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Anlegerbarometer

 
29.11.05 09:26
HANDELSBLATT, Dienstag, 29. November 2005, 07:53 Uhr


Anlegerbarometer


Anleger gehen skeptisch ins neue Jahr


Von Ulf Sommer


Die Aktienkurse werden 2006 kaum zulegen. Das glaubt die große Mehrheit der deutschen Anleger. Als Störfeuer sehen sie den Euro und das Öl, die sich beide vermutlich wieder verteuern.


DÜSSELDORF. Eher pessimistisch beurteilen Deutschlands Anleger die Aussichten für den Aktienmarkt im kommenden Jahr. Die große Mehrheit erwartet keine nennenswerten Kurszuwächse. Stattdessen werden der Ölpreis und der Euro-Kurs wieder zulegen. Das ist das Ergebnis der monatlichen Anlegerumfrage des Handelsblatts und des Bankhauses Trinkaus & Burkhardt (siehe "Anleger-Barometer").

Knapp die Hälfte der 1 000 Befragten rechnet damit, dass der Deutsche Aktienindex (Dax) im neuen Jahr zwischen 5 000 und 5 500 Punkten schwanken wird. Ein Viertel erwartet Kursrückgänge unter die Marke von 5 000 Punkten. Nur ein Viertel sieht deutlich anziehende Notierungen oberhalb von 5 500 Punkten. Gestern stieg der Dax über 5 200 Zähler und notierte so hoch wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr.

Damit überwiegt nach der kräftigen Rally, die dem Dax seit Frühjahr 2003 ein Plus von 140 Prozent bescherte, keineswegs Optimismus. Dieser hatte die Märkte während des Börsenbooms Ende der neunziger Jahre beherrscht, als der Dax auf über 8 000 Punkte geklettert war.

Vor allem jüngere Börsianer, die überdurchschnittlich viel Geld nach der geplatzten Technologie-Euphorie verloren hatten, gehören jetzt zu den größten Pessimisten. Nur ein Fünftel der 18- bis 29-Jährigen sieht den Dax 2006 nennenswert steigen, ein Drittel jedoch deutlich fallen. Die über 60-Jährigen sind die optimistischsten. In dieser Altersgruppe rechnen 36 Prozent mit einem Dax oberhalb von 5 500 Punkten.

Insgesamt blicken Deutschlands Anleger skeptischer in die Zukunft als die meisten Analysten der Investmentbanken. Gegenüber dem Handelsblatt prognostizierten die fünf größten und hinsichtlich der Gewinnschätzungen fünf besten Investmenthäuser, dass der Dax zur Jahresmitte bei 5 539 Punkten steht. Die Schätzungen reichen von 5 300 bei der BayernLB bis 5 800 bei der Hamburger Privatbank M.M. Warburg.



Allerdings fällt auf, dass die meisten Investmentbanken das erste Halbjahr 2006 positiver beurteilen als die zweite Hälfte. Denn die tragenden Säulen für den Kursaufschwung - stabile Weltwirtschaft und steigende Gewinnentwicklung der Unternehmen - dürften an Einfluss verlieren. Ebenso wie die vom Handelsblatt befragten Häuser warnt auch das Team von Helaba Trust in seinem Ausblick davor, dass die Konjunktur in den USA an Fahrt verlieren wird. Die Landesbanker sagen einen Dax-Höchststand von 5 500 Punkten voraus, rechnen dann aber mit einem Rückfall auf 5 000 Zähler. Die Experten sehen auch die erwarteten Zinserhöhungen in Euro-Land - am Donnerstag dürften die Währungshüter den ersten Zinsschritt vollziehen - als Belastungsfaktor.

Deutschlands Anleger fürchten mit dem Öl und dem Euro weitere Störfeuer. Ein zu teurer Rohstoff belastet Verbraucher und Firmen, weil sie auf Grund hoher Energiekosten weniger Geld für Konsum und Investitionen ausgeben können. Ein starker Euro verteuert heimische Produkte im Dollarraum. Das geht zu Lasten der vielen exportorientierten Dax-Konzerne.

82 Prozent der befragten Anleger erwarten, dass ein Barrel (159 Liter) der in Europa maßgeblichen Ölsorte Brent im kommenden Jahr mehr als 55 Dollar kosten wird. Mehr als ein Drittel der Anleger prognostiziert sogar 65 und mehr Dollar. Nur eine kleine Minderheit von sechs Prozent rechnet mit Preisen unterhalb von 50 Dollar. Gestern kostete ein Barrel 52 Dollar, nach dem Rekordhoch von fast 70 Dollar Anfang September.

Daneben richten sich die Anleger auch auf einen wieder anziehenden Euro-Kurs ein. Nur 21 Prozent der Befragten sehen die Gemeinschaftswährung, die seit ihrem Rekordhoch von 1,36 Dollar zu Jahresbeginn auf 1,17 Dollar gefallen ist, weiter an Wert verlieren. Demgegenüber erwarten jedoch 52 Prozent der Anleger Kurse von 1,20 Dollar und mehr.

Anlegerbarometer

Die Finanzmärkte stehen im Mittelpunkt der größten repräsentativen und regelmäßigen Anlegerbefragung in Deutschland. Monatlich befragt das weltweit tätige Düsseldorfer Marktforschungsinstitut AMR im Auftrag von HSBC Trinkaus & Burkhardt und in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt 1 000 Anleger. Die Auswahl erfolgt aus der höheren Einkommens- und Bildungsschicht, nach Regionen, Ortsgrößen undWahlbezirken geordnet. Die Stichprobe wird aus 60 000 Haushalten gezogen, die Fehlertoleranz liegt bei plus/minus fünf Prozent.





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