sich wieder verstärkt ihren Aktionären zugewendet haben. Gerade große kapitalstarke Firmen, die sich in reifen Märkten bewegen, aber stabile Erträge erwirtschaften, reichen ihre Überschußliquidität über Aktienrückkäufe und höhere Dividenden an ihre Aktionäre zurück.

Über all diesen schönen Ausblicken der Banken hängt freilich ein großer Warnhinweis: "Mind the Dollar". Anlegern wird hierzulande nicht nur geraten, einen großen Bogen um den Dollar zu machen. Von einer beschleunigten Dollarabwertung geht auch die größte Gefahr für die Aktien- und Anleihemärkte aus. Am Freitag stieg der Euro auf einen neuen Rekordkurs von 1,3548 Dollar. Doch woran können Anleger festmachen, wann die Dollarabwertung eine für Konjunktur und Finanzmärkte gefährliche Dimension annimmt? An den amerikanischen Finanzmärkten. Wenn es dort zu einem stetigen Anstieg der Anleiherenditen kommen und gleichzeitig die Aktienkurse fallen würden, wäre dies ein Indiz für eine einsetzende Vertrauenskrise. Beides ist derzeit nicht in Sicht. Die Anleiherenditen sind trotz Zinswende so niedrig wie zu Jahresbeginn. Und die Aktienkurse sind so hoch wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr.

Quelle: www.faz.net/s/...ED8F18A3C5551BD826~ATpl~Ecommon~Scontent.html target="_new" rel="nofollow">faznet.de
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--