Anlagenbauer Babcock Borsig steht vor dem Aus


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Anlagenbauer Babcock Borsig steht vor dem Aus

 
03.07.02 00:33

Anlagenbauer Babcock Borsig steht vor dem Aus

Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Clement, hat Gläubigerbanken, Anteilseigner und den Vorstand von Babcock Borsig aufgefordert, am Mittwochvormittag zu einem Krisengipfel in Düsseldorf zusammenzukommen. Damit unternimmt Clement einen letzten Rettungsversuch.

Er ist allerdings selbst nicht optimistisch, dass der schwer angeschlagene Anlagenbauer die Insolvenz noch vermeiden kann. "Die Situation ist katastrophal. Es ist eine Sekunde vor zwölf", sagte Clement am Rande einer Demonstration von 1500 Babcock-Beschäftigten vor dem Düsseldorfer Landtag.

Falls bei dem Gespräch keine Einigung zustande kommt, wird das Unternehmen noch am selben Tag die Insolvenz beantragen. Andernfalls würde sich der Vorstand dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung aussetzen. Der Betriebsrat hatte einer Verschiebung der Gehaltsauszahlungen um eine Woche zugestimmt. Diese Frist läuft am Mittwoch aus. Es muss indes nicht unbedingt sofort Geld fließen. "Wir brauchen nur rechtsverbindliche Zusicherungen", sagte Babcock-Sprecher Hans-Joachim Wieckmann. "Wir reden von 700 Mio. Euro Sanierungsbedarf", stellte Clement klar. Davon müssten 200 Mio. Euro sofort fließen.


Am Dienstagabend schienen die Gegensätze unüberbrückbar. Die Großaktionäre WestLB (8,5 Prozent) und TUI (8,9 Prozent) sowie die Belegschaftsvertreter im Aufsichtsrat befürworten eine Sanierung nach dem Konzept der Unternehmensberatung Roland Berger. Danach soll sich Babcock voll auf die Energietechnik mit den Sparten Service, Kraftwerksbau und Abhitzekessel konzentrieren. Das Konzept läuft auf einen halbierten Jahresumsatz von rund 2,5 Mrd. Euro hinaus. Babcock-Aufsichtsratsmitglied Hannelore Elze sprach gegenüber der FTD von einem "Überwinterungskonzept": Beim einem absehbaren Anspringen der internationalen Auftragslage für Kohlekraftwerke wäre für Babcock ein Durchstarten möglich, sagte die IG-Metall-Sekretärin.



Verkauf der Energietechnik

Vor allem die größten Gläubigerbanken treten jedoch für eine Zerschlagung von Babcock ein. Die mit Abstand größten Gläubiger sind nach FTD-Informationen die Commerzbank und die Dresdner Bank. Kern ist nach diesem Plan der Verkauf der US-Energietechnik, der 1 Mrd. Euro erlösen könnte. Dafür soll sich der US-Investor One Equity Partners interessieren.


Ferner solle der Kraftwerksbauer Babcock Borsig Power an die französische Alstom verkauft werden, die Müllverbrennung an den Schweizer Konzern von Roll, hieß es am Dienstag. Dieses Vorgehen bedeutet in jedem Fall eine Zerlegung der Kernsparte Energie.


Die wichtigsten privaten Gläubigerbanken, zu denen auch Deutsche Bank, HypoVereinsbank und BHF gehören, drängen auf einen weit überproportionalen Anteil der WestLB. "Hier wird gezielt versucht, den politischen Druck zu erhöhen", hieß es in verhandlungsnahen Kreisen. Babcock beschäftigt 8600 Mitarbeiter in Nordrhein-Westfalen.



Wyser-Pratte lehnt ab

Als einzige Großaktionäre haben sich WestLB und TUI zu einer nach dem Berger-Konzept erforderlichen Kapitalerhöhung bereit erklärt. Sie soll 150 Mio. Euro einbringen. Die Deutsche Bank und der US-Investor Guy Wyser-Pratte, die je rund neun Prozent halten, waren dazu nicht bereit.


Die Waren-Kreditversicherer stellen sich zudem weiter quer. Sie sollen 140 Mio. Euro stunden, um die Belieferung sicher zu stellen. "Die Kreditversicherer bewegen sich bisher nicht", sagte Elze.


Die IG Metall forderte, NRW müsse Babcock "mit Bürgschaftshilfen" unter die Arme greifen. Clement vermied bei der Kundgebung Zusagen. Das Land habe bereits eine Bürgschaft von 35 Mio. Euro "im Unternehmen platziert", sagte er. Dabei handelt es sich um eine Zusage aus einer Rettungsaktion von 1996. Erleichterung brachte dem Unternehmen ein Beschluss des Landgerichts Köln. Danach muss die Babcock-Tochter Steinmüller höchstens 25 Mio. Euro im Zusammenhang mit der Schmiergeld-Affäre um die Kölner Müllverbrennung zahlen. Bisher war die Rede von 143 Mio. Euro.



"Verbrannte Erde"

Babcock-Betriebsrat Hans Sauer griff Ex-Vorstandschef Klaus Lederer scharf an: "Professor Lederer hinterlässt verbrannte Erde." Der Verkauf von Anteilen der HDW-Werft sei "ein Schurkenstück". In New York legte US-Investor Wyser-Pratte am Dienstag seine Klage gegen Lederer vor.
ftd.
 
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positiver:

lasst den Kram Zusammenbrechen. Besser so als weit

 
03.07.02 00:37
er Steuergelder verbrennen. Es lohnt nicht.
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Arbeiter:

Babcock Borsig

 
03.07.02 14:17
Bei der Babcock Borsig (WKN 663834, MDAX) ist nun das große Zittern angelaufen, da nun heute Mittwoch die letzte Frist zur Einigung mit den Gläubigerbanken für das Unternehmen abläuft. Sollten alle Bemühungen keine zählbaren Ergebnisse bringen, droht dem Anlagenbauer die Insolvenz, wobei man sich anderenfalls einem Schuldenberg gegenüber sieht.
 
Wichtig wäre für das Unternehmen kurzfristig 200 Mio. Euro aufzutreiben, mit denen Rechnungen beglichen sowie die ausstehenden Gehälter von Juni ausbezahlt werden könnten. Am Dienstag hat Wolfgang Clement den rund 1.500 Mitarbeitern die Unterstützung der nordrhein-westfälischen Landesregierung zugesichert, wobei das Land bereits 35 Mio. Euro bereitgestellt hätte. Des weiteren meinte Clement, dass zusätzliche Maßnahmen davon abhingen, ob sich die Banken auf einen Sanierungsplan einigen würden. Darüber hinaus machte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident dem Management von Babcock Borsig schwere Vorwürfe, schwerste Fehler begangen zu haben.
 
Branchenkenner halten einen Plan der Banken zur Sanierung als eher unwahrscheinlich. Nun versucht der Konzern neben dem Lohnverzicht durch den Verkauf von Unternehmensteilen und Entlassungen liquide Mittel aufzutreiben, wobei aber vorerst nur ein Schritt getan wäre. Zusätzlich muss sich das Unternehmen mit einem gewaltigen Schuldenberg auseinandersetzen.
 
Seit Dienstagabend klammert man sich an einen Strohhalm in Form des Verkaufs des US-Geschäfts, dessen Geschicke in der Babcock Borsig Capital Holding zusammengefasst sind. Eine weiter mögliche Option zum Abbau des Schuldenbergs ist der Verkauf der restlichen 25 Prozent zusätzlich einer Aktie an der Howaldt-Werft (HDW). Hierzu äußert jedoch die Bundesregierung ihre Bedenken. Ein weiterer Belastungsfaktor, ein Votum der Babcock-Aktionäre im August gegen den Verkauf der HDW, scheint seit Dienstag beseitigt zu sein: Babcock muss seine Aktionäre laut Gerichtsbeschluss nicht mehr um Erlaubnis fragen.
 
Die Babcock-Aktien notierten zuletzt mit einem Plus von 25 Prozent bei 1,25 Euro.
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