Andersen: Erst Konkurs, dann Verkauf?


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Brummer:

Andersen: Erst Konkurs, dann Verkauf?

 
11.03.02 15:00
Der Enron-Skandal führt möglicherweise zu einer Zusammenschluss der Rechnungsprüfer von Arthur Andersen mit der Konkurrenz von Deloitte Touche Tohmatsu. Nach einem Bericht der Online-Ausgabe der „New York Times“ verhandeln beide bereits über einen Verkauf. Eine Vereinbarung könnte schon in dieser Woche angekündigt werden. Die Firmen selbst nahmen keine Stellung.

Entscheidendes Problem soll die Frage sein, wie Deloitte vor möglichen Enron-Belastungen von Andersen verschont werden kann.

Andersen ist die die Nummer Fünf und Deloitte die Nummer Zwei ihrer Branche. Die Verhandlungen hätten in der vergangenen Woche begonnen, als Andersen von einer möglichen Anklage wegen Justizbehinderung erfahren habe, berichtet die Zeitung.

Die Konditionen einer potenziellen Vereinbarung seien aber noch offen. Es sei auch noch keine Entscheidung gefallen, ob Andersen ganz oder stückweise verkauft werden solle. Die Verhandlungen konzentrieren sich dem Bericht zufolge auf die komplexe Frage, wie Deloitte rechtliche und finanzielle Verpflichtungen vermeiden könne, die Andersen für seine Rolle im Enron-Debakel drohen. Deloitte sei an einem Andersen-Kauf interessiert, ohne aber die Probleme mit zu übernehmen.

Eine Lösung wäre nach Angaben der „New York Times“ ein Verkauf von Vermögenswerten statt einer Fusion oder einer Übernahme. Deloitte könnte auch alles mit Ausnahme der amerikanischen Operationen übernehmen. Diese Sparte könnte temporär alleine stehen, während über eine Lösung der Enron-Probleme verhandelt werde.

Andersen drohen im Zusammenhang mit seiner Rechnungsprüfungstätigkeit bei Enron riesige Forderungen. Es laufen Gerichtsklagen. Anderson-Anwälte würden in den kommenden Tagen mit dem US-Justizministerium verhandeln, um Vorwürfe einer kriminellen Justizbehinderung im Zusammenhang mit der Zerstörung von Enron- Dokumenten zu verhindern. Eine Anklage gegen die 88jährige Firma könnte ein tödlicher Schlag sein, schrieb das „Wall Street Journal“.

Andersen-Berater hätten konkurrierenden Firmen der „Großen Fünf“ angesprochen, darunter Deloitte, erklärte die Zeitung. Ein Verkauf oder eine Fusion hänge davon ab, wie die Firma ihre Enron-Verpflichtungen von einem Fusionspartner abschirmen könne. Ein Weg, der von Andersen-Beratern untersucht werde, sei ein möglicher Konkursantrag im Rahmen des Kapitel Elf des US-Konkursrechtes.

Quelle: wiwo.de / dpa
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Brummer:

Andersen droht Klage wegen Justizbehinderung

 
11.03.02 17:18
Der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen droht nach der spektakulären Enron-Pleite eine Klage wegen Justizbehinderung.

Die Bundesstaatsanwaltschaft habe die umfangreiche Anklageschrift bereits vorbereitet und könne sie bereits in der kommenden Woche veröffentlichen, berichtete die „New York Times“. Dies könne die Zukunft des Unternehmens aufs Spiel setzen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf nicht näher bezeichnete „Insider“.

Andersen war für die Prüfung der Buchführung bei dem Energiehandelsunternehmen Enron verantwortlich, das im Dezember Konkurs beantragte und die größte Pleite der US-Wirtschaftsgeschichte verursachte. Der einst siebtgrößte US-Konzern hatte Schulden in dreistelliger Millionenhöhe in dubiosen Partnerschaften versteckt. Andersen hatte diese Konstruktionen offenbar gebilligt. Nach dem Zusammenbruch von Enron räumte Andersen ein, Tausende von Dokumenten und Aktennotizen zerstört zu haben. Der zuständige Mitarbeiter wurde entlassen.

Die Anklage bezieht sich nach Angaben der Zeitung auf diese Aktenvernichtung. Eine Anklage könnte den Ruf der Firma nach Meinung der Zeitung schwer schädigen. Einige Großkunden Andersens haben bereits angekündigt, dass sie neue Wirtschaftsprüfer suchen.

Quelle: wiwo.de / dpa


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Schnorrer:

Keiner, der ernsthaft sein Geschäft betreibt und

 
11.03.02 17:32
auf eine planbare Jahresabschlußprüfung mit rechtzeitig zu erhaltenden Berichten für die Banken angewiesen ist, kann Andersen noch bestellen. Das Risiko wäre zu groß. Was hier unten steht, wird eine sich selbst verstärkende Spirale, das Ende von Andersen ist schon Fakt:



Viele Geschäftskunden wenden sich von Andersen ab. Der Skandal um Enron gefährdet die Existenz des Wirtschaftsprüfers. Ford und Delta Airlines haben gekündigt.

Nach dem Skandal um manipulierte Bilanzen bei dem US-Energiehändler Enron wenden sich immer mehr Kunden von dem Wirtschaftsprüfer Andersen ab. Der Autohersteller Ford ließ Andersen bereits vergangene Woche fallen, wie die «Financial Times» (FT) am Donnerstag berichtete. Als unabhängigen Prüfer in einem Streitfall mit seinem ehemaligen Zulieferer Visteon zieht Ford nun Ernst&Young heran. Freddie Mac, eine führende US-Hypothekenagentur, berief Andersen nach 32-jähriger Zusammenarbeit nicht mehr zum Prüfer. Der Auftrag soll an PwC gehen.
Am Donnerstagabend dann eine neue Hiobsbotschaft. Auch die US-Fluggesellschaft Delta Airlines kehrt Andersen den Rücken. Der Prüfauftrag für das Jahr 2002 geht laut «FT» an Deloitte & Touche.




Das Ansehen von Andersen leidet unter dem Enron-Skandal, da die Prüfgesellschaft Jahre lang die manipulierten Bilanzen testiert hat. Andersen kämpft nun verstärkt um seine Kunden. Für die US-Firmen beginnt gerade die Saison der Jahreshauptversammlungen, in denen auch die Prüfer berufen werden.

Einer Erhebung zufolge hat Anderson als Wirtschaftsprüfer seit dem Zusammenbruch Enrons Anfang Dezember 33 seiner schätzungsweise rund 2500 Kunden verloren. Die Kündigungen der vergangenen Tage sind in der Statistik noch nicht enthalten.

Erst am Freitag vergangener Woche hatte der Pharmakonzern Merck Andersen gekündigt. Auch Texaco beruft Andersen nach seiner Fusion mit Chevron nicht mehr. Damit hat der Wirtschaftsprüfer bereits vier seiner fünf größten Kunden in den USA verloren. Nur noch der Stromversorger UtiliCorp bleibt. (nz)
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