Analysten feiern Ryanair
Für das Essen muss man zwar bezahlen und die Flugzeuge kommen auch nicht immer pünktlich, aber dafür sind die Tickets eben billig. Die irische Billiglinie Ryanair hat mit ihren Ergebnissen für das abgelaufene Geschäftsjahr bewiesen, dass ihre Strategie aufgeht. Auch in einem zunehmend konsolidierten Markt.
Die Analysten waren durch die Bank überrascht, wie gut die Zahlen tatsächlich ausgefallen sind. Das gute Ergebnis wurde einmal durch kräftige Umsatzsteigerungen, zum anderen durch Kosteneinsparungen erlangt. Was der ausschlaggebende Faktor war, darüber gehen die Meinungen der Analysten auseinander. Unter dem Strich aber bleibt es eine ausgezeichnete Performance.
Der Gewinn stieg bei den Iren um 44 Prozent auf 150 Millionen Euro, während der Umsatz um 28 Prozent auf 624 Millionen gesteigert werden konnte. Hauptantrieb waren durchschnittliche Flugpreise, die im letzten Geschäftsjahr um rund neun Prozent sanken. Im vergangenen Quartal stieg der Umsatz um 36 Prozent auf 145 Millionen Euro. Die operativen Margen für das Gesamtjahr lagen um 26 Prozent höher, im Vergleich zu 23,4 Prozent im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie schließlich konnte um 39 Prozent auf 21,6 Cents verbessert werden.
In den nächsten zwei Jahren will die Linie zwischen 30 und 35 Prozent mehr Flüge anbieten. Analysten hatte mit durchschnittlich 25 Prozent mehr gerechnet. Dabei soll vor allem der Zielflughafen Frankfurt Hahn helfen, den nach Prognosen über die nächsten 12 Monate ca. zwei Millionen Passagiere anfliegen. Zuvor war das Unternehmen von 1,5 Millionen ausgegangen.

Und die Aussichten für weiteres Wachstum sind nach Ansicht der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) verlockend. Pläne für die nächsten Jahre beinhalten neue Anflugziele in Deutschland, Rom, Paris und möglicherweise in Skandinavien. In Dublin steht ein Deal mit Aer Rianta über einen neuen "Billigterminal" in Aussicht. Die Analysten sind zuversichtlich, dass das erhöhte Passagieraufkommen auch in einen höheren Nettogewinn umgesetzt werden kann, selbst bei einem erwarteten Rückgang der Ticketpreise um drei bis vier Prozent. Grund für die Annahme sind steigende Umsätze aus anderen Quellen, weiterhin sinkende Kosten, eine bessere Auslastung des Flugnetzes und eine Senkung der Unternehmenssteuer von 12,5 auf 10 Prozent.
SSSB erhöht daher seine Gewinnschätzungen je Aktie für das nächste Geschäftsjahr von 22,7 Euro Cents auf 25,2. Das neue Kursziel der Analysten liegt bei acht Euro (zuvor: 6,80). Nach Ausgabe der Ergebnisse hat die Bank ihr Rating für den Billigflieger von "Neutral" auf "Outperform" angehoben.
Mit "Übergewichten" empfiehlt Morgan Stanley die Aktie, bei einem Kursziel von 7,80 Euro. Selbst in Zeiten, in denen die Flugbranche in Schwierigkeiten stecke, habe Ryanair bewiesen, dass es Europas gewinnbringendste Billiglinie sei, so die Analysten. Die kurzfristigen Gewinnaussichten des Unternehmens blieben aufgrund der fortschreitenden Expansion und strikten Kosteneinsparungen gut.
Doch auch bei den Billiganbietern geht es um die Wurst. Allenthalben konsolidiert man. Branchenprimus EasyJet will nun für 257 Millionen Pfund die billige British Airways-Tochter Go übernehmen und hat auch schon die deutsche DBA im Auge. Morgan Stanley geht aber davon aus, dass diese Akquisitionen sich nur wenig auf die Stellung von Ryanair in der Branche auswirken werden, da die Konzepte der beiden Unternehmen zu verschieden sind. Während Ryanair sich strickt an Urlauber hält und seine Expansion genau auf diese Zielgruppe abstimmt, will EasyJet nun auch Geschäftskunden anziehen und größere Flughäfen anfliegen, was natürlich die Kosten in die Höhe treibt.

Erstaunlich sind bei Ryanair auch die operativen Margen von 26 Prozent. Bei Easyjet liegen diese bei 11,7 Prozent, bei Go waren es 8,8 Prozent. Und globale Anbieter sind mit drei bis vier Prozent ganz abgeschlagen. Auf längere Sicht sind so hohe Margen natürlich nicht aufrechtzuerhalten, doch kann davon ausgegangen werden, dass sie sich um die 20-Prozent-Marke stabilisieren. Ryanair hält jedenfalls an seinem Billigkonzept fest. Mehr als 90 Prozent der Tickets werden über die Website verkauft, was im letzten Geschäftsjahr zu Einsparungen von 42 Prozent geführt hat. Und Morgan Stanley hält weitere Kostensenkungen für durchaus möglich.
Auf die niedrigen Kosten konzentrieren sich auch Credit Suisse First Boston und UBS Warburg bei ihrer Analyse der Ergebnisse. Credit Suisse hebt hervor, dass es Ryanair gelungen ist, bessere Konditionen bei den angeflogenen Flughäfen auszuhandeln sowie die Wartungskosten zu senken. Außerdem ist die Linie attraktiver für Piloten geworden. Und bei UBS heißt es, dass "nicht der Umsatz dieses Ergebnis ausmacht, sondern die Kosten, auf die sich das ganze Interesse konzentriert".
Das ist nicht die Ansicht der Deutschen Bank, die ihre Umsatzschätzungen durch die vorgelegten Zahlen deutlich übertroffen sah. Dies, verbunden mit den positiven Wachstumsaussichten, hat die Analysten dazu veranlasst, ihr Kursziel auf 7,30 anzuheben und die Kaufempfehlung beizubehalten. Auch Dresdner Kleinwort Wasserstein bleibt beim Rating "Aufstocken". Hier konzentrieren sich die Analysten ebenfalls auf die Umsatzsteigerung, die "komplett verantwortlich" dafür war, dass ihre Erwartungen für das Gesamtjahr übertroffen wurden. Das Geschäftsmodell funktioniere weiterhin gut und von EasyJet komme keine wesentlich Konkurrenz, da der europäische Markt mittelfristig groß genug für beide Anbieter sei. Das Kursziel von Dresdner liegt bei sieben Euro.
Schöne Aussichten also für Anleger und Passagiere. Ryanair hält seinen Kurs konsequent ein. Keine Selbstverständlichkeit in diesen unsicheren Zeiten, in denen Unternehmen ständig mit Strategiewechseln aufwarten. Ob die Passagiere aber - wenn’s denn mal wieder bergauf geht - auch noch fürs Essen bezahlen wollen, werden wir beim nächsten Check In erleben.
Multexinvestor
Für das Essen muss man zwar bezahlen und die Flugzeuge kommen auch nicht immer pünktlich, aber dafür sind die Tickets eben billig. Die irische Billiglinie Ryanair hat mit ihren Ergebnissen für das abgelaufene Geschäftsjahr bewiesen, dass ihre Strategie aufgeht. Auch in einem zunehmend konsolidierten Markt.
Die Analysten waren durch die Bank überrascht, wie gut die Zahlen tatsächlich ausgefallen sind. Das gute Ergebnis wurde einmal durch kräftige Umsatzsteigerungen, zum anderen durch Kosteneinsparungen erlangt. Was der ausschlaggebende Faktor war, darüber gehen die Meinungen der Analysten auseinander. Unter dem Strich aber bleibt es eine ausgezeichnete Performance.
Ein paar Zahlen...
Der Gewinn stieg bei den Iren um 44 Prozent auf 150 Millionen Euro, während der Umsatz um 28 Prozent auf 624 Millionen gesteigert werden konnte. Hauptantrieb waren durchschnittliche Flugpreise, die im letzten Geschäftsjahr um rund neun Prozent sanken. Im vergangenen Quartal stieg der Umsatz um 36 Prozent auf 145 Millionen Euro. Die operativen Margen für das Gesamtjahr lagen um 26 Prozent höher, im Vergleich zu 23,4 Prozent im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie schließlich konnte um 39 Prozent auf 21,6 Cents verbessert werden.
In den nächsten zwei Jahren will die Linie zwischen 30 und 35 Prozent mehr Flüge anbieten. Analysten hatte mit durchschnittlich 25 Prozent mehr gerechnet. Dabei soll vor allem der Zielflughafen Frankfurt Hahn helfen, den nach Prognosen über die nächsten 12 Monate ca. zwei Millionen Passagiere anfliegen. Zuvor war das Unternehmen von 1,5 Millionen ausgegangen.
Anstieg der Passagierzahlen 2002 bis 2010

Quelle: Datastream, Morgan Stanley
Vor allem Wachstum
Und die Aussichten für weiteres Wachstum sind nach Ansicht der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) verlockend. Pläne für die nächsten Jahre beinhalten neue Anflugziele in Deutschland, Rom, Paris und möglicherweise in Skandinavien. In Dublin steht ein Deal mit Aer Rianta über einen neuen "Billigterminal" in Aussicht. Die Analysten sind zuversichtlich, dass das erhöhte Passagieraufkommen auch in einen höheren Nettogewinn umgesetzt werden kann, selbst bei einem erwarteten Rückgang der Ticketpreise um drei bis vier Prozent. Grund für die Annahme sind steigende Umsätze aus anderen Quellen, weiterhin sinkende Kosten, eine bessere Auslastung des Flugnetzes und eine Senkung der Unternehmenssteuer von 12,5 auf 10 Prozent.
SSSB erhöht daher seine Gewinnschätzungen je Aktie für das nächste Geschäftsjahr von 22,7 Euro Cents auf 25,2. Das neue Kursziel der Analysten liegt bei acht Euro (zuvor: 6,80). Nach Ausgabe der Ergebnisse hat die Bank ihr Rating für den Billigflieger von "Neutral" auf "Outperform" angehoben.
Konsequente Strategie bewährt sich
Mit "Übergewichten" empfiehlt Morgan Stanley die Aktie, bei einem Kursziel von 7,80 Euro. Selbst in Zeiten, in denen die Flugbranche in Schwierigkeiten stecke, habe Ryanair bewiesen, dass es Europas gewinnbringendste Billiglinie sei, so die Analysten. Die kurzfristigen Gewinnaussichten des Unternehmens blieben aufgrund der fortschreitenden Expansion und strikten Kosteneinsparungen gut.
Doch auch bei den Billiganbietern geht es um die Wurst. Allenthalben konsolidiert man. Branchenprimus EasyJet will nun für 257 Millionen Pfund die billige British Airways-Tochter Go übernehmen und hat auch schon die deutsche DBA im Auge. Morgan Stanley geht aber davon aus, dass diese Akquisitionen sich nur wenig auf die Stellung von Ryanair in der Branche auswirken werden, da die Konzepte der beiden Unternehmen zu verschieden sind. Während Ryanair sich strickt an Urlauber hält und seine Expansion genau auf diese Zielgruppe abstimmt, will EasyJet nun auch Geschäftskunden anziehen und größere Flughäfen anfliegen, was natürlich die Kosten in die Höhe treibt.
Ryanair oder Easyjet?

Quelle: Firmenangaben
Erstaunlich sind bei Ryanair auch die operativen Margen von 26 Prozent. Bei Easyjet liegen diese bei 11,7 Prozent, bei Go waren es 8,8 Prozent. Und globale Anbieter sind mit drei bis vier Prozent ganz abgeschlagen. Auf längere Sicht sind so hohe Margen natürlich nicht aufrechtzuerhalten, doch kann davon ausgegangen werden, dass sie sich um die 20-Prozent-Marke stabilisieren. Ryanair hält jedenfalls an seinem Billigkonzept fest. Mehr als 90 Prozent der Tickets werden über die Website verkauft, was im letzten Geschäftsjahr zu Einsparungen von 42 Prozent geführt hat. Und Morgan Stanley hält weitere Kostensenkungen für durchaus möglich.
Bessere Empfehlungen, angehobene Kursziele
Auf die niedrigen Kosten konzentrieren sich auch Credit Suisse First Boston und UBS Warburg bei ihrer Analyse der Ergebnisse. Credit Suisse hebt hervor, dass es Ryanair gelungen ist, bessere Konditionen bei den angeflogenen Flughäfen auszuhandeln sowie die Wartungskosten zu senken. Außerdem ist die Linie attraktiver für Piloten geworden. Und bei UBS heißt es, dass "nicht der Umsatz dieses Ergebnis ausmacht, sondern die Kosten, auf die sich das ganze Interesse konzentriert".
Das ist nicht die Ansicht der Deutschen Bank, die ihre Umsatzschätzungen durch die vorgelegten Zahlen deutlich übertroffen sah. Dies, verbunden mit den positiven Wachstumsaussichten, hat die Analysten dazu veranlasst, ihr Kursziel auf 7,30 anzuheben und die Kaufempfehlung beizubehalten. Auch Dresdner Kleinwort Wasserstein bleibt beim Rating "Aufstocken". Hier konzentrieren sich die Analysten ebenfalls auf die Umsatzsteigerung, die "komplett verantwortlich" dafür war, dass ihre Erwartungen für das Gesamtjahr übertroffen wurden. Das Geschäftsmodell funktioniere weiterhin gut und von EasyJet komme keine wesentlich Konkurrenz, da der europäische Markt mittelfristig groß genug für beide Anbieter sei. Das Kursziel von Dresdner liegt bei sieben Euro.
Schöne Aussichten also für Anleger und Passagiere. Ryanair hält seinen Kurs konsequent ein. Keine Selbstverständlichkeit in diesen unsicheren Zeiten, in denen Unternehmen ständig mit Strategiewechseln aufwarten. Ob die Passagiere aber - wenn’s denn mal wieder bergauf geht - auch noch fürs Essen bezahlen wollen, werden wir beim nächsten Check In erleben.