Anleger sollten sich vom Bären nicht ins Bockshorn jagen lassen
New York, 27. März (Bloomberg) - Gier ist ein schlechter Ratgeber bei Investments, aber genauso schlecht ist die Angst. Anleger, die jetzt in einen Fonds wechseln, der in schlechten Börsenzeiten gute Gewinne einfährt, sollten auf der Hut sein, warnt Bloomberg-Kolumnist Chet Currier. Sie könnten eine böse Überraschung erleben, wenn der Markt sich wieder erholt.
Wenn bei einem Campingausflug in der Wildnis nachts die Bären ums Zelt schleichen, wünscht sich der Hobbycamper, er wäre nie aufs Campen verfallen. Ähnliches dürfte der Privatanleger empfinden, dem der Bär an der Börse empfindlich am Portfolio knabbert. Hätte ich mein Geld doch irgendwo angelegt, bloß nicht in diesen fallsüchtigen Aktien, stöhnt er. Oder wenigstens in einem Aktienfonds, der dem Bären die Krallen zeigt und eine Baisse unbeschadet übersteht. Aber Vorsicht: der Umstieg in einen Fonds, der in der Baisse gut aussieht, dürfte die Probleme des Anlegers nur verschlimmern. Denn woher soll er wissen, wann es Zeit ist, wieder auf einen ,Bullen-Fonds umzusteigen? An der Klippe des richtigen "Timings" für solch einen Umstieg sind schon viele Anleger gescheitert.
Chet Currier hat sich die 12 Aktienfonds US-amerikanischer Anbieter angeschaut, die im düsteren Börsenumfeld dieses Jahres bisher am besten abgeschnitten haben. Von den 12 Top-Fonds sind überhaupt nur sieben alt genug, um Drei-Jahres-Ergebnisse zu liefern. Fünf der sieben haben in den letzten drei Jahren ihren Anlegern Verluste zwischen fünf und 27 Prozent pro Jahr eingebracht. Dabei sollte man allerdings nicht außer acht lassen, dass drei der fünf Verlierer - der Potomac OTC Short Fund und zwei Ultra-Fonds von ProFund - sogenannte ,Bären-Fonds" sind. Sie sind darauf ausgelegt, in einem schwachen Börsenumfeld zuzulegen, indem sie Aktien leerverkaufen oder mit Futures und Optionen eine Baisse-Strategie verfolgen. Diese Fonds haben bis zum 23. März einen Wertzuwachs von 24 bis 32 Prozent eingefahren, also genau das, was der Anleger von ihnen erwarten kann. Ebenso ist in Haussezeiten wie den späten 90er Jahren mit kräftigen Verlusten bei solchen Fonds zu rechnen.
Doch wenn der Trend am Aktienmarkt langfristig nach unten zeigen würde, wären diese Fonds die idealen Anlageinstrumente. Aber diese unwahrscheinliche Möglichkeit lässt sich auch mit einer stabileren Anlage absichern, beispielsweise Staatsanleihen oder einem konservativ verwalteten Geldmarktfonds. Diese Investments bringen nämlich auch dann etwas ein, wenn sich der Pessimismus als unbegründet erweist. Wenn aber, was entschieden wahrscheinlicher ist, der langfristige Trend am Aktienmarkt nach oben zeigt, machen Bärenfonds nur mit dem richtigen Timing Sinn - das kaum ein Anleger erreichen kann.
Bei den restlichen Gewinnerfonds in diesem Jahr handelt es sich um einen ziemlich zusammengewürfelten Haufen: ein Russland- Fonds, ein Fonds für kleine asiatische Unternehmen und einige ,Small Value"-Fonds, Substanzwertfonds, die in kleine US- Unternehmen investieren. Abgesehen von der letzten Kategorie sind alle eher Stiefkinder der Fondsfamilie. Kleine Unternehmen mit Substanzwert sind schon seit langem ein guter Bereich für Fondsmanager, die dort nach wenig beachteten Perlen suchen. Der Dreyfus Small Company Value Fund kann nicht nur für 2001 einen Wertzuwachs von 15 Prozent verbuchen, sondern bietet für den Dreijahreszeitraum einen durchschnittlichen Zuwachs von 8,1 Prozent und auf fünf Jahre sogar 17 Prozent.
Die Stimmung in dieser Kategorie kann allerdings sehr schnell umschlagen. Unter acht von dem Beratungsunternehmen Callan Associates berechneten Anlagekategorien kam ein Index für kleine Substanzwertunternehmen, der Russell 2000 Value Index, im Jahr 2000 auf den ersten Platz, nachdem er in den beiden vorhergehenden Jahren das Schlusslicht gebildet hatte. Auch in Baissejahren schneidet der Russell 2000 nicht automatisch gut ab. 1990 fiel der Index um 22 Prozent, 1994 immerhin noch um 1,5 Prozent, berichtet Callan. ,Small Value"-Fonds sind eine gute Anlagemöglichkeit für einen Teil des Vermögens, allerdings eher aus allgemeinen Erwägungen denn wegen ihres guten Abschneidens in einer Baisse.
Und nachdem jetzt alle Alternativen abgehakt sind, gilt der Lehrsatz vom Anfang des Artikels noch immer: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Ein Anleger sollte nie einen Fonds aufgrund seines guten Abschneidens in einer Baisse auswählen - es sei denn, er ist davon überzeugt, dass die Bären noch für eine lange, lange Zeit auf dem Börsenparkett tanzen werden.
New York, 27. März (Bloomberg) - Gier ist ein schlechter Ratgeber bei Investments, aber genauso schlecht ist die Angst. Anleger, die jetzt in einen Fonds wechseln, der in schlechten Börsenzeiten gute Gewinne einfährt, sollten auf der Hut sein, warnt Bloomberg-Kolumnist Chet Currier. Sie könnten eine böse Überraschung erleben, wenn der Markt sich wieder erholt.
Wenn bei einem Campingausflug in der Wildnis nachts die Bären ums Zelt schleichen, wünscht sich der Hobbycamper, er wäre nie aufs Campen verfallen. Ähnliches dürfte der Privatanleger empfinden, dem der Bär an der Börse empfindlich am Portfolio knabbert. Hätte ich mein Geld doch irgendwo angelegt, bloß nicht in diesen fallsüchtigen Aktien, stöhnt er. Oder wenigstens in einem Aktienfonds, der dem Bären die Krallen zeigt und eine Baisse unbeschadet übersteht. Aber Vorsicht: der Umstieg in einen Fonds, der in der Baisse gut aussieht, dürfte die Probleme des Anlegers nur verschlimmern. Denn woher soll er wissen, wann es Zeit ist, wieder auf einen ,Bullen-Fonds umzusteigen? An der Klippe des richtigen "Timings" für solch einen Umstieg sind schon viele Anleger gescheitert.
Chet Currier hat sich die 12 Aktienfonds US-amerikanischer Anbieter angeschaut, die im düsteren Börsenumfeld dieses Jahres bisher am besten abgeschnitten haben. Von den 12 Top-Fonds sind überhaupt nur sieben alt genug, um Drei-Jahres-Ergebnisse zu liefern. Fünf der sieben haben in den letzten drei Jahren ihren Anlegern Verluste zwischen fünf und 27 Prozent pro Jahr eingebracht. Dabei sollte man allerdings nicht außer acht lassen, dass drei der fünf Verlierer - der Potomac OTC Short Fund und zwei Ultra-Fonds von ProFund - sogenannte ,Bären-Fonds" sind. Sie sind darauf ausgelegt, in einem schwachen Börsenumfeld zuzulegen, indem sie Aktien leerverkaufen oder mit Futures und Optionen eine Baisse-Strategie verfolgen. Diese Fonds haben bis zum 23. März einen Wertzuwachs von 24 bis 32 Prozent eingefahren, also genau das, was der Anleger von ihnen erwarten kann. Ebenso ist in Haussezeiten wie den späten 90er Jahren mit kräftigen Verlusten bei solchen Fonds zu rechnen.
Doch wenn der Trend am Aktienmarkt langfristig nach unten zeigen würde, wären diese Fonds die idealen Anlageinstrumente. Aber diese unwahrscheinliche Möglichkeit lässt sich auch mit einer stabileren Anlage absichern, beispielsweise Staatsanleihen oder einem konservativ verwalteten Geldmarktfonds. Diese Investments bringen nämlich auch dann etwas ein, wenn sich der Pessimismus als unbegründet erweist. Wenn aber, was entschieden wahrscheinlicher ist, der langfristige Trend am Aktienmarkt nach oben zeigt, machen Bärenfonds nur mit dem richtigen Timing Sinn - das kaum ein Anleger erreichen kann.
Bei den restlichen Gewinnerfonds in diesem Jahr handelt es sich um einen ziemlich zusammengewürfelten Haufen: ein Russland- Fonds, ein Fonds für kleine asiatische Unternehmen und einige ,Small Value"-Fonds, Substanzwertfonds, die in kleine US- Unternehmen investieren. Abgesehen von der letzten Kategorie sind alle eher Stiefkinder der Fondsfamilie. Kleine Unternehmen mit Substanzwert sind schon seit langem ein guter Bereich für Fondsmanager, die dort nach wenig beachteten Perlen suchen. Der Dreyfus Small Company Value Fund kann nicht nur für 2001 einen Wertzuwachs von 15 Prozent verbuchen, sondern bietet für den Dreijahreszeitraum einen durchschnittlichen Zuwachs von 8,1 Prozent und auf fünf Jahre sogar 17 Prozent.
Die Stimmung in dieser Kategorie kann allerdings sehr schnell umschlagen. Unter acht von dem Beratungsunternehmen Callan Associates berechneten Anlagekategorien kam ein Index für kleine Substanzwertunternehmen, der Russell 2000 Value Index, im Jahr 2000 auf den ersten Platz, nachdem er in den beiden vorhergehenden Jahren das Schlusslicht gebildet hatte. Auch in Baissejahren schneidet der Russell 2000 nicht automatisch gut ab. 1990 fiel der Index um 22 Prozent, 1994 immerhin noch um 1,5 Prozent, berichtet Callan. ,Small Value"-Fonds sind eine gute Anlagemöglichkeit für einen Teil des Vermögens, allerdings eher aus allgemeinen Erwägungen denn wegen ihres guten Abschneidens in einer Baisse.
Und nachdem jetzt alle Alternativen abgehakt sind, gilt der Lehrsatz vom Anfang des Artikels noch immer: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Ein Anleger sollte nie einen Fonds aufgrund seines guten Abschneidens in einer Baisse auswählen - es sei denn, er ist davon überzeugt, dass die Bären noch für eine lange, lange Zeit auf dem Börsenparkett tanzen werden.