Israelischer Tourismusminister Zeevi bei Anschlag schwer verletzt
"Volksfront für die Befreiung Palästinas" bekennt sich zu Attentat
--------------------------------------------------
Jerusalem - Der Chef der rechtsextremen israelischen Partei "Nationale Union" und zurückgetretene Tourismusminister Rehavam Zeevi ist am Mittwoch in einem Hotel in Ostjerusalem angeschossen und schwer verletzt worden. Wie die Polizei mitteilte, ereignete sich der Vorfall im Hyatt-Hotel, das in der Nähe palästinensischer Wohngebiete im arabischen Ostteil der Stadt liegt. Zeevi wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo Ärzte seinen Zustand als ernst bezeichneten. Der 75-jährige Politiker soll in den Kopf getroffen worden sein.
Nach ersten Angaben der Behörden wurden drei Schüsse auf den Politiker abgegeben, als er sein Hotelzimmer betrat. Zeevis Ehefrau fand den schwer verletzten Minister, sagte ein Polizeisprecher.
"Volksfront für die Befreiung Palästinas" bekennt sich zu Anschlag
Ein anonymer Sprecher der marxistischen PLO-Teilorganisation "Volksfront für die Befreiung Palästinas" (PFLP) hat am Mittwoch die Verantwortung der Bewegung für den Anschlag auf den rechtsextremen israelischen Politiker Rehavam Zeevi übernommen. Der PFLP-Sprecher äußerte sich gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP. Die israelische Armee hatte im vergangenen August den PFLP-Chef Abu Ali Mustafa durch einen Raketenangriff in Ramallah getötet. Mustafa hatte im Vorjahr den PFLP-Gründer Georges Habash, einen langjährigen Gegenspieler von Palästinenser-Präsident Yasser Arafat, an der Spitze der 1967 gegründeten Organisation abgelöst.
Unmittelbar nach dem Anschlag auf Zeevi in einem Hotel in Ostjerusalem wurde das Gebiet von der Polizei hermetisch abgeriegelt. Augenzeugen beschrieben die Situation als chaotisch.
Am Montag zurückgetreten
Zeevi hatte am Montag seinen Austritt aus der Regierung von Ministerpräsident Ariel Sharon erklärt. Die Demission sollte am (heutigen) Mittwoch wirksam werden. Seinen Austritt aus dem Kabinett hatte Zeevi mit den jüngsten von den USA erzwungenen Bemühungen um eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit den Palästinensern und mit dem militärischen Rückzug aus Teilen von Hebron begründet. Der palästinensische Präsident Yasser Arafat sei kein Partner für den friedlichen Dialog, betonte Zeevi, der im Kabinett unter anderem vorgeschlagen hatte, das Haus Arafats in Gaza bombardieren zu lassen.
Zeevi hatte in der Vergangenheit mit abfälligen Bemerkungen über Araber mehrfach für Negativschlagzeilen gesorgt. So bezeichnete er illegal in Israel arbeitende Palästinenser als "Läuse" und "Krebsgeschwür", derer sich Israel erwehren müsse. Die "Nationale Union" tritt für die Ausweisung aller unter israelischer Herrschaft lebender Araber ein.
Der ehemalige Generalstabsoffizier Zeevi hatte 1988 die Partei Moledet (Heimatland) gegründet und die Vertreibung der arabischen Bevölkerung aus den besetzten Gebieten propagiert, um ein "Groß-Israel" zu errichten. Seine Partei wurde 1999 in Nationale Union umbenannt. Sie verfügt derzeit in der Knesset über vier Mandate und ist eine Allianz mit der osteuropäischen Einwandererpartei "Israel Beiteinu" des ebenfalls zurückgetretenen Infrastrukturministers Avigdor Lieberman eingegangen. (APA/AP)