Aktionäre müssen bei Hauptversammlungen nicht mehr direkt vor Ort sein
Anleger sind vermehrt online präsent
Anleger, die auf der heutigen Hauptversammlung (HV) von Volkswagen nicht in Hamburg vor Ort sein wollen, können die Rede von Vorstandschef Bernd Pischetsrieder ab 10 Uhr auch über das »Internet verfolgen. VW ist dabei nur ein Beispiel für nahezu alle deutschen Großkonzerne, die ihren Aktionären inzwischen die Teilnahme über das Worldwideweb ermöglichen.
FRANKFURT/M. Die Tendenz unter den 30 Dax-Unternehmen zeigt, dass der Service zu Gunsten der Aktionäre in diesem Jahr gegenüber der HV-Saison 2004 noch einmal ausgebaut wurde.
Der Volkswagen-Konzern ist nach Thyssen Krupp, Siemens und Daimler Chrysler das vierte Dax-Unternehmen, das in diesem Jahr zur Hauptversammlung lädt. Den Abschluss der diesjährigen HV-Saison bildet Linde. Der Industrie-Konzern hat als letztes Dax-Unternehmen seine Aktionäre am 8. Juni nach München geladen.
Die Möglichkeiten, innerhalb derer die Anleger das Internet zur HV-Teilnahme nutzen können, gehen jedoch weit auseinander. Von der Einladung per E-Mail über die visuelle Teilnahme bis hin zu einem Internet-gestützten Vollmachts- und Weisungssystem, das beispielsweise der Automobilzulieferer Continental seinen Aktionäre anbietet, reicht ds Spektrum.
Die Resonanz auf Aktionärsseite ist grundsätzlich positiv auf all die Innovationen. Dabei sind es nicht nur Privatanleger, die den Service nutzen. Auch institutionelle Investoren sparen sich häufig die direkte Anreise. „Natürlich ist das Thema Online-HV auch für uns interessant. Schließlich können wir nicht überall vor Ort sein“, sagt Rolf Drees von der Fondsgesellschaft Union Investment. Ähnlich äußert man sich bei der Dekabank. „Wichtig ist, dass wir die Interessen unserer Anleger wahrnehmen können. Das Wie ist letztlich zweitrangig“, sagt Holger Ullrich.
Dennoch ziehen es die meisten Großanleger weiterhin vor, direkt vor Ort zu sein. Ein Nebenaspekt dafür ist sicherlich, dass eine Hauptversammlung für institutionelle Anleger auch eine Plattform darstellt, wo sie sich einer großen Öffentlichkeit präsentieren können. Werbung in eigener Sache ist also ein willkommener Nebeneffekt.
Vom neuen Online-Service profitieren vor allem Privatanleger, denen die direkte Präsenz auf einer HV zu aufwendig ist. Bei ihnen stößt die aktuelle Entwicklung auf positive Resonanz, wenn auch mit gewissem Vorbehalt: „Die HV-Teilnahme über das Internet ist und bleibt eine Second-Best-Lösung“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Er kritisiert, dass durch den fehlenden direkten Kontakt zwischen Management und Aktionär kein Platz mehr für Nachfragen oder Dialog bleibt. „Die Fragen müssen meist vorher eingereicht werden und werden anschließend wie eine Verlautbarung beantwortet“, sagt Kurz.
Einen Vorteil versprechen sich jedoch Unternehmen wie Investoren von der Online-HV: Die Zahl der Präsenzen auf Hauptversammlungen könnte langfristig wieder steigen. Im vergangenen Jahr hat die DSW bei allen Dax-Unternehmen eine Präsenzquote von gerade noch 47,3 Prozent errechnet. Bislang konnte allerdings trotz des gesteigerten Einsatzes von Technik der Trend zu Jahr für Jahr sinkenden Präsenzen nicht gestoppt werden.
Ohnehin dürfte das Thema Online-HV auch in Zukunft nur für die großen Konzerne interessant sein. Bei kleinen und mittleren Werten stünde der finanzielle Aufwand, den sie dafür in Kauf nehmen müssten, in keinem Verhältnis zum Nutzen, glauben Experten. Deswegen ist auch die vor Jahren aufgekommene Idee, dass Hauptversammlungen irgendwann komplett über das Internet abgehalten werden, schon wieder Geschichte. „Das Internet ist bestenfalls ein Ersatzvehikel, das die reale Hauptversammlung wohl nie ersetzen kann“ sagt Holger Ullrich.
Die Online-HV
Vorstandsrede: Alle Dax-Unternehmen mit Ausnahme von Continental übertragen in diesem Jahr die Rede des Vorstandsvorsitzenden live auf ihrer Web-Site.
E-Mail-Einladung: Zur Hauptversammlung verschicken bereits die Allianz, Daimler Chrysler, die Deutsche Telekom, Infineon, Lufthansa, Münchener Rück und Siemens Einladung und Unterlagen per E-Mail. Weitere Unternehmen werden im kommenden Jahr folgen.
Weisungserteilung: Fast alle Dax-Unternehmen gewähren ihren Aktionären die Möglichkeit, vor oder teilweise sogar noch während der Hauptversammlung Weisungen zu erteilen. Ausnahmen sind BMW, Fresenius Medical Care, Schering, Tui und VW.
Quelle: HANDELSBLATT, Donnerstag, 21. April 2005, 07:00 Uhr
...be invested
Der Einsame Samariter
Anleger sind vermehrt online präsent
Anleger, die auf der heutigen Hauptversammlung (HV) von Volkswagen nicht in Hamburg vor Ort sein wollen, können die Rede von Vorstandschef Bernd Pischetsrieder ab 10 Uhr auch über das »Internet verfolgen. VW ist dabei nur ein Beispiel für nahezu alle deutschen Großkonzerne, die ihren Aktionären inzwischen die Teilnahme über das Worldwideweb ermöglichen.
FRANKFURT/M. Die Tendenz unter den 30 Dax-Unternehmen zeigt, dass der Service zu Gunsten der Aktionäre in diesem Jahr gegenüber der HV-Saison 2004 noch einmal ausgebaut wurde.
Der Volkswagen-Konzern ist nach Thyssen Krupp, Siemens und Daimler Chrysler das vierte Dax-Unternehmen, das in diesem Jahr zur Hauptversammlung lädt. Den Abschluss der diesjährigen HV-Saison bildet Linde. Der Industrie-Konzern hat als letztes Dax-Unternehmen seine Aktionäre am 8. Juni nach München geladen.
Die Möglichkeiten, innerhalb derer die Anleger das Internet zur HV-Teilnahme nutzen können, gehen jedoch weit auseinander. Von der Einladung per E-Mail über die visuelle Teilnahme bis hin zu einem Internet-gestützten Vollmachts- und Weisungssystem, das beispielsweise der Automobilzulieferer Continental seinen Aktionäre anbietet, reicht ds Spektrum.
Die Resonanz auf Aktionärsseite ist grundsätzlich positiv auf all die Innovationen. Dabei sind es nicht nur Privatanleger, die den Service nutzen. Auch institutionelle Investoren sparen sich häufig die direkte Anreise. „Natürlich ist das Thema Online-HV auch für uns interessant. Schließlich können wir nicht überall vor Ort sein“, sagt Rolf Drees von der Fondsgesellschaft Union Investment. Ähnlich äußert man sich bei der Dekabank. „Wichtig ist, dass wir die Interessen unserer Anleger wahrnehmen können. Das Wie ist letztlich zweitrangig“, sagt Holger Ullrich.
Dennoch ziehen es die meisten Großanleger weiterhin vor, direkt vor Ort zu sein. Ein Nebenaspekt dafür ist sicherlich, dass eine Hauptversammlung für institutionelle Anleger auch eine Plattform darstellt, wo sie sich einer großen Öffentlichkeit präsentieren können. Werbung in eigener Sache ist also ein willkommener Nebeneffekt.
Vom neuen Online-Service profitieren vor allem Privatanleger, denen die direkte Präsenz auf einer HV zu aufwendig ist. Bei ihnen stößt die aktuelle Entwicklung auf positive Resonanz, wenn auch mit gewissem Vorbehalt: „Die HV-Teilnahme über das Internet ist und bleibt eine Second-Best-Lösung“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Er kritisiert, dass durch den fehlenden direkten Kontakt zwischen Management und Aktionär kein Platz mehr für Nachfragen oder Dialog bleibt. „Die Fragen müssen meist vorher eingereicht werden und werden anschließend wie eine Verlautbarung beantwortet“, sagt Kurz.
Einen Vorteil versprechen sich jedoch Unternehmen wie Investoren von der Online-HV: Die Zahl der Präsenzen auf Hauptversammlungen könnte langfristig wieder steigen. Im vergangenen Jahr hat die DSW bei allen Dax-Unternehmen eine Präsenzquote von gerade noch 47,3 Prozent errechnet. Bislang konnte allerdings trotz des gesteigerten Einsatzes von Technik der Trend zu Jahr für Jahr sinkenden Präsenzen nicht gestoppt werden.
Ohnehin dürfte das Thema Online-HV auch in Zukunft nur für die großen Konzerne interessant sein. Bei kleinen und mittleren Werten stünde der finanzielle Aufwand, den sie dafür in Kauf nehmen müssten, in keinem Verhältnis zum Nutzen, glauben Experten. Deswegen ist auch die vor Jahren aufgekommene Idee, dass Hauptversammlungen irgendwann komplett über das Internet abgehalten werden, schon wieder Geschichte. „Das Internet ist bestenfalls ein Ersatzvehikel, das die reale Hauptversammlung wohl nie ersetzen kann“ sagt Holger Ullrich.
Die Online-HV
Vorstandsrede: Alle Dax-Unternehmen mit Ausnahme von Continental übertragen in diesem Jahr die Rede des Vorstandsvorsitzenden live auf ihrer Web-Site.
E-Mail-Einladung: Zur Hauptversammlung verschicken bereits die Allianz, Daimler Chrysler, die Deutsche Telekom, Infineon, Lufthansa, Münchener Rück und Siemens Einladung und Unterlagen per E-Mail. Weitere Unternehmen werden im kommenden Jahr folgen.
Weisungserteilung: Fast alle Dax-Unternehmen gewähren ihren Aktionären die Möglichkeit, vor oder teilweise sogar noch während der Hauptversammlung Weisungen zu erteilen. Ausnahmen sind BMW, Fresenius Medical Care, Schering, Tui und VW.
Quelle: HANDELSBLATT, Donnerstag, 21. April 2005, 07:00 Uhr
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Der Einsame Samariter